Einfach mal die Fresse halten und weiter so?

Jedesmal, wenn Dieter Nuhr zur besten Sendezeit Umwelt – und  Klimaaktivisten schmähen darf, wird sich der alte Kunstmeister zu Wort und Schrift melden. Andere Kabarettisten wie Hagen Rether, Urban Priol, Wilfried Schmickler, Volker Pispers oder Georg Schramm haben oder hatten es nicht so leicht, die besten Sendezeiten bei den deutschen öffentlichen Sendern zu bekommen. Das kritische Kabarett wurde zwar toleriert, aber zumeist in die späten Abendstunden verlegt, so dass bei mir der Eindruck entstand, dass gesellschaftskritische Töne am besten zur Schlafenszeit serviert werden, wenn die Arbeitnehmerschaft die Betten aufsucht. Es erinnert mich an die Empfehlung: „Lieb Vaterland magst ruhig sein!“

Und in eben dieses Horn stößt der Komödiant Dieter Nuhr mit seiner Empfehlung an die Kritiker allen Übels mit seinem zornigen Ausspruch: „Einfach mal die Fresse halten!“ Er mag sich nicht wundern, wenn diese Empfehlung an den Absender zurückgeworfen wird.

Seiner Empfehlung an die Klimaaktivisten, sich auf den Platz des himmlischen Friedens in Peking zu begeben, um zu demonstrieren, somit  zu belehren (denn hier könne man sich ja die Freiheit nehmen, solches Tun in der Öffentlichkeit zu praktizieren), muss entgegengehalten werden, dass jeder vor der eigenen Haustür zu kehren habe.

Vom deutschen Staatsgebiet ist in der Vergangenheit viel Leid über die Völker gebracht worden, es ist an der Zeit, dass von Deutschland aus positive Gedanken und Ideen in die Welt gehen. Es ist an der Zeit für die Deutschen, eine Vorreiterfunktion zu übernehmen. Statt dessen versuchen uns tumbe Personen einzureden, dass aufgerechnet werden soll: Wenn „die“ nicht – weshalb denn ausgerechnet wir? Es läuft doch alles bestens?

Ich empfehler dem Nuhr, dass er mal an der Stelle im Meer baden geht, wo sich angestrandete Plastiktütenberge und anderer Zivilisationsmüll dermaßen konzentrieren,  dass er über das Wasser laufen kann wie Jesus seinerzeit.

Nichts ist gut auf dieser Welt der Menschen, Dieter Nuhr, es besteht dringender Handlungsbedarf, daran etwas zu ändern.

Nicht „einfach mal die Fresse halten“, sondern aufzeigen und Verbesserungsvorschläge machen z.B. der deutschen Autoindustrie, welche die Zeit gründlich verpennt hat. Während die Japaner schon seit Jahren Autos mit Wasserstoff –  Brennzellentechnik herstellen, ebenso ein südkoreanischer Automobilhersteller, haben es in Deutschland einige Autobusse und Nahverkehrszüge aufs „Treppchen“ geschafft. Mercedes veröffetlicht seine eigene Pleite mit der Aussage, die Wasserstoff-Brennzellentechnik in PkW sei technisch kaum lösbar und käme wie ein Bumerang auf den Hersteller zurück. Irgendwelche Tumben stellen die Behauptung in sozialen Netzwerken auf, kein Land der Erde würde so einen „Mist“ wie die Solarzellentechnik forcieren. Der Blick in die USA belehrt solche Unwissenden eines Besseren. Bei den Amerikanern ist nur die Hälfte dumm, genau wie bei uns, den Engländern, den Israelis, den Ungarn, eigentlich der Weltbevölkerung. Dumme Menschen haben keine eigenen gewachsenen Erkenntnisse. Sie haben es nicht gelernt zu denken. Zum Erlernen der Denkfähigkeit sind die Schulen da, als erstem Arbeitsplatz im Leben eines Menschen. Anstatt das Denken zu vermitteln, werden die Schüler zum Auswendiglernen „erzogen“. Sie werden an die Bedürfnisse der Wirtschaft, des Systems adaptiert. Hat einer von diesen Schülern das blöde Spielchen durchschaut, muss er sich von einem Dieter Nuhr sagen lassen, dass er „einfach mal die Fresse halten soll. Was soll das Gefasel von der Freiheit? Der Mensch ist nicht frei! Die Menschen sind auf einander angewiesen. Wenn einer aufsteht und etwas sagt, was gegen den Mainstream gerichtet ist, bedeutet das nicht, dass der Betreffende frei ist. Er  (steht jetzt nachfolgend für „der Mensch“) darf das in der BRD, weil ihm das durch das Grundgesetz zugestanden wird. Er darf seine Meinung frei äußern, ist aber deshalb noch lange nicht frei. Er darf aber das Lesen der Bildzeitung verweigern. Er muss die Kommentare der Öffentlich – Rechtlichen Sendeanstalten nicht auswendig lernen. Aber er muss arbeiten, um später eine Rente zu beziehen. Er darf nicht einfach in den Wald gehen und sich am Wild bedienen – außer – er ist Jäger! Er muss Steuern bezahlen – muss! Das Prinzip der Freiwilligkeit funktioniert an dieser Stelle nicht. Wenn er Lebensmittel einkauft oder Kleidung, muss er Steuern bezahlen. Der Mensch ist nicht frei. Das Leben in völliger Freiheit funktioniert in einer Gesellschaft nicht. In einer demokratischen Gesellschaft darf der einzelne Mensch wählen gehen. Das sollte voraussetzen, dass er gesellschaftliche Zusammenhänge erkennen und Tendenzen auf die Zukunft berechnen kann. Das können die Wenigsten. Sie, Kollege Nuhr, können das auch nicht, das wird aus Teilen ihres Programmes ersichtlich. Noch etwas zum Schluss: Wer den Bekanntheitsgrad der jungen Greta Thunberg (Klicks) mit den Klicks vergleicht, die einem jungen Erfinder auf den Internetforen zugedacht werden, der hat nicht begriffen, dass sowohl Umweltpolitik als auch entsprechende Erfindungen, sich nicht gegenseitig ausschließen, sie konkurrieren nicht mit einander. Dieses Denken ist in der heutigen Gesellschaft kaum vorstellbar, weil wir von Kindesbeinen an nach dem Belohnungsgedanken handeln. Um ein krasses Beispiel zu benennen: Karl Puprecht, (dreijährig) hat einen stattlichen Haufen ins Töpfchen abgehen lassen. Jetzt strahlt er und klatscht in die Hände: „Talli hat Kacki macht!“ Und dann kommt die Belohnung, oft ein Lutscher oder ein Haribo…….

Na, wenn das nicht zum Nachdenken anregt – oder?

Prost! Austrinken, rät der alte Kunstmeister mit einem Augenzwinkern

Hartmut Tettweiler Reliwette

Autor: Hartmut Tettweiler Reliwette

Hartmut T. Reliwette, geb. 1943 in Berlin Maler, Bildhauer, Performer, Autor. 70 Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen oder Performances im In- und Ausland realisiert. Zusammenarbeit mit Peter Coryllis, Joseph Beuys, Karl-Heinz Schreiber und anderen zeitgenössischen Kunstschaffenden und Autoren/Schriftstellern. Mehr über Reliwette siehe „Autoren-Info“.