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Kerniger Künstler mit kleinem Knall

GA-Serie (5) Seit gut 25 Jahren lebt und wirkt der Maler und Bildhauer Hartmut T. Reliwette in Idafehn (von Ole Cordsen)

IDAFEHN – Ob Hartmut T. Reliwette einen kleinen Knall hat? Getuschelt haben dies schon manche Leute, die ratlos vor seiner Kunst standen. Vor allem aber sorgte er für einen Knall bei seiner Ankunft in ldafehn-Nord. Genauer gesagt, ließ er es gleich zehnmal knallen. Hinter der Scheune seines frisch renovierten Hauses hatte Reliwette zehn Fernseher gestapelt. Und für die Auftakt-Aktion in seiner neuen Heimat zielte er mit einem großkalibrigen Revolver und schoss. Krachend zersplitterten die Mattscheiben und Bildröhren. Aus Furcht versteckten Schaulustige sich hinter Hausecken und Gebüschen. Das war damals, vor gut 25 Jahren.

„Stimmen (D)eines Herrn“ hatte Reliwette, nach eigener Auskunft ein Freund und Weggefährte des berühmten Aktionskünstlers Joseph Beuys, diese Aktion genannt. „Ich wollte symbolisch das leere Gebrabbel der Fernsehsender stummschießen, dem viel zu viele Menschen hörig waren und sind“, sagt er heute. Dann schiebt er seinen Hut aus der Stirn, schenkt im Wohnzimmer seines Hauses Kaffee ein und blickt auf das Vierteljahrhundert zurück, das er in Ostfriesland lebt. „Ich habe tolle Nachbarn. Wir nehmen und mögen uns, wie wir sind.“
Überbleibsel seiner oft politisch motivierten Aktionen tummeln sich unter dem Dach seines Hauses. Dort hat Reliwette ein Museum in eigener Sache eingerichtet. Scherben einer Terracotta—Rakete liegen darin. Die wollte Reliwette in den 80er Jahren in einem Osterfeuer festbrennen — als Protest gegen die geplante Stationierung amerikanischer Pershing II—Raketen in Deutschland während des Kalten Krieges. Auf einem Beistelltisch steht ein Kaffee-Service, das Reliwette modelliert hat. Der Zuckerstreuer ähnelt einer Handgranate, die Kanne ist dem Geschützturm eines Panzers nachempfunden. Dabei geht es Reliwette um das Gegenteil von Gewalt. „Ich kämpfe für den Frieden“, sagt er. Wenige Wimpernschläge später berichtet Reliwette von einem Besuch in der Kunsthalle in Emden, wo er vor kurzem war und den Slogan „Kunst mit allen Sinnen genießen“ entdeckte. „Dafür ist Kunst doch nicht da. Sie soll zum Denken anstoßen, aufrütteln, Inhalte vermitteln. Sie muss ihrer Zeit voraus und im Leben anwendbar sein. Sonst wird Kunst belanglos“, sagt der 66-Jährige.
Er selbst, der den Großteil‘ seines Lebens im Ruhrgebiet gelebt hat, arbeitete bis 1998 gut 20 Jahre lang in Gelsenkirchen als Kunst-Therapeut im Gefängnis und regte die Sträflinge über die Kunst zum  Nachdenken an. Der studierte Maler machte sich vor allem durch Performance-Kunst einen Namen und arbeitet heute vomehmlich als Bildhauer und Schriftsteller.
Nach Idafehn zog Reliwette, „weil ich nach einem Eklat bei einer Performance in Essen 198l einen geschützten Raum zum kreativen Schaffen gesucht habe“, Weil er als Kind die norddeutsche Küstenregion geliebt habe, sei er über Umwege nach Idafehn gelangt, wo ihn neben der Ruhe auch die netten Nachbarn überzeugten. Die Kontakte zur Künstlerszene im „Pott“ hält Reliwette telefonisch, „doch die engen Bindungen bleiben“, sagt er. Guten Kontakt habe er auch in Ostfriesland gefunden, etwa zu Autoren der Poetry-Slam-Szene. Die haben den Mann mit dem Knall ins Herz geschlossen und waren schon zu Gast auf der Bühne im Labyrinth hinter Reliwettes Haus, das er zu Ehren von Beuys aus Tausenden von Dornbüschen schuf.

Quelle: Generalanzeiger 27.März 2010

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Amos und das Interview

Gedruckt sieht alles so ganz einfach aus

Gestern war die Presse bei Opa Hermann. Der Journalist hatte sich für 11 Uhr angekündigt. Deshalb hatte sich der alte Herr in Schale geschmissen und seine neue Cordhose (15 Jahre alt) aus dem Kleiderschrank geholt. „Meine Güte, wenn das in den überregionalen Teil kommt!“ Niemand will sich gerne blamieren. Deshalb war Rentner Hermann am Tage zuvor noch schnell beim „haircutter“ gewesen. So nennt man heutzutage die Friseure, die weniger in althergebrachten „Salons“ werkeln als dass sie heutzutage in „Studios“ die Kundschaft zur „Schere bitten“. Entsprechend haben sich die Namen der Unternehmen dem Mainstream angepasst: „HAIRHUNTER“ -analog zu „Kopfgeldjäger“ – oder „HEIßE SCHERE“ anstelle von „SALON EPIDERMES“ (obere Hautschichten), was übrigens keine griechische Göttin war.
Derart gestylt blickte der Geschorene daheim in den inzwischen infolge „hoher Laufleistung“ patinierten großen Kristallspiegel aus dem vorigen Jahrhundert. Aber so oft sich der alte Herr auch drehte und wendete, es kam nichts wesentlich Neues dabei heraus. Opa Hermann hatte außer einigen fehlenden Ohr-, Nasen- und Augenbrauenhaaren das Studio so verlassen wie er es betreten hatte. Was ist auch an einer „Fast-Glatze“ groß herum zu schnippeln?
Um so größer war der Schock, als der junge Journalist sich mit Namen vorstellte und kurz und knapp den Anlass seines Besuches darlegte: „Unsere Redaktion beabsichtigt einen Bericht über ihr sprechendes Schaf zu veröffentlichen.“ „Ach, und deshalb sind sie hier?“ fragte Opa Hermann überflüssigerweise. „Ja, wir hatten doch telefoniert…“
„Aber nicht darüber gesprochen, dass Sie mit Amos, dem Piratenschaf, ein Interview machen wollen“, verteidigte der alte Herr seine störrische Haltung. „Ich war davon ausgegangen, dass Sie mich sprechen wollen“, fügte der etwas pressegeile Opa Hermann hinzu.
Der Zeitungsreporter druckste etwas herum, es war ihm sichtlich unangenehm. Wie sollte er erklären, dass eine Reportage über einen brummigen ehemaligen Bergmann nicht viel hergeben würde außer ein Gähnen bei der Leserschaft des beliebten Tageblattes, ohne Opa Hermann zu brüskieren?
„Na dann kommen Sie mal mit!“ Opa Hermann angelte sich im Vorbeigehen seine Arbeitsjacke vom Haken seines Garderobenständers: „Hier entlang bitte!“ Es ging zweimal links herum, einmal rechts um die Häuserecken und dann war nur noch Grünes: mehr lang und breit als hoch. In Sichtweite grasten zwei Schafe, welche die Ankömmlinge interessiert beobachteten. „Amos und Linda“, rief Opa Hermann, „ihr habt Besuch, die Presse ist da!“ „Was pressen die denn“? fragte Amos. „Heu?“
„O ja“, rief der Journalist begeistert, „tatsächlich, es spricht!“ Opa Hermann mischte sich ein: „Früher war das Drucken mittels Druckstöcken wirklich ein Pressen, heute verwendet man Matritzen per Computer, nur der Name ist geblieben: Zeitungsmacher = Presse!“ „Aha“, röhrte das Piratenschaf und fügte „Böööööh“ hinzu. „Verstehe“, erwiderte der Zeitungsmann und notierte etwas in seinen Notizblock. „Huch“, fügte nun Linda hinzu, „wie praktisch!“ „Ach, Sie sprechen auch? Darf ich „du“ sagen?“ „Bin noch keine sechzehn“, erwiderte Linda, das Schaf, „ich habe kein Problem damit!“
An Amos gewandt startete der Journalist die erste Frage: „Was bevorzugst du am liebsten im Speiseplan?“ „Den Plan“, sagte das Piratenschaf etwas irritiert. Dann dachte es einen Moment nach: „Weidegras!“ „Und an zweiter Stelle kommt…..“, wurde gefragt und Amos: „Weidegras!“

Das würde ein Schietinterview, so viel war sicher. Aber du kannst ein Schaf ja schlecht nach seiner bevorzugten Whiskeymarke befragen. Amos schien die Verlegenheit des Reporters zu bemerken und sagte von sich aus: „Ich spreche hannoversches Hochdeutsch und bei Opa Hermann Plattdütsk. Bei den lieben Piraten wird „Lakonisch“ gesprochen, das ist die Sprache der Frustrierten!“

Der Reporter schüttelte den Kopf wie ein Zugpferd, dem das Halfter zu eng geworden war. „Das ist ja unglaublich!“
„Amos ist schlau“, mischte sich jetzt Opa Hermann ungefragt ein, „das Schaf sollte in die Politik gehen, außerdem sind die Betriebskosten viel günstiger als bei einem herkömlichen Abgeordneten. Ich erinnere: Weidegras! Die Politik könnte es nebenher machen, neben dem Fressen. Die Wirtschaft ist ohnehin ein Selbstläufer, und der Zahlmeister ist schon zufrieden, wenn die Steuereinnahmen tüchtig sprudeln, nicht wahr Amos?“
„Bööööh“, machte Amos, und Opa Hermann frohlockte: „Sehen Sie, sag ich doch! Haben Sie mitgeschrieben?“ „Scheiß Interview“, dachte der Reporter, „läuft völlig aus dem Ruder!“
„Fragen Sie das Piratenschaf nach dem Wehretat“, stichelte Opa Hermann. „Ich bin doch nicht bekloppt“, ächzte der Journalist, „wem soll ich das denn auf die Nase binden?“
„Geht bei der Blödzeitung doch auch“, ereiferte sich der alte Bergmann, „was glauben Sie, was die aus der Story machen würden? Eine Fotomontage, das Piratenschaf mit dem Gesicht von Frau…“ „Hören Sie auf, das ist doch völliger Quatsch!“ „Ja, und genau den wollen die Leute lesen, die Realität kennen die Menschen doch zur Genüge! Außerdem geifern so furchtbar viele danach, manipuliert zu werden. Das ist die Volksseuche Nummer 1, nicht irgend ein Grippevirus. Ein nackter Frauenpopo ersetzt vier Philosophiebücher, junger Mann, wenn ich das mal so wertfrei in den Raum stellen darf!“
Linda hatte etwas abseits gegrast. Sie tat so, als ginge sie das alles nichts an. In Wirklichkeit bekamen ihre gespitzten Ohren jede Einzelheit des Diskurses mit. Sie war stolz auf ihren Mann, das berüchtigte Piratenschaf, das es sogar mit dem Leithammel Brutus aufgenommen hatte, wenn auch durch eine rasante Flucht.
Gerade hörte sie, wie sich der Journalist für das Gespräch mit den Worten bedankte: „Wenn mein Chef das so durchgehen lässt, wird der Artikel in der übernächsten Ausgabe erscheinen!“
„Wer ist sein Chef?“ zischte Amos zu Opa Hermann hinauf. „Das ist doch der bekannte Chefredakteur vom Tagesanzeiger, aber du hättest dem Reporter auch ein wenig zuarbeiten können.“ Dabei ließ der alte Herr ein verschmitztes Lächeln erkennen und zwinkerte mit dem rechten Auge.

Der alte Bergmann hatte sich nicht umsonst in seine „neue“ Cordhose geschmissen.

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Amos und die rote Kiste

Einhundertundzwanzig Knöpfe und doch kein Mantel

Die Märzsonne stand im blauen Azur, wärmte bereits mit ihren Strahlen Land und Flur. Amos, das Piratenschaf, hatte nach langer erfolgloser Suche endlich seine geliebte Schafsdame Linda gefunden und sie zu sich in Opa Hermanns Grundstück entführt. Na ja, im Grunde war es gar keine Entführung gewesen, denn Opa Hermann hatte sie bei ihrem Züchter ausgelöst. Nun waren sie zusammen und genossen die Vorboten des Frühlings auf der saftigen Wiese.
„O, meine geliebte Linda“, säuselte Amos soeben, „wie habe ich dich lieb!“ Linda errötete etwas unter ihrem Wollschopf und atmete hörbar aus: „Mein strammer Pirat!“
Das wäre wahrscheinlich noch eine Weile so weitergegangen, wenn nicht plötzlich ein wehleidiger Laut an Amos Ohr gedrungen wäre.
„Oh, du liebe Güte“, durchfuhr es das Piratenschaf, „es ist etwas mit Opa Hermann!“ Dessen Kate war ja nur einen Hammelsprung entfernt auf dem selben Grundstück gelegen. „Bleibe du nur lieber hier“, empfahl das Piratenschaf, „ich gehe mal nach dem Rechten schauen!“
„Pass auf dich auf“, antwortete Linda, „nicht dass es etwas Gefährliches ist, was dich erwartet!“
„Nein, nein, bin doch schon groß“, brüstete sich Amos. Je näher er dem Haus von Opa Hermann kam, desto eindringlicher wurden die Klagelaute. So ein Geräusch hatte das Piratenschaf vorher noch nie wahrgenommen.
Unter dem Fenster, aus welchem die Töne kamen, stand eine blaue Gartenbank, die Amos jetzt als Kletterhilfe benutzte, um in das Zimmer zu spähen. Aus dem halb geöffneten Fenster waren jetzt deutlich Wortfetzen zu hören. „Ein Schmerz“, schrie Opa Hermann gerade, der eine rote Kiste vor seinen Bauch gebunden hatte und „fährt hinaus auf Seeeee“, war zu vernehmen.
Die rote Kiste blähte sich auf, es mutete an wie ein altmodischer Heizkörper einer Zentralheizung, aber dem alten Mann gelang es immer wieder sie zusammenzudrücken. Dabei entstanden diese wehleidigen Klagelaute. Gerade maulte der alte Herr: „Musst nicht traurrrrrig sein!“ Offensichtlich versuchte er die rote Kiste zu beruhigen. Amos konnte sich keinen Reim auf das Geschehen machen. „Komisch sind die Menschen“, dachte Amos, „sie binden sich überflüssigerweise eine Kiste vor den Bauch und versuchen sie dann zu trösten!“
Der Zeitpunkt war gekommen einzugreifen. Opa Hermann musste unter allen Umständen gerettet werden. Das Piratenschaf spähte nach der Haustür. Sie war verschlossen, ebenso die angebaute Waschküche. Amos raste um das Haus. Eile war sichtlich geboten! Was wäre, wenn die rote Kiste den armen Opa Hermann erdrücken würde? Nicht auszudenken! Amos besann sich nicht lange, sondern raste in wilden Dreiecksprüngen zum Nachbarhaus und bumste mit seinem Schädel gegen die Eingangstür. Der Nachbar erschien in der Türfüllung: „Ach, du bist es, was gibt`s?“ „Komm schnell“, hechelte der Vierbeiner, „es ist etwas mit Opa Hermann, aber bring einen Dietrich mit, er hat sich eingeschlossen!“ Zusammen erreichten sie die Kate. Der Nachbar trommelte mit seinen Fäusten gegen die Hausür. Von innen war ein Rumoren zu hören, dann wurde die Tür entriegelt. Opa Hermann stand mit umgeschnalltem Akkordeon im Eingang. Der Nachbar rang nach Worten: „Dein Schaf hat mich alarmiert, es meinte, dir ginge es nicht gut, hätte verdächtige Geräusche aus dem Haus gehört! Was spielst du auch immer für nen Scheiß? Da rollen sich ja die Tapeten vor Rührung von den Wänden!“ Opa Hermann war entrüstet: „Du Kulturbanause“, giftete er seinen Nachbarn an.“ „Wieso ich?“ rief sein Nachbar, „du hättest ja dein Schaf beizeiten an die Geräusche gewöhnen können!“ „Geräusche? Geräusche? Ich glaube bei dir hackt es! Das einzige Geräusch, welches du akzeptierst, ist doch deine Kettensäge! Das geht von morgens bis spät in die Nacht! Vor dir ist doch kein Baum mehr sicher!“
„Kannst du überhaupt die Tonleiter?“ wollte Clemens jetzt wissen.
„Na klar: – do-re-mi-fa-so-la-ti-do.“ Dabei machte Opa Hermann komische Handbewegungen, so als wolle er einen Fisch aus einem Marmeladenglas fingern. „Das ist keine Tonleiter“, kommentierte Clemens, „das hört sich an wie das Morsealphabet!“ „Das Morsealpabet hat doch ganze Wörter, z.B. „Yankie“ und „Zulu“. Für „Z“ hätte man heute sicher „Zombie“ genommen.“ „Aber die Yankies sind doch nicht in Afrika bei den Zulus“, wendete Clemens ein. „Boa“, Opa Hermann verdrehte die Augen, „das Morsealphabet ist doch keine völkerrechtliche Gebietsangabe, sondern ein Übertragungsmittel, außerdem waren die Amis schon überall, meist als Besetzer.“ 

Irgendwann hatten sich die Gemüter beruhigt. „Wenn du schon mal da bist, Clemens, komm rein. Wir nehmen einen zusammen und danke, dass du mich retten wolltest!“ Die Männer betraten die Diele, Amos folgte ihnen. Er brauchte mehr Informationen. Deshalb ging er mit. Später könnte er Linda alles erzählen.
„Ich habe das Lied von Hans Albers gespielt“, erklärte der alte Mann seinen Besuchern, „ein Stück aus „Große Freiheit Nr.7“. Es ist unter dem Titel „La Paloma“ sehr bekannt geworden. Das ist nun mal ein wenig wehmütig, besonders die Stelle, in der es heißt: weit ist das Meer, wie groß muss der Himmel sein!“
„Ja aber Opa Hermann, wozu sind die ganzen Regler an dem Kasten, die vielen weißen und schwarzen?“ wollte das Piratenschaf wissen. „Na, die lösen die Töne aus, und die Regler nennt man Tasten. Man spielt eine Tonart, die wird durch Tonika, Dominante und Subdominante geregelt, also einen Dreiklang!“ Amos sagte: „Bööööööööh!“ „Fast richtig“, stellte Opa Hermann fest. „Du fängst in frühen Jahren mit der Musik an, lieber Amos! Ich habe zum Beispiel von meinem Vater einen Kamm bekommen, da fehlten nur drei Zähne (es war Nachkriegszeit). Der wurde in ein Stück Zellophanpapier eingewickelt, und man konnte herrliche Melodien darauf blasen. Das Geräusch, also der Ton, kam einem Saxophon schon sehr nahe, also wenn du nur auf dem Mundstück spielst, ha ha ha ha ha! Sonst gab es ja nichts, außer einem Volksempfänger, und da kam meistens Marschmusik heraus. Wusstet ihr, dass ein Saxophon ein Holzinstrument ist, obwohl es aus Blech besteht, aus zusammengelöteten Konservendosen?“

Amos und der Nachbar kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. „Bööööh“, sagte das Piratenschaf erneut.

„Ich spiele euch jetzt mal ein Stück auf meinem Schifferklavier vor, das passt in diese Landschaft, dann wisst ihr das nächste Mal Bescheid, bevor ihr mir die Tür eintretet.“ Opa Hermann verklärte seine Augen und griff in die Tasten. Er sang dazu folgenden Text:

„My Bonnie is over the ocean – my Bonnie is over the sea, my Bonnie is over the ocean – please bring back my Bonnie to me!“


„Nicht schlecht“, schluchzte Clemens, „wenn doch nur min Olschke wieder bei mir wäre…“
„Weshalb ist sie denn damals stiften gegangen?“ fragte Opa Hermann mitfühlend. „Das war die Zeit, als ich damit anfing, Trompete zu lernen!“

 

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Opa Hermann und die Kunst

Die Wirksamkeit der Kunst liegt „am“ Auge des Betrachters

  Opa Hermann hatte Besuch bekommen! Sein alter Zechenkumpel Jupp und dessen Frau Burgel hatten sich zum Tee avisiert. „Den Kuchen bringen wir aber mit!“ Der alte Herr hatte ein frisches Tischtuch aufgelegt und mitten darauf stand eine Blumenvase mit frischen Schnittblumen: kleine Röschen, frisch aus Afrika importiert für 1,99 Euro aus dem Discounter. „Frisch eingeflogen, extra für Euch“, erklärte er zur Begrüßung. „Eigentlich finde ich es nicht gut, dass den afrikanischen Bauern das Land abgeknöpft wird, damit dort riesige Flächen zum Blumenanbau entstehen, aber die Sträußchen standen schon in den Eimern – direkt hinter dem Eingang…“
Kurze Zeit darauf saßen die drei um den Küchentisch herum, tranken Tee und kosteten von der Joghurtrolle, die Burgel beim Dorfbäcker erstanden hatte. Wenn man sich in einer Gruppe von Freunden wohlfühlt, kommt auch schnell ein Gespräch auf.
Bei Burgel geht es meistens um Kunst. Da kennt sie sich aus. Sie besucht jede Ausstellung in der Gegend. Ihr Lieblingsmaler ist Vincent van Gogh, der Impressionist aus dem vorigen Jahrhundert.
„Das ist einer der ersten Maler, der im pointilistischen Stil gemalt hat. Seine Bilder setzen sich aus Pinselstrichen zusammen wie ein Mosaik“, erklärte sie den Männern mit hochrotem Kopf.
Wenn Burgel über Kunst reden konnte, war sie nicht mehr zu bremsen. Opa Hermann hielt seinen Kopf beim Zuhören etwas schief, was bei seiner Besucherin den Eindruck erweckte, er lausche intensiv ihren Ausführungen. In Wirklichkeit war diese Körperhaltung dem Umstand geschuldet, dass er auf einem Ohr nicht mehr so gut hören konnte. Als Burgel an einer Stelle ihrer Ausführungen Luft holen wollte, ergriff Opa Hermann das Wort, weil er dachte, sie sei fertig!
„Wir haben hier auch einen Dorfkünstler“, fiel der alte Herr ein, „ich weiß nicht, ob du ihn kennst?“
„Wie heißt der denn?“ wollte Burgel jetzt wissen. „Ob der überhaupt einen richtigen Namen hat, weiß ich jetzt nicht, aber wie der aussieht, das kann ich beschreiben: eine lange, hagere Gestalt mit einem Rauschebart, er hat ein altes Siedlerhaus an der Wieke! Auf einem Heuballen steht immer eine weißgescheckte Ziege.
In seiner Scheune ist angeblich eine Dauerausstellung seiner Bilder, und man soll da auch Tee trinken können!“
„Ja, von dem steht ja zuweilen etwas in der Zeitung“, meinte Burgel. „Er soll ein Schüler von dem Beuys gewesen sein, dem Kunstprofessor aus Düsseldorf.“ „Ist das der mit dem Hut?“ Opa Hermann warf einen triumphierenden Blick in die Runde. „Ja“, meldete sich jetzt Jupp zu Wort, „das ist der mit der Margarineecke!“ „Fettecke“, verbesserte Burgel. „Ja, dann eben Fettecke!“ Ihr Mann machte eine wegwerfende Handbewegung. „Jedenfalls ist unser Dorfkünstler ein Sonderling. Den versteht hier „keen enen nich“, der sieht aus wie das Leiden Christi, hohlwangig mit entzündeten Augen und macht einen auf Öko!“ „Habt ihr mal seine Skulpturen gesehen?“ wollte Opa Hermann wissen, „der soll ja alles mögliche von Schrottautos zusammenschweißen, also ein Auto zerlegen und falsch herum wieder zusammenbauen!“
„Das macht Sinn“, stichelte Jupp, „wenn ich mir so begucke, was sich VW in den letzten Jahren so geleistet hat! Zig Millionen Euro gab es für die Manager im Jahr und was kam dabei heraus? Ein Dieselmotor mit gefälschten Abgaswerten!“
„Na ja, ins Wohnzimmer möchte ich mir so eine Skulptur nicht gerade stellen. Würde auch gar nicht in meine Wohnstube passen“, meinte Opa Hermann.
Ich glaube nicht, dass ein Künstler, der solch ein Kunstverständnis hat, möchte, dass seine Skulpturen in einer Privatwohnung verschwinden. Das ist doch etwas für ein Museum, damit alle etwas davon haben“, ereiferte sich Burgel. „Na eine genießbare Kunst ist das jedenfalls nicht“, meinte Jupp.
„Ich tippe mal eher auf Unsinnsmaschine“, versuchte Burgel jetzt eine Deutung. „Das kommt der Sache vermutlich am nächsten. Und wenn man das weiter denkt, dann liegt doch nahe, dass der Zeitgenosse Künstler wohl der Auffassung ist, dass die Menschen sich mit zuviel unnützem Zeug befassen, wenn sie orientierungslos den Globus zertrampeln, oder?“ „Ich sag es ja, Hermann, wenn Burgel erst einmal loslegt, dann kannst du nur mit den Ohren schlackern!“ „Mir fällt da ein Witz ein“, sagte Opa Hermann, „der hat auch etwas mit Deutung zu tun. In einer äh Irr… nee, darf man ja nicht sagen, also ihr wisst schon Pünktchen, Pünktchen- anstalt wartet ein Insa… – nee, Patient auf seine Entlassung. Der sagt ständig, dass er sich eine Zwille (Schleuder) bauen und damit auf die Leute schießen will. Das lässt der Direktor aber nicht durchgehen. Jährlich erfolgt eine erneute Prüfung des Heilerfolges. Doch jedesmal sagt der Betroffene dasselbe: „Ich baue mir eine Zwille und schieße auf alle Leute!“ Im dritten Jahr sagt er aber zu dem Direktor: „Wenn ich entlassen bin, suche ich mir eine hübsche Frau!“ „Und was dann?“ will der Direktor wissen. „Die ziehe ich dann abends aus!“ „Und dann?“ fragt der Direktor hoffnungsvoll. „Dann nehme ich ihr Strumpfband, baue mir eine Zwille und schieße auf alle Leute!“

„Und was hat das jetzt mit Kunst zu tun?“ fragte Jupp leicht irritiert, „ich meine, worin besteht der Bezug? Im Unverständnis?“
„Das weiß ich jetzt auch nicht so genau, aber es hört sich gut an!“

Mit diesen Worten stand Opa Hermann auf, schnappte sich den Wasserkessel und ließ neues Leitungswasser einlaufen!

 

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Der Islam gehört – nicht – zu Deutschland

„Deutschland“ diskutiert, „Deutschland“ regt sich auf, wegen der hohen Zuwanderungsrate, wegen der Islamisierung des Abendlandes, wegen des „Aussterbens“ abendländischer Werte und und und….
Wen wundert es, dass die „Hutschnur“ platzt? Jeder wirft nach dem Anderen!
Womit? Mit Worthülsen! Auch die Bundeskanzlerin spricht mit einer Worthülse, die viele zu verstehen glauben, obschon sie nichts an Erkennt-nissen hergibt. Was heißt denn das im Klartext, der Islam gehört zu Deutschland?
Worin sind die Werte verankert, die dem westlichen Europa zugeschrieben werden? Reicht es, der Einfachheit halber auf die Verfassungen hinzuweisen, jene z.B. der Bundesrepublik Deutschland, welche bei der Staatsgründung 1949 auf die „neue Fahne gegossen“ und durch die Alliierten abgesegnet wurde?

Beziehen sich die Deutschen auf Vorgaben der Bibel, in welcher christliche Werte vermittelt werden? Wo steht in den zehn Geboten etwas von Gleichberechtigung? Auf welche Bibel wird überhaupt Bezug genommen?
Ist das Alte Testament gemeint. die etwa 3000 Jahre alte jüdische Bibel?
Ist das Neue Testament gemeint? Wo steht in den Testamenten, dass der
Mensch „Hexen“ verbrennen oder dass man dem „Teufel“ in einer exorzistischen Sitzung beikommen soll? Wo steht geschrieben, dass man im Namen Gottes Waffen segnet ?
Unsere abendländischen Werte mögen irgendwo von irgendwem erfunden oder aus welcher Stelle einer religiösen Botschaft auch immer abgeleitet
worden sein. Fest steht: die angesprochenen „Werte“ verbergen sich knallhart im BGB, im StGB, in der Strafprozessordnung und weiteren Gesetzestexten und ministeriellen Verordnungen.
Glückwunsch dem, der sie alle kennt!

All diese Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenlebens sind auch
Ergebnisse ethischer Lehren unserer zahlreichen Philosophen, auf welche eine Minderheit der deutschen Bevölkerung stolz ist, während der überwiegende Teil der Bevölkerung kaum ihre Namen aussprechen kann, geschweige denn ihre Werke gelesen hat.
Die  angesprochenen Grundlagen greifen ferner auf Hinweise zurück, die in der Literatur zu finden sind, auf die Lehren des Humanismus. Es gab eine „Zeitepoche der Aufklärung“, genannt sei an dieser Stelle John Locke, ein Engländer. Die Geistesbewegung der „Aufklärung“ ging tatsächlich von England aus, führte über Frankreich und Belgien bis nach Deutschland. Einer der deutschen Vordenker war der Philosoph Immanuel Kant. Das Prinzip, welches der „Aufklärung“ zugrunde lag, ist das des kritischen Verstandes, eine Grundlage überhaupt, eine Urteilsbefähigung zu erlangen (Kritik der reinen Vernunft).
Letztlich wachen Juristen als Formulierer und Vollstrecker darüber, dass die oben beschriebenen Gesetze eingehalten werden, vom Justizvollzug als dritter Säule einmal abgesehen.

Die christlichen Religionen haben sich im Laufe der Jahrhunderte entsprechend angepasst, nachdem der katholische Klerus noch im späten Mittelalter unsägliches Leid über Teile vorwiegend der unbelesenen Bevölkerung gebracht hatte. Selbst ein Astronom wäre der Willkür der Inquisition zum Opfer geworden, wenn er seine Erkenntnis, dass der Planet Erde nicht Mittelpunkt des Sonnensystems ist, nicht widerrufen hätte.

Viele Menschen in der BRD und in Europa wissen um diese Dinge. Doch viele von uns geben sich auch mit einer Worthülse zufrieden. Sie glauben zu wissen, was gemeint ist.

In Deutschland wird nicht akzeptiert, dass eine Frau hinter einem Mann zurückstehen muss. Das gilt auch für die Ehe. Beide Geschlechter sind vor dem Gesetz gleich, haben gleiche Rechte und gleiche Pflichten. Wer das nicht akzeptiert, der gehört nicht in die BRD, weil der Staat die Gesetze bestimmt, nicht die Kirche.

Andere Probleme ergeben sich bei der Beschneidung im Genitalbereich bei  beiden Geschlechtern aus religiöser Vorgabe. Nach deutschen ethischen Vorstellungen sollte die Person nach Erreichen der Volljährigkeit selbst entscheiden dürfen, ob sie einem solchen Eingriff bei sich zustimmt.

Das „Schächten“ soll nach behördlichen Vorgaben auf Schlachthöfen vorgenommen werden, keinesfalls auf Hinterhöfen in Wohnsiedlungen.

Der Bau von Minaretten stößt bei der Bevölkerung auf Widerstand, nicht die Errichtung von Moscheen. Wenn Minarette erlaubt werden sollten, dann mit Muezzin und / oder Lautsprecheranlage?

Gesetze können schnell geändert werden. Davor haben viele Angst. Sobald der Bevölkerungsanteil der Muslime einen gewissen Umfang erreicht hat, könnten geltende Machtverhältnisse per Gesetz völlig legitim gekippt und sogar ins Gegenteil verkehrt werden.
Wer heutzutage kontrovers diskutiert, sollte seine Argumente weitsichtig anlegen, zumal überall auf der Welt bürgerkriegsähnliche Brände entstehen. Aufstände, Massenmorde und Vertreibungen werden in den meisten Fällen von „Machtmenschen“ religiös unterlegt (bejahend oder verneinend), wenn  es darum geht, ihr Handeln als rechtmäßig vor „der Welt“ darzustellen. Darauf sei zu achten, nicht auf integrierte muslimische Bürger, die ihren Glauben still ausleben und nicht wie die IS einen Gottesstaat errichten wollen.

Es gilt: Wer die Staatsräson anerkennt, erfährt die Zustimmung der Religionsfreiheit durch das Grundgesetz. Und dies, meine Damen und Herren Zeitgenossen, sei auch Anhängern der AfD in ihr Tagebuch geschrieben.

 

 

 

 

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Fehlende Weitsicht macht blind

Alt ist das Motto! Was kann ich als einzelner Mensch im politischen Alltagsleben an Situationen ändern, die mir Angst machen, meine Familie bedrohen?
Es wird weggeschaut, verdrängt, hinter vorgehaltener Hand gemunkelt, geflüstert, eine bescheidene Meinung geäußert: „Wie denkst du?“ Angst geht um, das wird im Alltagsleben deutlich, Unsicherheiten machen sich bemerkbar, sie gelten dem Arbeitsplatz, dem Frieden in der Familie, der Situation mit den Flüchtlingen aus den vielen Krisenregionen. Neuerdings geht die Angst vor einem Krieg um, der seit vielen Jahren an vielen Orten der Welt geführt wird. Die deutschen Bürgerinnen und Bürger waren bislang nicht direkt betroffen.

Das deutsche Volk ist in die Europäische Union eingebettet. Ein Sprichwort besagt: „wie man sich bettet – so liegt man!“

Der unpolitische Bürger liegt bequem, stiehlt sich aus der Verantwortung: eine Sprachfloskel, die in jüngster Zeit umgeistert, ist: „Keine Ahnung“, und damit wird ein neuer Satz begonnen. Überall fangen – vor allem junge Menschen – jeden zweiten Satz mit „keine Ahnung“ an, um dann doch noch ein Statement anzufügen – im Glauben, dass man aufmerksame Zuhörer findet, wenn man dem Gedanken vorausschickt, dass er von jemandem entwickelt wird, der keine Ahnung hat.

Das Wahlalter wurde von 18 Jahren auf 16 herabgesetzt. Offensichtlich finden die Bewerber um Mandate die Anzahl der Stimmen wichtiger als ihre Qualität, denn der Waschmittelreklame der Parteien, die vor den Wahlen für den Umsatz der Papierindustrie sorgen, messen sogar inzwischen „Berufsignoranten“ keinerlei Bedeutung mehr bei.

Ein Wahlprogramm, das zukunftsträchtig bereits im Vorfeld alle zukünftigen Probleme mit den dazugehörigen Lösungsmechanismen anbietet, wurde bisher in Deutschland noch nicht angeboten. Also bedient sich der Bewerberapparat z.B. der „Volksparteien“ mit Aussagen wie:“Die Armen müssen reicher werden“ oder „Gerechtigkeit für alle!“ Empfehlenswert wäre auch ein Wahlslogan mit dem Inhalt: „Ein Fußball in jede Wohnstube!“

Was inzwischen weltweit aus dem Ruder läuft, ist mit der Erkenntnis zu beschreiben, dass es zur Mode wurde, aus einem großen Staat viele kleine zu machen, nachdem der mühselige Versuch gelungen ist, aus vielen kleineren Einheiten eine große zu gestalten.

Fehlende Weitsicht macht blind, und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass inzwischen die Mächtigen dieser Welt blindlings auf der Weltkarte herumstochern, um Veränderungen nach ihrem Kalkül herbeizuführen. Macht, Privilegien und Kapital sind seit Jahrtausenden die Weltplagen, welche die Menschen in die kriegerischen Auseinandersetzungen führten. Dabei ist das Kapital einer Gesellschaft die Summe aller Fähigkeiten, nicht das Geld (Zitat J.Beuys).

Zwei der größten Machtblöcke, Amerika und Russland, verstricken sich mehr und mehr in ein Machtgerangel, das sich auch in der Europäischen Union bemerkbar macht. Man sollte nicht danach fragen, wer von den beiden Machtblöcken mehr provoziert. Momentan ist es die Nato. Die EU lässt sich mehr und mehr auf die „politischen Vorgaben der USA“ ein. Der „Weltpolizist“ riss mit der Zugehörigkeit der europäischen Staaten zur Nato kriegerische Schauplätze auf der Welt auf und machte somit nicht nur die Bundesrepublik Deutschland zu unkritischen Mitläufern. Die Verweigerung der Bundesrepublik an einer kriegerischen Beteiligung gegen den Irak (Bundeskanzler Schröder) stellt sich heute im Nachhinein als weitsichtige Entscheidung dar.

Plötzlich lief es wie ein Fieberschock durch Ägypten und Syrien. Dabei war es kein „Frühling“, der den Beteiligten zartes Grün bescherte, sondern der Start zu Revolutionen und Revolten. Warnende Worte vom ehemaligen Auslandskorrespondenten, „Scholl-Latour“, der die Länder bereiste und über Insiderinformationen verfügte, wurden in den Wind geschlagen. Der Ruf des „Westens“ nach „Demokratie und Freiheit“ wurde von den Aufständigen auf Fahnen geschrieben, auch wenn der größte Teil der Betroffenen weder schreiben noch lesen konnte.

Der Aufstand auf dem Maidan-Platz, die Revolution der Ukrainer, fand im Westen auf fast solidarische Zustimmung, leider mit den Folgen, dass völlig unsinnige Referenden im Sinne einer stillen Revolution, die Entwicklung der politischen Entscheidungen völlig auf den Kopf stellten und schließlich zur Annektierung der Halbinsel Krim an das russische Staatsgebiet führten. Menschen sollten mit weitreichenden politischen Veränderungen mittels eines Referendums vorsichtig umgehen. (Ein Referendum ohne 2/3 Mehrheit ist überdies völlig unsinnig, wie es der „Brexit“ jetzt beweist).

Die Vorgänge in der Ukraine führten dazu, dass die baltischen Staaten, Estland, Lettland und Litauen um ihre Sicherheit fürchten in der Ahnung, auch noch von Russland vereinnahmt zu werden. Schon kommt die Nato wieder ins Spiel. Die Forderung nach deutscher Beteiligung wird laut. Selbst die Polen ergehen sich in Angst um die Sicherheit ihrer Grenzen, eine Hysterie unbeschreiblichen Ausmaßes macht sich breit. Zu Polen sei vorsichtiges Verständnis angemahnt, denn dieses Land ist bereits vor dem Zweiten Weltkrieg 5 mal geteilt worden, und Russland war hieran beteiligt.

Angeblich sprechen sich 80 Prozent der Bevölkerung gegen das Handelsembargo gegen Russland aus und ebenso viele gegen das Säbelrasseln der Nato in den baltischen Staaten, wie es der Außenminister Steinmeier kürzlich formulierte. Und schon wurde er von Abgeordneten einer Volkspartei kritisiert. Mitlerweile lässt auch der Vizekanzler Gabriel mit Hinblick auf die Abgrenzung zur CDU solche Töne hören. Die Umfragewerte der SPD sind alles andere als berauschend.

Ein Volksbegehren mittels Unterschriften richtete sich gegen das von den USA eingebrachte Handelsabkommen TTIP, so dass selbst in den Entscheidungsgremien der EU Zweifel an der Art und Weise aufkamen, wie die Wirtschaftsmacht der USA mit ihren „Partnern“ umspringt zumal die Wenigsten über Kenntnisse des englisch/amerikanischen Wirtschaftsenglisch verfügen und die Verbreitung des Inhalts an Bürger und Medien von den USA unerwünscht war. Dies stellt eine typisch amerikanische Übergehensmethode der Bürger dar, die von kritisch eingestellten Menschen nicht hingenommen wurde.

Es wird allerhöchste Zeit, dass die Bunderepublik vertrauensfördernde Gespräche mit der russischen Führung aufnimmt. Es ist eine unsinnige Einstellung, man könne z.B. mit Präsident Putin keine verbindlichen Verträge abschließen. Ein Vertrag mit Russland könnte zum Inhalt haben, dass Russland die Grenzen Polens und die Selbständigkeit der baltischen Länder garantiert und die Nato aus den Gebieten verschwindet.

Feindschaft zu den USA muss nicht entwickelt werden, Kritik allerdings muss sich ein Staat, zumal er sich der Demokratie verschrieben hat, gefallen lassen. Größere Sorgen sollte der mündige Bürger sich wegen eines eventuellen Wahlsieges des Präsidentenanwärters Trump machen. Auf die Frage eines Journalisten während einer Wahlveranstaltung Trumps, wie er denn zum Ku- Klux- Klan stehe, antwortete dieser: „Ich kann nichts darüber sagen, ich kenne die Herren nicht!“

Hartmut T. Reliwette

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Die Sache mit den Beuys-Biografen

 

 

Kürzlich erschien ein Interview (Catrin Lorch) im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung mit dem Beuys-Biografen Hans Peter Riegel (Zürich), der zum zweiten Mal von sich Reden macht. Unter der Überschrift „Der Gestrige“ versucht die Autorin dem Motiv Riegels nachzugehen, ob es „nicht an der Zeitpunkt gekommen ist, an dem die Person eines Künstlers hinter das Werk zurücktritt?“ Riegel verneint das in dem Interview. Offensichtlich hat ihn der Film „Beuys“ von Andres Veiel zu erneutem Widerspruch angehalten, nachdem er bereits in seinem ersten  Buch mit dem Mythos aufgeräumt hatte, der junge Stuka-Bordschütze (Beobachter) sei gar nicht von Tartaren nach einem Absturz gerettet und in Felle eingewickelt worden. Im vorliegende ZEIT-Interview rückt der Autor die Legende ins  passende Licht, er – Beuys habe gar keine Metallplatte im Schädel gehabt, der Absturz über der Krim sei eine „Bruchlandung gewesen“ und zu allem Überfluss liefert das Presseorgan als Beweis Beuysscher Nähe zum Völkischen im Sinne der Nationalpädagogischen Lehre  nach Ernst Krieck (Anmerkung des Verfassers) ein fürchterlich farbzersetztes Foto aus den siebziger Jahren, das ihn im Kreise der „Stukaflieger bei einem Kameradschaftsabend zeigt. Komischerweise sieht man auch einige Damen um den Tisch sitzen, offensichtlich Frauen der „Stuka- Kameraden“. Haben diese Damen auch einen JU 87 Sturzkampfbomber geflogen? Der damalige Fotograf der Szene kann vielleicht eine Antwort darauf geben,

 

Ich habe Beuys Anfang der siebziger Jahre kennengelernt. Ursächlich war ein Auftritt von ihm im Essener Folkwang Museum. Zu der Zeit war ich in der Szene als malender und schreibender Strafvollzugsbeamter bekannt geworden und hatte bereits mehrere Ausstellungen u.a. in Galerien bestritten. Offensichtlich war es ein Teil seiner  Persönlichkeit, seine Ideen, seine Interpretation seines Kunstbegriffes „jeder kann ein Künstler sein, aber er muss nicht unbedingt im klassischen Sinne malen oder bildhauern“  zu verbreiten und nach Mitstreitern zu suchen, die diese Ideen  multiplizieren. Ich traf also auf den gereiften Beuys. Wir haben unsere Ideen und Vorstellungen über die gesellschaftsrelevanten Themen am Telefon oder auch im persönlichen Gespräch verglichen und diskutiert.

Ob Beuys eine Metallplatte im Kopf mit sich herumtrug oder bei den Tartaren mit Fett und Filz gepflegt wurde, war nie ein Thema, das behandelt werden musste.

Wenn ich heute an die Begriffe des Völkischen nachdenke, die zu Hitlers Zeiten in alle möglichen Lehrfächer einflossen, Deutschunterricht, Geschichte, Erdkunde, räumt sich mir der Magen auf, denn das Völkische ist an sich ebenso harmlos wie der Begriff der Heimat, Landschaft, Sprache, Musik und vermittelt Nähe und Vertrautes.

Einer Legende wie Beuys nachträglich eine Nähe zu den äußerst Rechten „Kameraden“ zuzuordnen, anstatt ihn „bei den Linken“ einzubinden, scheint auch  Catrin Lorch aufzufallen, die dem Biografen  H.P. Riegel kritische Fragen stellt.

Ich habe mehrere Beuys Biografien zur Kenntnis genommen u.a. auch ein sehr umfangreiches Druckwerk mit dem Titel „Beuys zu Ehren“, das für den stattlichen Preis von nahezu 200.-DM im Handel erschien. Grund dieser Anschaffung war meine Frage an Eva Beuys, mit der ich zweimal einen Schriftwechsel führte, was mit Beuys nach seinem Ableben geschehen sei, weil u.a. Seine engsten Vertrauten oder Freunde keine Gelegenheit dazu bekamen, an der Trauerfeier teilzunehmen. Ich erinnere mich noch an ein Gespräch mit Johannes Stüttgen, den der Autor „Beuys Adlatus“ nennt, in welchem er seine Bestürzung ausdrückte. In diesem Nachschlagewerk werden im hinteren Teil des Buches von seinem Sohn Wenzel formuliert die Koordinaten genannt für die Stelle, an der Beuys Asche in zwei Bronzeurnen im Schleswig Holsteinischen Wattenmeer versenkt wurde. In diesem Nachschlagewerk reihen sich Werke von Künstlern, die als „Freunde“ in bestimmten Galerien ihre Werke feilboten.

Trittbrettfahrer berühmter Zeitgenossen finden wir überall, u.a. bei den Biografen, die nicht selten einem  Brotberuf als investigativ werkelnde Journalisten nachgehen – wie zum Beispiel Heiner Stachelhaus, der in den siebziger Jahren u.a. als Kulturjournalist bei einer Essener Zeitungsredaktion (Ruhrnachrichten) Bilderausstellungen besuchte und Kritiken verfasste. Ein anderer Biograf trat nach Beuys Ableben im Jahre 1986 an mich heran, um Informationen zu Beuys Leben und Werken einzuholen.

Der Verdacht, dass sich u.a., Biografen im Schatten berühmter Persönlichkeiten selbst in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses rücken wollen, hat sich bei mir im Laufe der Jahre erhärtet. Also scheint es für sie von ungeheurer Wichtigkeit zu sein, auch Negatives aus dem Leben der Betreffenden hervorzukramen, so wie das auch bei dem Schriftsteller Günter Grass geschehen ist. Auch ihm wurde eine anfängliche Nähe zum Hitlerregime assistiert, weil er als junger Bursche  bei der  Waffen-SS gedient habe. Dabei wird völlig übersehen, dass  „Suchende“ auf ihrem Wege zu ihrer Persönlichkeit auch irrende Wege beschreiten mögen, die sie aber alsbald wieder verlassen.

Joseph Beuys Großmannssucht zu unterstellen, weil er angeblich nie Naturwissenschaft studiert habe, zeigt, dass Riegel sich eigentlich nicht mit den Inhalten der  Gesellschaftsphilosophie nach Joseph Beuys, die ja den Kern seiner Kunstauffassung spiegelt, befasst hat. Natürlich war Beuys mit dem Naturforscher Sielmann als Fotograf unterwegs. Beuys Begriff vom „Studium“ einer Disziplin war ja ein völlig anderer, deshalb sollte die Idee der FIU (Free International University for kreativity and interdisciplinary resurch“ ein völlig anderer Weg zu den Erkenntnissen über die meta ta physica sein, nicht jener der Anpassung der rein formalen Befähigungen, die das Arbeitsleben erfordert und vorwiegend „Fachidioten hervorbringt“, die man in jede Ecke kullern kann, die das Establishment für wichtig und richtig hält.

Richtig ist die Nähe von Beuys Kunstbegriffen zur Anthroposophie (Rudolf Steiner). Das stört viele, die sich mit Beuys Kunstwerken konfrontiert sehen, mit denen sie nichts anzufangen wissen. Im Grunde ist Beuys ein Symbolist wie ich, nur dass ich meiner Kunstrichtung auch einen Namen gab: Neosymbolismus, was so manchen Kunstkritiker störte, weil wieder ein „ismus“ angehängt wurde. Künstler können Erfinder sein, was zum Beispiele bei der Namensgebung beginnt: Suchen Sie Reliwette einmal im Internet. Sie werden weltweit keine zweite Person mit diesem Namen finden. Und auf die Kunst bezogen ist der inhaltliche Bezug eines Bildwerkes (gemalt oder gehauen) in Form eines Symbols auf eine Idee bzw. Erkenntnis geradezu genial, was meinen Bezug zu Joseph Beuys als Freund und Mitgestalter ausmacht.

Ich kann nur hoffen, dass ich niemals von einem Kaliber des Hans Peter Riegel posthum „aufgearbeitet“ werde, weil ansonsten bei dessen Recherchen herauskäme, dass ich meine Erkenntnisse weitgehend aus dem „Studium“ der Religion gewonnen habe u.a. als Mormonen-Priester der zweiten „Weihe“ und aus den Dagobert Duck- Geschichten von Carl Barks, der den Fanstasteltrilliardär in den Fokus einer im Fortschritt befindlichen kapitalistischen Gesellschaft rückte

Hartmut T. Reliwette

Persona non grata?

Es knirscht mal wieder im „internationalen Gebälk“, das der amerikanische Präsident Trump im überregionalen Raum errichtet hat. Doch „Bedeutung“ misst sich nicht allein in Macht und wirtschaftlicher oder militärischer Überlegenheit. Die  Bedeutung einer Person mag  auch unter der Praemisse einer „Staatsvernunft“ und „Weitsicht“ zu ermitteln sein.

Menschliche Größe ist erstrebenswert, mag sein, für den einen oder anderen Staatsmann/ frau erst posthum erreichbar. Es gibt Beispiele dafür, auch in der Bundesrepublik Deutschland.

Was bewegt einen Staatsmann wie Donald Trump dazu, wegen eines in der Türkei inhaftierten Pfarrers eine Kraftprobe mit dem Nato-Verbündeten, der Türkei, auszufechten? Was bewegt Präsident Erdogan dazu, den Amerikanern den Bruch der Bündnistreue anzudrohen?

Ungeachtet dessen, was dem amerikanischen Pfarrer vorgeworfen wird, gibt es eine Lösung, bei der keiner der beiden sein Gesicht verliert.

Wäre ich türkischer Präsident, schickte ich den besagten Pfarrer in Watte verpackt per Einschreiben an Herrn Trump mit einem Begleitvermerk:

„Anbei der gewünschte Pfarrer mit der Frage, ob Amerika nur der einen hat?“

Mit bester Empfehlung, Ihr  Präsident ………..

Dieses Vorgehen hätte etwas von Größe, meint der alte Kunstmeister mit einem Augenzwinkern.

Amos und die Gutenachtgeschichte

„Also gut , noch eine Geschichte und dann wird aber geschlafen, lieber AMOS !“

Opa Hermann setzte an, vom einstigen Bilderbuch-Schweden Sven Hedin zu erzählen, von dem dereinst eine Geschichte in seinem Volksschul-Lesebuch stand. Von uns Schülern wurde erwartet,, dass wir diesen Herrn als „Phönix“ beklatschten – so wie auch den alkoholkranken Felix Graf Luckner alias „Seewolf“, der zweimal als Kinderschänder rechtskräftig verurteilt wurde, doch das nur nebenbei. Sven Hedin war also auf seinen Reisen einmal nahe dem Verdursten und fand im allerletzten Moment noch einen Tümpel, der ihn rettete .

Opa Hermann resümierte und sah das Piratenschaf dabei über den Brillenrand hinweg an und dozierte:“ „Wahrlich, eine Geschichte voller Metaphern  mit Bezügen zum  „Vorbildcharakter“, neben dem Abenteuer-Faktor natürlich.“

„Aber was wollte der denn damals in der Mongolei ? “ wollte Amos jetzt wissen. “ Na- für die  Nazis geeignete Landeflächen für die Lufthansa ausspähen. Man brauchte sie für die Achse Berlin-Tokyo.“

Das gefährliche Piratenschaf hatte mit geringem schafischem Interesse hingehört.   „Bitte,  was hat das alles mit  mir zu tun ? War der bei Werder-Bremen oder Vertreter für Kakao-Drinks ?“

Der alte Bergmann runzelte die Stirn.  „Na , wohl nichts davon ,aber ich versuche es einmal anders zu versinnbildlichen : Was hat das Gehampele von Seehofer und Merkel mit uns Bürgern zu tun ? Genau so wenig , nur hier werden die Protagonisten auch andauernd gerettet. Verkauft wird es uns als perfekte Wegweisung zu unserem Besten . Du musst folglich eine andere Logik der Sinnnbzüge entwickeln.“

Der kleine Held verstand nicht, war aufgestanden und hatte sich von seiner Kuscheldecke befreit. „  Siehst du, die deutlich proklamierte Unlogik ist heute voll der Trend, dem wir uns nicht entziehen können. Je schneller du das an dich heran lässt, umso glücklicher wirst du, freilich in friedlicher Belämmerung.“

Schweigend, beeindruckt und in bittender Suggestion hielt ihm AMOS seinen leeren Kakaobecher hin:

„ Auf Deutschland !?“

 

Neues aus dem „Schrebergarten“

Opa Hermann hatte Jupp und dessen Frau, Burgel, in seinen Garten eingeladen. Er hatte es sich vorgestellt, seine lieben Gäste mit einem Kirsch-Sufflé zu überraschen. Das Dumme war nur, dass ihm die Schwarzdrosseln, Krähen, Tauben und Raben die beiden Kirschbäume leergefressen  hatten.  Überreste zahlreicher angepickter Kirschen lagen auf dem Rasen verstreut.

Burgel: „Das ist also das angekündigte Kirsch-Sufflé“, meinte sie beim Betrachten der Überreste und hielt sich den Bauch vor Lachen. Jupp nahm seine Gattin zur Seite: “Hör auf zu lachen, Hermann wird schon ganz grün im Gesicht vor Ärger. Doch der hatte sich bereits gefangen: „Ich habe aber noch Gerstensaft  in Flaschen, da kommen die Viecher nicht dran. Sie kriegen den Kronenkorken nicht auf.“ Jupp pflichtete ihm bei: „Wir sind ihnen technisch überlegen!“

„Ich habe auch noch Kekse!“

Opa Hermann  verschwand im Inneren seiner Kate und erschien bald darauf mit einer  Keksverpackung, die bereits an Ansehnlichkeit verloren hatte. Jupp schaute misstrauisch drein: „Die kenne ich doch! Zeig mal her!“ Opa Hermann wurde es mulmig. Er hatte die Kekse von Burgel und Jupp zur Nikolausfeier geschenkt  bekommen. Wenn Burgel nun auf das Verfallsdatum blicken würde…

Genau das tat Burgel, denn sie hatte die Kekspackung  selbst als Geschenk von einem befreundeten Ehepaar anlässlich eines Hausbesuches  erhalten. Ihrer Kenntnis nach war das Verfallsdatum schon damals abgelaufen.

„Bevor wir die Kekspackung öffnen“, rief Jupp, „sollten wir uns über die Verfahrensweise ihres Inhaltes besprechen!“

Opa Hermann tat harmlos: „Zum Bier  verschnabeln“, riet er. „Vorschlag abgelehnt“, äußerte Burgel und fügte hinzu:“ Hol mal nen Kessel Wasser und drei Schnabeltassen, denn in dieser Packung  kann nur noch Pulver sein.“ So war es auch! Der Inhalt waren Pulver und Feinstaub.

Jupp verlangte nach einer Feinstaubmaske, denn er litt unter seiner Silikose.

„Dann  essen wir eben keine Kekse zum Bier, sondern reden über Politik!“  Dieser Vorschlag kam wieder von Opa Hermann. „ Da können wir auch gleich über den Inhalt der Apotheken-Rundschau  diskutieren“, nörgelte Burgel, in der neuesten Ausgabe sind Ratschläge zur Behandlung  der  Silikose.“

Ihr Mann verdrehte die Augen und röchelte: „Wer solche Freunde hat, der braucht keine Feinde mehr und fügte nach einer Weile selbstironisch hinzu:“Ich leide – also bin ich!“

„Du haust einen forensischen Kernsatz nach dem anderen raus“, staunte sein Kumpel Hermann, „Respekt!“

„Wenn du dreißig Jahre unter Tage gearbeitet hast, bringst du noch ganz andere Sachen raus“, brüstete sich Jupp, z.B. Antrazit in zäher Konsistenz. Opa Hermann stand auf. Er hatte Tränen in den Augen. Er nahm seinen Freund in den Arm und tätschelte dessen breiten Rücken.“Ist gut, Junge, scheiß auf die Kekse!“ Etwas anderes fiel ihm im Moment nicht ein.

Mittlerweile hatte die Sonne ihr strahlendes Gesicht in einer glutroten Wolke vergraben, aus der sie teilweise heraus blinzelte. Die angestrahlten Bäume und Büsche begannen zu glühen und warfen lange schwarze Schatten auf Weidefläche und Gebäude. Eine feierliche Stille senkte sich über Flora, Fauna, Mensch und Getier. Amos und Linda, die beiden Schafe, schauten von der angrenzenden Weidefläche zu ihnen herüber, als hätte sie die letzten Worte des alten pensionierten Steigers mitgehört.

„Soll ich das Akkordeon holen?“, fragte Opa Hermann. Habt ihr Lust auf „Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt?“

„Nee“, antwortete Burgel, „haste was von Karat?“ „Nö“, meine Ringe trage ich unter den Augen! Weshalb fragst du?“ Opa Hermann lebte von Geburt an in Bottrop und war noch nie in Dresden. Wie sollte er auch die Gruppe „Karat“ kennen, die in der damaligen DDR sehr beliebt war?

Davon abgesehen besaß der Hausherr außer der 60 Jahre alten „Hohner – Verdi III“ nur noch einen alten Volksempfänger, der noch mit Röhren bestückt war und mit einer „Lötlampe vorgeglüht“ werden musste.

Jupp hatte sich wieder gefangen und bekam Oberwasser. Ihm war die Situation um Opa Hermanns Hausstand bestens bekannt. Er musste jetzt einfach einen angemessenen Spruch loswerden und bat um ungeteilte Aufmerksamkeit, in dem er zwei leere Bierflaschen gegeneinander schlug: “Hermann, altes Kohleflöz, ich würde mich an Deiner Stelle bei der Sendeleitung „Bares für Rares“ bewerben, dann lernst Du endlich auch mal jemanden kennen, der gut kochen kann.“

Fußball, Fußball

 

 

Jupp und Opa Hermann saßen wieder einmal auf der Gartenbank vor der kleinen Kate. Soeben war das Fußballspiel Deutschland gegen Mexico mit null zu eins verlorengegangen. Der alte ehemalige Zechenkumpel von Prosper 1 in Bottrop war  enttäuscht. Er schimpfte wie ein Rohrspatz: „Ich habe mich um ein Tor vertan! Die Mexikaner hätten zwei Tore treten müssen.“ „Du bist mir ja einer“, stichelte sein Kumpel Jupp und hustete einen Brocken Antrazit neben die Gartenbank, „weshalb hältst du nicht zur Nationalmannschaft?“ „Zu  Deutschmercedesland? Oder Mercedes-Coca Cola- Fußland-balldeutsch? Nee nee nee! Außerdem hat der Löw  eine falsche Mannschaft zusammengestellt. Wie kann man den Reuß ohne den kleinen Mario auf das Spielfeld lassen?“ „Meinst du den Barth?“ „Ach wat, den anderen Mario, den Götze!“

„Ach so, ja, du hast völlig Recht, die Nationalmannschaft müsste genau genommen Mercedes Deutschland- Elf heißen, weil sie auf ihren Trainingsanzügen den Mercedes-Stern tragen – übrigens ohne zu klagen!“

„Und was trinkt man da so bei der Weltmeisterschaft“, fragte Opa Hermann lauernd? Jupp konnte die Frage beantworten:“ Coca Cola natürlich! Ja, nicht die Spieler, sondern die Kinder! Das süße Zeug macht dicke Kinder und oft auch hässliche dicke Kinder. Die werden dann in der Schule gemobbt. Das wiederum ruft die Eltern auf den Plan. Sie mit einer Gurkenmaske im Gesicht und einem Handtuch auf dem „Kopp“ und er mit nem halbvollen Sechserträger Krombacher in der Hand.“ „Jupp, ich muss doch sehr bitten!“

„Vielleicht sehe ich das aber auch alles viel zu eng“, stöhnte Jupp. „Der ethisch saubere Fußball ist kein Klammerfußball  mit eingetretenem Jochbein – oder heißt das „eingesprungene Waage?“ – wird in Liechtenstein und Andorra ausgetragen. Man sollte übrigens mal Unterwasserfußball spielen lassen – alles in Zeitlupe mit schweren Bleischuhen an den Füßen und Betonball, weil der mit Luft befüllte Ball  fortlaufend an die Oberfläche steigen will. Auch die Physiognomie der Spieler – alles in Zeitlupe – wenn sie den Mund aufreißen bis an die Ohren und Wassereinbruch erleiden. Der Ton wird mit Unterwassermikrofonen aufgenommen. Dazwischen Einspielungen von Walgeräuschen während der Brunstzeit. In den Halbzeitpausen gibt es dann Unterwassercoke mit Rasierschaum. Dazu werden akustische Geräusche gereicht, wie wenn ein U-Boot von einem Radarimpuls getroffen wird. Und überall Mercedes-Sterne, unter Wasser, über Wasser, an den Wänden der Becken. Man kann natürlich nicht auf offener See spielen  wegen der Schleppnetze der Fischerboote. Wenn die sich in einem Mercedesstern verfangen, der Motor des Bootes aber von Deutz oder MAN ist, kann es zu Klagen kommen vor dem Kraftfahrzeugbundesamt.“

„Wegen der Abgaswerte oder wegen der Monopolstellung am Trikot der Nationalmannschaft!“ „Trainingsanzüge! Außerdem ist für Monopolstellungen das Kartellamt zuständig, das Bundeskartellamt!“

„Alter Besserwisser „, maulte Opa Hermann,“ich gehe nach den Ziegen sehen!“ „Schafen, Hermann, Schafen und weshalb nennst du mich einen Besserwisser?“

 

Wenn die Rettungsboote voll sind

Es kam so wie es kommen musste. Es war weder nötig, aus dem Kaffeesatz zu lesen, noch Knöchelchen zu schütteln, um voraussagen zu können, dass ein unkontrollierter Zuzug von Flüchtlingen irgendwann in  eine Dimension  ausufert, welche das Sozialsystem eines Staates einerseits bis an die Grenze des Möglichen  belastet und gleichzeitg die steigende Kriminalität andererseits zu einem unüberschaubaren Risiko anschwellen lässt. Somit kann die Sicherheit der „Öffentlichkeit“ nicht mehr garantiert werden.

Die Rede ist von normaler „Kriminalität“ und den Gewalttaten von Extremisten, die mit dem Flüchtlingsstrom in die BRD gelangten.

Mit den offenen Grenzen kamen auch Kriminelle aus europäischen Ländern wie Rumänien, Bulgarien, Polen, Lettland, Litauen, Estland und sogar der Ukraine  nach Deutschland. Ich kann es nachvollziehen, wenn sich deutsche Straftäter beschweren: „Und was wird  mit uns?“

Es war abzusehen, dass sich zunächst einzelne Staaten der EU von diesen offenen Grenzen verabschieden werden. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann auch der Rest der europäischen Staaten die Notwendigkeit erkennt, der eigenen Sicherheit den Vorrang vor bequemen Reisemöglichkeiten der EU-Bewohner ( und damit dem  reibungslosen Handel) einzuräumen.

Natürlich sollte jeder Staat Flüchtlingen aus Kriegsgebieten Asyl gewähren. Allerdings ist es ein schwerwiegender Fehler, wenn Tür und Tor ohne Kontrollen und Einrichten von entsprechenden Ämtern und Unterbringungsmöglichkeiten den Anstürmenden geöffnet werden. Es lag auch auf der Hand, dass sich unter den Hilfesuchenden Menschen aus Afrika befanden, die zum Beispiel ihre Pässe wegwarfen und falsche Angaben machten. Offensichtlich haben die EU Staaten große Probleme mit Wirtschaftsflüchtlingen, die über moderne Telekommunikation die Meldungen ins Heimatland verschickten, wie am besten nach Deutschland zu kommen sei, wo „Milch und Honig“ fließen. Dafür riskieren noch immer  junge und alte Menschen die Überfahrt in klapprigen, völlig überfüllten Fischer- oder Schlauchbooten. Die Not im Heimatland ist so groß, dass das eigene Leben  bei der Überfahrt riskiert wird. Schlepper- und Schleuserbanden liefern gegen ein saftiges Entgelt die maroden Wasserfahrzeuge.

Lange Zeit hat nur die AfD gegen die katastrophalen Zustände gewettert, gezetert und  gehetzt und damit Stimmen eingefangen, die den etablierten Parteien verlorengingen. Mittlerweile ist auch bei anderen Parteien ein Umdenkprozess in Gang gesetzt worden, vor allem bei der CSU und Teilen der CDU. Täglich erreichen uns Meldungen von schwerwiegenden Strataten , die von Migranten begangen werden bis hin zu Vorbereitungen für extremistische Terroranschläge. Bundesinnenminister Seehofer findet beim österreichischen Präsidenten einen Verstärker, der ihn in die Lage versetzt, seine Vorstellungen vom Schließen der Grenzen zur Not auch ohne die Bundeskanzlerin umzusetzen. indem er es auf einen Bruch der Union CDU/CSU ankommen lässt. Der ungarische Präsident hat den Stacheldrahtzaun ohnehin im Alleingang hochgezogen.  Dänemark kontrolliert längst an  verschlossenen Schlagbäumen, während  Frau Merkel plötzlich auf eine gemeinsame europäische Entschließung drängt.

Die kommt gewiss – nur nicht heute oder morgen!

Da kann sich der Betrachter der Szene nur fragen, ob sich die Bundeskanzlerin noch in der Realität aufhält? Es fällt noch ein Satz ins Gedächtnis, der von vielen Narren im Echo durch die Medien ging: „Wir schaffen das!“ Mittlerweile ist auch ein gewisser Herr Lindner für die Schließung der Grenze, allein die SPD hält noch zur Koalitionspartnerin Merkel. Die SPD- Führung ist dermaßen kurzsichtig, dass sie völlig aus den Augen verliert, dass sie bei der nächsten Bundestagswahl völlig „vergeigt“. Wie schade! Das kommt davon, wenn man die Stimmen des Volkes ganz außer Acht lässt und ein politisches Eigenleben vollzieht. Auf Wiedersehen, Frau Nahles! Wem wollen Sie denn jetzt auf die „Fresse geben“? Ich befürchte, dass das ein Eigentor wird, was angesichts der Fußballweltmeisterschaft zum Thema passt.

Prost! Austrinken!

Noch sind wir- oder besser: dennoch sind wir…

prophezeit der alte Kunstmeister (ohne Kaffeesatzlesen oder Knochenschütteln)

 

 

Wollt Ihr den totalen Materialismus…

…noch totaler, noch radikaler als ihr Euch das vorstellen könnt? Dann sagt ja!

Der Zugang zu diesem beispiellosen Experiment beginnt mit der Verschmelzung Eures erkennenden Geistes mit der mathematischen Krämerseele: Du kaufst einen Gegenstand für 5.-€ an und verkaufst diesen anschließend für 10.-.€. Mit diesen 5 Prozent beginnt Dein neues Leben samt Inhalt. Aber das ist noch nicht alles! Du brauchst eine Dauerkarte bei einem Flohmarktbetreiber. Die Fülle der Angebote in den Werbebeilagen der samstaglichen „Umsonst-Zeitungen“ hat Dachkammer-  und Kellerbestände auf ein unüberschaubares Maß völlig nutzloser Dinge anschwellen lassen? Auch das lässt sich verkaufen! Zig Varianten der Barbie- und Kentmodelle samt Ponyhof und Campingbus, Trailer für den Außenborder und die Pferde warten auf neue Besitzer. Die verzogenen Bälger sind längst zu Konsumspezialisten mutiert seit das Gequängele im Kassenbereich letztendlich zum Erhasch des klappernden Überraschungs-Eies führte und damit vom Erfolg gekrönt wurde. Damit wurde ein neuer Merksatz zur Lebenslegende: „Am Geklappere Eures Überraschungs-Eies werdet Ihr Euch erkennen“ – oder forensisch ausgedrückt: „Es klappert – also bin ich!“

Die ersten Worte Eurer Babys werden weder „Papa“ noch „Mutter“ sein, sondern „haben, haben, haben!“

Ein mieser Quengler mag es sein, der den Intervall der zweijährigen PKW- Anschaffung boykottiert und damit unsere Arbeitsplätze gefährdet und somit auch die Abfindungen der Autobosse, wenn sie mangels Kompetenz den Vorstandssitz gegen einen Schleudersitz mit „Bonusdämpfung“ eintauschen.

Zugegeben, die erste Milliarde ist die schwerste. So mancher muss auf das Imperium des Großvaters zurückgreifen, der sich mit so sinnlosem Zeug wie der Erfindung des nahtlosen Gussrades herumplagen musste, bis es einem Ingenieur neuerer Zeitrechnung einfiel, eine Gummipufferung zwischen  Radkörper und Radreifen einzulagern, damit bei Höchstgeschwindigkeiten so eine aufgespleiste Radumrundung ins Innere eines ICE Waggons dringen kann. Der Rest dann vor einen Brückenpfeiler. So entstand ein neuer Gedenktag. Doch das nur am Rande!

Es lohnt sich, in die Geheimnisse des Materiellen einzudringen, denn meistens stellt es sich  als gewinnbringend heraus. Es wird betont, dass der Erfinder  oder sein Fabrikant nicht mit in dem betreffenden Zug saßen.

Es ist doch völlig egal, womit der Materialist sein Geld verdienen kann, Hauptsache ist doch, dass die Quelle sprudelt. Dementsprechend tönt es aus der Marktwerbung: „Hauptsache, Ihr habt Spaß!“ Bisher war diese Aufforderung nur aus dem Rotlicht-Millieu zu hören.

Und jede Werbung für ein Produkt richtet sich an eine Zielgruppe: Opa wurde in seinem 3 Liter V8- BMW bestattet, quer! Vier Grabstellen mussten gebucht werden – unfassbar. Das Firmenlogo kam an den Grabstein, was zu Schwierigkeiten mit dem Hersteller führte, der das in den falschen Hals bekommen hatte.

Im Grunde lässt sich alles verkaufen, Mensch muss nur Geduld haben: irgendwo läuft schon einer herum, der danach giert!

Sogar für den Taschenkamm meines verstorbenen Vaters ließ sich ein Käufer finden. Das Teil hat einen Höchstpreis erzielt, der weit über dem Anschaffungspreis eines neuen Haarordners lag. Beim Verkauf der gebrauchten Unterwäsche spielte meine Schwester nicht mit. „So wird nie was aus Dir“, habe ich zu ihr gesagt.

 

Was denn nun, Mr. Trump?

Es ist schon eine geraume Zeit her, da Mensch sich auf Nachrichten aus der Welt verlassen konnte, seien diese beängstigend, neutral, euphorisch, wahr oder unwahr: seit Donald Trump, der Kaufmann, den nordamerikanischen Staat als Präsident in der Öffentlichkeit repräsentiert, wechseln Nachrichteninhalte, die ihn und die USA betreffen, ihre Pole im Takt der Tagesanbrüche. Was dieser Mann am Tage zuvor in die Welt posaunte, kann Tags darauf – ins Gegenteil verkehrt – für Unsicherheit in der Weltbevölkerung sorgen. So scheint die Annäherung Nordkoreas an Südkorea  als ein schöner Sommernachtstraum für eine gewisse Verklärung der Gemüter sorgen, da tönt bereits aus allen Lautsprechern dieser Welt die Nachricht, dass die USA mit den südkoreanischen Streikräften ein Manöver abhalten. Ungeschickter und provozierender kann man den Zeitpunkt eines „Manövergangs“ nicht wählen.

Die Nachricht, D. Trump wolle ein Treffen mit dem nordkoreanischen Präsidenten noch für den Monat Juni realisieren, konnte eigentlich schon bei Bekanntgabe der Absichtserklärung als fake abgetan werden, so wie die euphorische „Verbrüderung mit Küsschen“ zwischen ihm und dem französischen Präsidenten, Macron, vor gerade einmal zwei Monaten einer Kältephase entgegenfiel, die durch unterschiedliche politische Einschätzungen über das Atomabkommen mit dem Iran ausgelöst wurde.

Wenn Trump ein „politisches factum“ schafft, so kommt es bei den meisten Staaten  der europäischen Union an, scheint dieses Verhalten den politischen Führungsanspruch der USA in der Welt zu dokumentieren. Wer diesem „Treiben“ kritisch gegenübersteht, kann völlig zurecht darauf verweisen, dass die USA selbst mit ihrem lockeren Waffengesetz nicht einmal für sichere Schulen sorgen können, geschweige denn den Weltfrieden garantieren. Mit der Anerkennung Jerusalems als Sitz einer politischen israelischen Behörde hat Trump die Voraussetzung für ein neues Entflammen eines Flächenbrandes in Nahost gelegt.

Dieses Verhalten spricht aber ganz und gar nicht für intelligentes Vorgehen eines souveränen Staatsmannes und es ist nur eine Frage der Zeit, wann der innere Flächenbrand in den Vereinigten Staaten von Nordamerika ausbricht.Denn eines ist sicher: es gibt in den USA ebenso viele intelligente Menschen wie in den übrigen Staaten dieser Welt auch, aber auch ebenso viele Trottel ohne soziale Intelligenz.

Der alte Kunstmeister rät wie immer: Prost! Austrinken, denn noch sind wir – oder besser: dennoch sind wir! Es kommt auf die Schreibweise an!

Hartmut T. Reliwette