Nicht zu fassen II

Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht die Hände über dem Kopf zusammenschlage: Es wird immer verrückter! Ein Zustand des Normalen wird nicht mehr eintreten, glaube ich.

Seit gestern weiß ich, dass König Adalbert einen Nebenbuhler hat, es wird im TV geworben was das Zeug hält: Mit Anwartschaft auf den Thron von Italien. Sein Name: König Rotbier, der jetzt durch glänzend rote Farbe auf sich aufmerksam macht.

Ich frage mich zu Recht: Was soll das? Wenn geworben wird, dann bitte in richtigen Zusammenhängen! „Das Rotbier von König!“ Fehlt noch der Werbeslogan: „Das König unter den Bieren! Scheiße, Scheiße, dumm gelaufen!

Wer solche blöden Sprüche klopft, der kann auch kein vernünftiges Bier brauen – wird so mancher Biertrinker vermuten.

In Deutschland mangelt es an Disziplin: „Vordermann, Seitenabstand!“ Zur Zeit der Preußenherrschaft bekamst du am Schalter erst das Formular nach der Antwort auf die Frage: „Ham Se jedient?“

Da halten heute im Supermarkt zwei Quatschheinis den Gang verstopft, trotz Anweisung, den Abstand von 1,5 Metern zum Nebenmann einzuhalten. Sie erinnern sich? Coronavirus!

Widerwillig wird der Gang nach Aufforderung freigegeben. Ihr könnt euch freuen, Zeitgenossen, dass sich dieser Vorgang nicht um 1908 in Klondyke ereignete, als die Colts sehr locker saßen! Damals wurde der Weg freigeschossen.

Die Amerikaner, so wurde in den Nachrichten vermittelt, sind da viel disziplinierter! Sie haben sich zur Zeit der Pandemie mit Waffen und Munition eingedeckt! Bei uns in Deutschland ist es Klosettpapier, für das man keinen Waffenschein benötigt!

Endlich ein Hinweisschild im Edeka-Markt: Pro Einkauf maximal 2 mal Toilettenpapier und zwei Packungen Wischrollen! Es gab auch wieder Nudeln!

Was willst du mit Pappnasen anfangen? Gut – einen Krieg wollen wir nicht! Gott sei Dank! Mit Pappnasen könnte man ihn auch nicht gewinnen!

Das klingt aggressiv! Ja was denn? Willst denen auch noch auf die Schulter klopfen? Die meisten glauben doch, dass die Pandemie in den nächsten vierzehn Tagen abgelaufen ist!

Nicht, solange irgendwelche Pappnasen Coronapartys feiern nach dem Motto: Mich kann keiner!

Und wie viele Menschen arbeiten zur Zeit in ihren Berufen weiter, ständig in Gefahr, sich zu infizieren? Da müsste aber jeder eine Anstecknadel aus purem Gold erhalten und nicht einen Blechorden mit der Aufschrift: Held der Arbeit!

Was hat König Rotbier mit den Helden unserer Tage zu tun? Einfach mal wach werden und den Verstand einschalten! Alle Seitenabstände und Abstände zum Vordermann müssen nicht gesetzlich geregelt werden. Bierflaschen hingegen können dicht bei dicht stehen, denn sie werden in den meisten Fällen einzeln getrunken.

Das musste der alte Kunstmeister mal loswerden!

Bleiben Sie gesund, auch wenn Se nich jedient haben!

Von großer Bedeutung

Es gibt Menschen, die können mit mehreren Bällen jonglieren. Das ist bemerkenswert! Im Laufe meiner Ausführungen komme ich darauf zurück:

Seit Jahren rege ich mich auf, wenn so ein Selbstdarsteller seine Kommentare mit der Bemerkung beginnt:„Ich persönlich“ und bedeutungsarm:“halte da nicht viel von“ anfügt.

Ja ja, du Gnom bist von besonderer Wichtigkeit. Weshalb sagst du nicht: „Meiner völlig unbedeutenden Einschätzung nach (lag der Tote schon zwei Tage dort!) oder etwas anderes Wichtiges, was zur Aufklärung eines Sachverhaltes beitragen kann.

„Hören Sie mal“ oder „hör mal zu“ ist auch so eine Floskel unseres Tagesgeschäftes. Im Grunde ist das eine Unterstellung, nämlich jener, dass mir mein Gegenüber nicht zuhört, wenn ich mich an ihn wende.

Seinen Äußerungen und Anliegen ein besonderes Gewicht anzulasten, das steckt dahinter. Sie als Psychologe haben das natürlich durchschaut und blicken skeptisch über den Brillenrand.

Nein, nein, nicht als Diplom Psychologe! Psychologe dürfen Sie sich nennen, sobald Sie den tieferen Sinn eines Verhaltensmusters einer Person erkannt haben.

Fragen Sie zurück: „Spreche ich jetzt gerade mit Ihnen oder mit Ihrem Harvey?“

Die Menschen benehmen sich wie Marktschreier oder Aalverkäufer auf dem Fischmarkt in Hamburg, wenn sie jemandem etwas andienen wollen, was sich ohne Anpreisungen schlecht verwirklichen lässt, zum Beispiel Bücher!

Überall sehe ich Bücher in den Auslagen, versehen mit dem Aufreißer: Bestseller!“ Jeder Verlag, das habe ich nach monatelangen Recherchen herausgefunden, hat seine eigenen Bestseller. Ist das jetzt ein Qualitätsmerkmal? Lässt das Rückschlüsse auf den Inhalt eines Buches zu? Mir fällt dazu immer der Spruch mit den millionen Fliegen ein!

Ich frage meine Ehegattin, denn sie liest zuweilen Bestseller (belletristische Romane), was sie von dem Buch hält? Meine Frau hat nach dem Abitur Fremdsprachen studiert, hat demzufolge einen guten Bildungsstand und ist vom Sprachlichen her sehr versiert.  Sie kann mit wenigen Sätzen den Inhalt darstellen, sowohl vom Geschehen her als auch vom Duktus des Erzählers.

Interessant sind jene schriftstellerischen Ergüsse – und jetzt komme ich auf das Jonglieren mit mehreren Bällen zurück -, welche artistische „Breaks“ in ihre Erzählungen einbauen, Rückblicke oder verschiedene Szenen, die sich zum Ende der Erzählung zu einer nachvollziehbaren Erklärung zusammenfügen, gerade so, als wenn ein Artist mit fünf oder mehr Bällen jongliert. So ein „Break“ sollte immer an einer Stelle einsetzen, an der es gerade spannend wird, so dass der Leser insgeheim denkt: „Nu mach doch hinne!“ So wird Spannung aufgebaut.

Bei weniger bedeutungsvollen Inhalten eines Buches mag es passieren, dass der Leser bereits nach den ersten Kapiteln weiß, was auf den letzten Seiten stehen wird: Entweder baumelt der Übeltäter an einem Strick oder brennt mit der Prinzessin durch.

Bedeutungsvoll!  Das ist eine Eigenschaft, die sich die meisten Menschen für sich selbst gerne in Anspruch nehmen möchten, von großer Bedeutung oder Wichtigkeit! Ja, das hätten sie gerne. Dabei sind des „Kaisers neue Kleider“ bereits ausverkauft. Deshalb muss das Menschlein Leistungen erbringen und vorzeigen. Da reicht nicht nur ein großer Pimmel!

Nehmen Sie den Ex-Bundeskanzler Kohl! Er musste gegen Ende seiner zweifelhaften Karriere einen versteckten Sitz im hinteren Bereich der CDU- Fraktion einnehmen. Dieser Platz war so versteckt, dass die meisten Bundesbürger gar nicht wussten, dass „der“ Kohl noch im Bundestag anwesend war.

Seit einigen Jahren geistert der Spruch vom „King of Currywurst“ durch die bundesdeutschen Landen. Heute, inmitten der Corona- Krise, wird diese Bedeutung umgewandelt in „King of Toilettenpapier“. Niemand weiß, wo das noch endet, denn die Zukunft der Menschen ist ungewiss.

Eines der kleinsten Lebewesen hat eine große Bedeutung erlangt: die Vire! Sie bringt ganze Konzerne zum Einsturz, hält Düsenflugzeuge am Boden, legt große Teile der Wirtschaft lahm. Gestern passte ich den Müllwagen vor meiner Haustür ab, um die leere Schubkarre unter Dach und Fach zu bringen.

Ich rief dem Müllwerker bedauernd zu: „Ihr armen Schweine!“ Doch der grinste mich an und antwortete:“Mach Dir keinen Kopp!“

Was den Bürgern nicht gesagt wird…..

… der Gesundheitsminister redet im TV über die Verbreitung des Corona-Virus. Frau Merkel ruft zum Zusammenhalt auf. Wir hören Ratschläge, wie die Menschen sich selbst schützen können. Der alte Kunstmeister rät: „Einmauern!“

Die Menschen werden nicht in vollem Umfang aufgeklärt: Ansteckung über Tröpchenverbreitung – Niesen – Husten, pp. Aber durch Berührung auch. Verschwiegen wird aber, dass die Viren auch mit dem Wind kommen, in große Höhen emporgetragen und über ganze Landstriche verteilt .

Wir alle kennen das Phänomen, dass unsere Autodächer über Nacht gelb wurden und erfahren später aus den Nachrichten, dass es sich um Wüstensand handelte, der von Afrika bis nach Europa herübergetragen wurde. Wenn Millionen Chinesen in Wuhan niesen und husten…..

Der neue Roman muss heißen: „Sie kamen mit dem Wind!“

Nur keine Panikmache. Oder doch? Ein älterer Herr äußert im TV, dass die Pandemie, denn um eine solche handelt es sich inzwischen, etwa 70 Prozent der Bevölkerung ereilen würde. E r e i l e n. Wer das Wort gebraucht, ist der alte Kunstmeister, der es wissen will.

Herr Spahn, Sie sind zwar ein Minister, doch wem von uns nützt das jetzt?

Wir erleben eine Situation, die uns vor Augen führt, dass ein Atomkrieg überhaupt nicht notwendig ist, um die Bevölkerungszahl zu reduzieren. Das Geld für die Beschaffung der entsprechenden Waffenarsenale hätte eingespart werden können. Beizeiten wäre an die Beschaffung von Billiarden Atemschutzmasken zu denken gewesen. Atemschutzmasken, die auch den Namen verdienen. Wenn jetzt gesagt wird, dass diese hauchdünnen Binden ohnehin nicht wirksam sind, bleibt zu vermuten, dass sie bestenfalls die Tröpfchen als Anhaftungen der Gesprächsfetzen anlässlich einer Operation (vom offenen Gewebe?) fernhalten.

Immerhin legen die Nudelfabriken tüchtig zu. Woher weiß man das? Aus den Nachrichten natürlich. Aus den Nachrichten erfährt man auch, wie schnell die Infektionen zunehmen – und natürlich die Todesrate, die mit ihnen einhergeht.

Ich verstehe auch immer noch nicht, wie die Köche in ihren Sendungen in ihr Essen quasseln, während sie es herstellen. Das Produkt kann sofort weggeschüttet werden, weil es voller Sputum ist. Allein das Wissen um diese Tatsache müsste beim Fernsehzuschauer Ekelgefühle hervorrufen. Das ist auch der Grund, weshalb ich „Kochsendungen“ sofort wegzappe, sobald ich aus Versehen, auf so einen Sender gerutscht bin. Mensch! Halt die Klappe beim Zubereiten von Speisen! Doch das nur am Rande des Unglücks, das uns betroffen hat und macht.

Ja ja ja, Mitleid hilft jetzt überhaupt nicht, vielleicht ein zaghaftes Bedauern. Hat es einen Gerechten erwischt? Ist das Opfer einem Kollateralschaden zuzurechnen? Oder trifft es nur diejenigen, die kräftig bei der Erderwärmung mitgeholfen haben z.B. Mehrfachbucher bei Kreuzfahrttouren, möglichst noch mit Hinflug zum Ablegehafen?

Ich weiß, weshalb die Denkmale – denk mal heißen. Sie auch?

Bleiben Sie gesund und mir gewogen, aber heilen kann ich Sie leider nicht!

Denn noch sind wird – oder wie der Schlachtruf heißt: Dennoch sind wir, aber wielange – noch?

Herzliche Grüße vom alten Kunstmeister

Es ist eingetreten….

…was längst überfällig war! Mit Ankündigung! Die meisten von euch Zeitgenossen haben die Zeichen nicht erkannt, ihr habt sie übersehen!

Jetzt ist die Zeit des Zähneklapperns! Verkauft Eure Aktien, rettet Euch von den Kreuzfahrtschiffen. Ihr habt nicht an Kreuzzügen teilgenommen, lustig, lustig. trallalla!

Ihr habt die Schöpfung geschändet, manche unwissentlich, andere mit Absicht wiederum andere aus Langeweile: Mal sehen was passiert!

Das Maß war längst voll: Zunächst EBOLA als Warnung, jetzt COVID-19.

Einen Namen habt ihr immer schnell zur Hand, die Lösung ist auf der Strecke geblieben.

Niemand muss heilig sein, um das zu erkennen!

„Du bist kein Prophet“, hat einer einmal zu mir gesagt, der sprach in einer „Lala-Intonierung“ mit seinem Gott, wie er glaubte,. „jedenfalls kein himmlischer! Bestenfalls ein weltlicher!“ Hat er gesagt.

„Warnung und Vorhersehung bedarf keiner Erklärung“, habe ich ihm geantwortet, “ zähle eins und eins zusammen, und Du hast ein Ergebnis!“

Wenn Du Gott benennst, dann hat er Dir einen Verstand gegeben. Also nutze ihn!

Eine Schöpfung ist eine Schöpfung, das wird niemand bestreiten, und eine Schöpfung folgt einem Schöpfungsgedanken. Du sollst diese Kreise nicht stören, niemals unterbrechen. Du wirst auf deinem Kreuzfahrtschiff isoliert bis an das Ende Deiner Tage! Weshalb? Weil es mit Schweröl betrieben wird! Das ist im Schöpfungsprozess nicht vorgesehen.

Du sollst nicht unendlich viele Flugzeuge bauen und sie mit Kerosin in die Lüfte entlassen. Das ist ebenfalls nicht vorgesehen.

Du sollst auch kein Gebäude errichten, das 1 km in die Höhe ragt! Wer hat gesagt, dass Du das tun sollst? Denk an die tektonischen Platten. Die kommen in der Schöpfung vor!

Wenn Du glaubst, Dein Moped fährt 60 km/h, dann denk an einen Tsunamie! Der schüttelt Dich vom Moped und trägt dich fort, in Einzelteilen. Willst du das?

So kann Schöpfung gehen! Du bist nicht „king of currywurst“, eine Staubmilbe ist Dir über, wenn es darauf ankommt!

Und wenn du glaubst, die Plastiktüte sei das Heil, dann verzehre den Plastikhering, aber glaube nicht, dass der im Schöpfungsprozess vorgesehen ist.

Eine Warnung ist eine Warnung! Aber es ist immer gut, Warnungen ernst zu nehmen. Das galt vor 5000 Jahren, das gilt noch heute!

Und solltet ihr Corona überleben, lasst Euch das eine Warnung sein. Das ist die Botschaft, die dahinter steckt.

Der alte Kunstmeister verbeugt sich tief und grüßt seine Zeitgenossen.

Bohème

Einer nach dem anderen ist gegangen. Einstige enge Freunde, Mitstreiter aus Theater, Musik, Ballett, Literatur, Malerei und Bildhauerei. Aus der ehemaligen Künstlerkneipe „Zur Goldenen Stadt“ ist ein Bistro geworden. Wir haben die Worte geteilt, das Essen, das Bier.

Studenten kamen auch. Ich mag es nicht hören, wenn jemand sagt:“Du weinst den 68igern nach“. Nein, wir sind nicht marschiert, haben nicht „Ho Tchi Minh“ gerufen. Wir lebten in einer eigenen Welt. Sie war bunt, voller Ideen, wir suchten die Veränderung innerhalb der Bourgeoisie, der trägen Masse, die uns umgab.

Wenn wir mit mehreren Kunstschaffenden – egal welcher Disziplin – das nebenan befindliche, gleichnamige Restaurant aufsuchten, leerten wir zunächst einmal unsere Taschen und legten alles Geld in die Mitte eines runden Tisches, zählten es und wenn wir glaubten, es reiche für Essen und Trinken für sechs Personen, riefen wir „Pedro“, den Kellner an unseren Tisch und fragten ihn, ob er uns für den Betrag mit Fleisch, Gemüse, Kartoffeln und drei Flaschen Rotwein bewirten könne?

Pedro zählte das Geld, legte den Kopf schief und dachte nach. Dann nickte er und verschwand, um uns Platten zu ordern, stellte Rotweingläser bereit und brachte die gewünschten  Rotweinflaschen an den Tisch.

Ich vermisse das sehr, vermisse jeden einzelnen der Gruppe. Die meisten von ihnen sind schon lange tot.

Was ist aus Heinrich Funke geworden, dem Künstler und Bandleader der Gruppe „Hörb Ares“? Auf dem Kennedyplatz in Essen haben wir die „Stadtverwaltungspolka“ gespielt. Die Klarinette spielte die zarte Anfrage an das Ordnungsamt zur Genehmigung einer Kunstaktion auf der Brehminsel in Essen-Werden. Das Tenorsaxophon antwortete die Ablehnung. Der Schlagzeuger legte den angebissenen Apfel beiseite und trommelte wild drauflos. Dirigiert habe ich. Wer sonst?

Berichtete ein Journalist schlecht über meine Gruppe oder mich selbst, rief ich den Eigentümer der Zeitungsgruppe an. Daraufhin bekam der Schmierfink einen Einlauf. Beim nächsten Auftritt meldete sich dieser zu Wort und sagte, dass er etwas Gutes schreiben würde. Ich daraufhin: „Das brauchst Du nicht!“ So ging freie Presse! Der Inhaber der Zeitungsgruppe mochte mich, und ich mochte ihn!

Zuweilen ließen sich auch Ratsherren in der Szene-Kneipe sehen, setzten sich an die Tische des Künstlervölkchens, tranken mit uns Budweiser-Pils aus Halbliter-Krügen.

Kam es in einer der Messehallen an der Gruga zu einer überregionalen Kunstausstellung mit Präsentation der Literarischen Szene, bediente in der Cafeteria auch schon mal eine Servicekraft „oben ohne!“

„Meine Güte“, denke ich, „wie bieder sind die Vernissagen heutzutage“.

Ich habe einmal anlässlich einer Vernissage meiner Ausstellung in der Galerie der Experimente in Bochum, den Redner unterbrochen. „Ist gut, ich mache weiter!“

Bin auf einen Stuhl gestiegen, den man mir reichte, und habe mein Manifest vorgetragen,das Manifest des Neosymbolismus. Demnach sind Bildende Kunst und Literatur eine Einheit in der Aussage.

Dem hat der damalige Kunstprofessor Beuys von der Kunstakademie in Düsseldorf  zugestimmt. Ein Zitat: von ihm „Malen oder Bildhauern alleine, ohne weitergehenden Bezug zu den elementarsten Geschehnissen in der Gesellschaft, reichen nicht aus. Der Neosymbolismus überträgt diese Erkenntnis auf die Literatur. Das war meine Botschaft. Und sie kam an, verfehlte ihre Wirkung nicht im Stadtrat der Stadt Essen, durch Unterstützung der Ratsherren, die für Kultur  zuständig waren – und zwar von allen Parteien, die damals in Funktion waren. Und es ging um viel Geld, denn wir forderten eine Szeneausstellung in den Messehallen an der Gruga. Es ging konkret um 120.000.- DM.

Ja, wir haben seinerzeit durch Initiative der „Bürgerinitiative Kunst“, die wir gegründet hatten, über eine Unterschriftensammlung, mit Unterstützung des Bürgermeisters, des Stadtdirektors und der Ratsherren diese Szeneausstellung an der Gruga bekommen.

Es sei hervorgehoben, dass sowohl die CDU, als auch die SPD und die FDP gemeinsam daran mitgewirkt hatten.

Leider hat man seinerzeit bei der Vergabe der Ausstellungsflächen auch diejenigen  beteiligt, die sich aus Mitgliedern zweier gegenpoliger Kunstverbände zusammensetzten.

Zitat eines dieser  Aktiven „Herr Reliwette, Sie haben ein extremes Kunstverständnis!“

„ Nee, nee, nee“, habe ich geantwortet, „so geht Kunst heute!“

Wenn Sie, liebe Leser, sich bei Zitaten von Beuys einloggen, werden Sie fündig: „ Ja ja ja, nee, nee, nee!“ Das geht so ein paar Minuten lang! Allerdings fußt dieser Ausspruch auf dem Bibeltext: „Deine Rede sei „Ja ja und nein nein.“

Ich bin traurig, dass ich meine Freunde verloren habe, meine Mitstreiter. Ich trage die Klamotten auf, die mir die Witwen ganz großer Zeitgenossen geschickt haben mit der Bemerkung:“Ist bei Dir besser aufgehoben als bei mir!“

„Von Peter Coryllis- eine blaue Strickjacke, von  Karl-Heinz Schreiber den Lederhut mit der fränkischen Flagge , einer Anstecknadel, vorne drauf. Von Joseph Beuys einen handgeschriebenen Brief, in welchem er mich seiner Freundschaft versichert.

Alle tot! Brigitte Lebaan, Chansonsängerin und Schauspielerin der Städtischen Bühne Essen, tot. Auf meinem 44. Geburtstag haben meine Gäste unter ihrer Anleitung Fallübungen gemacht. Wo sind die Gäste von damals? Wahrscheinlich tot oder im Altenheim. Ja, komm, etwas Satire muss auch in dieser Offenbarung sein!

Ich bin übrig geblieben und lebe in Ostfriesland – seit 1981 hier aktiv! Nichts gegen Ostfriesen….

Geblieben ist mein „Berliner- oder Ruhrpott- Duktus“. Natürlich kann ich auch anders, aber ich will nicht! Schmerzende Inhalte durch edle Form aufzubessern hilft nicht wirklich!

Der alte Kunstmeister im 77.Lebensjahr grüßt sehr herzlich!

Nicht lullen lassen, noch sind wir!

Eine gute Zeit, Euch!

Verbraucherzone

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Aus unserer Spezialabteilung: Sach- und Lachgeschenke, Kurzweilartikel gegen Langeweile!

Der Verkaufspsychologe rät Ihnen: „Wir müssen die Kinder möglichst schnell an die Konsumhaltung gewöhnen, Vorleben alleine reicht nicht aus! Zunächst sollte dafür gesorgt werden, dass die lieben Kleinen nicht mit Büchern überbeansprucht werden. Ein Smartphone reicht völlig aus! Musikinstrumente gehören nicht in einen Haushalt mit Kindern!

Stattdessen bereiten Sie Ihr Kind auf einen längeren Aufenthalt im merkantil-demokratischen System vor und beginnen Sie sofort damit. Schenken Sie Ihrem Kind Batterieverbraucher, z.B. einen Walkman.

Der Anblick sterbender Bäume muss dem Kind unter allen Umständen erspart bleiben, da ansonsten die Kinderpsyche darunter leidet.

Hauen Sie dem Filius ruhig mal eine runter, wenn er sich nicht anpassen will. Er hat es später leichter als Sie es hatten.

Schenken Sie Ihrem Kind Turnschuhe aus Kunststoff anstelle von Fußbekleidung mit Ledersohle, denn auch ein Schweißfuß will verbraucht sein.

Fahrräder sollten möglichst nicht geputzt werden, die Kette nicht geölt. Sie verbleiben nachts im Freien. Nur so schreitet der Verrottungsprozess zügig voran. Einfach in den Dreck schmeißen , das reicht völlig aus.

Außerdem sollte Rahmen- und Rädergrüße jedes Jahr dem Wachstum Ihres Kindes angepasst werden. Beginnen Sie mit Felgengröße 16 Zoll. Sobald das 28 Zoll – Rad mit 27 Gang Kettenschaltung erreicht ist (immer in Dreierschritten aufwärts), kann über die Zuteilung eines Mofas bis 25 km/h nachgedacht werden. Das Kind ist dann etwa 15 Jahre alt. Es folgen dann in jährlichen Abständen: Der 50 ccm Roller bis 45 km/h, das Leichtmotorrad mit 80ccm , das erste richtige Motorrad bis 27 PS, und nach weiteren 2 Jahren kann mit der  Anschaffung der ersten 1000ccm Maschine in der offener Version geliebäugelt  werden. Andererseits kann auch über die Anschaffung des ersten Personenwagens nachgedacht werden. Diese zwei Jahre werden Ihrem Filius wie eine Ewigkeit vorkommen. Wenn er das aber alles fleißig durchgespult hat, dann ist er fast einer von uns geworden. Loben Sie ihn tüchtig, das bestärkt ihn in seinem Selbstbewusstsein. Schließlich haben wir das alles auch durchgemacht und leben noch heute!

Reinkarnation

“Radio Fünf mit den fröhlichen Wellen für Frühaufsteher – heute zum Thema Reinkarnation – ist heute alles anders? Ein Interview mit dem berühmten Kunst- und Kultur-Historiker, Dr. Michelangelo. Am Mikrofon Heinz Habermann. Vielen Dank, dass Sie zu früher Stunde zu uns ins Studio gekommen sind.“

„Guten Morgen, Herr Habermann.“

„Reinkarnation, was verstehen Sie darunter?“

„Unter diesem Begriff verstehen wir eine Wiedergeburt, will sagen, der Geist eines Verstorbenen wird in einem neuen Leben mit einem neuen Körper wiedergeboren.“

„Sie meinen damit eine Art Zweitauflage des früheren Menschen nach dessen Ableben?“

„Nun ja, Zweitauflage ist wohl nicht der richtige Begriff für dieses Phänomen, dann schon eher eine Wiederbelebung einstmaliger Fähigkeiten in einem neuen Körper mit erneuertem Bewusstsein.“

„Ist das alte Bewusstsein weg?“

„Ja, das ist weitgehend weg, aber es kann durchaus passieren, dass dem einen oder anderen Wiedergeborenen gewisse Situationen bekannt oder vertraut vorkommen.“

Handelt es sich bei Wiedergeborenen um weiterentwickelte Personen, um Prototypen eines Menschen von morgen?“

„Weiterentwicklungen ja, Prototypen eines Übermenschen von morgen, nein. Ich gehe davon aus, dass auch Sie bereits zwei- oder dreimal wiedergeboren wurden!“

„Was, ich?“

„Ich bin fest davon überzeugt, ebenso wie ich davon überzeugt bin, dass ich in meinem früheren Leben der bekannte Bildhauer Michelangelo war.“

„Ich kann mich aber an rein gar nichts erinnern!“

„Der Wiedergeborene fängt praktisch ganz von vorne an, er muss neu lernen, nur – es geht wesentlich schneller. Manche Dinge kommen uns vertraut vor, eine Sprachbegabung hier, eine musische oder mathematische Begabung dort, oder ein außerordentlich gut entwickelter Betrüger, da ganz hinten links in der Zuschauerreihe!“

„Ach, das ist ja interessant. Sie glauben, dass ein Betrüger eine Gnadenbegabung in sich trägt?“

„Wir können das durchaus als eine fehlgeleitete Form einer kreativen Begabung bezeichnen, als eine Art Mutation. Die Schöpfung wird das natürlich sofort korrigieren.

Dennoch können wir feststellen, dass Betrüger oft intelligente Personen sind, die planen und zielgerichtet agieren können. Ihnen mangelt es allerdings an sozialer Kompetenz. Oft handelt es sich um Beziehungsverräter. Zuweilen leiden sie selbst unter diesem Manko. Sie spielen sich und ihrer Umwelt ständig Lügenmärchen vor und müssen aufpassen, dass sie sich nicht widersprechen. Letztlich glauben diese Personen selbst an ihre Lügenmärchen und speichern diese im Kopf als Realitäten ab.

Aus der Pflanzenwelt kennen wir das Phänomen des Betruges schon recht lange. Nehmen wir den Sonnentau als Beispiel, eine fleischfressende Pflanze. Sie täuscht ihre Besucher mit spiegelnden, duftenden Tröpfchen an den Rändern ihrer Blütenkelche. Insekten, die auf diese Verlockung hereinfallen, werden verdaut. Diese Pflanze lebt vom Betrug. Irgendwie hat sich fast die gesamte Zivilisation auf Täuschung und Beeinflussung eingestellt, nehmen wir Sie als Beispiel!“

„Mich?“

„Warum nicht? Sie haben sich zum Journalisten ausbilden lassen.“

„ Nein, nicht lassen, selbst ausgebildet!“

„Auch gut. Was liegt näher als die Vermutung, dass Sie, sagen wir, um 1530 bereits als Laternenausrufer in einer kleinen Stadt in Mitteldeutschland gelebt haben und …“

„Ich? Ein Laternenausrufer?“

„ … und später, sagen wir – um 1793 – als Aalverkäufer auf dem Fischmarkt aktiv waren.“

„Das wird ja immer spannender, was glauben Sie denn noch über mich zu wissen?“

„Natürlich kann das auch ganz anders gewesen sein. Vielleicht waren Sie vor Christi Geburt ein Trommler in den Diensten eines Pharaos und waren sogar im Beamtenverhältnis.“

„Eines Pharaos?“

„Meinetwegen auch auf einer Sklavengaleere in den Diensten eines römischen Kaisers!“

„Unglaublich, was Sie da sagen, ich kann es mir nicht vorstellen!“

„Nicht wahr? Ihr Charisma liegt vermutlich im Trommeln. So genau kann ich das aus dem Stegreif nicht ermitteln, aber es würde passen. Der Laternenausrufer, der Marktschreier mit seinen Aalen, der Trommler! Aus der Trommel wurde Ihr Mikrofon, aus den platschenden Ruderschlägen Ihre Stimme. Das Rhythmische haben Sie beibehalten, denn Ihre Sendung läuft wöchentlich und wiederholt sich in Intervallen. Jedes Mal dienstags um sieben Uhr in der Frühe. Das einzige, was sich in den Jahrhunderten verändert hat, ist die Geschwindigkeit des Taktes. Wir sprechen hier von der oszillatorischen Schwingungsphase …“

„Aha!“

„Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt ist der Umstand, dass Ihr Trommeln und Ihre jetzige Tätigkeit etwas gemeinsam haben, die Signalwirkung! Das ist, wie wenn ein Stein ins Wasser geworfen wurde.“

„Ich? Ins Wasser geworfen?“

„Nur als Beispiel, ich muss mit einem Beispiel arbeiten, damit die Hörer es verstehen!“

„Also gut, ich wurde ins Wasser geworfen!“

„Sie werden als Stein ins Wasser geworfen. Das ist ein Unterschied! In dem Fall gehen von Ihnen gleichmäßige ringförmige Wellen aus, welche die Trägheit der Wasseroberfläche überwinden. Die Intensität der Wasserwellen ist abhängig von bestimmten physikalischen Größen.“

„Und was passiert jetzt?“

„Nichts, die Ringe des Wassers sind Ihre Trommel.“

„Ach, die Trommel!“

„Ja genau, es entstehen Schallwellen, die primär von den Trommelstöcken erzeugt werden. Diese sind abhängig von der Größe der Trommel, von der Länge und dem Gewicht der Trommelstöcke und der Energie, die sie bewegt. Dabei setzt die Luft den Schallwellen Widerstand entgegen. Das muss auch so sein, denn sonst könnten wir ja hören, was sich die Buschtrommler in Afrika zu sagen haben. Die Menschheit würde ja vom Wesentlichen abgelenkt.“

„Ich kann Ihnen nicht mehr folgen. Was hat das alles mit Reinkarnation meiner völlig unbedeutenden Person zu tun?“

„Es ist doch ganz einfach. Ihre Trommel von damals, das ist heute der Sender. Der Widerstand der Luft ist heute der Regulierknopf am Empfangsgerät, auch Potentiometer genannt.“

„Ich denke, Sie sind Kunst- und Kulturexperte! Jetzt glaube ich, dass Sie Elektriker sind!“ „Nein, lassen Sie sich nicht beirren, das Potentiometer am Empfangsgerät ist Ihr Handicap.“

„Mein Handicap, was ist das jetzt wieder?“

„Mit der Häufigkeit der Reinkarnationen nimmt auch das persönliche Handicap zu, und zwar proportional.“

„Das einzige Handicap, das ich zurzeit zu überwinden habe, besteht in einer längst fälligen Gehaltserhöhung. Ich werde im Anschluss an diese Sendung zu meinem Intendanten gehen. Proportional, sagen Sie?“

„Der Zuhörer kann Sie sogar ganz ausschalten, was ich Ihnen nicht wünsche. Theoretisch könnte er das aber. Sehen Sie, als Trommler auf der Galeere gaben Sie die Taktgeschwindigkeit der Ruderzüge vor. Damals konnte Ihnen keiner entkommen. Schließlich befanden sich alle in der gleichen Fortbewegung auf dem Schiff. Jedoch trommelte nur einer, viele mussten rudern, einer half mit der Peitsche nach, der Steuermann hielt den Kurs. Einige ließen sich fahren! Sie alle kamen nicht von dem Schiff weg. Das ist bis heute so geblieben.“

„Sie wollen mich doch nicht ernsthaft mit einem Galeerentrommler vergleichen, Herr Dr. Michelangelo!“

„Weshalb nicht? Was bezwecken Sie sonst mit der Werbung, die der Sender regelmäßig in die Sendungen einstreut, so dass niemand mehr weiß, wo vorne und wo hinten ist? Das geht sogar so weit, dass niemand mehr behalten kann, worüber gerade gesprochen wurde.“

„Moment mal, die Werbung mache doch nicht ich!“

„Der Trommler hat auch keine Kriege geführt, aber die Soldaten, die sich auf den Schiffen befanden, die durch Galeerensklaven bewegt wurden!“

„Also, wenn ich geahnt hätte, welche Richtung unser Interview genommen hätte, wäre ich heute Morgen im Bett geblieben.“

„Ich mache Ihnen keinen Vorwurf daraus. Unsere gemeinsamen Handicaps sind die Sachzwänge, denen wir ständig ausgesetzt sind. Die Reinkarnation gibt Ihnen ja auch eine neue Chance. Der Wiedergeborene entwickelt seine Begabungen weiter. Er darf dabei nur nicht die Sinngebung aus den Augen verlieren und sein Augenmerk ausschließlich auf die Überwindung der Widerstände richten.“

„Moment, Moment, Sie stellen ja die Lauterkeit des Rundfunkwesens infrage, besonders die der freien Sender, von uns Rundfunkjournalisten will ich gar nicht erst reden!“

„Also bitte, sprechen wir über Ihre Motivation!“

„Hauptaufgabe des Rundfunks besteht darin, die Menschen über Zeitgeschehen zu informieren oder über kulturelle Ereignisse!“

„Erdnussbutter?“

„Ja, ja, lästern Sie nur! Wir müssen ein großflächiges Informationsnetz abdecken. Es geht doch nicht darum, die Zuhörer darüber zu informieren, wie der Kaiser seine Nacht verbracht hat!“

„Ach nein?“

„ Wir haben doch zweifellos Bildungsaufgaben zu übernehmen. Wir arbeiten Geschichte auf und leisten soziale Hilfen in Form von Aufklärung. Letztlich überwachen wir, dass sich keine schädlichen Strömungen und Tendenzen in die Gesellschaft einnisten, indem wir aufdecken.“

„Wer bestimmt denn, was schädliche Tendenzen in der Gesellschaft sind, der Rundfunkbeirat? Außerdem: Den ethischen Beweggründen steht die Werbepauke entgegen. Ich stelle lediglich die Reinkarnation in den Vordergrund und habe sie auf Ihren Beruf hin untersucht. Das Thema Kunst und Kultur ist noch viel schwieriger. Hier treten noch viel mehr Handicaps auf als in Ihrem Metier!“

„Ich bedanke mich für das Interview.“

„Bitte, gerne!“

„ Es ist 7 Uhr 20. Radio Fünf mit der Werbung.“

Geh aufs Ganze

Beliebte Unterhaltungssendung mit Gewinnausschüttung an die Kandidaten

„Wollen Sie mit mir zocken, entweder ZONK –ZONK oder ZONK-REISE oder REISE-REISE? Dann nehmen Sie zuerst einmal zwei blaue Umschläge, einen davon geben Sie mir wieder zurück!

Sie da mit der Blechbrille, ja, Sie meine ich, kommen Sie nach vorne. Arbeiten Sie mit mir zusammen?“

„Ja!“

„Wunderbar, wunderbar, wunderbar! Dafür bekommen Sie schon einmal  1000.-DM von mir, für den Anfang schon ganz schön, nicht?

Jetzt brauchen wir noch einen Mitspieler aus dem Publikum. Wer zuerst „hier“ ruft, kommt nach vorne und darf mit mir spielen.“

„Hiiiiieeeeeer!“

„Nicht alle auf einmal! Wer hat zuerst gerufen?“

„Hiiieeeer!“

„Sie dahinten, zweite Reihe von oben, Vierte von links, nein, nicht Sie! Sie meine ich, mit dem Kranz um den Hals, ja genau! Sie kommen bitte nach vorne. Die anderen können wieder Platz nehmen.

Was ist das? Ein Halstuch? Verzeihen Sie mir, von hier vorne sah es wirklich aus wie ein Kranz! Sind Sie mir böse? Das ist nicht der Fall, Sie dürfen mich küssen! Wollen Sie mit mir zocken? Das dachte ich mir! Wie heißen Sie?“

„Christa.“

„Christa, sehr angenehm!

Neben Ihrem Platz im Saal, die nette Dame im geblümten Kleid, wollen Sie meine Saal-Kadidatin sein? Kommen Sie bitte nach vorne. Wie ist Ihr Name?“

„Renate.“

„Renate, wie schön, sind Sie mit Christa verwandt?“

„Nein!“

„OK, Christa wollen Sie den Würfel oder Tor1? Nein nein, Renate entscheidet.

Was  hätten Sie denn genommen, Tor 1?

Was sagt Renate? Renate sagt, dass Sie den Würfel bekommen und nicht Tor1

Renate bekommt 1000 DM von mir, weil sie gegen Christa entschieden hat.

Tor 1 bitte auf, das Christa nicht bekommen hat!“

„Zooooonk!“

„Würfel bitte hoch! Sie fliegen mit der Nevercomeback- Air nach Bothubohutho, wo Sie sich 14 Tage lang in der Sonne aalen und einer Karawane anschließen können. Im Club Solitaire können Sie nach Herzenslust aus dem Whirlpool trinken. Die Reise von Pickup Holidays hat einen Wert von 8.889.-DM. Herzlichen Glückwunsch. Sie können diese Reise aber auch gegen diesen gelben Umschlag setzen, den ich in der Hand halte!“

„Umschlag, Reise, Umschlag, Reise, !“

„Nehmen Sie den Umschlag, bitte vertrauen Sie mir, ich lüge nicht!

„Reise, Umschlag, Reise, Umschlag!“

„Nicht die Reise?“

„Umschlag!“

„Umschlag auf – oder doch die Reise? Was Sie jetzt sagen – gilt!“

„Umschlag!2

„Umschlag auf!“

Zoooonk!“

„Sie haben leider nicht gewonnen, vielen Dank fürs Mitspielen, Sie haben großartig gespielt, auf Wiedersehen, nehmen Sie Ihren Plüschzonk bitte mit!

Ulli, kommen Sie nach vorne. Sie dürfen einen Mitspieler mitbringen, aber nicht Ihre Frau, das müssen Sie mir versprechen! Ist das Ihre Frau?“

„Ich bin der Gerd!“

Jeder von Ihnen bekommt drei Pfeile. Die werfen Sie bitte ins Publikum. Wer die meisten Personen getroffen hat, bekommt das Fragezeichen. Angelika spielt auch mit. Kommen Sie bitte nach vorne. Hier sind Ihre drei Pfeile. Bitte nicht übertreten, von hier ab wird geworfen. Wer wirft zuerst? Wer im Publikum getroffen wird kommt nach vorne und spielt in der Endrunde um die großen drei Tore. Bitte nicht mogeln, nur eindeutige Treffer zählen. Werfen Sie bitte jetzt!“

„Kreisch!“

„Wurden Sie getroffen? Tatsächlich, der Pfeil steckt noch! Ein sauberer Oberarmtreffer. Kommen Sie nach vorne!“

„Kreisch!“

„Oh, schon wieder ein Treffer! Ulli hat schon zweimal getroffen! Sie sind Peter? Wo hat es Sie erwischt? Ah, ich sehe schon, ein Kopftreffer, hervorragend, kommen Sie bitte nach vorne, Sie spielen mit!“

“Kreisch!“

„Und auch Sie sind dabei, Angelika, bringen Sie den Pfeil mit! Das geht ja hier am laufenden Band Ulli, sind Sie im Dartclub oder woher haben Sie diese Treffsicherheit?“

„Kreisch!“

„Bitte nicht mehr werfen, danke. Der letzte Wurf wird zurückgenommen. Sie sind ein ausgezeichnetes Publikum.

Sie drei spielen jetzt gegeneinander um den großen Preis! Ein Zonk ist noch drin!“

Tatsächlich, ein paar ZONK sind mit Sicherheit noch drin – im Programm!

Schreiben

Es wird so viel geschrieben in diesem Land, u.a. innerhalb der Literatur. Jeder bedeutende deutsche Bürger, jede bedeutende deutsche Bürgerin haben eines mit einander: Sie müssen ein Haus gebaut, einen Knaben gezeugt und einen Baum gepflanzt haben. Da gibt es noch das vierte, das Dingsda – ein Buch geschrieben haben, am besten einen Roman, einen Krimi. Es gibt sehr viele Menschen, die vom Elend dieser Welt nicht genug kriegen können. Sie müssen darüber hinaus noch Kriminalgeschichten oder Kriminalromane lesen nach dem Motto: Heinrich, mich gruselt es vor dir!

Es soll ja einer Statistik nach mehr Autoren als Leser geben, aber noch mehr Fernsehzuschauer. Schlechte Zeiten für Verlage!

Natürlich habe ich immer gepredigt: „Schreibt, schreibt, schreibt!“

Schreibt euch den Frust von der Seele, die Wut aus dem Bauch und die Langeweile aus dem Haus.

Aber so?

Jeder Deutsche ist ein geborener Schriftsteller, ein Autor, einer der sich selbst bewegt – ein Minischiller oder ein Minigoethe, aber wenigstens ein Minisimpel!

Formuliert den Herzschmerz in Form eines Klageliedes –sogenannte Hausfrauenlyrik: „Du hast die Perle in mir nicht gesehen, sie fiel mir aus dem Kranze. Auf der Suche nach dem Lottoschein hast du sie zertreten!“

Als nächste Zeile hätte stehen müssen, „du Blödmann!“ Stand da aber nicht!

Neurosen hat es immer schon gegeben, aber sie haben selten zusammengepasst. Nun wird der Ruf laut nach einer Individualneurose für alle, die Menschen werden aggressiver, der Ton rauer.

Wir laufen mit Neurosen durchs Leben und schenken der Angebeteten neue Rosen, das Stück für 2 Euro 80 Cent, sozusagen als katalysatorischer Lastenausgleich zwischen den Geschlechtern. Oder wir fassen Argumente und Gegenargumente in Texten zusammen und packen diese in lyrisches Geschenkpapier, doch wer hört, bzw. wer liest?

Sie vielleicht!

Die beste Literatur ist das Telefonbuch. Es ist von Jahr zu Jahr auf dem neuesten Stand, chronologisch und zeitgeschichtlich perfekt zusammengestellt.

Wer nicht mehr am Leben teilnimmt, wird alsbald gelöscht. Das klingt grausam, ich stimme Ihnen zu, aber wir können den Lauf der Dinge nicht mehr verändern, also schreiben wir!

Es lohnt sich auch nicht, den Finger drohend zu erheben, sondern strecken ihn waagerecht gegen den Nächsten aus: „Der da hat angefangen!“

Trennt euch doch endlich von edlen Worten und Gedanken, bleiben wir doch sachlich. Eine Dokumentation lehrt uns nachzuvollziehen, wie alles gekommen ist. Wir werden es aber bald wieder vergessen. Na also!

Prügeln wir uns doch gleich um Brot, Frauen und ein Dach über dem Kopf anstatt alles niederzuschreiben. Reißen wir uns doch gleich gegenseitig die Kleider vom Leib, weshalb diese vielen demokratischen Umstände?

Feines Benehmen nach dem Einbruch: Schließe die Tür leise, wenn du gehst!

Literatur ist eine von mehreren Formen, dieses Unsinnshaus zu beschreiben, in welchem wir wohnen. Sie denken anders darüber? Dann sollten Sie schreiben.

Oder schreiben Sie Märchen. Beim Märchen sind Sie nicht in der Beweispflicht. Man kann Ihnen überhaupt nichts nachweisen. Gegenüber dem Kommentar ist ein Märchen im Vorteil. Es hat mit der Realität nichts Konkretes im Sinn. Es kann bestenfalls als Gleichnis mit offenem Ende interpretiert werden. Es endet oft mit der Erkenntnis, dass die Beteiligten noch leben,  und zwar bis an ihr glückliches Ende, wenn sie nicht zwischenzeitlich verstorben sind. Diese Einschränkung muss sein!

Das ist doch nun wahrlich demokratisch und darüber hinaus sehr weise. Wir lassen die Protagonisten zwar nicht immer hoch, doch zumindest solange leben, bis wir meinen, dass sie nunmehr eingeschläfert werden können.

Die Erkenntnis, dass zu viele Schneewittchen, Rosenrot, Frösche, Könige und Zwerge allmählich mein Fassungsvermögen strapazieren, endet mit jähem Euthanasieprozess und erlöst den Leser von Erinnerungsqualen.

Schließlich will der kleine Schriftsteller auch einmal erwachsen werden, wenn er diesen Prozess schon nicht verhindern kann.

Ich verdanke meine bescheidenen literarischen Ergüsse meinem damaligen Deutschlehrer, dem alten Studienrat Derigs. Der wusste seine Klasse der Untersekunda mit dem Gedicht von Manfred Kyber zu begeistern. Er rezitierte mit strengem Blick das Gedicht vom Frosch:

„Es saß ein Frosch im grünen Gras, er tat nicht dies, er tat nicht das, er tat überhaupt nicht was, er war nur nass!“

Weiter kam er nicht. Den missratenen Schülern war es doch egal, aus welcher berühmten Feder diese tiefgreifende Erkenntnis stammt. Stattdessen stampften sie mit den Füßen analog zum Versfuß im Rhythmus auf den  Klassenboden und brachen in schallendes Gelächter aus.

Ich lachte nicht mit, sondern hatte diesen Text nachdenklich in mich aufgenommen und bewahre ihn bis heute in Erinnerung. Verblüfft war ich weniger vom einfachen und logischen Versfuß, als vielmehr von der schlichten, grundehrlichen Aussage des Dichters. Von Jamben und Trochäen habe ich erst viel später erfahren.