Nicht zu fassen II

Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht die Hände über dem Kopf zusammenschlage: Es wird immer verrückter! Ein Zustand des Normalen wird nicht mehr eintreten, glaube ich.

Seit gestern weiß ich, dass König Adalbert einen Nebenbuhler hat, es wird im TV geworben was das Zeug hält: Mit Anwartschaft auf den Thron von Italien. Sein Name: König Rotbier, der jetzt durch glänzend rote Farbe auf sich aufmerksam macht.

Ich frage mich zu Recht: Was soll das? Wenn geworben wird, dann bitte in richtigen Zusammenhängen! „Das Rotbier von König!“ Fehlt noch der Werbeslogan: „Das König unter den Bieren! Scheiße, Scheiße, dumm gelaufen!

Wer solche blöden Sprüche klopft, der kann auch kein vernünftiges Bier brauen – wird so mancher Biertrinker vermuten.

In Deutschland mangelt es an Disziplin: „Vordermann, Seitenabstand!“ Zur Zeit der Preußenherrschaft bekamst du am Schalter erst das Formular nach der Antwort auf die Frage: „Ham Se jedient?“

Da halten heute im Supermarkt zwei Quatschheinis den Gang verstopft, trotz Anweisung, den Abstand von 1,5 Metern zum Nebenmann einzuhalten. Sie erinnern sich? Coronavirus!

Widerwillig wird der Gang nach Aufforderung freigegeben. Ihr könnt euch freuen, Zeitgenossen, dass sich dieser Vorgang nicht um 1908 in Klondyke ereignete, als die Colts sehr locker saßen! Damals wurde der Weg freigeschossen.

Die Amerikaner, so wurde in den Nachrichten vermittelt, sind da viel disziplinierter! Sie haben sich zur Zeit der Pandemie mit Waffen und Munition eingedeckt! Bei uns in Deutschland ist es Klosettpapier, für das man keinen Waffenschein benötigt!

Endlich ein Hinweisschild im Edeka-Markt: Pro Einkauf maximal 2 mal Toilettenpapier und zwei Packungen Wischrollen! Es gab auch wieder Nudeln!

Was willst du mit Pappnasen anfangen? Gut – einen Krieg wollen wir nicht! Gott sei Dank! Mit Pappnasen könnte man ihn auch nicht gewinnen!

Das klingt aggressiv! Ja was denn? Willst denen auch noch auf die Schulter klopfen? Die meisten glauben doch, dass die Pandemie in den nächsten vierzehn Tagen abgelaufen ist!

Nicht, solange irgendwelche Pappnasen Coronapartys feiern nach dem Motto: Mich kann keiner!

Und wie viele Menschen arbeiten zur Zeit in ihren Berufen weiter, ständig in Gefahr, sich zu infizieren? Da müsste aber jeder eine Anstecknadel aus purem Gold erhalten und nicht einen Blechorden mit der Aufschrift: Held der Arbeit!

Was hat König Rotbier mit den Helden unserer Tage zu tun? Einfach mal wach werden und den Verstand einschalten! Alle Seitenabstände und Abstände zum Vordermann müssen nicht gesetzlich geregelt werden. Bierflaschen hingegen können dicht bei dicht stehen, denn sie werden in den meisten Fällen einzeln getrunken.

Das musste der alte Kunstmeister mal loswerden!

Bleiben Sie gesund, auch wenn Se nich jedient haben!

Hartmut Tettweiler Reliwette

Autor: Hartmut Tettweiler Reliwette

Hartmut T. Reliwette, geb. 1943 in Berlin Maler, Bildhauer, Performer, Autor. 70 Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen oder Performances im In- und Ausland realisiert. Zusammenarbeit mit Peter Coryllis, Joseph Beuys, Karl-Heinz Schreiber und anderen zeitgenössischen Kunstschaffenden und Autoren/Schriftstellern. Mehr über Reliwette siehe „Autoren-Info“.