Die Geschichte mit den Geheimdiensten

Lebensgefährliches Nervengift auf einen „umgedrehten“ Spion aus Russland, zuletzt im Dienste seiner Majestät, der Königin von England. Nein, nicht James Bond oo7, der Filmheld mit dem Spezial Aston Martin samt Schleudersitz und eingebautem Flammenwerfer. Kopfschütteln über Kopfschütteln: ein internationales Beziehungsdesaster hat dieser Anschlag ausgelöst. In den Fokus der Verdächtigung geriet natürlich zunächst Russland mit der Erinnerung an die Machenschaften des ehemaligen KGB, jenem Dienst, der mit Vaterlandsverrätern nicht gerade zimperlich umging. Man gab dem Nervengift einen Namen, mutmaßte Russland als den Hersteller. Das reichte, um russische Diplomaten des Landes zu verweisen. Mitgliedsstaaten der EU folgten dem Beispiel. Die Reaktion Russlands ließ nicht lange auf sich warten. Geheimdienste haben alle etwas gemein: sie arbeiten verdeckt und ziemlich autonom, so dass die Regierungen der entsprechenden Staaten oft gar nicht wissen, was ihre „Dienste“ so ermitteln, was daran richtig oder falsch ist. Das beste Beispiel lieferte der Geheimdienst der USA, als es darum ging, dem Irak etwas in die Schuhe zu schieben, um einen Krieg  zu rechtfertigen. Später stellte sich heraus, dass die Luftaufnahmen mehrere Jahre alt waren und der Bericht von einem Studenten einer amerikanischen Universität abgekupfert war. Mit allen Ehren wurde der Leiter des Dienstes daraufhin verabschiedet und in Rente geschickt. Gibt ein interessierter Mensch unter dem Begriff „internationale Geheimdienste“ eine Suchanfrage bei Google ein, wird er in einer Form fündig, dass ihm schwindelig werden kann. Allein die BRD liefert drei Organisationen, den ehemaligen MAD (militärischer Abschirmdienst) jetzt BAMAD (Bundesamt für …),den Bundesnachrichtendienst BND und jenen für Verfassungsschutz. Wie gut und zuverlässig solche „Dienste“ autonom agieren, sieht der kritische Bürger an den haarsträubenden Vorkommnissen in den Ermittlungen gegen die Mitglieder des NSU. Akten gerieten versehentlich in den Reißwolf, ein verdeckter Ermittler, der in einem Internetcafè am Rechner saß, hörte einen Schuss nicht, der im Nebenraum fiel, und es ähnelte der Passage aus einem Grimmschen Märchen, in dem es  an mehreren Stellen hieß:“Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß!“ Nun sollte ein kritischer Bürger auch mal Erkundigungen einziehen, mit welchem Etat die verschiedenen Dienste agieren, denn es müssen nicht nur Gehälter an offizielle Mitarbeiter gezahlt werden, sondern auch Mittel zum Unterhalt für „wistleblower“ aufgewendet werden, die in den verschiedenen staatsgefährdenden Gruppen verdeckt wirken. Nun kann man sich vorstellen, welcher geheimdienstliche Aufwand weltweit betrieben wird. Allein die Erwähnung der Worte, Verfassungsschutz, Geheimdienst oder Spionage in diesem Kommentar führen dazu, dass der blog, auf dem er  publiziert  sowie die gesamte website durchforstet wird. Inzwischen werden die Mitarbeiter des Verfassungsschutzes mitbekommen haben, dass an dieser Stelle zwar kritisch, aber nicht verfassungsgefährdend kommentiert wird. Nebenbei soll nicht verschwiegen werden, dass öffentlich geäußerte Kritik an Missständen in der BRD erlaubt sind , weil jeder weiß, dass die Mehrheit der Bürger ohnehin nicht an Kritik interessiert ist solange die Regale in den Supermärkten gefüllt und der Treibstoff für den auf Raten gekauften PKW bezahlt werden kann.

Die Frage, ob die Bereitstellung von „Diensten“ weltweit überhaupt erforderlich ist, oder ob lediglich Abwehrfunktionen zum Tragen kommen, anstatt in anderen Staaten „herumzustochern“, die eigenen Spione ins know how anderer Fabriken einzuschleusen oder wehrtechnische Ergebnisse erspähen zu lassen, sollte sich jeder einmal selbst beantworten. Auch die Tatsache, dass sich innerhalb der EU bespitzelt wird, innerhalb der NATO -Staaten oder sogar der UNO, gibt zu denken. Wie kann Vertrauen z.B. zwischen den USA und der BRD aufgebaut werden, wenn in Deutschland Handys überwacht werden bis hin zum Mobiltelefon der Bundeskanzlerin? Muss es hingenommen werden, dass der Leiter des amerikanischen Geheimdienstes auf Vorhalten antwortet: „Das ist wie beim Duschen, man ist hinterher clean?“

Kinder, Kinder, was für eine Welt! Der alte Kunstmeister rät wie immer: Prost! Austrinken, denn noch sind wir oder besser: dennoch sind wir, aber nur so lange, bis uns die Schöpfung vom Dreirad schubst! Denn mit jenem Gefährt der Kindertage sind die meisten Erwachsenen der Jetztzeit noch immer unterwegs.

 

 

 

 

Hartmut Tettweiler Reliwette

Autor: Hartmut Tettweiler Reliwette

Hartmut T. Reliwette, geb. 1943 in Berlin Maler, Bildhauer, Performer, Autor. 70 Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen oder Performances im In- und Ausland realisiert. Zusammenarbeit mit Peter Coryllis, Joseph Beuys, Karl-Heinz Schreiber und anderen zeitgenössischen Kunstschaffenden und Autoren/Schriftstellern. Mehr über Reliwette siehe „Autoren-Info“.