Auf ein Wort

Photovoltaikanlagen mit Speicher für den Eigenbedarf

Ich nehme es vorweg: Wir stehen in Deutschland kurz vor der Bundestagswahl.In letzter Minute verkünden die Repräsentanten der im Bundestag vertretenen Parteien ihre Absichtserklärungen und gehen auf Stimmenfang. Dabei hatte der aufmerksame Wahlberechtigte in den letzten Jahren ausreichend Gelegenheit, die verschiedenen Fraktionen zu beobachten und speziell die an der Regierung Beteiligten nach ihrem tatsächlichen Handeln zu bewerten. Fühlen Sie sich vertreten?

Neben den alltäglichen Themen wie Flüchtlingsaufnahme, gerechte Verteilung des Bruttosozialproduktes oder Schadensbegrenzung der „Dieselaffäre“ gehört ein wichtiges Thema in die Regierungsdebatte: Ausnutzung der natürlichen (erneuerbaren) Ressourcen für die Energiegewinnung. Scheinbar kennt sich kaum ein Politiker mit der Materie aus: Braunkohle oder Steinkohle als Energieträger sollen zugunsten erneuerbarer Energieressourcen ebenso eingedämmt bzw. abgeschafft werden wie die Energiegewinnung aus Atomkraft! Seit einigen Jahren ist die Energiegewinnung aus Sonnen- oder Windkraft forciert worden, ebenso jene aus Vergärungsanlagen, die vorwiegend mit Mais „gefüttert“ werden, was mit der „Monokultur des Maisanbaus“ einhergeht. Jenen Zeitgenossen, die sich noch vor 5 oder mehr Jahren riesige Solarplatten auf ihre Dächer montieren ließen und den gewonnenen Strom ins Energienetz des örtlichen Betreibers einspeisten, wurden 50 Cent und mehr pro eingespeiste Kilowattstunde vergütet und für lange Zeitspannen garantiert. Dafür mussten die Stromkunden entsprechend mehr bezahlen, um den Verlust der örtlichen Energie-und oder Netzbetreiber auszugleichen. Der Finanzverwaltung war es egal, ob es sich die Steuern von den großen Energiefirmen holt oder von den privaten Stromlieferern, denn der Staat kann nicht auf Steuereinnahmen verzichten.
Wer sich jetzt aktuell auf private Stromerzeugung einlässt, kann nur noch 11 Cent pro eingespeiste Kilowattstunde bekommen.

Der große Hammer kommt noch, was diesbezüglich die Steuerpolitik der deutschen Bundesregierung anbetrifft. Dazu wird in der Wahlpropaganda kein einziges Wort verloren. Es betrifft die Photovoltaikanlagen, die dazu geeignet sind, sowohl Strom ins Netz zu liefern als auch zum Eigenverbrauch zu erzeugen und einen Speicher für die Nachtstunden zu verwenden. Dies ist an sich eine gut durchdachte Ingenieursleistung und im Prinzip auch anwendbar. Der Unterzeichner steht auch jetzt zum Prinzip der Speicheranlagen mit Energie aus der Solartechnik. Allerdings gehört dazu der unabdingbare Wille, etwas Sinnvolles für die Zukunft der kommenden Generationen einzurichten, auch wenn die Besteuerung eines solchen Vorhabens einer Rendite im Wege steht. Krämerseelen, die „zukunftsträchtige Projekte“ lediglich unter dem Aspekt der Gewinnoptimierung in Angriff nehmen, seien gewarnt: das Bundesfinanzministerium unter Federführung des bekannten Finanzministers spielt hierbei nicht entsprechend mit:

Eine große Rolle jedoch spielen hierbei die Einkommen aus nicht selbständiger Arbeit der Eheleute (steuerliche Gesamtveranlagung) bzw. des Einzelnen, denn sämtliche Einnahmen aus dem Gewinn einer Photovoltaikanlage werden dem Einkommen hinzugerechnet. Nicht nur die ins Netz gelieferten Stromerträge werden in Ansatz gebracht, sondern auch die gewonnenen Energiemengen zum Eigenverbrauch! Die Mehrwertsteuer für die Beschaffung der Anlage wird zwar erstattet, aber im Folgejahr dem Gesamteinnkommen hinzugerechnet. Betreiber, denen aus Renten oder Pensionen eine Steuerbegünstung zuteil wird, können infolge der Mehreinnahmen in eine sich nachteilig auswirkende Steuerprogression rutschen. Bei der Erstattung der Mehrwertsteuer als Kleinunternehmer (das sind Sie, wenn Sie eine solche Anlage betreiben), behält das Finanzamz im gegebenen Fall 1/3 ein.

Um sich ein Bild davon zu machen, wie widersinnig sich dieser Ansatz des geltenden Steuergesetzes darstellt, ein Beispiel:

Der Betreiber entrichtet beim Kauf einer entsprechenden Photovoltaikanlage eine Mehrwertsteuer in Höhe von 2.400.-€ (Beispiel). Er bekommt die Mehrwertsteuer als Kleinunternehmer vom Finanzamt erstattet, also sein eigenes Geld, das er bezahlt hat. Von dieser Rückerstattung muss er dem Finanzamt im Zuge der Gesamtveranlagung der Einkommenssteuer ggfls. 1/3 zurückzahlen.

Zugegeben: etwas verwirrend. Im Grunde könnte sich der Umweg über Mehrwertsteuer und Mehrwertsteuerrückerstattung wie folgt darstellen:

Der Käufer bezahlt 15.000.-€ für die Anlage, und das Finanzamt erhebt dafür eine Gebühr in Höhe von 800.-€. Das ist die Logik der Finanzbehörde, nur errechnet sie sich anders.

Ein anderes Rechenbeispiel: Der Betreiber erwirtschaftet jährlich aus gelieferter Strommenge an den Netzbetreiber 200.-€ bei 11 Cent pro Kilowattstunde. Seine selbst verbrauchte Strommenge ist je nach Verbrauch in etwa gleich hoch. Dafür muss er auch Steuern bezahlen, aber nicht für 11 Cent pro Kilowattstunde, sondern 23 Pfennig, den Preis, den er beim Stromanbieter zahlt. Da aber auch noch Strom aus dem Netz bezogen wird, weil die Anlage bei schlechtem Wetter nicht genügend Energie für den Eigenbedarf liefert (z.B. in den Wintermonaten) oder die Batterien nicht voll aufgeladen werden können, bezieht der Betreiber selbst Strom aus dem Netz zu 23 Cent, also für mehr als das Doppelte dessen , was er für seinen eigenen produzierten Strom bekommt.

Auszug aus dem Antwortschreiben meiner Anfrage an das Bundesministerium der Finanzen  vom 21.4.2015 Az: IV C6-S 2240/10001  DOK 2015/0249636:

„Abschreibungsbeträger, die auf den privat genutzten Teil der Photovoltaikanlage entfallen, sind als Kosten der privaten Lebensführungen gemäß § 12 Nr.1 EStG nicht abzugsfähig und werden über die Entnahme nach § 6 Absatz1 Nr. 4 EStG korrigiert. Eine gesetzliche Änderung kommt nicht in Betracht, da die für den Haushalt des Steuerpflichtigen und für den Unterhalt seiner Familienangehörigen aufgewendeten Beträge weder bei den einzelnen Einkunftsarten noch vom Gesamtbetrag der Einkünfte abgezogen werden dürfen.“

Ich fordere das Bundesfinanzministerium über die politisch wirksame Regierung auf, dieses zukunftsweisende Modell der Solar -Speicheranlagen mit Eigennutzung auf ein besseres Steuermodell zu stellen, damit privaten Initiativen zur Abschaffung von Energieanlagen aus fossilen Brennstoffen und Atommeilern mehr Unterstützung zukommt. Der Anreiz, einen Beschaffungszuschuss aus Mitteln der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) in Höhe von 3.200.-€ zu gewähren, reicht nicht aus zumal nach spätestens acht Jahren die  Ersatzbeschaffung der teuren Batterien (in der Regel vier  mit Bleigranulat befüllte Riesenbatterien) anfällt. Für die im Zuge der Erhaltung der Anlage (Abschreibung 20 Jahre) anfallenden Kosten für die Ersatzbatterien wird die Mehrwertssteuer zwar wieder rückerstattet, der Betrag allerdings erneut dem Einkommen des /der Betreiber zugerechnet. Bei der steuerlichen Gesamtveranlagung der Einkommen beider Eheleute -und seien diese aus Pensions- oder Renteneinkünften-kann dies wiederum dazu führen, dass die Gesamteinkünfte eine magische Grenze überschreiten, die zu einer höheren steuerlichen Belastung führen. Diese Situation entpuppt sich den Betroffenen im Einzelfall als persönliche „Milchmädchenrechnung“, welche eine Beschaffung einer solchen Anlage  (eine an sich positive Idee der Energiegewinnung) verleiden kann. Am wirtschaftlichsten erweist sich die Beschaffung einer Photovoltaikanlage mit Speichereinrichtung zur Eigennutzung für Alleinverdiener im Rentenstatus mit einem Einkommen unter 1000.-€, weil hierauf keine Steuern anfallen. Ein jährlicher Überschuss in Höhe von 2400.-€ infolge von Mehrwertssteuerrückerstattung oder Gutschrift aus Teilabschreibung erreicht nicht die magische Einkommensgrenze einer deutlichen Mehrbesteuerung im Vergleich zu Einkommen beispielsweise beider Eheleute (steuerliche Gesamtveranlagung), die über  einen Nettobetrag von  3000.-€ monatlich verfügen können. Im Übrigen sollte bei den Überlegungen die Hinzuziehung einer Steuerberatung eingeplant werden, deren Inanspruchnahme einen jährlichen Kostenaufwand von bis zu 320.-€ bedeutet. Nebenbei bemerkt: Kosten für Steuerberatung sind nicht absetzbar.

Andererseits müssen wir hier nicht die Überlegung diskutieren, welcher Rentner mit einem monatlichen Einkommen von unter 1000.-€ monatlich in der Lage ist, sich eine Photovoltaikanlage auf sein Eigenheim zu setzen, falls er überhaupt über ein solches verfügen kann. Aus der Summe der Überlegungen ergibt sich folgender Vorschlag an das Bundesministerium der Finazen über die Bundesregierung:

 

Es wird empfohlen, den produzierten Strom für den privaten Eigenbedarf (Haushalt) aus Photovoltaikanlagen mit Speichereinrichtung bis zu einem jährlichen Volumen von 2 Megawatt (2000 KW/h) steuerfrei zu behandeln. Ansonsten sehe ich dieses Projekt aus marktwirtschaftlicher Sicht ( Hersteller von Solarzellen,Batterien und Steuermodulen, Gleichrichtern pp., der Vertriebs- und Aufstellerunternehmen) einschließlich der gestellten Arbeitsplätze als stark gefährdet.

Mit freundlichen Grüßen!

Hartmut T. Reliwette

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 sehr verehrte Aschenbecher,

der bekloppte BRD – Journalismus hat es mal wieder auf die Spitze getrieben! Es flog 1 Tomate! Diese Tomate hat Frau Merkel unterhalb der Brust in etwa Hüfthöhe gestreift und traf etwas zerplatzend die neben ihr stehende Moderatorin in hellem „outfit“. Die hat also das Meiste abgekriegt. Natürlich kann ein Chefredakteur eine Meldung „mit 1 Tomate“ schlecht akzeptieren, es müssenm TOMATEN sein (Mehrzahl). Besser wäre die headline gewesen : „Merkel unter Tomaten begraben“, doch irgendwie wäre dem deutschen Leser/ Gucker/ Hörer aufgefallen, dass diese Meldung „etwas“ übertrieben wäre. Ich meine, der deutsche Michel kriegt ja selten etwas mit in voller Gänze und Klarheit. Der deutsche Michel verdaut, das ist sein Charisma! Hätte er doch auch nur fünf Mägen wie eine Kuh. Es ist bedauerlich: er hat sie nicht! Er muss zu seinem Leidwesen alles gleich wieder ausscheiden! Das Gute daran ist, er kann sofort wieder aufnehmen, und das ist das Prinzip der freien Marktwirtschaft.

Neuerdings hat ein toller Erfinder (wahrscheinlich mit Hilfe  der Crew aus der Höhle der Löwen  –  der Gatte von der Ferres?) eine tolle Erfindung vermarktet: es ist ein dreipoliger „Drehkranz“, der auf den Fingern balanciert wird und sich – einmal in Rotation versetzt – eine längere Zeit wie ein Kreisel in Bewegung hält. Ganz tolle Nummer! Braucht kein Schwein – ist aber in Bewegung. Das Teil ersetzt bei vielen Leuten den Geist, der sich ja bekanntlich am liebsten im Aggregatzustand  der Starre aufhält (Gas, Schnaps, Beton).

Es ist unglaublich, was hier in der BRD (und natürlich woanders in der Welt ) passiert: Wichtigkeiten werden erfunden und durch labile Presseorgane vervielfältigt und gereichen dem Einfältigen zu dessen Wonne. Ich höre täglich davon beim Bäckertreff, was bei mir eine Revolte des Verdauungstraktes hervorruft. Leider darf ich da nicht laut furzen, sonst kommt die Chefverkäuferin angerannt und beklagt sich, dass sie die Kunden nicht verstehen kann.

Es ist schon ein Jammer, dass der erkennende Geist sich mit Nebensächlichkeiten diagnostizierend begnügen muss, um es zu transportieren, denn nähme er die Wichtigkeiten auf das bekannte „Korn“, kämen sogleich die Beschwerden, dass ein Wortschatz Verwendung erführe, der schwer verständlich ist, zumal Nebensätze in der Schilderung des Gebotenen vorkommen.

Prost! Austrinken! Noch sind wir! Deshalb lasst Euch nicht lullen!

WÄHLT PDA, die PARTEI DEMOKRATISCHER AHNUNGSLOSER!

 

Gefährliche Sandkastenspiele

Es ist allerhöchste Zeit, zwischen Kim Jong – un, dem Präsidenten von Nordkorea , dem Präsidenten von Südkorea, und dem amerikanischen Präsidenten, Donald Trump, zu vermitteln. Nun stellt sich der Verfasser dieser Zeilen zunächst die Frage, weshalb bisher keiner der deutschen Spitzenpolitiker auf diese Idee gekommen ist? Weshalb ist niemand der politischen Spitzenkräfte Willens und in der Lage, die belastende Vergangenheit zwischen dem norkoreanischen, dem südkoreanischen Volk und den Administrativen aus Washington aufzuarbeiten? Zur Erinnerung: Nordkorea und die amerikanisch subventionierten südkoreanischen Machthaber standen sich im sogenannten „Koreakrieg“ gegenüber. Seither trennen die beiden Staaten eine entmilitarisierte Zone. Einen Friedensvertrag zwischen Nordkorea einerseits und Südkorea/ USA andererseits gibt es bis heute nicht. Im Westen ist bekannt, dass der frühere – inzwischen verstorbene – koreanische Präsident einem Atomwaffenverzicht zugestimmt hatte, an den sich sein Sohn als jetziger Präsident  nicht gebunden fühlt.

Was also liegt näher als die Souveränität Nordkoreas anzuerkennen und den Präsidenten dieses Staates aus der Ecke zu nehmen, in die er sich im Laufe der letzten Jahre zurückgezogen hat? Was bewirken Wirtschaftssanktionen in diesem Zusammenhang? Bisher ist anscheinend niemandem aufgefallen, dass mit Druckmitteln wie etwa den Sanktionen auch der Druck in besagter Ecke erhöht wird.

Andererseits müssen die Amerikaner mit ihren diversen Stützpunkten  auf dem Erdenrund anscheinend auf ihrer Aufpasserrolle beharren, ungeachtet dessen, dass sie anderen damit auf der Nase herumtanzen. Unsicherheit und Ängste werden damit geschürt. denn was dem einen billig ist, mag dem anderen sein Recht sein.

Wenn also kein deutscher oder anderer europäischer Politiker sich in dieser Angelegenheit als Vermittler verwendet, biete ich mich als neutraler  Kunstmeister an, eine Versöhnungskonferenz mit Kim Jong – un , dem südkoreanischen Präsidenten und Donald Trump auf neutralem Boden z.B. in einem Schweizer Hotel zu initiieren, wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass sich die drei Herren auf Augenhöhe begegnen möchten. Also, bitte, meine Herren, machen Sie Gebrauch davon. Sie werden staunen, wie einfach das ist, und Spaß wird es auch machen, wenn sich die  Herren beim abendlichen Kegeln freundschaftlich beim Kegelaufstellen behilflich sind, aber das könnte auch ein Automat übernehmen.

Sehr herzliche Grüße an Sie drei Prädidenten!

Ihr alter Kunstmeister Hartmut T. Reliwette

 

Demokratie und freie Marktwirtschaft

Möglichkeiten der Einflussnahme

Die Problematik des gesellschaftlichen Zusammenspiels nimmt zu. Auf der einen Seite interkontinental, andererseits auf nationlaler Ebene. Die Gesellschaft hechelt den Ereignissen hinterher, sucht nach Ursachen und Lösungsmöglichkeiten. Viele Kräfte sind bemüht, nur wenige finden Lösungen, für sich und andere. Doch zunächst sei die Frage zu klären, worin Demokratie und freie Marktwitschaft ihre Unterschiede haben und ob es Zusammenhänge gibt, die auf Lösungen von Problemen hinweisen. Die Bedeutung der beiden Gesellschaftsformen ist den meisten Bürgern bekannt: Demokratie ist eine Staatsform, alle Gewalt geht vom Volke aus, die freie Marktwirtschaft ist, wie der Name schon sagt, eine Wirtschaftsform. Ihr steht eine Planwirtschaft entgegen, deren Normen vom Staat vorgegeben werden.

Bei der Staatsform besteht eine beschränkte Mitbestimmung durch das Individuum. Der Einzelne hat durch die freie Wahl, die Möglichkeit, eine Partei, von der er ausgeht, dass sie seine Interessen weitgehend umsetzt, für die Dauer von vier Jahren in bestimmte Gremien zu wählen und zwar auf kommunaler Ebene, in den Land- und in den Bundestag. Innerhalb einer Legislaturperiode sind die gewählten Vertreter laut Grundgesetz nur ihrem Gewissen gegenüber verpflichtet. Eine direkte Einflussnahme auf gesellschaftlich relevante Entscheidungen hat der Wähler während dieses Zeitraumes nicht. Ein Volksbegehren gibt es derzeit nicht.

Bei der Wirtschaftsform jedoch ist eine unmittelbare Einwirkung auf Produkte oder Dienstleistungen durch Kaufverhalten oder Inanspruchnahme durch das Individuum möglich. Es kommt hierbei auf das Konsumverhalten des Individuums, das durch Werbung oder Nachahmeffekte beeinflusst wird, an.

Der „Konsument“ ist sich seiner Macht – so scheint es – überhaupt nicht bewusst, mit der er den zumeist materiellen Angebotsüberfluss beeinflussen kann. Durch das Konsumverhalten bestimmen die Käufer – man spricht leidenschaftslos vom „Verbraucher“- über Bestand, Aufschwung oder Niedergang von Firmen oder Firmengruppen. Angebote werden über das Preis-Leistungsverhältnis angenommen oder vom Kunden verworfen. In der Fachsprache wird die Vokabel Mitbewerber benannt, wenn sich mehrere Unternehmen mit einem Angebot um die Gunst der Kunden bemühen. In Wirklichkeit handelt es sich um gnadenlose Konkurrenzkämpfe, die über das Wohl oder Wehe der Unternehmenszweige entscheiden. Das ist bekannt und nichts Neues.

In der vergangenen Woche hätte die „Air Berlin“ Konkurs anmelden müssen. Gestreckt wurde das Insolvenzverfahren durch einen Zuschuss aus der staatlichen Bank für Wiederaufbau in Millionenhöhe, so dass bestehende Buchungen in einem bestimmten Zeitrahmen noch abgewickelt werden können, bevor Teile des Unternehmens an andere Fluggesellschaften verkauft werden. Erst vor kurzem meldete die Alitalia den Konkurs an. Wie kann es geschehen, dass Fluggesellschaften durch die Preisgestaltung ihrer Flugrouten bzw. Flugziele mit oder ohne Verflechtung von Reiseunternehmen in die roten Zahlen rutschen?

Der „Konsument“ vergleicht in Reisebüros die Angebote mit denen, die im Internet zu buchen sind. Dabei achtet er genau auf die Endpreise bei gleicher Flug- und Hotelbuchung im Urlaubsland seiner Wahl. Der gesunde Menschenverstand müsste dem Individuum eigentlich sagen, dass ein Hin- und Rückflug mitsamt einer Woche Halbpension in einem Dreisternehotel in Tunesien für 265.-€ in der Vor- oder Nachsaison nicht der Realität entspricht. Für diesen Preis käme ein Kunde mit dem Taxi nicht von z.B. Hamburg nach Berlin-Mitte – und das ohne Halbpension und Übernachtung in einem Hotel. Auf der anderen Seite achtet das Bundeskartellamt darüber, dass Fluggesellschaften keine Preisabsprachen treffen. Dem „Konsumenten“ ist es völlig egal, ob er durch seinen überzogenen Geiz für tausende verlorener Arbeitsplätze verantwortlich ist. Er übersieht gerne, dass gute Qualität von Waren oder Dienstleistungen ihren Preis einfordern, zumal viele Menschen die Qualität von Möbeln, Werkzeugen und Maschinen überhaupt nicht beurteilen können – um nur einige Beispiele zu nennen. Es scheint erschreckend, dass so viele Menschen sich von dreister und hirnloser Werbung beeinflussen lassen und dann bereit sind, einen höheren Preis zu bezahlen z.B. wenn ein Bier aus Felsquellwasser gebraut wird, ein Bier, das auf Glyphosat getestet wurde – wie viele andere Biersorten auch – und positiv war. Nun fragt sich der kritische Verstand, wie Glyphosat in das Felsquellwasser gelangt ist, wärend das Brauwasser aus Bremen keine Spuren von Glyphosat nachwies. Ein Wasser aus einem tiefen Brunnen unter einer Großstadt? Dass der „Verbraucher“ die teure Werbung aus dem TV mit der von ihm erworbenen Kiste Bier mitbezahlt, müsste ihm eigentlich einleuchten.

Wie irrationell der „Verbraucher“ agiert, wird auch aus seinem Verhalten deutlich, wenn er an Kreuzfahrten teilnimmt, die durch ihren Schweröltreibstoff dafür sorgen, dass gewaltige Mengen von Kohlendioxyd und Ruß in die Umwelt gelangen, Auf der anderen Seite werden Erderwärmung und Zunahme von Stickoxyden beklagt. Wie leicht könnte Druck auf die Reedereien ausgeübt werden, wenn der Reise- und Entdeckungslustige nur noch Reisen mit Schiffen buchen würde, deren gewaltige Motoren ( oft drei bis vier Hauptantriebsblöcke und 4 bis 8 Nebenaggregate für die Stromerzeugung) mit Katalysatoren ausgerüstet würden. Natürlich würde der Buchungspreis um ca. 100.-€ steigen. Ein Kreuzfahrtschiff der neuesten Generation kommt ohnehin erst nach vielen, vielen Jahren in die Gewinnzone bei einer „Laufzeit“ von ca.vierzig Jahren, bevor es verschrottet wird. Die drohenden Umweltkatastrophen können dementsprechend nicht so ohne Weiteres weder dem System angelastet werden noch den Politikern, die dieses System vorantreiben, auch wenn es von Lobbyisten und Analysten beeinflusst wird. Die Frage wäre noch zu klären, wann das System der freien Marktwirtschaft zu einem Raubtierkapitalismus entartet, der früher oder später den völligen Niedergang einer Gesellschaft nach sich zieht. Der Besitzstand des Einzelnen beruht in vielen Fällen auf Armut und Ausbeutung anderer. Auf eine weltweite Solidarität der begüterten Gesellschaften mit den armen Gesellschaften beispielesweise in Afrika, Pakistan oder Indien wird umsonst hingewiesen. Das Argument:“Mir schenkt auch keiner etwas“ scheint die Gewissen der meisten Menschen zu beruhigen. Wenn sich in der Einstellung des Individuums zu seiner und anderen Gesellschaften und zum Planeten selbst, der uns trägt, nichts wesentlich ändert, kann der Zukunft keine günstige Prognose eingeräumt werden.

Prost! Austrinken! Noch sind wir!

 

 

Opa Hermann und der „homo sapiens“

Wer den „Hermann macht“ kann auch Friedhelm heißen

  Teichgespräch, Folge 40: Opa Hermann und sein Kumpel Jupp hatten den „Sechserträger“ Pils ohne Glyphosat-Spuren bereits ziemlich geleert. „Dass ausgerechnet ein Bier ohne Glyphosat-Spuren aus den Tiefen einer Großstadt kommt, ist schon merkwürdig“, gab Jupp gerade zu bedenken. „Ist für mich logisch“, erwiderte Opa Hermann,“ in einer Großstadt werden keine Pflanzenvernichtungsmittel gespritzt, so wie auf den großen Agrarflächen der Landwirtschaft. In den Großstädten hätten die Insekten noch Chancen zu überleben, keine flächendeckenden Pestizide, Fungizide, kein Glyphosat (Unkrautvernichtungsmittel). Aber die Bienen müssten sich von Balkonpflanzen ernähren!“ „Ja, ja, ja, der homo sapiens!“ Jupp legte seine Stirn in Falten und nuckelte an seiner Bierflasche. „Kennst du einen, Hermann?“ „Einen weisen, erkenntnisreichen Menschen? Also nicht direkt, aber einer hieß Friedrich Hegel! Er hatte mehrere Schriften verfasst, eine handelt von der „Vierfachen Wurzel vom zu reichenden Grunde“!“ „Näääää!“ „Dooooch!“ „Das muss aber ne dicke Wurzel gewesen sein!“ „War es auch!“ „Sag nicht, dasse dat auf der Bergmannsschule gelernt hast!“ „Opa Hermann grinste: „Das war ein deutscher Philosoph, der es unter anderem auch mit der Morallehre hatte! Mich stört nur dabei, dass er sein Werk mit einem Worwort dem Kaiser untertänigst angeboten hatte, in der Hoffnung, dass es in den deutschen Universitäten als Lehrstoff verbreitet würde.“ „Und ? Wurde es als Lehrstoff verwendet?“ „Nicht in seiner gesamten Komplexität!“ Das lag mehr oder weniger daran, dass er seine Erkenntnisse in Form von Thesen und Antithesen quasi verschlüsselt darbot, nach dem Motto: Wenn es nicht so ist wie beschrieben, dann steht dem dieses oder jenes als Erkenntnis entgegen!“ „Ja, ja, man muss ja auch nicht immer Recht behalten!“Die beiden Männer lachten.

„Es geht doch immer nur um das eine“, seufzte Opa Hermann gedankenschwer, „um Macht und Geld! Dabei gehen Macht und Besitz in eine Hand über! Es wäre sehr schön, wenn die Menschen ohne Macht leben könnten, also Macht durch Kompetenz ersetzten.“ „Der Mensch nimmt sich zu wichtig“, stimmte Jupp zu, „wäre er weniger ehrgeizig, würden wir bestimmt noch mit der Keule herumlaufen!“ „Na schau dir doch die Geschichte an, Napoleon, Hitler! Ganz Europa hat vor denen gezittert – und wie sind sie geendet? Völlig kläglich, ja ehrlos!“
„Meine Mutter hat immer gesagt: Was man sich einbrockt, das muss man auch auslöffeln!“ Opa Hermann ergänzte die Aussage durch den Ausspruch seines Vaters:“ Was auf dem Teller ist, wird aufgegessen!“

„Das ist aber nicht dasselbe“, warf Jupp ein. „Das geht mehr in die Richtung:“Iss auf, damit du groß und stark wirst!“ „Ja, ja, wie „Ekel Alfred Tetzlaf“! Im Übrigen sollte es sich der Mensch angewöhnen, etwas unter der Oberfläche zu kratzen. Die meisten Menschen denken doch, dass sie der „King of Currywurst“ sind, wenn sie etwas besitzen!“ „Aber nur so funktioniert unsere Wirtschaft. Wenn alle Menschen wie du dreißig Jahre lang mit einer Cordhose rumlaufen würden oder einen 20 Jahre alten Trabbi fahren, dann wäre unsere Wirtschaft schon vor zehn Jahren zusammengebrochen.“ „Nee, nee! Hast du deine Couchgarnitur mal umgedreht und nachgesehen, wie der Bezug am Kistenrahmen festgetackert ist?“ „Welche Couchgarnitur?“
„Ich jedenfalls wohne auf einer Sperrmüllplantage“, verkündete Jupp stolz. „Es gibt genügend Reinigungsmittel und Duftsprays, aber einen Trabbi fahre ich nicht, sondern einen neuen SUV aus Südkorea. Wenn dein Freund Hegel den gehabt hätte, hätte er die Antithesen weggelassen, von denen du sprachst. Das Auto hat fünf Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung und kann mit seinem Motoröl dreißigtausend Kilometer fahren, bevor es gewechselt werden muss! Übrigens, der „mainstram“ wird in Funktion gebracht wie die Sommermode von „St. Mauk Di Nichnackich, Paris“! Und dann wäre noch die Antwort auf die Frage zu finden, wer zuerst war, der „mainstream“ oder der Kapitalismus?“ „Das ist schwer zu beantworten“, jammerte Opa Hermann, „jedenfalls funktioniert der Kapitalismus nicht ohne den „mainstream“!“ „Sehe ich auch so“, stimmte Jupp zu, „aber da greifen noch andere menschliche Eigenschaften mit hinein, zum Beispiel der Jagdtrieb, der Sammeltrieb, der Ehrgeiz des Individuums, besser sein zu wollen als der Nebenstehende.“ „Da kommt ganz schön was zusammen.“  „Du hast die Bosse vergessen in Deiner Aufzählung, die Großbanken, Unternehmungsführungen, Vorstände, Aufsichtsräte und Politiker und die Lobbyisten, welche Einfluss auf die politischen Machtverhältnisse nehmen. Ohne die funktioniert kein Kapitalismus. Und kapitalistische Unternehmensführungen brauchen den Absatz, um nochmal auf die alte Cordhose zu sprechen zu kommen!“

„Übrigens, in Bezug auf Deinen neuen SUV, lieber Jupp,“ spottete Opa Hermann und grinste hinterhältig, „wenn du mal ohne Benzin liegen bleibst, dann nimmst du die Batterien aus deiner „Maglight“ – Taschenlampe und fährst elektrisch weiter! Du wirst nie ne rote Socke!“

 

 

Berberitzen erobern das Gartenlabyrinth

Kultur: Hartmut T-Reliwette gibt sein Langzeit-Kunstobjekt in Idafehn-Nord nach 30 Jahren auf

„Wer da nochmal durchgehen will, der sollte sich beeilen“, rät der 74 Jahre alte Künstler.
(von Günter Radtke)

IDAFEHN — Letzte Einladung ins Idafehner Irrgartenlabyrinth: Das vor 30 Jahren vom Künstler Hartmut T. Reliwette in Idafehn—Nord auf einer Fläche von 2500 Quadratmetern angelegte Kunstwerk wird der Natur zurückgegeben. Die mannshohen Hecken aus stacheligen Berberitzen werden nicht mehr zurückgeschnitten. Das Langzeit—Kunstprojekt wird einschließlich Bühne, Rednerpult und Bestuhlung im Innersten der Anlage alsbald zuwuchern.
„Wer da nochmal durchgehen will, der sollte sich beeilen. Die Sträucher schlagen gerade aus. Die Wege werden schnell zuwachsen“, sagt Reliwette. Das Kunstwerk habe nach 30 Jahren seinen Zweck erfüllt, habe viel zum Thema Verfall beigetragen, meint der 75-Jährige, der einst viele Jahre in Essen lebte, ehe er erst schrittweise und Ende der 90er Jahre vollständig nach Idafehn übersiedelte. In Essen hatte der große Künstler Joseph Beuys zum Freundeskreis Reliwettes gezählt. Als Beuys 1986 gestorben, für ihn aber keine Grabstätte angelegt worden war, schufen Reliwette und Freunde ihm zu Ehren in Idafehn-Nord einen Gedächtnisgarten. Ein Labyrinth der toten Künstler und Dichter entstand, voller Skulpturen und Gänge, die jeweils nach einem Künstler benannt wurden.
„Die darin ausgestellten Ton-Skulpturen sind zum Teil von Besuchern zerstört worden. Deshalb musste ich sie letztlich alle rausnehmen“, ärgert sich der 75-Jährige im Nachhinein über jene Leute, aber auch über seine Gutgläubigkeit. „Heute sagt man zu Leuten wie mir damals Gutmenschen und meint damit Bescheuerte“, fügt er laut lachend hinzu.
Er bedauert, dass es ihm nie richtig gelungen ist, die Menschen aus Idafehn und Umgebung in Scharen für sein Gartenlabyrinth zu begeistern. „Ich habe hier meistens immer Leute von weit weg gehabt“, sagt er. Nur einmal sei es im Auditorium im Herzen des Labyrinths richtig voll gewesen — als nämlich Pastor Florian Bortfeldt seine Gemeinde zum Gottesdienst dorthin eingeladen hatte.
Dabei hatte vor Jahren die Reihe der Performances im Labyrinth spektakulär begonnen: Mit einem Polizeieinsatz, nachdem Reliwette angekündigt hatte, mit einem alten Vorderlader die Bildröhren zur Pyramide gestapelter ausgedienter Fernseher krachend zu zerschießen, um auf diese Weise künstlerisch auf das schlechte Fernsehprogramm hinzuweisen. Die Dorfpolizei kam, sah und ließ den Künstler gewähren.
Hartmut T. Reliwette, der in der Essener Kunstszene kein unbeschriebenes Blatt war, arbeitete in den 1980er Jahren in Gelsenkirchen im Strafvollzug, während er gleichzeitig malte, Skulpturen schuf, an bis zu drei Volkshochschulen gleichzeitig seine Kunst unterrichtete und in Idafehn auch noch das alte Fehnhaus restaurierte, in dem er sein eigenes Museum einrichtete. „Jeder große Künstler hat doch sein eigenes Museum. Ich deshalb also auch“, scherzt er heute, obwohl er spürt: „Es bleibt doch irgendwo in den Knochen hängen. Man ist eben nicht mehr 35.“ Das Übergeben des Gartenlabyrinths an die Natur sei ein schmerzhafter Einschnitt, ein Loslassen. „Es ist der Lebensabend. Darüber muss man aber nicht traurig sein“, sagt er.

Quelle: Generalanzeiger 22. März 2017

Kerniger Künstler mit kleinem Knall

GA-Serie (5) Seit gut 25 Jahren lebt und wirkt der Maler und Bildhauer Hartmut T. Reliwette in Idafehn (von Ole Cordsen)

IDAFEHN – Ob Hartmut T. Reliwette einen kleinen Knall hat? Getuschelt haben dies schon manche Leute, die ratlos vor seiner Kunst standen. Vor allem aber sorgte er für einen Knall bei seiner Ankunft in ldafehn-Nord. Genauer gesagt, ließ er es gleich zehnmal knallen. Hinter der Scheune seines frisch renovierten Hauses hatte Reliwette zehn Fernseher gestapelt. Und für die Auftakt-Aktion in seiner neuen Heimat zielte er mit einem großkalibrigen Revolver und schoss. Krachend zersplitterten die Mattscheiben und Bildröhren. Aus Furcht versteckten Schaulustige sich hinter Hausecken und Gebüschen. Das war damals, vor gut 25 Jahren.

„Stimmen (D)eines Herrn“ hatte Reliwette, nach eigener Auskunft ein Freund und Weggefährte des berühmten Aktionskünstlers Joseph Beuys, diese Aktion genannt. „Ich wollte symbolisch das leere Gebrabbel der Fernsehsender stummschießen, dem viel zu viele Menschen hörig waren und sind“, sagt er heute. Dann schiebt er seinen Hut aus der Stirn, schenkt im Wohnzimmer seines Hauses Kaffee ein und blickt auf das Vierteljahrhundert zurück, das er in Ostfriesland lebt. „Ich habe tolle Nachbarn. Wir nehmen und mögen uns, wie wir sind.“
Überbleibsel seiner oft politisch motivierten Aktionen tummeln sich unter dem Dach seines Hauses. Dort hat Reliwette ein Museum in eigener Sache eingerichtet. Scherben einer Terracotta—Rakete liegen darin. Die wollte Reliwette in den 80er Jahren in einem Osterfeuer festbrennen — als Protest gegen die geplante Stationierung amerikanischer Pershing II—Raketen in Deutschland während des Kalten Krieges. Auf einem Beistelltisch steht ein Kaffee-Service, das Reliwette modelliert hat. Der Zuckerstreuer ähnelt einer Handgranate, die Kanne ist dem Geschützturm eines Panzers nachempfunden. Dabei geht es Reliwette um das Gegenteil von Gewalt. „Ich kämpfe für den Frieden“, sagt er. Wenige Wimpernschläge später berichtet Reliwette von einem Besuch in der Kunsthalle in Emden, wo er vor kurzem war und den Slogan „Kunst mit allen Sinnen genießen“ entdeckte. „Dafür ist Kunst doch nicht da. Sie soll zum Denken anstoßen, aufrütteln, Inhalte vermitteln. Sie muss ihrer Zeit voraus und im Leben anwendbar sein. Sonst wird Kunst belanglos“, sagt der 66-Jährige.
Er selbst, der den Großteil‘ seines Lebens im Ruhrgebiet gelebt hat, arbeitete bis 1998 gut 20 Jahre lang in Gelsenkirchen als Kunst-Therapeut im Gefängnis und regte die Sträflinge über die Kunst zum  Nachdenken an. Der studierte Maler machte sich vor allem durch Performance-Kunst einen Namen und arbeitet heute vomehmlich als Bildhauer und Schriftsteller.
Nach Idafehn zog Reliwette, „weil ich nach einem Eklat bei einer Performance in Essen 198l einen geschützten Raum zum kreativen Schaffen gesucht habe“, Weil er als Kind die norddeutsche Küstenregion geliebt habe, sei er über Umwege nach Idafehn gelangt, wo ihn neben der Ruhe auch die netten Nachbarn überzeugten. Die Kontakte zur Künstlerszene im „Pott“ hält Reliwette telefonisch, „doch die engen Bindungen bleiben“, sagt er. Guten Kontakt habe er auch in Ostfriesland gefunden, etwa zu Autoren der Poetry-Slam-Szene. Die haben den Mann mit dem Knall ins Herz geschlossen und waren schon zu Gast auf der Bühne im Labyrinth hinter Reliwettes Haus, das er zu Ehren von Beuys aus Tausenden von Dornbüschen schuf.

Quelle: Generalanzeiger 27.März 2010

Neue Hoffnung?

Wenn ein Phönix aus der Asche steigt…

 „Neues Spiel – neues Glück, alles ändert sich im Augenblick“, so ist mir noch der Rummelbudenbetreiber im Ohr. Auf einer Glasfläche waren vier Kartensymbole dargestellt, Kreuz-Pik-Herz-und Karo-Ass. Die Mitspieler setzten 10 Pfennig auf einen der Plätze. Dann wurden die Felder mittels einer drehenden Kontaktscheibe rythmisch beleuchtet, die der Budenbesitzer mechanisch in Gang setzte. Sodann blinkten die Felder wild durcheinander auf, bis endlich die rotierende Scheibe zum Stillstand kam und eines der Felder endgültig aufleuchtete. Der Budenbetreiber übergab dem Gewinner eine „Wertmarke“ und strich die gesetzten 40 Pfennig ein. Für eine festgelegte Anzahl von „Wertmarken“ konnten dann Gewinne eingetauscht werden, bunte Luftballons, ein Stoffteddy, eine Blumenvase und anderes Zeugs, insgesamt wertlose Dinge. Ein SUV mit 6 Gängen und Vierradantrieb war jedenfalls nicht darunter.

Im Herbst sind Bundestagswahlen. Ich höre den Budenbesitzer noch rufen: „Karo-Ass ist noch frei!“ Verdrossene SPD-Wähler wollten die SPD nicht mehr, keine Koalitionspartei, welche den Vorgaben der CDU und ihrer Vorsitzenden Angela Merkel folgte, ohne markantes SPD- Profil.

Was ist das für eine Partei der Arbeitnehmer, welche im kapitalistischen Sinne mit an den Rädern dreht und in mehrfacher Hinsicht den Vorgaben des „amerikanischen Bruders“ folgt? Dies geschieht vor allem in Bezug auf die geplante Aufrüstung der Bundeswehr, anstelle die Löcher im sozialen Bereich nachhaltig zu stopfen!
Der neue Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika verlangt mehr Engagement von den Nato-Mitgliedsstaaten. Er meint eine finanzielle Mehrbeteiligung von den Natopartnern!

Karo-Ass ist noch frei! Wie wäre es denn, wenn die USA ihren Stützpunkt in Deutschland bezahlen würden? Wie würden deutsche Wähler reagieren, wenn ein Anwärter auf das Amt des Bundeskanzlers sagen würde: „Ich werde versuchen, den amerikanischen Verbündeten davon zu überzeugen, die in der Bundesrepublik stationierten Atomköpfe samt Raketen zu sich nach Hause zu nehmen!“

Stimmen werden laut, vor allem bei den eingefleischten CDU-Wählern, er, der Schulz, solle doch mal langsam sein Programm in die Debatte werfen!
Weshalb?
Es ist doch langsam bekannt geworden, dass vorherige (Wahl)-Aussagen der Parteien selbst die Waschmittelreklame beleidigen, weil die Wäsche tatsächlich nach dem Waschgang sauber ist!

Man sollte die Art der Amerikaner, sich waffenstarrend in ihrer engeren und weiteren Umgebung zu präsentieren, auf die Entstehung ihres Staates zurückführen. Seit die Trecks mit den Siedlern das Land von den Indianern nahmen, war es üblich, nachts mit Stiefeln an den Füßen und umgeschnalltem Patronengurt das Ruhelager aufzusuchen. Waffen zum persönlichen Schutz sind dem amerikanischen Volk praktisch mit in die Wiege gelegt. Waffen vermitteln dem Träger das Gefühl von Schutz. Wenn die Statistik zu Hilfe gerufen wird, bietet sich dem Analytiker ein völlig anderes Bild. In keinem Staat der Erde gibt es mehr Tote durch Schusswaffengebrauch als in den USA, sieht man von Kriegen, Aufständen und Revolutionen einmal ab. Schätzungsweise sind in den USA fast 4 Millionen Schusswaffen registriert. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen, denn die kriminellen „Elemente“ sind noch nicht mit hineingerechnet.
Martin Schulz ist bei seinen Kollegen in der Europäischen Union beliebt, er hat niemals den Eindruck hinterlassen, dass er den europäischen Nachbarländern seine Auffassung aufdoktruieren wollte. Und doch hat er in den Debatten zu seiner Auffassung gestanden. Die meisten Deutschen haben die Themen, die im EU Parlament diskutiert wurden, nicht sonderlich interessiert. Die Medien haben Berichte darüber auch sträflich vernachlässigt. Die meisten Deutschen sind der Auffassung, dass europäische Politik in Berlin gemacht wird. Diesen Eindruck hat jedenfalls Frau Dr. Merkel bei weiten Kreisen der Bevölkerung hinterlassen. Gesteuert wurde dieser Eindruck von Presse- und Rundfunkmedien, die völlig hirnlos von der „mächtigsten Frau“ der Welt „headlines kreierten“. Hervorgetan hat sich aus diesem „Sumpf der Verblödung“ natürlich auch die Bildzeitung, die immer noch von großen Teilen der Bevölkerung gelesen wird. Nicht umsonst redete der Ex-Bundeskanzler Schröder den Satz: „Ich brauche nur die Bild und die Glotze!“ Welche Rede!
Haben die Deutschen das alles vergessen? Und ja! Es dauert sehr lange, bis ein Gehirn absolut weggesoffen ist, und in der Jugend muss sehr früh mit dem Saufen angefangen werden, sonst wird die Flasche Schnaps, die gerade erst getrunken wurde, wieder ausgekotzt. Bis zum Delirium tremens dauert es dann einige Jahre, bis der Schüttelfrost den Jungwähler von der Stuhllehne kippt. Und jetzt kommt Martin Schulz, ein ehemaliger Trinker, der es geschafft hat, sich davon zu befreien. Er besitzt Charisma, ein ruhiger Mann, der nicht poltert! Er kommt verständnisvoll daher. Wenn er spricht, dann hackt er nicht mit dem Kopf wie ein Huhn beim Gehen. „Hacken beim Reden“ kannten wir bei Helmut Kohl schon! Es ist von der Körpersprache her besorgniserregend und wirkt unsympathisch. Es mutet an, als wolle jemand seine Argumente in den Kopf seines Kombattanden hineinhacken. Allein die Blinden werden von diesem Anblick verschont, sorry! ( Letzteres gehört nicht in einen Kommentar. Deshalb nehme ich das wieder zurück!).
Und noch etwas: Schulz hat es überhaupt nicht nötig, das Wählerpotential mit Aussagen zu ködern, die er hinterher gar nicht umsetzen kann. Wenn er sagt, dass er mehr Gerechtigkeit wünsche, dann ist das kein Versprechen, sondern ein Ziel. Es ist ein Ziel, dass er sich mit Menschen aller Altersgruppen in Europa teilt. Wenn aus Belgien jetzt gerade ein politisch akzentuierter Ruf nach Deutschland schallt: „Weshalb sollen wir unbedingt auf die Wünsche der Amerikaner nach Aufrüstung eingehen?“ dann ist das wie ein Weckruf, mit der Hysterie endlich Schluss zu machen, „der Russe“ wolle sich halb Europa einverleiben! Dem Wunsch der Polen nach mehr Sicherheit durch Waffenpräsenz sollte man entgegen halten, dass die inzwischen sechsmalige Teilung ihres Heimatlandes nicht nur von Russland ausging, sondern auch von Deutschland. Entgegen jeder Vernunft wäre es, wenn es der russischen Führung in den Sinn käme, das Staatsgebiet zu vergrößern. Das Riesenreich verlangt vielmehr nach Verbesserung von wirtschaftlichen und örtlichen Strukturen, Verkehrswesen und und und.

Die Zusammenarbeit zwischen den Völkern in der Erforschung des Weltalls klappt hervorragend. Was spräche dagegen, wenn die Zusammenarbeit auch auf andere Bereiche ausgedehnt würde? Eigentlich nichts!

Es wird allerhöchste Zeit, dass ein Phönix aus der Asche steigt!

 

 

 

Donald Trump nicht zu früh bewerten

„Was ein Haken werden will, krümmt sich beizeiten?“

 


Eine schillernde Figur scheint dieser zukünftige Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika schon im Vorfeld zur Präsidentenwahl gewesen zu sein, wenn man den Berichten im TV glauben darf. Neben seinem Trump-Tower kann er mit einer eigenen Boeing 762 aufwarten, bestückt mit zwei britischen Rolls Royce-Strahltriebwerken an den Tragflächen und einem Dreizimmer-Interieur im Inneren des Flugzeugrumpfes. Nirgends ein Schild zu sehen, auf dem geschrieben steht: „Eure Armut kotzt mich an!“ Trump ist gut zu seinen Leuten, so scheint es, zum Bordpersonal inclusive einem eigenen Flugkapitän, dem nach eigenen Aussagen „der Beruf Freude macht!“ Jetzt ist Kai-Uwe Diekmann in die Staaten geflogen und hat seiner „Eminenz“ seine journalistische Aufwartung gemacht. Niemand soll sagen, dass er, Diekmann, ein „Schundreporter“ sei, denn zu seinen Interwievpartnern gehörte u.a. auch der inzwischen abgedankte Papst, dem er die „BILD-Bibel“ zur „geflissentlichen Unterzeichnung“ vorlegte (wir erinnern uns: 5,5 kg gedrucktes Gottes Wort, und nur die Gutenberg-Bibel wog ein ganzes Kilo mehr!). Die (angedachte?) Männerfreundschaft mit dem „kurzweiligen“ Bundespräsidenten Christian Wulff ging ja leider in die Brüche, wobei es an Präjudizierung nicht mangelte. Nun ist er, K.U. Diekmann, selbst in seiner eigenen Zeitung in eine kleine Schlagzeile geraten (2. Seite ganz unten). Er soll bei einer Klausurtagung einer Mitarbeiterin zu nahe getreten sein.

„Böse Zungen“ behaupten auf „Twitter“, er, Donald Trump und die BILD passten wegen unkritischer Äußerungen ausgezeichnet zusammen.

Trumps Einlassungen zur Folge sollen die Nato-Mitgliedsstaaten mehr Geld in die gemeinsame Kasse einbringen und so z. B. die Stationierungskosten der US-Streitkräfte (als Schutzmacht) mit zu finanzieren. Außerdem sollten die Europäer mehr zur eigenen Sicherheit  in ihren Militärhaushalt investieren. Ursula von der Leyen fordert schon seit geraumer Zeit eine Aufstockung des Militäretats. Ihr wurde bereits Gehör geschenkt, leider!

Fragt sich der kritische Beobachter der Politszene, weshalb ausgerechnet eine Ärztin in das Amt der Verteidigungsministerin gelangt? Was ist das für eine Karriereanstrengung für eine mehrfache Mutter? Welchen Wirkstoff muss einer einnehmen, um eine derartige Karriere zu verfolgen? Richtiger wäre es doch nach Meinung des Verfassers, die Ausgaben für den Wehretat zurückzuschrauben. Welche „Angstbeißer-Hysterie“ ist in die Köpfe derjenigen eingezogen, die dem russischen Präsidenten eine „Sicherheitsarmee“ vor dessen Haustür stellen, die natürlich gegen sein Land gerichtet ist?

Welches Interesse sollte Russland am polnischen Staatsgebiet haben? Es wäre doch mal an der Zeit, die aufkommende Aufrüstung zu stoppen und wieder auf ein gesundes Maß an gegenseitiger Achtung und Anerkennung zurückzukommen, anstelle sich mit gegenseitigen Schuldzuweisungen bzw. Provokationen zu begegnen.

Allein die Äußerung eines westdeutschen Rundfunk- und TV-Organes, es handle sich bei der Person des amerikanischen Präsidenten um den mächtigsten Mann der Welt, stellt eine Provokation dar. Hinter die Kulissen geblickt kommt schnell die Erkenntnis, dass einer hochgerüsteten Streitkraft auf der einen Seite eine völlig desolate wirtschaftliche Situation im eigenen Land gegenüber steht. Was ist daran mächtig? Bei genauer Betrachtung schlägt eher eine „beispiellose Handlungsinsuffiziens“ zu Buche. Welche Schande für das große Amerika, das bei der Bereitstellung von begehrenswerten Personenkraftwagen auf Marken wie Porsche, Audi, BMW und Mercedes zurückgreifen muss, weil man außer Panzer- und Raketenbau sowie Flugzeugen eigentlich nichts Vergleichbares auf die Beine stellen konnte. Wichtige Ausnahme ist der Automobilbauer Tesla, der als erstes Unternehmen einen wirklich gebrauchsfähigen rein elektrisch angetriebenen Personenkraftwagen mit angemessener Leistung und angemessenem Aktionsradius auf die Räder stellte.

Was sich die Amerikaner in der letzten Vergangenheit u.a. an Präsidenten „leisteten“, spottet jeder Beschreibung. Mit dabei ein Schauspieler und ein Sprössling der texanischen Ölindustrie, der dem „Papa“ mal zeigen wollte, wie gründlich „aufgeräumt“ wird. Den „Vergeltungsschlag“ gegen die Twintower hätte ein weiser und vorausblickender Präsident auf der „Rechnung“ haben müssen, denn eine andere Möglichkeit haben weit unterlegene Kriegsgegner nicht, um ein Zeichen zu setzen. Was ist das für ein Wettlauf an Gemeinheiten? Und wie immer waren unbeteiligte Zivilisten die Leidtragenden, hüben wie drüben. Wie kurzsichtig muss einer sein, um logische politische Entwicklungen nicht vorausberechnen zu können? Das sind Ereignisse, die bereits im Kindesalter im Sandkasten einhergehen: „Haust du mit dem Schippchen meine Sandplätzchen kaputt, haue ich dir mit meinem Schippchen auf die Nase!“

Weshalb soll nicht gerade jetzt ein Milliardär die Geschicke des waffenstarrenden amerikanischen Imperiums ins Unglück stürzen? Betroffen wären ohnehin die Ärmsten der Armen, ausgerechnet jene, die mehrheitlich auf Trumps „Wahlgeblubber“ hereingefallen sind.

Wir Deutsche können uns auf einen berühmten Politiker berufen, der gesagt hat: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?“ (Konrad Adenauer).

Auf, auf, ihr Amerikaner, die ihr Trump gewählt habt, das kann ein Donald Trump auch von sich sagen. Besser: Beurteilt ihn nach seiner Berechenbarkeit!

„I see black for you!“ (I`m forcasting a bad future for the next four years).

 

 

Wie alles begann

 

Geschichten um Amos, das Piratenschaf

 

Die Sonne stand bereits hoch am Himmel. Sie warf irrisierende Lichtflecke auf die Wasseroberfläche der Ems, die im Dollart in die Nordsee mündet. Ein wunderschönes Schauspiel bot sich den Reisenden auf der Fahrt mit dem Katamaran nach Helgoland. Noch war die offene Nordsee nicht erreicht, deshalb war die Wasseroberfläche auch nur leicht gewellt und wechselte in rascher Folge die Farben, so dass ein menschliches Auge sich schwer tat, die Farben von Wellenspitzen und -tälern so zuzuordnen, dass man das malen könnte. Es wird gesagt, dass sich im Wasser die Farben der Umgebung widerspiegeln, wobei auch die Farbe des Himmels eine Rolle spielt. Bei der Ems gesellt sich noch eine weitere Farbe hinzu: sie rührt vom Schlick her, welchen die auflaufende Flut in Richtung Binnenland hereinspült. Mit einiger Verspätung erreicht die Flut unter anderem das riesige Emssperrwerk und darüber hinaus auch die Leda, welche bei Leer in die Ems mündet.

Der Katamaran war ein geschlossenes Fahrgastschiff mit gewaltiger Motorenstärke. Sobald das Schiff das Binnengewässer verlassen hatte, nahm es Fahrt auf und hob sich zum Teil aus dem Wasser, berührte dieses nur noch mit den Gleitflächen am Rumpf des Bootes und dem Antrieb am Heck.
Die Fahrgäste hatten sich bereitwillig auf dieses Abenteuer eingelassen. Nur wenigen war bekannt, dass bei höherem Seegang ab Windstärke 5 das Reisen mit dem Katamaran alles andere als erholsam war. Dann kam es vor, dass das Boot Bocksprünge vollzog, so dass es einigen Reisenden auch schon mal hundeübel wurde.

Dies war an jenem schönen Vormittag aber nicht der Fall. Das Meer zeigte sich von seiner schönsten Seite. Der Wind wehte aus West-Südwest und Seevögel unternahmen in Landnähe Gruppenausflüge auf dem Meer in der Hoffnung, Abfälle von einem Fischkutter zu ergattern. Es sind Möwen, die sich in Scharen um Fischkutter versammeln, vor allem dann, wenn Hochseeangler eines dieser Boote gechartert haben und auf Makrelenjagd gehen. Diese intelligenten Vögel beobachten aus der Luft, wo sich gerade ein Makrelenschwarm aufhält und kreisen an der Stelle. Sie zeigen dem Bootsführer an, wohin er sein Schiff steuern muss, so dass die Anglercrew an dieser Stelle ihre Fächerangeln auswerfen kann. So ein Makrelenfächer besteht aus einer Kurzrute mit etwa sechs scharfen Haken an „Federködern“. Wenn das Boot die Fahrt gestoppt hat, schaukelt es leicht bis heftig auf den Wellen. An der Steuerbord- und Backbordseite werden die „Angelschnüre mit den Fächern“ ins Wasser gelassen. Makrelen sind Raubfische, die sich in den nackten Haken verbeißen und sich bereits nach wenigen Sekunden gleich dutzendweise aus dem Meer ziehen lassen.

Später, wenn auf der Rückfahrt die geangelten Fische ausgenommen werden, erhalten die Möwen ihren Anteil. Eine ausgewachsene Möwe kann im Flug eine Makrele von etwa 25 Zentimetern an einem Stück verschlingen, wenn sie ihr mit dem Kopf voran aus der Hand angeboten wird.
Solche und ähnliche Gespräche wurden an jenem Tag zwischen einzelnen Fahrgästen des Katamarans diskutiert. Befindet sich das Boot erst einmal auf der offenen See, also hinter der Inselkette Borkum, Juist, Norderney, ist außer Meer und Himmel nicht mehr viel zu beobachten, so dass Themen gerne von erfahrenen Küstenbewohnern dargeboten und vor allem von Touristen aufgegriffen werden, die von weit aus dem Binnenland angereist sind, um an der ostfriesischen Küste ihren Urlaub zu verbringen.

In einer der vorderen Reihen saß ein untersetzter Mann mit einer Sonnenbrille, die er bis auf die Haare hochgeschoben hatte und unterhielt die Fahrgäste links und rechts mit erlebten und erfundenen Anekdötchen. Dabei ließ er seine lebhaft funkelnden Augen unstet umherwandern, als wolle er nichts, aber auch nicht das kleinste Detail seiner Umgebung verpassen. Offensichtlich fühlte sich dieser gedrungene Endfünfziger als Mittelpunkt des Geschehens. Plötzlich rief er, indem er mit der rechten Hand in Richtung Bug wies: „Schaut mal da vorne!“ Er hatte es so laut gerufen, dass jetzt auch der Kapitän aufmerksam wurde und über die Lautsprecheranlage eine Information an die Fahrgäste lieferte: „Kaperschiff backbord voraus!“ Alles schaute in die angegebene Richtung. Das geschieht, in dem man dahin guckt, wo alle hingucken! Wer von den „Landratten“ weiß denn schon, dass steuerbord in Fahrtrichtung rechts und backbord eben links liegt? Und „stürbord“ besitzt ein „ü“ und hat demzufolge eine grüne Positionsbeleuchtung, und auf der anderen Seite wird rot beleuchtet.
Es wird berichtet, dass der Kapitän eines Frachtschiffes über eine geheime Kassette verfügte, an die er keinen heran ließ, nicht einmal seinen ersten Offizier. Bei der Mannschaft hatte sich diese Tatsache längst herum gesprochen. Eines Tages, es war ein trauriger, wurde der Kapitän sehr krank und verstarb bald darauf. Kurz nach seiner Bestattung liefen die Offiziere in die Kapitänskajüte, um nach dem Kästchen zu forschen. Sie wollten das Geheimnis endlich lüften und öffneten es heimlich. In der Kassette lag ein Zettel, auf dem mit zittriger Handschrift geschrieben stand: „steuerbord ist grün, backbord ist rot!“

Jedenfalls kam ihnen ein historisch anmutender großer Dreimaster  unter vollen Segeln entgegen, der auf dem Top des Großmastes die Flagge der Seeräuber gehisst hatte: ein Totenschädel über gekreuztem Knochenbein! Der Kapitän des Katamarans setzte ein akustisches Signal ab: einen durchdringenden, langgezogenen Basston. Dagegen mutet eine normale Autohupe wie das Zirpen einer Grille an!

Als die beiden Schiffe sich „auf gleicher Höhe“ befanden, rief der besagte Herr mit der Sonnenbrille im Haar: „Da, schaut mal auf den Mastkorb! Mich laust der Affe! Da sitzt ein Schaf im Ausguck!“