Schandflecken

Es wird zu viel abgerissen in Deutschland Schandflecken werden ausgemerzt! Der Palast der Republik: dem Erdboden gleichgemacht obwohl Künstler bereits ein Haus darin bauten Ein Mahnmal künstlerisch genutzt? Barbaren! Die Grenzbefestigungen auf ein vertretbares Maß reduziert so wie das Gruseln der Bürger sich im erträglichen Rahmen vollzieht Dem größten Schandflecken setzten Architekten die Glaskuppel auf…

Drei Träume

Stillgeprägte schwarze Straße neonleuchtend blankes Nass tief getränkter Hoffnungsschimmer sind des Menschen Aderlass Dichtgestützte frohe Menge sind in königlichem Blau festgefahren und vergessen: Kinder einer fetten Sau! Machtgetrübte schwache Sinne sind durch tristes Einerlei neugesklavt und folgehandelnd was Maschinen nützlich sei! Fortlenkt der Maschinenknochen Traumlieb aus des Herzens Glut und schon wieder rauchen Trümmer einer…

Psychikon III

Und obschon sie in den Spiegel blickten, sahen sie sich nicht und niemand bemerkte den Nebenstehenden Das kam daher, dass sie unentwegt damit beschäftigt waren, ihre Kleider zu ordnen Während im Westen langsam die Sonne versank erloschen die Spiegel und wurden zu blinden Fensterscheiben

Psychikon II

Als sie sich noch ein letztes Mal umwandten, sahen sie, dass die weite Ebene von der untergehenden Sonne in purpurnes Licht verwandelt worden war… …in der Ferne zog die vermummte Schar nordwärts die unendliche Menschenreihe schien kaum in Bewegung und zerfloss mit den Abendwolken am Horizont

Psychikon I

Regen tropft metallene Skulpturen blinken mattsilbern im Dämmerlicht Gekreuzte Schwerter fallen ins Niemandsland Was sinnvoll erschien zerschellt schon im Aufbruch So nehmen Poeten ihre Habe ins Grab und Leere ist Abschied! Wenn Abendwolken wehen und Sturmvögel ziehen Das Maß der Dinge kein löcheriges Sieb aber ein Fass ohne Boden!

Durch den Kaktus gesprochen

Wenn Sprachwülste sich der Notwendigkeit verschließen Dichterzähne in die Selbstbeschäftigung einschlagen Genussgaumen in Erwartungshaltung kitzeln Silben-gezählt und gewogen dem Ohrenschmaus gefällig mit dem Ave Maria (in hoher Kopfstimme) das Finale bejubeln jeder Vierzeiler um den Pulitzerpreis buhlt Kunst genießbar nutzlose Ästhetik hofiert die Propheten im Bundestag die nächste Diätenerhöhung weissagen (und 1051 andere Ungereimtheiten) wird…

Aufruf zur Kreativität

Protzt auf das Gemumpfe lasst die Wangen nicht beuteln die dumpf Gebackenen harschen wieder Löcher und zetern ihre Bratgeigen! Was soll das? Den Schniedel gewutzt und der Ferse das Geld geben? Niemals! Schnitzt dem Kiel die Fassung wenn`s mal wieder radebricht aus den Getuteten und Verblasten den Gesichtsverdrehern, Mimikhoblern, Gestenklauern und Physiognomiekleisterern Wenn der Stunde…

Vorwort

„Jeder kann ein Künstler sein“, das ist ein bekanntes Zitat meines verstorbenen Freundes, Joseph Beuys. Ich war damals Maler, Performer und Autor. Nebenbei auch noch Strafvollzugsbeamter. Für ihn, Beuys, ein lebender Beweis für die Richtigkeit dieser These. Ich  selbst bezeichne mich eher als einen Neo-Symbolisten, der die alte Kunstrichtung aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts…