Amos und die Gutenachtgeschichte

„Also gut , noch eine Geschichte und dann wird aber geschlafen, lieber AMOS !“

Opa Hermann setzte an, vom einstigen Bilderbuch-Schweden Sven Hedin zu erzählen, von dem dereinst eine Geschichte in seinem Volksschul-Lesebuch stand. Von uns Schülern wurde erwartet,, dass wir diesen Herrn als „Phönix“ beklatschten – so wie auch den alkoholkranken Felix Graf Luckner alias „Seewolf“, der zweimal als Kinderschänder rechtskräftig verurteilt wurde, doch das nur nebenbei. Sven Hedin war also auf seinen Reisen einmal nahe dem Verdursten und fand im allerletzten Moment noch einen Tümpel, der ihn rettete .

Opa Hermann resümierte und sah das Piratenschaf dabei über den Brillenrand hinweg an und dozierte:“ „Wahrlich, eine Geschichte voller Metaphern  mit Bezügen zum  „Vorbildcharakter“, neben dem Abenteuer-Faktor natürlich.“

„Aber was wollte der denn damals in der Mongolei ? “ wollte Amos jetzt wissen. “ Na- für die  Nazis geeignete Landeflächen für die Lufthansa ausspähen. Man brauchte sie für die Achse Berlin-Tokyo.“

Das gefährliche Piratenschaf hatte mit geringem schafischem Interesse hingehört.   „Bitte,  was hat das alles mit  mir zu tun ? War der bei Werder-Bremen oder Vertreter für Kakao-Drinks ?“

Der alte Bergmann runzelte die Stirn.  „Na , wohl nichts davon ,aber ich versuche es einmal anders zu versinnbildlichen : Was hat das Gehampele von Seehofer und Merkel mit uns Bürgern zu tun ? Genau so wenig , nur hier werden die Protagonisten auch andauernd gerettet. Verkauft wird es uns als perfekte Wegweisung zu unserem Besten . Du musst folglich eine andere Logik der Sinnnbzüge entwickeln.“

Der kleine Held verstand nicht, war aufgestanden und hatte sich von seiner Kuscheldecke befreit. „  Siehst du, die deutlich proklamierte Unlogik ist heute voll der Trend, dem wir uns nicht entziehen können. Je schneller du das an dich heran lässt, umso glücklicher wirst du, freilich in friedlicher Belämmerung.“

Schweigend, beeindruckt und in bittender Suggestion hielt ihm AMOS seinen leeren Kakaobecher hin:

„ Auf Deutschland !?“

 

Neues aus dem „Schrebergarten“

Opa Hermann hatte Jupp und dessen Frau, Burgel, in seinen Garten eingeladen. Er hatte es sich vorgestellt, seine lieben Gäste mit einem Kirsch-Sufflé zu überraschen. Das Dumme war nur, dass ihm die Schwarzdrosseln, Krähen, Tauben und Raben die beiden Kirschbäume leergefressen  hatten.  Überreste zahlreicher angepickter Kirschen lagen auf dem Rasen verstreut.

Burgel: „Das ist also das angekündigte Kirsch-Sufflé“, meinte sie beim Betrachten der Überreste und hielt sich den Bauch vor Lachen. Jupp nahm seine Gattin zur Seite: “Hör auf zu lachen, Hermann wird schon ganz grün im Gesicht vor Ärger. Doch der hatte sich bereits gefangen: „Ich habe aber noch Gerstensaft  in Flaschen, da kommen die Viecher nicht dran. Sie kriegen den Kronenkorken nicht auf.“ Jupp pflichtete ihm bei: „Wir sind ihnen technisch überlegen!“

„Ich habe auch noch Kekse!“

Opa Hermann  verschwand im Inneren seiner Kate und erschien bald darauf mit einer  Keksverpackung, die bereits an Ansehnlichkeit verloren hatte. Jupp schaute misstrauisch drein: „Die kenne ich doch! Zeig mal her!“ Opa Hermann wurde es mulmig. Er hatte die Kekse von Burgel und Jupp zur Nikolausfeier geschenkt  bekommen. Wenn Burgel nun auf das Verfallsdatum blicken würde…

Genau das tat Burgel, denn sie hatte die Kekspackung  selbst als Geschenk von einem befreundeten Ehepaar anlässlich eines Hausbesuches  erhalten. Ihrer Kenntnis nach war das Verfallsdatum schon damals abgelaufen.

„Bevor wir die Kekspackung öffnen“, rief Jupp, „sollten wir uns über die Verfahrensweise ihres Inhaltes besprechen!“

Opa Hermann tat harmlos: „Zum Bier  verschnabeln“, riet er. „Vorschlag abgelehnt“, äußerte Burgel und fügte hinzu:“ Hol mal nen Kessel Wasser und drei Schnabeltassen, denn in dieser Packung  kann nur noch Pulver sein.“ So war es auch! Der Inhalt waren Pulver und Feinstaub.

Jupp verlangte nach einer Feinstaubmaske, denn er litt unter seiner Silikose.

„Dann  essen wir eben keine Kekse zum Bier, sondern reden über Politik!“  Dieser Vorschlag kam wieder von Opa Hermann. „ Da können wir auch gleich über den Inhalt der Apotheken-Rundschau  diskutieren“, nörgelte Burgel, in der neuesten Ausgabe sind Ratschläge zur Behandlung  der  Silikose.“

Ihr Mann verdrehte die Augen und röchelte: „Wer solche Freunde hat, der braucht keine Feinde mehr und fügte nach einer Weile selbstironisch hinzu:“Ich leide – also bin ich!“

„Du haust einen forensischen Kernsatz nach dem anderen raus“, staunte sein Kumpel Hermann, „Respekt!“

„Wenn du dreißig Jahre unter Tage gearbeitet hast, bringst du noch ganz andere Sachen raus“, brüstete sich Jupp, z.B. Antrazit in zäher Konsistenz. Opa Hermann stand auf. Er hatte Tränen in den Augen. Er nahm seinen Freund in den Arm und tätschelte dessen breiten Rücken.“Ist gut, Junge, scheiß auf die Kekse!“ Etwas anderes fiel ihm im Moment nicht ein.

Mittlerweile hatte die Sonne ihr strahlendes Gesicht in einer glutroten Wolke vergraben, aus der sie teilweise heraus blinzelte. Die angestrahlten Bäume und Büsche begannen zu glühen und warfen lange schwarze Schatten auf Weidefläche und Gebäude. Eine feierliche Stille senkte sich über Flora, Fauna, Mensch und Getier. Amos und Linda, die beiden Schafe, schauten von der angrenzenden Weidefläche zu ihnen herüber, als hätte sie die letzten Worte des alten pensionierten Steigers mitgehört.

„Soll ich das Akkordeon holen?“, fragte Opa Hermann. Habt ihr Lust auf „Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt?“

„Nee“, antwortete Burgel, „haste was von Karat?“ „Nö“, meine Ringe trage ich unter den Augen! Weshalb fragst du?“ Opa Hermann lebte von Geburt an in Bottrop und war noch nie in Dresden. Wie sollte er auch die Gruppe „Karat“ kennen, die in der damaligen DDR sehr beliebt war?

Davon abgesehen besaß der Hausherr außer der 60 Jahre alten „Hohner – Verdi III“ nur noch einen alten Volksempfänger, der noch mit Röhren bestückt war und mit einer „Lötlampe vorgeglüht“ werden musste.

Jupp hatte sich wieder gefangen und bekam Oberwasser. Ihm war die Situation um Opa Hermanns Hausstand bestens bekannt. Er musste jetzt einfach einen angemessenen Spruch loswerden und bat um ungeteilte Aufmerksamkeit, in dem er zwei leere Bierflaschen gegeneinander schlug: “Hermann, altes Kohleflöz, ich würde mich an Deiner Stelle bei der Sendeleitung „Bares für Rares“ bewerben, dann lernst Du endlich auch mal jemanden kennen, der gut kochen kann.“

Fußball, Fußball

 

 

Jupp und Opa Hermann saßen wieder einmal auf der Gartenbank vor der kleinen Kate. Soeben war das Fußballspiel Deutschland gegen Mexico mit null zu eins verlorengegangen. Der alte ehemalige Zechenkumpel von Prosper 1 in Bottrop war  enttäuscht. Er schimpfte wie ein Rohrspatz: „Ich habe mich um ein Tor vertan! Die Mexikaner hätten zwei Tore treten müssen.“ „Du bist mir ja einer“, stichelte sein Kumpel Jupp und hustete einen Brocken Antrazit neben die Gartenbank, „weshalb hältst du nicht zur Nationalmannschaft?“ „Zu  Deutschmercedesland? Oder Mercedes-Coca Cola- Fußland-balldeutsch? Nee nee nee! Außerdem hat der Löw  eine falsche Mannschaft zusammengestellt. Wie kann man den Reuß ohne den kleinen Mario auf das Spielfeld lassen?“ „Meinst du den Barth?“ „Ach wat, den anderen Mario, den Götze!“

„Ach so, ja, du hast völlig Recht, die Nationalmannschaft müsste genau genommen Mercedes Deutschland- Elf heißen, weil sie auf ihren Trainingsanzügen den Mercedes-Stern tragen – übrigens ohne zu klagen!“

„Und was trinkt man da so bei der Weltmeisterschaft“, fragte Opa Hermann lauernd? Jupp konnte die Frage beantworten:“ Coca Cola natürlich! Ja, nicht die Spieler, sondern die Kinder! Das süße Zeug macht dicke Kinder und oft auch hässliche dicke Kinder. Die werden dann in der Schule gemobbt. Das wiederum ruft die Eltern auf den Plan. Sie mit einer Gurkenmaske im Gesicht und einem Handtuch auf dem „Kopp“ und er mit nem halbvollen Sechserträger Krombacher in der Hand.“ „Jupp, ich muss doch sehr bitten!“

„Vielleicht sehe ich das aber auch alles viel zu eng“, stöhnte Jupp. „Der ethisch saubere Fußball ist kein Klammerfußball  mit eingetretenem Jochbein – oder heißt das „eingesprungene Waage?“ – wird in Liechtenstein und Andorra ausgetragen. Man sollte übrigens mal Unterwasserfußball spielen lassen – alles in Zeitlupe mit schweren Bleischuhen an den Füßen und Betonball, weil der mit Luft befüllte Ball  fortlaufend an die Oberfläche steigen will. Auch die Physiognomie der Spieler – alles in Zeitlupe – wenn sie den Mund aufreißen bis an die Ohren und Wassereinbruch erleiden. Der Ton wird mit Unterwassermikrofonen aufgenommen. Dazwischen Einspielungen von Walgeräuschen während der Brunstzeit. In den Halbzeitpausen gibt es dann Unterwassercoke mit Rasierschaum. Dazu werden akustische Geräusche gereicht, wie wenn ein U-Boot von einem Radarimpuls getroffen wird. Und überall Mercedes-Sterne, unter Wasser, über Wasser, an den Wänden der Becken. Man kann natürlich nicht auf offener See spielen  wegen der Schleppnetze der Fischerboote. Wenn die sich in einem Mercedesstern verfangen, der Motor des Bootes aber von Deutz oder MAN ist, kann es zu Klagen kommen vor dem Kraftfahrzeugbundesamt.“

„Wegen der Abgaswerte oder wegen der Monopolstellung am Trikot der Nationalmannschaft!“ „Trainingsanzüge! Außerdem ist für Monopolstellungen das Kartellamt zuständig, das Bundeskartellamt!“

„Alter Besserwisser „, maulte Opa Hermann,“ich gehe nach den Ziegen sehen!“ „Schafen, Hermann, Schafen und weshalb nennst du mich einen Besserwisser?“

 

Amos und die „fake-news“

Es war eine liebgewordene Gewohnheit, dass Opa Hermann jeden Morgen die Artikel aus dem „Ostfriesen-Kurier“ vorlas, die AMOS verstand. Hierzu hatte das gefährliche Piratenschaf schon mit interessierter Mine auf der Küchenbank Platz genommen …

„Du – hör mal , man hat JESUS mit 2,6 Promille am Steuer erwischt. Dann nützt ihm auch seine himmlische Immunität nichts mehr! Aber in was für einer Welt leben wir eigentlich ?“

In tiefem Schock zog der kleine Held die Kuscheldecke weit über die Augenklappe und rührte sich nicht mehr.

„Hey – das war doch nur ein Spaß !  Komm mal wieder her, sonst wird dein Kakao kalt !“ Aber Amos kam nicht, und deshalb versuchte Opa Hermann es mit Ernsthaftigkeit: „Also das sollte ein Beispiel für fake-news, also frei erfundene Nachrichten sein, worauf auch einige reinfallen. Aber man sollte alle Mitteilungen kritisch lesen, was da überhaupt drin steht. So verkündete beispielsweise das Landwirtschaftsministerium, dass es der Wolf-Frage zumindest näher treten will. Allerdings will man die Naturschützer von NABU und B.U.N.D. nicht unbedingt gegen sich aufbringen. Schließlich gehört der Wolf ja zu Deutschland, so wie das Rotkäppchen und dann stürzt sich auch ganz schnell die AfD darauf, weil sie auf alles Deutsche gern reagieren! Was haben sie also mitgeteilt ? Na, dass sich erst einmal raus- halten und nicht viel passieren wird !“

Der alte Bergmann nahm noch einen großen Schluck Kaffee.    „Hast du verstanden, was ich damit meinte ?“ Amos nickte ergriffen und setzte zu einer markigen Antwort an : „Klar, das ist eine fake news, denn Fakt ist, dass mein Kakao wohl kalt wird, dass weiter das Rotkäppchen gefährlich ist und man ihm besser aus dem Weg gehen sollte !“

 

 

 

 

Amos und die gegenwärtige Politik

„Der Regen soll aufhören“, sagen die Nachfolger von Kachelmann jedenfalls, „aber die sind sowieso nur zweite Wahl!“

Opa Hermann sah von seiner Frühstücks-Zeitung hoch und zwinkerte dem gefährlichen Piratenschaf zu, was gerade an seinem Kakao durch den Strohhalm nuckelte.

„Aber viel schlimmer ist doch, dass Präsident Trump keinerlei Plan hat und immer nur nach Lust und Laune zu entscheiden scheint!“

AMOS blickte ihn in einer Mischung aus „Erschrocken“ und „Bewunderung“ an, witterte aber auch seine Chance, mit dezentem, intellektuellem Feingeist punkten zu können:

„Nun,“, legte er in salbungsvoller Erkenntnis los: „ Es ist doch ein Zeichen der Zeit, dass heute viele Mitmenschen schon länger keinen wirklichen Plan zu haben scheinen!“ Der väterliche Freund schaute ihn irritiert an. „ Und was, bitte, willst du damit sagen? Was meinst du denn damit?“ Das gefährliche Piratenschaf errötete unter dem Fell und suchte nach den richtigen Worten: „Du sagtest es doch selbst : Die Frühstücks-Fernseh-Aufmischer, die Daily Soaps und die Hausfrauen- und Arbeitslosen-Sendungen dürfen doch nichts kosten und wirken oft so, als sei der Regisseur längerfristig erkrankt, aber alles hat FANS, und es scheint niemanden zu stören. Wenn nun der erste Mann Amerikas dummes Zeug erzählt und auch noch umsetzt, dann legen ihm  die Leute das als „Neue Härte, Biss und Arsch in der Hose“ aus, weil es eine Abwechslung im Einheitsbrei ist!“.

Opa Hermann hatte die Lesebrille abgesetzt und dachte nach.

„So falsch liegst du da nicht, denn auch unsere Merkel schwimmt oft ziellos auf einem Sahnehäubchen, wovon die Wähler nicht viel haben, aber sie ist so abgeschirmt, dass da nichts passiert.“

AMOS war froh und stolz, kein dummes Zeug von sich gegeben zu haben.

„Pilsken und Kakao?“

„Klaro – und wohl bekomms!“

 

Amos und die verbreitete Verunsicherung

“ … aber ich habe jetzt Appetit auf einen Kakao !“

Leicht genervt und wegen der Kälte auch durchgefroren band Opa Hermann dem gefährlichen Piratenschaf den WERDER-Schal zwei mal um das Köpfchen und zupfte die verrutsche Augenklappe zurecht. „Du hast doch sicher noch das Ein-Euro-Stück im Fell, was ich dir gestern gab ? Schau mal,  da vorn ist eine Tankstelle. Dort kannst du ja dein Glück mal versuchen!“ AMOS stieg vom Fahrradanhänger und trabte in Richtung Tankstelle, nahm die Kuscheldecke aber über die Schulter gelegt mit. Kein weiterer Kunde war zu sehen weder an den Zapfsäulen noch im Kassenraum, wo ihn der Pächter erschrocken anstarrte. „Kakao!“ stöhnte das gefährliche Piratenschaf vor Kälte bibbernd, weil es schnell nach Hause wollte.

„Nimm alles, aber tu mir bitte nichts, “ hechelte der Mann hinter dem Tresen, schob ihm rasch die Tageseinnahmen und ein Six-Pack Kakao zu. . Das Piratenschaf sah mit der Augenklappe  wirklich zum Fürchten aus. „Nehmen, einfach nur mitnehmen – und bitte nicht schießen ! Hier, das ist alles für dich !“. „O, da bedanke ich mich aber recht herzlich und wünsche noch einen schönen Tag, der Herr !“ Der Pächter hatte sich indes flach auf den Boden gelegt und wagte es nicht sich zu bewegen.

Als es wieder beim Fahrradanhänger ankam fragte Opa Hermann, ob es denn mit dem Geld ausgekommen sei ? „Ja – der Mann in der Tankstelle war sehr freundlich, und da waren wohl gerade Werbewochen …“.

 

 

 

Amos und der Tod im Kühlschrank

„Das ist jetzt eine wahre und sehr traurige Geschichte – also benimm dich bitte dementsprechend …“  Das galt AMOS. Opa Hermann schob dem Freund auf Besuch ein Pilsken hin, was dieser dankbar schlürfte und wehmutsvoll zu schildern begann: „Sie war so ruhig, fiel nie auf. Ihr Alter konnte niemand schätzen und sie liebte doch so sehr frisches Gemüse. Dabei störte sie nie irgendwen in ihren Zeitlupenbewegungen. Wer sie kannte, musste sie gern haben. Und nun ist sie tot – einfach nicht mehr am leben.“

„Schlimmer Einschnitt – wo fand man denn ihren Leichnam?“ Der alte Bergmann wollte so behutsam wie möglich fragen, was dem gefährlichen Piratenschaf freilich nicht entging und es auch einen kleinen Beitrag dazu leisten wollte: „Sie hinterlässt nicht nur tiefe Betroffenheit bei den nächsten Liebsten,“ formulierte es seine schafische Anteilnahme, „sondern sicher auch einen leeren Schreibtisch in der Behörde, bei trauenden Abteilungskollegen,  nicht wahr ?“ Opa Hermanns Freund sah das gefährliche Piratenschaf entgeistert an. „Behörde ? Verwaltung ? Nein,  ich beklage das Ableben meiner Schildkröte „Silly“. Ihr Leben erlosch im Gemüsefach des Kühlschranks, in den ich sie zum Winterschlaf immer legte, denn da waren jeweils konstante acht Grad, was sie über viele Jahre sehr gut fand. Im Frühjahr kam sie immer in den Garten und passte auf Einbrecher auf.“

„Wie das ?“ fragten der alte Bergmann und AMOS im Chor .“Na, einmal kam wirklich ein Einbrecher. Der stolperte im Dunkeln über sie und fiel in die aufgestapelten Gartenstühle Dann verschwand er fluchend . Und nun ist sie tot.“

Eine Schweigeminute untermauerte dann noch das tragische Ableben oder  den schönen Tod in frischem Gemüse, just nach Schildkröten-Geschmack .

Amos in der studentischen Burschenschaft

„ … Und da gibt es wirklich viel zu trinken ?“

Das gefährliche Piratenschaf konnte sein Glück kaum fassen und dachte natürlich an Mengen heißen Kakaos. Die studentische Burschenschaft hatte nämlich zum „Tag der offenen Tür“ in ihre Villa eingeladen, und Opa Hermann übte gerade einen Krawattenknoten.

„Fuchs AMOS … hat er eigentlich jedient ?“ begrüßte der Fuchs-Major die beiden. mit herrischem Tonfall.“ Der kleine Held drehte sich verängstigt in Erwartung eines „Fuchses“ von hinten um.

„Silentium – und nicht herumlungern. Da vorn geht’s zur scharfen Mensur “, erfuhren die beiden.  Um sie herum erklang veraltetes Deutsches Liedgut. „Ihr wollt doch sicher auch bald das „Band“ tragen ?“ Etikette ist alles – und immer bereit, sechs Hiebe auf den Paukboden zu schlagen und niemals zurückweichen.“ AMOS fragender Blick verriet, dass er nichts verstanden hatte. Um seine Verlegenheit  zu überspielen erklärte er, dass er ein gefährliches Piratenschaf sei – so mit piratiger Augenklappe.

„Recht so – und weitermachen,“ erhielt er als Antwort. „Extremsituation plus Gemeinschaft gleich Freundschaft. Alles zur Pflege des wertvollen Deutschtums.“ Bei dem gefallenen Begriff „Pflege“ dachte der kleine Held an „Fuß- oder Hufpflege“ und nickte beeindruckt, fast ehrfürchtig. Alsdann wurde ihm ein Humpen hellen Bieres gereicht, aus dem zwei Strohhalme ragten.

„Hoch lebe der Spender dieser edlen Runde, auf das er so alt werde, wie der Stockfisch vor Islands Küste.“  Ein schmächtiges und wirklich altes Männchen mit Kappe und Band winkte mit einem ebenfalls gefüllten Krug aus der Ecke.

„An den Nabel, an den Schnabel … ex …!“

„Habt ihr denn gar keinen Kakao ?“ war die Frage und dann überlegte er, dass er ja zu der Gattung der ostfriesischen Lämmer gehörte und keineswegs über einen „Schnabel“ verfügte …

„Opa Hermann, ich glaube, ich möchte jetzt doch schnell nach Hause .“ Der stimmte sofort zu, weil er befürchtete, dass die Trinksprüche mit zunehmendem Alkoholgenuss noch grober werden könnten.

 

 

 

 

 

Amos und die zeitgemäße Lotterie

„Wouw– Wahnsinn! Was für eine Geschäftsidee !! Das ist ja genial!“

Opa Hermann prustete seinen morgendlichen Kaffee fast über die Zeitung, und das gefährliche Piratenschaf beeilte sich, seinen Kakaobecher nebst Strohhalm in Sicherheit auf die entgegengesetzte Tischseite zu bringen. „Hör mal, Amos : Da veranstaltet jemand eine Lotterie für zeitnahe Termine bei Fachärzten. Diesmal ist der Hauptpreis ein Termin beim Augenarzt. Es ist doch klar, dass wir da mit machen …“ Der kleine Held zuckte zusammen. Hatte er die Augenklappe zu lange auf einer Seite getragen ? Der alte Bergmann band sie doch immer von links nach rechts und umgekehrt, damit er nicht wirklich ein Augenleiden bekäme. Und nun ? Ihm wurde schon ganz anders!

Opa Hermann war aufgestanden und hielt freudig den Artikel hoch. „Wir wollen, nein,  wir  m-ü-s –s-e-n  einfach gewinnen!“

„ A – aber hast du denn etwas an den Augen ?“, fragte das verängstigte Piratenschaf. „Das ist mir leider gar nicht aufgefallen .“ Der väterliche Freund kraulte ihm – halt „väterlich“ – mit breitem Grinsen das Lockenköpfchen: „Nein, natürlich nicht ! Gottlob ! Aber wenn wir diesen Termin gewinnen, dann können wir ihn doch mit reichlich Aufpreis zu unseren Loskosten weiterverkaufen! Was meinst du, wie sie uns den aus den Händen, bzw. Hufen reißen ?! Hast du nun alles verstanden ?“

AMOS bemühte sich, diesmal nicht belämmert drein zu schauen. „Was bedeutet denn dabei die Bezeichnung „zeitnah?“

„Weniger als ein Jahr Wartezeit , und das ist doch wohl der Hammer !“

 

 

 

 

 

Amos und die unerwartete Genugtuung

„… Ich weiß nicht mehr genau, wo du warst, jedenfalls stand hier mal ein Fremder im Anzug im Eingang. Der winkte grinsend mit einem Autoschlüssel und zeigte auf einen großen Wagen :„Da ist er – ihr Hauptgewinn …“.

„Für mich – habe ich den etwa gewonnen ? Ich fasse es nicht …“.

„Nein …“, fuhr Opa Hermann fort. „Es war nur der üble Trick eines Autoverkäufers, um zu einer Probefahrt zu ködern.“ Enttäuscht sackte AMOS zusammen, der sich schon auf dem Beifahrersitz sah.

„ Aber es ging ja auch noch weiter. Jedenfalls klingelte er einmal bei einer attraktiven jüngeren Dame, die auch erst darauf herein fiel, sich dann aber interessiert zeigte und fragte, ob es auch die Autobahn sein dürfe?     Milde lächelnd erklärte er PS-Zahl und Beschleunigungsmoment, wohingegen sie ihn bat, sich doch gut anzuschnallen. Die Fahrt ging also los, und sie holte alles an Geschwindigkeit heraus, was das Fahrzeug hergab. Es wurde gerast, gejagt, überholt und auch gebremst Süffisant lächelnd überhörte sie sein Gejammer und Gestöhne und zeigte sich auch ungerührt, als er sich übergeben musste. Wieder zu Hause angekommen winkte  diesmal  sie mit dem Autoschlüssel : „Danke – ganz lieben Dank, dass ich Probe fahren durfte, nur leider ist das nicht das, was ich suchte, aber sie waren sehr nett!“  Dann drehte sie sich noch einmal um und bemerkte spitzbübisch : „Meine große Leidenschaft sind übrigens Rallyes – und die Preise, die ich mir da hole .Kommen sie gut heim.“

AMOS hatte erregt zugehört und der alte Bergmann meinte noch mit leichter Schadenfreude :„Schade, dass wir nicht dabei waren, als er seinem Chef erklären musste, warum der neue Vorführwagen nach Erbrochenem riecht!  Der nette Herr wurde danach auch nirgendwo mehr gesehen.“