Wahlrede II

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich begrüße Sie auf das Herzlichste zu unserer Zusammenkunft  im Alten Kaisersaal zu Goslar!

 Wir wollen im Wahljahr den Zusammenhalt stärken. Deshalb bin ich angetreten. Herzlich willkommen, liebe Aschenbecher, und Aschenbecherinnen. Wie sie hören habe ich kein Problem mit der Genderthematik. Mir ist beides recht. Also sowohl Gender als auch Thematik!

Wenn Sie mich wählen, wird es Ihnen, und das verspreche ich Ihnen, nicht besser ergehen als bisher, aber Sie wissen dann endlich, woran es gelegen hat. Wissen heißt auch Zuordnung!

Das jetzige Rätselraten muss endlich mal ein Ende haben, meine lieben Zahnfetischisten und Geizlinge, liebe Verblasten und Röhrenempfänger.

Das Rollschuhlaufen muss endlich wieder in die Lehrpläne der Grundschulen einfließen.

Im Übrigen ein Wort zu meinen Mitbewerbern und Mitbewerberinnen: Ein Versprecher ist noch lange kein Versprechen! So viel Zeit muss sein, auf dass es erwähnt wird.

Und keine Angst vorm Urnengang: Auf Wunsch werden Sie abgeholt. Wir machen auch das Kreuz für Sie an der richtigen Stelle: Die Wahlzettel sind mittlerweile doch recht unübersichtlich.

Liebe Getutete und Verblaste, überlassen Sie nichts dem Zufall! Ich erinnere an den Einmarsch in Polen 1939. Das Land ist weg, für immer verloren. Das darf sich nicht wiederholen, auch wenn wir es nicht wiederbekommen.

Sie ahnen es. Meine sehr verehrten Täuschlinge und Deutschlinge: Gefahr von rechts, Gefahr von links  und übrigens auch aus der Mitte.

Da werden Zeigefinger erhoben, ohne auf Konkretes zu deuten, Schuldzuweisungen ausgesprochen, man könnte eine Kompassnadel ankleben, keiner wüsste, um was es  sich konkret handelt. Ständig wird von irgendeinem Hansel eruiert, nach dem Motto: Vorne unten mehr höher als hinten oben! Wer will dabei den Rundumblick bewahren, der sich ständig im Kreise dreht, bis Sie  sturztrunken vom Dreirad kippen, meine sehr verehrten Kauder und Welsche!

Das sind doch keine Reden mehr, die auf Sie als Wähler abgelassen werden. Dabei wird doch nur eines gestreut: Gasgeruch aus der Bauchhöhle. Wen wollen meine Kombattanten  von der Lafette pfeifen?  Lassen Sie sich nicht lullen, liebe Laibgänger und Laibgängerinnen, fordern Sie konkrete Ziele und nicht nur leidige Absichtsäußerungen, die kein Mensch umsetzen kann.

Wohlstand für alle! Dass ich nicht lache! Und wer soll die Arbeit machen, frage ich Sie? Das spaltet doch jede Umfragewerte zu Kleinholz und Holzkohle!

Niemals, sage ich und winke mit der kleinen Zehe, von der ich ein Paar besitze – natürlich zu Ihrem Vorteil, denn ich gehe voran – mit Ihrer Stimme!

Sie bestimmen künftig wie und was in diesem unserem Lande geschieht! Ich formuliere es lediglich aus, damit es ins Gesetzbuch passt, in die ministeriellen Verordnungen und Erlasse.

Und wenn sie ins Wahllokal gefahren oder geschubst werden, fordern Sie das Freibier ein, zu dem ich Sie schon heute einlade, liebe Vorkoster und Gelispelte und auch den Kurzen, der dazu gehört.

Leicht beschwingt sollen Sie dann heimwärts tork… äh  schweben im Bewusstsein, Ihrem Vaterland gedient zu haben. Es ist nämlich Bürgers Pflicht, dem Heimatland zu dienen und nicht Burger bei Mac Donald in sich hineinzustopfen bis der Notarzt kommt, meine lieben Dunst- und Gunstlinge der Ersten Stunde.

Setzen Sie ein Zeichen! Lassen Sie das nicht mit sich machen! Sie sind viel zu schade fürs Schafott!

Und wenn diese schleimigen Mitbewerber behaupten, meine Partei sei ein Trümmerhaufen, dann rufe ich Ihnen zu: Wer hat denn nach 1945 die Trümmer weggeräumt? Zu der Zeit waren meine Mitbewerber doch noch Vitamine im Blumenkohl

Ich verbiete mir solche Verballhornung!

Zur Wirtschaftslage:

Sie alle kennen die Situation mit dem Schachbrett, bei dem auf jedes Feld ein mit sich selbst potenziertes Getreidekorn gelegt wird. Also 1+1 auf das erste Feld – verdoppeln auf das zweite Feld und so weiter. Nach dem 29.sten Feld sind alle Getreidevorräte der gesamten Welt auf dem Schachbrett abgelegt. Sie wissen doch selbst, dass es so große Schachbretter gar nicht gibt. Sehen Sie! Das sind so Rechenbeispiele von Leuten, die von Wirtschaft keine Ahnung haben. Das sind doch alles Kommunisten! Vor denen müssen Sie sich in Acht nehmen wegen der Kopf ab- Theorie.

Im Zweifelsfall: Zack! Ab mit der Rübe und rein ins Mausoleum!

Ja ja, lachen Sie nur, aber wenn es soweit ist, wird Ihnen das Lachen vergehen, es sei denn, Sie besorgen sich so ein großes Schachbrett.

Man kann gar nicht genug warnen vor den Wirren der Jetztzeit, die es schon immer gegeben hat.

Deshalb schauen wir auch in die Zukunft, die gestern noch ein Heute war, wobei morgen gestern heute  ist. Daran müssen wir uns  alle gewöhnen, so schwierig sich das auch darstellen mag. Umsonst sind alle Mühen,  dagegen anzugehen, liebe Durchgelauchte und Innen.

Am Wahltag heißt es:

Deutsche Vorsitzenden Partei – DVP, Liste 25

Mit Volldampf auf in den Vorsitz!

Ich danke Ihnen!

Hartmut Tettweiler Reliwette

Von Hartmut Tettweiler Reliwette

Hartmut T. Reliwette, geb. 1943 in Berlin Maler, Bildhauer, Performer, Autor. 70 Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen oder Performances im In- und Ausland realisiert. Zusammenarbeit mit Peter Coryllis, Joseph Beuys, Karl-Heinz Schreiber und anderen zeitgenössischen Kunstschaffenden und Autoren/Schriftstellern. Mehr über Reliwette siehe „Autoren-Info“.