AMOS DAS PIRATENSCHAF-das Buch ist da!

Das Buch- Amos das Piratenschaf- ist erschienen. Nachfolgend sind 2 Geschichten aus dem Buch abgedruckt als Leseproben. 164 Seiten, Paperback, € 15,99 oder als e-book zum Einführungspreis von € 7.- nach 14 Tagen 9.-€

Das Buch ist im Verlag Books on Demand, Norderstedt, erschienen, die Autoren sind Rainer Dietrich und Hartmut T. Reliwette

ISBN 97 83 74 94 22 661

Wie alles begann

 

Geschichten um Amos, das Piratenschaf

 

Die Sonne stand bereits hoch am Himmel. Sie warf irrisierende Lichtflecke auf die Wasseroberfläche der Ems, die im Dollart in die Nordsee mündet. Ein wunderschönes Schauspiel bot sich den Reisenden auf der Fahrt mit dem Katamaran nach Helgoland. Noch war die offene Nordsee nicht erreicht, deshalb war die Wasseroberfläche auch nur leicht gewellt und wechselte in rascher Folge die Farben, so dass ein menschliches Auge sich schwer tat, die Farben von Wellenspitzen und -tälern so zuzuordnen, dass man das malen könnte. Es wird gesagt, dass sich im Wasser die Farben der Umgebung widerspiegeln, wobei auch die Farbe des Himmels eine Rolle spielt. Bei der Ems gesellt sich noch eine weitere Farbe hinzu: sie rührt vom Schlick her, welchen die auflaufende Flut in Richtung Binnenland hereinspült. Mit einiger Verspätung erreicht die Flut unter anderem das riesige Emssperrwerk und darüber hinaus auch die Leda, welche bei Leer in die Ems mündet.

Der Katamaran war ein geschlossenes Fahrgastschiff mit gewaltiger Motorenstärke. Sobald das Schiff das Binnengewässer verlassen hatte, nahm es Fahrt auf und hob sich zum Teil aus dem Wasser, berührte dieses nur noch mit den Gleitflächen am Rumpf des Bootes und dem Antrieb am Heck.
Die Fahrgäste hatten sich bereitwillig auf dieses Abenteuer eingelassen. Nur wenigen war bekannt, dass bei höherem Seegang ab Windstärke 5 das Reisen mit dem Katamaran alles andere als erholsam war. Dann kam es vor, dass das Boot Bocksprünge vollzog, so dass es einigen Reisenden auch schon mal hundeübel wurde.

Dies war an jenem schönen Vormittag aber nicht der Fall. Das Meer zeigte sich von seiner schönsten Seite. Der Wind wehte aus West-Südwest und Seevögel unternahmen in Landnähe Gruppenausflüge auf dem Meer in der Hoffnung, Abfälle von einem Fischkutter zu ergattern. Es sind Möwen, die sich in Scharen um Fischkutter versammeln, vor allem dann, wenn Hochseeangler eines dieser Boote gechartert haben und auf Makrelenjagd gehen. Diese intelligenten Vögel beobachten aus der Luft, wo sich gerade ein Makrelenschwarm aufhält und kreisen an der Stelle. Sie zeigen dem Bootsführer an, wohin er sein Schiff steuern muss, so dass die Anglercrew an dieser Stelle ihre Fächerangeln auswerfen kann. So ein Makrelenfächer besteht aus einer Kurzrute mit etwa sechs scharfen Haken an „Federködern“. Wenn das Boot die Fahrt gestoppt hat, schaukelt es leicht bis heftig auf den Wellen. An der Steuerbord- und Backbordseite werden die „Angelschnüre mit den Fächern“ ins Wasser gelassen. Makrelen sind Raubfische, die sich in den nackten Haken verbeißen und sich bereits nach wenigen Sekunden gleich dutzendweise aus dem Meer ziehen lassen.

Später, wenn auf der Rückfahrt die geangelten Fische ausgenommen werden, erhalten die Möwen ihren Anteil. Eine ausgewachsene Möwe kann im Flug eine Makrele von etwa 25 Zentimetern an einem Stück verschlingen, wenn sie ihr mit dem Kopf voran aus der Hand angeboten wird.
Solche und ähnliche Gespräche wurden an jenem Tag zwischen einzelnen Fahrgästen des Katamarans diskutiert. Befindet sich das Boot erst einmal auf der offenen See, also hinter der Inselkette Borkum, Juist, Norderney, ist außer Meer und Himmel nicht mehr viel zu beobachten, so dass Themen gerne von erfahrenen Küstenbewohnern dargeboten und vor allem von Touristen aufgegriffen werden, die von weit aus dem Binnenland angereist sind, um an der ostfriesischen Küste ihren Urlaub zu verbringen.

In einer der vorderen Reihen saß ein untersetzter Mann mit einer Sonnenbrille, die er bis auf die Haare hochgeschoben hatte und unterhielt die Fahrgäste links und rechts mit erlebten und erfundenen Anekdötchen. Dabei ließ er seine lebhaft funkelnden Augen unstet umherwandern, als wolle er nichts, aber auch nicht das kleinste Detail seiner Umgebung verpassen. Offensichtlich fühlte sich dieser gedrungene Endfünfziger als Mittelpunkt des Geschehens. Plötzlich rief er, indem er mit der rechten Hand in Richtung Bug wies: „Schaut mal da vorne!“ Er hatte es so laut gerufen, dass jetzt auch der Kapitän aufmerksam wurde und über die Lautsprecheranlage eine Information an die Fahrgäste lieferte: „Kaperschiff backbord voraus!“ Alles schaute in die angegebene Richtung. Das geschieht, in dem man dahin guckt, wo alle hingucken! Wer von den „Landratten“ weiß denn schon, dass steuerbord in Fahrtrichtung rechts und backbord eben links liegt? Und „stürbord“ besitzt ein „ü“ und hat demzufolge eine grüne Positionsbeleuchtung, und auf der anderen Seite wird rot beleuchtet.
Es wird berichtet, dass der Kapitän eines Frachtschiffes über eine geheime Kassette verfügte, an die er keinen heran ließ, nicht einmal seinen ersten Offizier. Bei der Mannschaft hatte sich diese Tatsache längst herum gesprochen. Eines Tages, es war ein trauriger, wurde der Kapitän sehr krank und verstarb bald darauf. Kurz nach seiner Bestattung liefen die Offiziere in die Kapitänskajüte, um nach dem Kästchen zu forschen. Sie wollten das Geheimnis endlich lüften und öffneten es heimlich. In der Kassette lag ein Zettel, auf dem mit zittriger Handschrift geschrieben stand: „steuerbord ist grün, backbord ist rot!“

Jedenfalls kam ihnen ein historisch anmutender großer Dreimaster  unter vollen Segeln entgegen, der auf dem Top des Großmastes die Flagge der Seeräuber gehisst hatte: ein Totenschädel über gekreuztem Knochenbein! Der Kapitän des Katamarans setzte ein akustisches Signal ab: einen durchdringenden, langgezogenen Basston. Dagegen mutet eine normale Autohupe wie das Zirpen einer Grille an!

Als die beiden Schiffe sich „auf gleicher Höhe“ befanden, rief der besagte Herr mit der Sonnenbrille im Haar: „Da, schaut mal auf den Mastkorb! Mich laust der Affe! Da sitzt ein Schaf im Ausguck!“

 

 

Balgerei auf der Cara Mia

Was dem einen sein Holzbein – ist dem anderen sein Glasauge

 

Nun lag die Cara Mia bereits seit drei Wochen im Leeraner Hafenbecken. Das Interesse der Bevölkerung an den lieben Piraten hatte nachgelassen. Den angeschimmelten Tee wollte auch niemand kaufen. Hornblewer ließ die 14 Kisten Darjeeling-Tee nachts einfach im Hafengewässer „verklappen“. Keiner hatte etwas bemerkt. Spaziergänger wunderten sich über den muffigen Geruch, der sich seitdem über dem Hafengelände breit machte. Im Rathaus schüttelten die Gemeinderatsmitglieder ihre Köpfe, nachdem ein Gutachten bei einem Unternehmen in Auftrag gegeben worden war, das es hätte herausfinden sollen. Besser hätte man den Piratenkapitän Hornblewer fragen sollen: es wäre billiger gekommen.

Jedenfalls bekam es die Piratenmannschaft mit der Langeweile zu tun. Hornblewer wusste, dass dies gar nicht gut für die Moral der Männer bestellt war. Er besann sich auf ein geeignetes Mittel, um dies abzuwenden und berief wieder einmal eine Mannschaftssitzung ein. Das tat er immer, wenn er Befehle erteilen wollte, ohne den Bootsmann zwischenzuschalten.. Also traf man sich wie üblich im „Speisesaloon“ des Schiffes. Nun weiß ja jedes kleine Kind, dass ein Speisesaal auch „Mensa“ genannt wird, was lateinisch ist und „Tisch“ bedeutet. Allerdings war es ein sehr langer Tisch, an welchem die Piratenmannschaft Platz nahm.

Tagesordnungspunkt war der Umstand, dass die Piratenmannschaft herumgammelte anstatt sich nützlich zu machen. Deshalb bat Hornblewer um Wortmeldungen zu dieser Tatsache. Der Bootsmann meldete sich mit Handzeichen. „Was gibt`s , Boot“, fragte Hornblewer? „Das Tauwerk müsste nachgesehen werden, der Anker entrostet und das Deck geschrubbt werden“. empfahl „Boot“. Dankbar griff der Piratenkapitän diese Empfehlung auf: „Ihr habt es gehört, Männer, aber dass mir niemand dabei an das Rumfass geht! Geschrubbt wird mit Wasser, aber nicht mit Rum!“ Das Ende der Sitzung erfolgte durch Hornblewers lauten Befehl „Ausführung!“ Murrend und knurrend begaben sich die Piraten auf das Oberdeck. „Wo ist die Wasserausgabe“, stichelte einer der Piraten und zog dabei den Kopf ein. „Im Hafenbecken“, schrie „Boot“, der Bootsmann.
„Ich lasse dich gleich kalfatern, sobald ich rausgekriegt habe, wer da gerufen hat!“ (Kalfatern bezeichnet das Eintreiben von Hanfseil“ oder „Werg“ in die Fuge   zweier Außenplanken eines Schiffes, bevor diese mit Pech eingestrichen wird. Beim Menschen müsste dieser Vorgang sehr schmerzhaft sein ).
Bald darauf ging die Schrubberei los. Das vollzog sich kniend und zwar mit „Wurzelbürsten“ und Knochenseife. Ein farbiger Pirat war mit seiner Bürste dem Onnen in die Quere gekommen, was diesen aggressiv stimmte. „Pass auf, wo du hinbürstest, Holzauge“, bellte er seinen Kumpanen an. Der konterte sofort mit „besser ein Holzauge als ein Glasauge mit Sprung!“ „Waaaas?“ Es ging verbal hin und her: “So doof wie du bin ich schon lange“ und: „wenn du glaubst, du hättest einen Verrückten vor dir, bist du bei mir aber gerade richtig!“ Das gipfelte dann in völliger Selbstüberbewertung wie „alle Welt kennt mich!“ und „mir kann keiner!“
Als es nichts mehr zu steigern gab, fiel dem farbigen Piraten ein, sein Holzbein zu bewerten: „Ich habe aber drei Kerben in meinem Holzbein, bätsch!“ Onnen konterte sofort: „Ich habe auch drei Kerben und dazu noch einen eingebrannten Mercedes Stern!“
„Meines ist aber aus Mahagoni, ätschi bätschi!“ „Und meins aus Makkaroni, böööööööh!“
Die übrigen Piraten hatten das mitgekriegt und begannen Partei zu ergreifen. Sie umringten die beiden Streitlustigen. „Hau ihm mit der „Maschpe“ auf die „Pompfe“ ( mit der Keule auf den Kopf)!“ rief einer. Ein anderer hetzte mit der Aufforderung: „Kratz ihm das Holzauge aus!“ Bald darauf fingen die Piraten an, auf den vermeintlichen Sieger zu wetten. Es drohte eine echte Keilerei. Da hatte der etwas kleinere Onnen eine gute Idee, mit heiler Haut der Situation zu entkommen.

Während einer der Piraten den Buchmacher spielte und Wetteinsätze kassierte, rief Onnen mit lauter Stimme: „Ich habe hier eine Wurzelbürste zu versteigern, wer bietet mehr?“. Und damit hatte Onnen auf das richtige Pferd gesetzt, denn die Piraten hatten in ihrem Wetteifer gar nicht mitbekommen, dass sie nicht mehr auf einen Sieger wetteten, sondern auf eine Wurzelbürste, die Onnen noch nicht einmal gehörte.

So ist das Gerücht entstanden, dass mit dieser Methode unter anderem auch an der Börse gezockt wird,