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Kerniger Künstler mit kleinem Knall

GA-Serie (5) Seit gut 25 Jahren lebt und wirkt der Maler und Bildhauer Hartmut T. Reliwette in Idafehn (von Ole Cordsen)

IDAFEHN – Ob Hartmut T. Reliwette einen kleinen Knall hat? Getuschelt haben dies schon manche Leute, die ratlos vor seiner Kunst standen. Vor allem aber sorgte er für einen Knall bei seiner Ankunft in ldafehn-Nord. Genauer gesagt, ließ er es gleich zehnmal knallen. Hinter der Scheune seines frisch renovierten Hauses hatte Reliwette zehn Fernseher gestapelt. Und für die Auftakt-Aktion in seiner neuen Heimat zielte er mit einem großkalibrigen Revolver und schoss. Krachend zersplitterten die Mattscheiben und Bildröhren. Aus Furcht versteckten Schaulustige sich hinter Hausecken und Gebüschen. Das war damals, vor gut 25 Jahren.

„Stimmen (D)eines Herrn“ hatte Reliwette, nach eigener Auskunft ein Freund und Weggefährte des berühmten Aktionskünstlers Joseph Beuys, diese Aktion genannt. „Ich wollte symbolisch das leere Gebrabbel der Fernsehsender stummschießen, dem viel zu viele Menschen hörig waren und sind“, sagt er heute. Dann schiebt er seinen Hut aus der Stirn, schenkt im Wohnzimmer seines Hauses Kaffee ein und blickt auf das Vierteljahrhundert zurück, das er in Ostfriesland lebt. „Ich habe tolle Nachbarn. Wir nehmen und mögen uns, wie wir sind.“
Überbleibsel seiner oft politisch motivierten Aktionen tummeln sich unter dem Dach seines Hauses. Dort hat Reliwette ein Museum in eigener Sache eingerichtet. Scherben einer Terracotta—Rakete liegen darin. Die wollte Reliwette in den 80er Jahren in einem Osterfeuer festbrennen — als Protest gegen die geplante Stationierung amerikanischer Pershing II—Raketen in Deutschland während des Kalten Krieges. Auf einem Beistelltisch steht ein Kaffee-Service, das Reliwette modelliert hat. Der Zuckerstreuer ähnelt einer Handgranate, die Kanne ist dem Geschützturm eines Panzers nachempfunden. Dabei geht es Reliwette um das Gegenteil von Gewalt. „Ich kämpfe für den Frieden“, sagt er. Wenige Wimpernschläge später berichtet Reliwette von einem Besuch in der Kunsthalle in Emden, wo er vor kurzem war und den Slogan „Kunst mit allen Sinnen genießen“ entdeckte. „Dafür ist Kunst doch nicht da. Sie soll zum Denken anstoßen, aufrütteln, Inhalte vermitteln. Sie muss ihrer Zeit voraus und im Leben anwendbar sein. Sonst wird Kunst belanglos“, sagt der 66-Jährige.
Er selbst, der den Großteil‘ seines Lebens im Ruhrgebiet gelebt hat, arbeitete bis 1998 gut 20 Jahre lang in Gelsenkirchen als Kunst-Therapeut im Gefängnis und regte die Sträflinge über die Kunst zum  Nachdenken an. Der studierte Maler machte sich vor allem durch Performance-Kunst einen Namen und arbeitet heute vomehmlich als Bildhauer und Schriftsteller.
Nach Idafehn zog Reliwette, „weil ich nach einem Eklat bei einer Performance in Essen 198l einen geschützten Raum zum kreativen Schaffen gesucht habe“, Weil er als Kind die norddeutsche Küstenregion geliebt habe, sei er über Umwege nach Idafehn gelangt, wo ihn neben der Ruhe auch die netten Nachbarn überzeugten. Die Kontakte zur Künstlerszene im „Pott“ hält Reliwette telefonisch, „doch die engen Bindungen bleiben“, sagt er. Guten Kontakt habe er auch in Ostfriesland gefunden, etwa zu Autoren der Poetry-Slam-Szene. Die haben den Mann mit dem Knall ins Herz geschlossen und waren schon zu Gast auf der Bühne im Labyrinth hinter Reliwettes Haus, das er zu Ehren von Beuys aus Tausenden von Dornbüschen schuf.

Quelle: Generalanzeiger 27.März 2010

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Amos und das Interview

Gedruckt sieht alles so ganz einfach aus

Gestern war die Presse bei Opa Hermann. Der Journalist hatte sich für 11 Uhr angekündigt. Deshalb hatte sich der alte Herr in Schale geschmissen und seine neue Cordhose (15 Jahre alt) aus dem Kleiderschrank geholt. „Meine Güte, wenn das in den überregionalen Teil kommt!“ Niemand will sich gerne blamieren. Deshalb war Rentner Hermann am Tage zuvor noch schnell beim „haircutter“ gewesen. So nennt man heutzutage die Friseure, die weniger in althergebrachten „Salons“ werkeln als dass sie heutzutage in „Studios“ die Kundschaft zur „Schere bitten“. Entsprechend haben sich die Namen der Unternehmen dem Mainstream angepasst: „HAIRHUNTER“ -analog zu „Kopfgeldjäger“ – oder „HEIßE SCHERE“ anstelle von „SALON EPIDERMES“ (obere Hautschichten), was übrigens keine griechische Göttin war.
Derart gestylt blickte der Geschorene daheim in den inzwischen infolge „hoher Laufleistung“ patinierten großen Kristallspiegel aus dem vorigen Jahrhundert. Aber so oft sich der alte Herr auch drehte und wendete, es kam nichts wesentlich Neues dabei heraus. Opa Hermann hatte außer einigen fehlenden Ohr-, Nasen- und Augenbrauenhaaren das Studio so verlassen wie er es betreten hatte. Was ist auch an einer „Fast-Glatze“ groß herum zu schnippeln?
Um so größer war der Schock, als der junge Journalist sich mit Namen vorstellte und kurz und knapp den Anlass seines Besuches darlegte: „Unsere Redaktion beabsichtigt einen Bericht über ihr sprechendes Schaf zu veröffentlichen.“ „Ach, und deshalb sind sie hier?“ fragte Opa Hermann überflüssigerweise. „Ja, wir hatten doch telefoniert…“
„Aber nicht darüber gesprochen, dass Sie mit Amos, dem Piratenschaf, ein Interview machen wollen“, verteidigte der alte Herr seine störrische Haltung. „Ich war davon ausgegangen, dass Sie mich sprechen wollen“, fügte der etwas pressegeile Opa Hermann hinzu.
Der Zeitungsreporter druckste etwas herum, es war ihm sichtlich unangenehm. Wie sollte er erklären, dass eine Reportage über einen brummigen ehemaligen Bergmann nicht viel hergeben würde außer ein Gähnen bei der Leserschaft des beliebten Tageblattes, ohne Opa Hermann zu brüskieren?
„Na dann kommen Sie mal mit!“ Opa Hermann angelte sich im Vorbeigehen seine Arbeitsjacke vom Haken seines Garderobenständers: „Hier entlang bitte!“ Es ging zweimal links herum, einmal rechts um die Häuserecken und dann war nur noch Grünes: mehr lang und breit als hoch. In Sichtweite grasten zwei Schafe, welche die Ankömmlinge interessiert beobachteten. „Amos und Linda“, rief Opa Hermann, „ihr habt Besuch, die Presse ist da!“ „Was pressen die denn“? fragte Amos. „Heu?“
„O ja“, rief der Journalist begeistert, „tatsächlich, es spricht!“ Opa Hermann mischte sich ein: „Früher war das Drucken mittels Druckstöcken wirklich ein Pressen, heute verwendet man Matritzen per Computer, nur der Name ist geblieben: Zeitungsmacher = Presse!“ „Aha“, röhrte das Piratenschaf und fügte „Böööööh“ hinzu. „Verstehe“, erwiderte der Zeitungsmann und notierte etwas in seinen Notizblock. „Huch“, fügte nun Linda hinzu, „wie praktisch!“ „Ach, Sie sprechen auch? Darf ich „du“ sagen?“ „Bin noch keine sechzehn“, erwiderte Linda, das Schaf, „ich habe kein Problem damit!“
An Amos gewandt startete der Journalist die erste Frage: „Was bevorzugst du am liebsten im Speiseplan?“ „Den Plan“, sagte das Piratenschaf etwas irritiert. Dann dachte es einen Moment nach: „Weidegras!“ „Und an zweiter Stelle kommt…..“, wurde gefragt und Amos: „Weidegras!“

Das würde ein Schietinterview, so viel war sicher. Aber du kannst ein Schaf ja schlecht nach seiner bevorzugten Whiskeymarke befragen. Amos schien die Verlegenheit des Reporters zu bemerken und sagte von sich aus: „Ich spreche hannoversches Hochdeutsch und bei Opa Hermann Plattdütsk. Bei den lieben Piraten wird „Lakonisch“ gesprochen, das ist die Sprache der Frustrierten!“

Der Reporter schüttelte den Kopf wie ein Zugpferd, dem das Halfter zu eng geworden war. „Das ist ja unglaublich!“
„Amos ist schlau“, mischte sich jetzt Opa Hermann ungefragt ein, „das Schaf sollte in die Politik gehen, außerdem sind die Betriebskosten viel günstiger als bei einem herkömlichen Abgeordneten. Ich erinnere: Weidegras! Die Politik könnte es nebenher machen, neben dem Fressen. Die Wirtschaft ist ohnehin ein Selbstläufer, und der Zahlmeister ist schon zufrieden, wenn die Steuereinnahmen tüchtig sprudeln, nicht wahr Amos?“
„Bööööh“, machte Amos, und Opa Hermann frohlockte: „Sehen Sie, sag ich doch! Haben Sie mitgeschrieben?“ „Scheiß Interview“, dachte der Reporter, „läuft völlig aus dem Ruder!“
„Fragen Sie das Piratenschaf nach dem Wehretat“, stichelte Opa Hermann. „Ich bin doch nicht bekloppt“, ächzte der Journalist, „wem soll ich das denn auf die Nase binden?“
„Geht bei der Blödzeitung doch auch“, ereiferte sich der alte Bergmann, „was glauben Sie, was die aus der Story machen würden? Eine Fotomontage, das Piratenschaf mit dem Gesicht von Frau…“ „Hören Sie auf, das ist doch völliger Quatsch!“ „Ja, und genau den wollen die Leute lesen, die Realität kennen die Menschen doch zur Genüge! Außerdem geifern so furchtbar viele danach, manipuliert zu werden. Das ist die Volksseuche Nummer 1, nicht irgend ein Grippevirus. Ein nackter Frauenpopo ersetzt vier Philosophiebücher, junger Mann, wenn ich das mal so wertfrei in den Raum stellen darf!“
Linda hatte etwas abseits gegrast. Sie tat so, als ginge sie das alles nichts an. In Wirklichkeit bekamen ihre gespitzten Ohren jede Einzelheit des Diskurses mit. Sie war stolz auf ihren Mann, das berüchtigte Piratenschaf, das es sogar mit dem Leithammel Brutus aufgenommen hatte, wenn auch durch eine rasante Flucht.
Gerade hörte sie, wie sich der Journalist für das Gespräch mit den Worten bedankte: „Wenn mein Chef das so durchgehen lässt, wird der Artikel in der übernächsten Ausgabe erscheinen!“
„Wer ist sein Chef?“ zischte Amos zu Opa Hermann hinauf. „Das ist doch der bekannte Chefredakteur vom Tagesanzeiger, aber du hättest dem Reporter auch ein wenig zuarbeiten können.“ Dabei ließ der alte Herr ein verschmitztes Lächeln erkennen und zwinkerte mit dem rechten Auge.

Der alte Bergmann hatte sich nicht umsonst in seine „neue“ Cordhose geschmissen.

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Amos und die rote Kiste

Einhundertundzwanzig Knöpfe und doch kein Mantel

Die Märzsonne stand im blauen Azur, wärmte bereits mit ihren Strahlen Land und Flur. Amos, das Piratenschaf, hatte nach langer erfolgloser Suche endlich seine geliebte Schafsdame Linda gefunden und sie zu sich in Opa Hermanns Grundstück entführt. Na ja, im Grunde war es gar keine Entführung gewesen, denn Opa Hermann hatte sie bei ihrem Züchter ausgelöst. Nun waren sie zusammen und genossen die Vorboten des Frühlings auf der saftigen Wiese.
„O, meine geliebte Linda“, säuselte Amos soeben, „wie habe ich dich lieb!“ Linda errötete etwas unter ihrem Wollschopf und atmete hörbar aus: „Mein strammer Pirat!“
Das wäre wahrscheinlich noch eine Weile so weitergegangen, wenn nicht plötzlich ein wehleidiger Laut an Amos Ohr gedrungen wäre.
„Oh, du liebe Güte“, durchfuhr es das Piratenschaf, „es ist etwas mit Opa Hermann!“ Dessen Kate war ja nur einen Hammelsprung entfernt auf dem selben Grundstück gelegen. „Bleibe du nur lieber hier“, empfahl das Piratenschaf, „ich gehe mal nach dem Rechten schauen!“
„Pass auf dich auf“, antwortete Linda, „nicht dass es etwas Gefährliches ist, was dich erwartet!“
„Nein, nein, bin doch schon groß“, brüstete sich Amos. Je näher er dem Haus von Opa Hermann kam, desto eindringlicher wurden die Klagelaute. So ein Geräusch hatte das Piratenschaf vorher noch nie wahrgenommen.
Unter dem Fenster, aus welchem die Töne kamen, stand eine blaue Gartenbank, die Amos jetzt als Kletterhilfe benutzte, um in das Zimmer zu spähen. Aus dem halb geöffneten Fenster waren jetzt deutlich Wortfetzen zu hören. „Ein Schmerz“, schrie Opa Hermann gerade, der eine rote Kiste vor seinen Bauch gebunden hatte und „fährt hinaus auf Seeeee“, war zu vernehmen.
Die rote Kiste blähte sich auf, es mutete an wie ein altmodischer Heizkörper einer Zentralheizung, aber dem alten Mann gelang es immer wieder sie zusammenzudrücken. Dabei entstanden diese wehleidigen Klagelaute. Gerade maulte der alte Herr: „Musst nicht traurrrrrig sein!“ Offensichtlich versuchte er die rote Kiste zu beruhigen. Amos konnte sich keinen Reim auf das Geschehen machen. „Komisch sind die Menschen“, dachte Amos, „sie binden sich überflüssigerweise eine Kiste vor den Bauch und versuchen sie dann zu trösten!“
Der Zeitpunkt war gekommen einzugreifen. Opa Hermann musste unter allen Umständen gerettet werden. Das Piratenschaf spähte nach der Haustür. Sie war verschlossen, ebenso die angebaute Waschküche. Amos raste um das Haus. Eile war sichtlich geboten! Was wäre, wenn die rote Kiste den armen Opa Hermann erdrücken würde? Nicht auszudenken! Amos besann sich nicht lange, sondern raste in wilden Dreiecksprüngen zum Nachbarhaus und bumste mit seinem Schädel gegen die Eingangstür. Der Nachbar erschien in der Türfüllung: „Ach, du bist es, was gibt`s?“ „Komm schnell“, hechelte der Vierbeiner, „es ist etwas mit Opa Hermann, aber bring einen Dietrich mit, er hat sich eingeschlossen!“ Zusammen erreichten sie die Kate. Der Nachbar trommelte mit seinen Fäusten gegen die Hausür. Von innen war ein Rumoren zu hören, dann wurde die Tür entriegelt. Opa Hermann stand mit umgeschnalltem Akkordeon im Eingang. Der Nachbar rang nach Worten: „Dein Schaf hat mich alarmiert, es meinte, dir ginge es nicht gut, hätte verdächtige Geräusche aus dem Haus gehört! Was spielst du auch immer für nen Scheiß? Da rollen sich ja die Tapeten vor Rührung von den Wänden!“ Opa Hermann war entrüstet: „Du Kulturbanause“, giftete er seinen Nachbarn an.“ „Wieso ich?“ rief sein Nachbar, „du hättest ja dein Schaf beizeiten an die Geräusche gewöhnen können!“ „Geräusche? Geräusche? Ich glaube bei dir hackt es! Das einzige Geräusch, welches du akzeptierst, ist doch deine Kettensäge! Das geht von morgens bis spät in die Nacht! Vor dir ist doch kein Baum mehr sicher!“
„Kannst du überhaupt die Tonleiter?“ wollte Clemens jetzt wissen.
„Na klar: – do-re-mi-fa-so-la-ti-do.“ Dabei machte Opa Hermann komische Handbewegungen, so als wolle er einen Fisch aus einem Marmeladenglas fingern. „Das ist keine Tonleiter“, kommentierte Clemens, „das hört sich an wie das Morsealphabet!“ „Das Morsealpabet hat doch ganze Wörter, z.B. „Yankie“ und „Zulu“. Für „Z“ hätte man heute sicher „Zombie“ genommen.“ „Aber die Yankies sind doch nicht in Afrika bei den Zulus“, wendete Clemens ein. „Boa“, Opa Hermann verdrehte die Augen, „das Morsealphabet ist doch keine völkerrechtliche Gebietsangabe, sondern ein Übertragungsmittel, außerdem waren die Amis schon überall, meist als Besetzer.“ 

Irgendwann hatten sich die Gemüter beruhigt. „Wenn du schon mal da bist, Clemens, komm rein. Wir nehmen einen zusammen und danke, dass du mich retten wolltest!“ Die Männer betraten die Diele, Amos folgte ihnen. Er brauchte mehr Informationen. Deshalb ging er mit. Später könnte er Linda alles erzählen.
„Ich habe das Lied von Hans Albers gespielt“, erklärte der alte Mann seinen Besuchern, „ein Stück aus „Große Freiheit Nr.7“. Es ist unter dem Titel „La Paloma“ sehr bekannt geworden. Das ist nun mal ein wenig wehmütig, besonders die Stelle, in der es heißt: weit ist das Meer, wie groß muss der Himmel sein!“
„Ja aber Opa Hermann, wozu sind die ganzen Regler an dem Kasten, die vielen weißen und schwarzen?“ wollte das Piratenschaf wissen. „Na, die lösen die Töne aus, und die Regler nennt man Tasten. Man spielt eine Tonart, die wird durch Tonika, Dominante und Subdominante geregelt, also einen Dreiklang!“ Amos sagte: „Bööööööööh!“ „Fast richtig“, stellte Opa Hermann fest. „Du fängst in frühen Jahren mit der Musik an, lieber Amos! Ich habe zum Beispiel von meinem Vater einen Kamm bekommen, da fehlten nur drei Zähne (es war Nachkriegszeit). Der wurde in ein Stück Zellophanpapier eingewickelt, und man konnte herrliche Melodien darauf blasen. Das Geräusch, also der Ton, kam einem Saxophon schon sehr nahe, also wenn du nur auf dem Mundstück spielst, ha ha ha ha ha! Sonst gab es ja nichts, außer einem Volksempfänger, und da kam meistens Marschmusik heraus. Wusstet ihr, dass ein Saxophon ein Holzinstrument ist, obwohl es aus Blech besteht, aus zusammengelöteten Konservendosen?“

Amos und der Nachbar kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. „Bööööh“, sagte das Piratenschaf erneut.

„Ich spiele euch jetzt mal ein Stück auf meinem Schifferklavier vor, das passt in diese Landschaft, dann wisst ihr das nächste Mal Bescheid, bevor ihr mir die Tür eintretet.“ Opa Hermann verklärte seine Augen und griff in die Tasten. Er sang dazu folgenden Text:

„My Bonnie is over the ocean – my Bonnie is over the sea, my Bonnie is over the ocean – please bring back my Bonnie to me!“


„Nicht schlecht“, schluchzte Clemens, „wenn doch nur min Olschke wieder bei mir wäre…“
„Weshalb ist sie denn damals stiften gegangen?“ fragte Opa Hermann mitfühlend. „Das war die Zeit, als ich damit anfing, Trompete zu lernen!“

 

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Opa Hermann und die Kunst

Die Wirksamkeit der Kunst liegt „am“ Auge des Betrachters

  Opa Hermann hatte Besuch bekommen! Sein alter Zechenkumpel Jupp und dessen Frau Burgel hatten sich zum Tee avisiert. „Den Kuchen bringen wir aber mit!“ Der alte Herr hatte ein frisches Tischtuch aufgelegt und mitten darauf stand eine Blumenvase mit frischen Schnittblumen: kleine Röschen, frisch aus Afrika importiert für 1,99 Euro aus dem Discounter. „Frisch eingeflogen, extra für Euch“, erklärte er zur Begrüßung. „Eigentlich finde ich es nicht gut, dass den afrikanischen Bauern das Land abgeknöpft wird, damit dort riesige Flächen zum Blumenanbau entstehen, aber die Sträußchen standen schon in den Eimern – direkt hinter dem Eingang…“
Kurze Zeit darauf saßen die drei um den Küchentisch herum, tranken Tee und kosteten von der Joghurtrolle, die Burgel beim Dorfbäcker erstanden hatte. Wenn man sich in einer Gruppe von Freunden wohlfühlt, kommt auch schnell ein Gespräch auf.
Bei Burgel geht es meistens um Kunst. Da kennt sie sich aus. Sie besucht jede Ausstellung in der Gegend. Ihr Lieblingsmaler ist Vincent van Gogh, der Impressionist aus dem vorigen Jahrhundert.
„Das ist einer der ersten Maler, der im pointilistischen Stil gemalt hat. Seine Bilder setzen sich aus Pinselstrichen zusammen wie ein Mosaik“, erklärte sie den Männern mit hochrotem Kopf.
Wenn Burgel über Kunst reden konnte, war sie nicht mehr zu bremsen. Opa Hermann hielt seinen Kopf beim Zuhören etwas schief, was bei seiner Besucherin den Eindruck erweckte, er lausche intensiv ihren Ausführungen. In Wirklichkeit war diese Körperhaltung dem Umstand geschuldet, dass er auf einem Ohr nicht mehr so gut hören konnte. Als Burgel an einer Stelle ihrer Ausführungen Luft holen wollte, ergriff Opa Hermann das Wort, weil er dachte, sie sei fertig!
„Wir haben hier auch einen Dorfkünstler“, fiel der alte Herr ein, „ich weiß nicht, ob du ihn kennst?“
„Wie heißt der denn?“ wollte Burgel jetzt wissen. „Ob der überhaupt einen richtigen Namen hat, weiß ich jetzt nicht, aber wie der aussieht, das kann ich beschreiben: eine lange, hagere Gestalt mit einem Rauschebart, er hat ein altes Siedlerhaus an der Wieke! Auf einem Heuballen steht immer eine weißgescheckte Ziege.
In seiner Scheune ist angeblich eine Dauerausstellung seiner Bilder, und man soll da auch Tee trinken können!“
„Ja, von dem steht ja zuweilen etwas in der Zeitung“, meinte Burgel. „Er soll ein Schüler von dem Beuys gewesen sein, dem Kunstprofessor aus Düsseldorf.“ „Ist das der mit dem Hut?“ Opa Hermann warf einen triumphierenden Blick in die Runde. „Ja“, meldete sich jetzt Jupp zu Wort, „das ist der mit der Margarineecke!“ „Fettecke“, verbesserte Burgel. „Ja, dann eben Fettecke!“ Ihr Mann machte eine wegwerfende Handbewegung. „Jedenfalls ist unser Dorfkünstler ein Sonderling. Den versteht hier „keen enen nich“, der sieht aus wie das Leiden Christi, hohlwangig mit entzündeten Augen und macht einen auf Öko!“ „Habt ihr mal seine Skulpturen gesehen?“ wollte Opa Hermann wissen, „der soll ja alles mögliche von Schrottautos zusammenschweißen, also ein Auto zerlegen und falsch herum wieder zusammenbauen!“
„Das macht Sinn“, stichelte Jupp, „wenn ich mir so begucke, was sich VW in den letzten Jahren so geleistet hat! Zig Millionen Euro gab es für die Manager im Jahr und was kam dabei heraus? Ein Dieselmotor mit gefälschten Abgaswerten!“
„Na ja, ins Wohnzimmer möchte ich mir so eine Skulptur nicht gerade stellen. Würde auch gar nicht in meine Wohnstube passen“, meinte Opa Hermann.
Ich glaube nicht, dass ein Künstler, der solch ein Kunstverständnis hat, möchte, dass seine Skulpturen in einer Privatwohnung verschwinden. Das ist doch etwas für ein Museum, damit alle etwas davon haben“, ereiferte sich Burgel. „Na eine genießbare Kunst ist das jedenfalls nicht“, meinte Jupp.
„Ich tippe mal eher auf Unsinnsmaschine“, versuchte Burgel jetzt eine Deutung. „Das kommt der Sache vermutlich am nächsten. Und wenn man das weiter denkt, dann liegt doch nahe, dass der Zeitgenosse Künstler wohl der Auffassung ist, dass die Menschen sich mit zuviel unnützem Zeug befassen, wenn sie orientierungslos den Globus zertrampeln, oder?“ „Ich sag es ja, Hermann, wenn Burgel erst einmal loslegt, dann kannst du nur mit den Ohren schlackern!“ „Mir fällt da ein Witz ein“, sagte Opa Hermann, „der hat auch etwas mit Deutung zu tun. In einer äh Irr… nee, darf man ja nicht sagen, also ihr wisst schon Pünktchen, Pünktchen- anstalt wartet ein Insa… – nee, Patient auf seine Entlassung. Der sagt ständig, dass er sich eine Zwille (Schleuder) bauen und damit auf die Leute schießen will. Das lässt der Direktor aber nicht durchgehen. Jährlich erfolgt eine erneute Prüfung des Heilerfolges. Doch jedesmal sagt der Betroffene dasselbe: „Ich baue mir eine Zwille und schieße auf alle Leute!“ Im dritten Jahr sagt er aber zu dem Direktor: „Wenn ich entlassen bin, suche ich mir eine hübsche Frau!“ „Und was dann?“ will der Direktor wissen. „Die ziehe ich dann abends aus!“ „Und dann?“ fragt der Direktor hoffnungsvoll. „Dann nehme ich ihr Strumpfband, baue mir eine Zwille und schieße auf alle Leute!“

„Und was hat das jetzt mit Kunst zu tun?“ fragte Jupp leicht irritiert, „ich meine, worin besteht der Bezug? Im Unverständnis?“
„Das weiß ich jetzt auch nicht so genau, aber es hört sich gut an!“

Mit diesen Worten stand Opa Hermann auf, schnappte sich den Wasserkessel und ließ neues Leitungswasser einlaufen!

 

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Der Islam gehört – nicht – zu Deutschland

„Deutschland“ diskutiert, „Deutschland“ regt sich auf, wegen der hohen Zuwanderungsrate, wegen der Islamisierung des Abendlandes, wegen des „Aussterbens“ abendländischer Werte und und und….
Wen wundert es, dass die „Hutschnur“ platzt? Jeder wirft nach dem Anderen!
Womit? Mit Worthülsen! Auch die Bundeskanzlerin spricht mit einer Worthülse, die viele zu verstehen glauben, obschon sie nichts an Erkennt-nissen hergibt. Was heißt denn das im Klartext, der Islam gehört zu Deutschland?
Worin sind die Werte verankert, die dem westlichen Europa zugeschrieben werden? Reicht es, der Einfachheit halber auf die Verfassungen hinzuweisen, jene z.B. der Bundesrepublik Deutschland, welche bei der Staatsgründung 1949 auf die „neue Fahne gegossen“ und durch die Alliierten abgesegnet wurde?

Beziehen sich die Deutschen auf Vorgaben der Bibel, in welcher christliche Werte vermittelt werden? Wo steht in den zehn Geboten etwas von Gleichberechtigung? Auf welche Bibel wird überhaupt Bezug genommen?
Ist das Alte Testament gemeint. die etwa 3000 Jahre alte jüdische Bibel?
Ist das Neue Testament gemeint? Wo steht in den Testamenten, dass der
Mensch „Hexen“ verbrennen oder dass man dem „Teufel“ in einer exorzistischen Sitzung beikommen soll? Wo steht geschrieben, dass man im Namen Gottes Waffen segnet ?
Unsere abendländischen Werte mögen irgendwo von irgendwem erfunden oder aus welcher Stelle einer religiösen Botschaft auch immer abgeleitet
worden sein. Fest steht: die angesprochenen „Werte“ verbergen sich knallhart im BGB, im StGB, in der Strafprozessordnung und weiteren Gesetzestexten und ministeriellen Verordnungen.
Glückwunsch dem, der sie alle kennt!

All diese Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenlebens sind auch
Ergebnisse ethischer Lehren unserer zahlreichen Philosophen, auf welche eine Minderheit der deutschen Bevölkerung stolz ist, während der überwiegende Teil der Bevölkerung kaum ihre Namen aussprechen kann, geschweige denn ihre Werke gelesen hat.
Die  angesprochenen Grundlagen greifen ferner auf Hinweise zurück, die in der Literatur zu finden sind, auf die Lehren des Humanismus. Es gab eine „Zeitepoche der Aufklärung“, genannt sei an dieser Stelle John Locke, ein Engländer. Die Geistesbewegung der „Aufklärung“ ging tatsächlich von England aus, führte über Frankreich und Belgien bis nach Deutschland. Einer der deutschen Vordenker war der Philosoph Immanuel Kant. Das Prinzip, welches der „Aufklärung“ zugrunde lag, ist das des kritischen Verstandes, eine Grundlage überhaupt, eine Urteilsbefähigung zu erlangen (Kritik der reinen Vernunft).
Letztlich wachen Juristen als Formulierer und Vollstrecker darüber, dass die oben beschriebenen Gesetze eingehalten werden, vom Justizvollzug als dritter Säule einmal abgesehen.

Die christlichen Religionen haben sich im Laufe der Jahrhunderte entsprechend angepasst, nachdem der katholische Klerus noch im späten Mittelalter unsägliches Leid über Teile vorwiegend der unbelesenen Bevölkerung gebracht hatte. Selbst ein Astronom wäre der Willkür der Inquisition zum Opfer geworden, wenn er seine Erkenntnis, dass der Planet Erde nicht Mittelpunkt des Sonnensystems ist, nicht widerrufen hätte.

Viele Menschen in der BRD und in Europa wissen um diese Dinge. Doch viele von uns geben sich auch mit einer Worthülse zufrieden. Sie glauben zu wissen, was gemeint ist.

In Deutschland wird nicht akzeptiert, dass eine Frau hinter einem Mann zurückstehen muss. Das gilt auch für die Ehe. Beide Geschlechter sind vor dem Gesetz gleich, haben gleiche Rechte und gleiche Pflichten. Wer das nicht akzeptiert, der gehört nicht in die BRD, weil der Staat die Gesetze bestimmt, nicht die Kirche.

Andere Probleme ergeben sich bei der Beschneidung im Genitalbereich bei  beiden Geschlechtern aus religiöser Vorgabe. Nach deutschen ethischen Vorstellungen sollte die Person nach Erreichen der Volljährigkeit selbst entscheiden dürfen, ob sie einem solchen Eingriff bei sich zustimmt.

Das „Schächten“ soll nach behördlichen Vorgaben auf Schlachthöfen vorgenommen werden, keinesfalls auf Hinterhöfen in Wohnsiedlungen.

Der Bau von Minaretten stößt bei der Bevölkerung auf Widerstand, nicht die Errichtung von Moscheen. Wenn Minarette erlaubt werden sollten, dann mit Muezzin und / oder Lautsprecheranlage?

Gesetze können schnell geändert werden. Davor haben viele Angst. Sobald der Bevölkerungsanteil der Muslime einen gewissen Umfang erreicht hat, könnten geltende Machtverhältnisse per Gesetz völlig legitim gekippt und sogar ins Gegenteil verkehrt werden.
Wer heutzutage kontrovers diskutiert, sollte seine Argumente weitsichtig anlegen, zumal überall auf der Welt bürgerkriegsähnliche Brände entstehen. Aufstände, Massenmorde und Vertreibungen werden in den meisten Fällen von „Machtmenschen“ religiös unterlegt (bejahend oder verneinend), wenn  es darum geht, ihr Handeln als rechtmäßig vor „der Welt“ darzustellen. Darauf sei zu achten, nicht auf integrierte muslimische Bürger, die ihren Glauben still ausleben und nicht wie die IS einen Gottesstaat errichten wollen.

Es gilt: Wer die Staatsräson anerkennt, erfährt die Zustimmung der Religionsfreiheit durch das Grundgesetz. Und dies, meine Damen und Herren Zeitgenossen, sei auch Anhängern der AfD in ihr Tagebuch geschrieben.

 

 

 

 

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Fehlende Weitsicht macht blind

Alt ist das Motto! Was kann ich als einzelner Mensch im politischen Alltagsleben an Situationen ändern, die mir Angst machen, meine Familie bedrohen?
Es wird weggeschaut, verdrängt, hinter vorgehaltener Hand gemunkelt, geflüstert, eine bescheidene Meinung geäußert: „Wie denkst du?“ Angst geht um, das wird im Alltagsleben deutlich, Unsicherheiten machen sich bemerkbar, sie gelten dem Arbeitsplatz, dem Frieden in der Familie, der Situation mit den Flüchtlingen aus den vielen Krisenregionen. Neuerdings geht die Angst vor einem Krieg um, der seit vielen Jahren an vielen Orten der Welt geführt wird. Die deutschen Bürgerinnen und Bürger waren bislang nicht direkt betroffen.

Das deutsche Volk ist in die Europäische Union eingebettet. Ein Sprichwort besagt: „wie man sich bettet – so liegt man!“

Der unpolitische Bürger liegt bequem, stiehlt sich aus der Verantwortung: eine Sprachfloskel, die in jüngster Zeit umgeistert, ist: „Keine Ahnung“, und damit wird ein neuer Satz begonnen. Überall fangen – vor allem junge Menschen – jeden zweiten Satz mit „keine Ahnung“ an, um dann doch noch ein Statement anzufügen – im Glauben, dass man aufmerksame Zuhörer findet, wenn man dem Gedanken vorausschickt, dass er von jemandem entwickelt wird, der keine Ahnung hat.

Das Wahlalter wurde von 18 Jahren auf 16 herabgesetzt. Offensichtlich finden die Bewerber um Mandate die Anzahl der Stimmen wichtiger als ihre Qualität, denn der Waschmittelreklame der Parteien, die vor den Wahlen für den Umsatz der Papierindustrie sorgen, messen sogar inzwischen „Berufsignoranten“ keinerlei Bedeutung mehr bei.

Ein Wahlprogramm, das zukunftsträchtig bereits im Vorfeld alle zukünftigen Probleme mit den dazugehörigen Lösungsmechanismen anbietet, wurde bisher in Deutschland noch nicht angeboten. Also bedient sich der Bewerberapparat z.B. der „Volksparteien“ mit Aussagen wie:“Die Armen müssen reicher werden“ oder „Gerechtigkeit für alle!“ Empfehlenswert wäre auch ein Wahlslogan mit dem Inhalt: „Ein Fußball in jede Wohnstube!“

Was inzwischen weltweit aus dem Ruder läuft, ist mit der Erkenntnis zu beschreiben, dass es zur Mode wurde, aus einem großen Staat viele kleine zu machen, nachdem der mühselige Versuch gelungen ist, aus vielen kleineren Einheiten eine große zu gestalten.

Fehlende Weitsicht macht blind, und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass inzwischen die Mächtigen dieser Welt blindlings auf der Weltkarte herumstochern, um Veränderungen nach ihrem Kalkül herbeizuführen. Macht, Privilegien und Kapital sind seit Jahrtausenden die Weltplagen, welche die Menschen in die kriegerischen Auseinandersetzungen führten. Dabei ist das Kapital einer Gesellschaft die Summe aller Fähigkeiten, nicht das Geld (Zitat J.Beuys).

Zwei der größten Machtblöcke, Amerika und Russland, verstricken sich mehr und mehr in ein Machtgerangel, das sich auch in der Europäischen Union bemerkbar macht. Man sollte nicht danach fragen, wer von den beiden Machtblöcken mehr provoziert. Momentan ist es die Nato. Die EU lässt sich mehr und mehr auf die „politischen Vorgaben der USA“ ein. Der „Weltpolizist“ riss mit der Zugehörigkeit der europäischen Staaten zur Nato kriegerische Schauplätze auf der Welt auf und machte somit nicht nur die Bundesrepublik Deutschland zu unkritischen Mitläufern. Die Verweigerung der Bundesrepublik an einer kriegerischen Beteiligung gegen den Irak (Bundeskanzler Schröder) stellt sich heute im Nachhinein als weitsichtige Entscheidung dar.

Plötzlich lief es wie ein Fieberschock durch Ägypten und Syrien. Dabei war es kein „Frühling“, der den Beteiligten zartes Grün bescherte, sondern der Start zu Revolutionen und Revolten. Warnende Worte vom ehemaligen Auslandskorrespondenten, „Scholl-Latour“, der die Länder bereiste und über Insiderinformationen verfügte, wurden in den Wind geschlagen. Der Ruf des „Westens“ nach „Demokratie und Freiheit“ wurde von den Aufständigen auf Fahnen geschrieben, auch wenn der größte Teil der Betroffenen weder schreiben noch lesen konnte.

Der Aufstand auf dem Maidan-Platz, die Revolution der Ukrainer, fand im Westen auf fast solidarische Zustimmung, leider mit den Folgen, dass völlig unsinnige Referenden im Sinne einer stillen Revolution, die Entwicklung der politischen Entscheidungen völlig auf den Kopf stellten und schließlich zur Annektierung der Halbinsel Krim an das russische Staatsgebiet führten. Menschen sollten mit weitreichenden politischen Veränderungen mittels eines Referendums vorsichtig umgehen. (Ein Referendum ohne 2/3 Mehrheit ist überdies völlig unsinnig, wie es der „Brexit“ jetzt beweist).

Die Vorgänge in der Ukraine führten dazu, dass die baltischen Staaten, Estland, Lettland und Litauen um ihre Sicherheit fürchten in der Ahnung, auch noch von Russland vereinnahmt zu werden. Schon kommt die Nato wieder ins Spiel. Die Forderung nach deutscher Beteiligung wird laut. Selbst die Polen ergehen sich in Angst um die Sicherheit ihrer Grenzen, eine Hysterie unbeschreiblichen Ausmaßes macht sich breit. Zu Polen sei vorsichtiges Verständnis angemahnt, denn dieses Land ist bereits vor dem Zweiten Weltkrieg 5 mal geteilt worden, und Russland war hieran beteiligt.

Angeblich sprechen sich 80 Prozent der Bevölkerung gegen das Handelsembargo gegen Russland aus und ebenso viele gegen das Säbelrasseln der Nato in den baltischen Staaten, wie es der Außenminister Steinmeier kürzlich formulierte. Und schon wurde er von Abgeordneten einer Volkspartei kritisiert. Mitlerweile lässt auch der Vizekanzler Gabriel mit Hinblick auf die Abgrenzung zur CDU solche Töne hören. Die Umfragewerte der SPD sind alles andere als berauschend.

Ein Volksbegehren mittels Unterschriften richtete sich gegen das von den USA eingebrachte Handelsabkommen TTIP, so dass selbst in den Entscheidungsgremien der EU Zweifel an der Art und Weise aufkamen, wie die Wirtschaftsmacht der USA mit ihren „Partnern“ umspringt zumal die Wenigsten über Kenntnisse des englisch/amerikanischen Wirtschaftsenglisch verfügen und die Verbreitung des Inhalts an Bürger und Medien von den USA unerwünscht war. Dies stellt eine typisch amerikanische Übergehensmethode der Bürger dar, die von kritisch eingestellten Menschen nicht hingenommen wurde.

Es wird allerhöchste Zeit, dass die Bunderepublik vertrauensfördernde Gespräche mit der russischen Führung aufnimmt. Es ist eine unsinnige Einstellung, man könne z.B. mit Präsident Putin keine verbindlichen Verträge abschließen. Ein Vertrag mit Russland könnte zum Inhalt haben, dass Russland die Grenzen Polens und die Selbständigkeit der baltischen Länder garantiert und die Nato aus den Gebieten verschwindet.

Feindschaft zu den USA muss nicht entwickelt werden, Kritik allerdings muss sich ein Staat, zumal er sich der Demokratie verschrieben hat, gefallen lassen. Größere Sorgen sollte der mündige Bürger sich wegen eines eventuellen Wahlsieges des Präsidentenanwärters Trump machen. Auf die Frage eines Journalisten während einer Wahlveranstaltung Trumps, wie er denn zum Ku- Klux- Klan stehe, antwortete dieser: „Ich kann nichts darüber sagen, ich kenne die Herren nicht!“

Hartmut T. Reliwette

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Altersstarrsinn oder Alterszorn?

Trump scheint durchzudrehen, und die Bildzeitung hilft ihm dabei. Keine headline mit Balkenüberschrift zum „Thema Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt Israels!“ Wen wundert es? Der Alleingang des amerikanischen Präsidenten wird  in diesem Hetzblatt weisungsgemäß totgeschwiegen. Selbst Frau Merkel missfällt Trumps Handeln. Das sind die Deutschen nicht gewohnt! Woran mag das liegen? Wie mag ein amtierender Präsident eines Staates aus psychologischer Sicht einzuschätzen sein, der jedes unterschriebene Dekret  (nicht Sekret )vor eine Kameralinse hält? Dabei scheint die Unterschrift überproportional im Verhältnis zum inhaltlichen Teil und ist gekennzeichnet von steilen, hakeligen „Auf- und Abstrichen“. Ich, der Unterzeichner, will dem amerikanischen Präsidenten nicht zu nahe treten, aber diese Signatur lässt auf einen traumatisierten Primaten schließen, der in ganz großen Hosen daherkommt. Ein Graphologe wäre sicher hilfreich gewesen – vor Trumps Antritt zur Präsidentschaftskandidatur. Wer so schreibt, der scheint gegeißelt. Ich schreibe hier in der Möglichkeitsform! Wie kann ein Mensch, der so eine“ Klaue“ hat, Präsident eines so großen Staates werden?

Ein von der Statur her kleinerer Mann hat es gewagt, ihm paroli zu bieten! Der hat jetzt auch Raketen und sehr wahrscheinlich auch Atomsprengköpfe dafür. Wie kann es jemand wagen, dem großen Mann, Donald Duck – pardon -Trump -eine Pappnase aufzusetzen? In den „Atomwaffenfällen“ Indien und Pakistan sind die United  Nations of Northamerica erst aufmerksam geworden, als ein Berg zu glühen begann. Aber es handelte sich nicht um ein himmlisches Zeichen, so viel soll hier verraten werden! Die waffenstarrende Aufrüstung einer Nation hat einen großen Nachteil, das wird schon in der Schule im Fach „Wirtschaftskunde“ vermittelt: die Waffenlobbyisten werden immer reicher – das Volk immer ärmer und wenn jeder zweite Mensch Soldat wird, mangelt es an Arbeitskräften!  in der ehemaligen DDR haben zwei Grenzsoldaten  in Spitzenzeiten einen Maurer bewacht, damit der nicht abhaut. Offiziell wurde er beschützt, damit der Handwerken nicht aus einer westlichen  Maschinengewehrgarbe dahingemäht wurde. Aber das nur am Rande, weil es so viele bereits vergessen haben. Mittlerweile steht die Welt vor einem Atomkrieg, und jeder weiß, wie dienlich sich Staaten wie die BRD den USA gegenüber verhalten. Es ist daher an der Zeit, sich deutlich von der amerikanischen Politik zu distanzieren. Wenn Herr Trump dermaßen groß- und eigenmächtig auf“trump (ft)“, mag er auch die Verantwortung im gleichen Verhältnis tragen und zwar in der Form, dass er die Zeche dafür bezahlt. Die Bevölkerung der BRD spricht sich absolut mehrhaltlich gegen Atomwaffen aus, und die Österreicher sind bereits neutral! Es ist schon erstaunlich, dass die Deutschen auch in dieser Hinsicht von den Österreichern lernen können. Leider können wir den netten Nachbarn keine Fregatten verkaufen und im Gebirge sind auch Panzer etwas unhandlich, das ist der Nachteil an einer so „hügeligen“ Landschaft.

Zum Thema:

Jedenfalls haben Trumps Militärgewaltige zwischenzeitlich weisungsgemäß  das neutrale Grenzgebiet  zwischen Nord- und Südkorea mit ihren Hornetbombern F16/F18 bombardiert und „gewaltigen Eindruck“ auf Kim Jong -un -hinterlassen, so dass dieser einige Raketentests nachschob, wobei letztere immer dicker ausfielen und immer weiter flogen. Die Chinesen werden jedenfalls nicht begeistert sein, wenn vor ihrer Haustür ein Atomkrieg ausgefochten wird, so viel ist sicher! Dass der unbeschränkte Herrscher Nordkoreas betonte, dass auch Europa  erreichbar sei, stimmt einen großen Teil der Bevölkerung missmutig! Ausgerechnet zu Weihnachten! Alldieweil doch die Weihnachtsgans in der Röhre schmort und die Geschenke noch nicht ausgepackt bzw. umgetauscht wurden! So ein Atomkrieg bringt doch die ganzen gewohnten Abläufe durcheinander!

Ach ja: GROKO!

Fast hätte ich es vergessen: Deutschland ist zur Zeit nicht regierbar! Macht das WER kommissarisch? Seit wann brauchen wir eine Regierung? Das ist ja das Allerneueste! Nach meinem Erkenntnisstand gibt es mehr als genug Gesetze, Bestimmungen und Verordnungen. Außerdem werden wir seit Jahrzehnten von der Wirtschaft regiert – zugegeben – indirekt. Aber wofür haben wir denn die Lobbyisten? Lügen und Betrügen, das ist die Devise, die zwar nicht ausgegeben aber praktiziert wird. Der neue Passat wird für einen „Umweltbonus“ = 8000.-€ angepriesen. Seit Wochen wird in Emden halbtags am Passat gewerkelt. Ach – kann Lügen und Beschönigen schön sein. Leider fällt nicht jeder auf Maschen herein, die dünn gestrickt werden!

Einerlei aus welchen Perspektiven der kritische Erkenntnisgeist den Istzustand auf diesem Planeten beleuchtet: das Ergebnis jeglicher Betrachtungsweise ist jämmerlich!

Frohe Weihnachten und gute Verdauung von Glyphosat im Bier, Brot und Fleisch wünscht der alte Kunstmeister!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf ein Wort, Herr Trump

Ein weiser Präsident (weise Präsidentin) einer Nation, so schwebt es mir vor, plant und handelt weit vorausschauend. Bei Versammlungen (G8 Treffen) schiebt so ein Präsident einen Amtskollegen eines anderen Staates nicht beiseite und drängt sich nicht in den Vordergrund.

Nicht die größte und höchstgerüstete Nation sollte den Ton in einer Staatengemeinschaft angeben, auch nicht die wirtschaftsstärkste nationale Einheit, vertreten durch ihren Präsidenten. oder ihre Präsidentin. Eigentlich sollte niemand aus einer Staatengemeinschaft die Führungsrolle übernehmen oder sie sich durch eine zueigene Handelsmacht sichern, weil Handelsmacht dazu geeignet ist, andere Staaten, die weniger attraktive Konsum- und Verbrauchsgüter anbieten können, in Abhängigkeiten zwingen können. Dies bewirkt beispielsweise das Einräumen eines Kreditrahmens. Ein weiser Präsident tritt auch nicht als Schutzmacht auf und zwingt nicht andere Staaten im Rahmen eines Verteidigungsbündnisses dazu, Militärkontigente für alle möglichen und unmöglichen Einsätze bereitzustellen bzw. sich an kriegerischen Unternehmungen zu beteiligen. Denken wir immer daran, dass bei einem Mord auch derjenige bestraft wird, der „Schmiere steht“. Durch die Mitgliedschaft im Nordatlantikpakt werden zum Beispiel dem deutschen Volk Pflichten aufgezwungen, die im Einzelfall den Paragraphen im Grundgesetz aushebeln, in dem es heißt, dass von „deutschem Boden nie wieder ein Krieg ausgehen darf“. Die Einsatzbeteiligung in Afghanistan wurde demzufolge durch den Ausspruch eines Ministers gerechtfertigt: „Die Freiheit wird am Hindukusch verteidigt!“ (Das hätte Goebbels seinerzeit nicht „besser“ formulieren können). So mancher Zeitgenosse fragt sich zu Recht, wie es den Eidgenossen in der Schweiz gelingt, sich aus allen Konfrontationen mit militärischen Einsätzen herauszuhalten – und wie schaffen das die Österreicher?

Und weshalb zieht Herrr Trump seine militärischen Stützpunkte in Deutschland nicht ab, wenn er mangelnde Rüstungsbeteiligung der Nato-Partner beklagt? Nehmen Sie die Atombomben, Flugmarschkörper und Drohnen mit zu sich nach Nordamerika. Die deutsche Nation setzt auf gute Nachbarschaft, eine Lehre, die sie aus zwei Weltkriegen zu ziehen hat.

Weshalb schließt Herr Trump keine Friedensverträge ab – zB. mit der Bundesrepublik Deutschland und Nordkorea? Was hat „Friedenssicherung“ mit Aufrüstung zu tun? Müssen wir Angst vor der russischen Nation haben? Wie oft hat Russland in den letzten tausend Jahren die deutsche Nation angegriffen oder überfallen? Waren es nicht die Deutschen, die einen Vertrag mit Russland (Nichtangriffspakt) von einer Stunde auf die andere gebrochen haben? Wer schürt die Ängste vor den „bösen“ Russen? Wer stellt denn den Russen Natosoldaten vor die Haustür? Muss Amerika überall vorgerückte Stützpunkte unterhalten? Und weshalb redet die Bundesregierung solche Unternehmen schön anstatt das Rückrat durchzudrücken und solche mit Befremden und Distanz zu quittieren? Was soll der Riesenunsinn mit den Wirtschaftssanktionen gegen Russland? Das Gas wird aber ins Land gelassen, der Krimsekt ebenso! Krimskoje ist überall zu haben – und zwar mit Recht! Ein weiser Präsident, eine weise Bundeskanzlerin stimmt nicht in jedes Lied eines amerikanischen Präsidenten ein, wenn eine anstehende Revolution, zum Beispiel in Ägypten, Jordanien oder Syrien mit dem Ruf nach „Demokratie“ in den höchsten Tönen besungen wird. Ein kluger und weiser Staatsmann- oder Frau durchschaut fadenscheinige Argumentationen zur Rechtfertigung eigenen Handelns. Was soll Demokratie in der Wüste bewirken, wo es noch Scheichtümer und Dorfälteste gibt, die seit Jahrtausenden die Geschicke ihrer Länder oder Bezirke regeln?

Ein kluger , weitsichtiger Präsident schaut ins Innere seines ihm anvertrauten Staates. Er sieht die Gefahren durch Umweltkatastrophen und leugnet nicht den Zusammenhang von Treibhausgasen und Erderwärmung, welche die Wirbelstürme vermehrt auf den Plan rufen. Solch ein Präsident, der zum, Segen für die ihm anvertrauten Menschen wirkt, beachtet die Warnrufe der Geologen. Bevor ein weitsichtiger Präsident Nordkorea mit totaler Zerstörung droht, bekommt er große Sorgen, dass das gesamte Gebiet des Yellow Stones- Nationalparks in einer Riesenlavafontäne einstürzt und die entstehende Aschewolke eine Naturkatastrophe in den USA auslöst, die in ihren Ausmaßen die Existenz von Nordamerika bedroht.

Die „Welt“ weiß nicht, was sie von Ihnen halten soll, Herr Präsident! Ist Ihnen überhaupt jemals der Gedanke gekommen, dass Sie auf der Skala von 1 bis 10 der unbeliebstesten Staatsmänner einen der oberen Ränge einnehmen? Sind Ihre umgebenden Abhängigen so diskret, dass Ihnen das noch niemand erklärt hat? Das Ihnen übergebene Staatsamt ist kein Spielcasino, in welchem man mit eigener Währung pleite gehen kann ohne Schaden zu nehmen. Verbünden Sie sich mit der Natur. Sie ist Ihre einzige Hoffnungsträgerin!

Der Ihnen dies sagt, ist der letzte Prophet auf diesem Erdenrund!

Mit vorzüglicher Empfehlung!

Ihr Hartmut T. Reliwette, Autor, Maler, Bildhauer und Performer

PS: Vielleicht findet sich jemand, der Ihnen dieses Schreiben zustellt? H.T.R.

Auf ein Wort

Photovoltaikanlagen mit Speicher für den Eigenbedarf

Ich nehme es vorweg: Wir stehen in Deutschland kurz vor der Bundestagswahl.In letzter Minute verkünden die Repräsentanten der im Bundestag vertretenen Parteien ihre Absichtserklärungen und gehen auf Stimmenfang. Dabei hatte der aufmerksame Wahlberechtigte in den letzten Jahren ausreichend Gelegenheit, die verschiedenen Fraktionen zu beobachten und speziell die an der Regierung Beteiligten nach ihrem tatsächlichen Handeln zu bewerten. Fühlen Sie sich vertreten?

Neben den alltäglichen Themen wie Flüchtlingsaufnahme, gerechte Verteilung des Bruttosozialproduktes oder Schadensbegrenzung der „Dieselaffäre“ gehört ein wichtiges Thema in die Regierungsdebatte: Ausnutzung der natürlichen (erneuerbaren) Ressourcen für die Energiegewinnung. Scheinbar kennt sich kaum ein Politiker mit der Materie aus: Braunkohle oder Steinkohle als Energieträger sollen zugunsten erneuerbarer Energieressourcen ebenso eingedämmt bzw. abgeschafft werden wie die Energiegewinnung aus Atomkraft! Seit einigen Jahren ist die Energiegewinnung aus Sonnen- oder Windkraft forciert worden, ebenso jene aus Vergärungsanlagen, die vorwiegend mit Mais „gefüttert“ werden, was mit der „Monokultur des Maisanbaus“ einhergeht. Jenen Zeitgenossen, die sich noch vor 5 oder mehr Jahren riesige Solarplatten auf ihre Dächer montieren ließen und den gewonnenen Strom ins Energienetz des örtlichen Betreibers einspeisten, wurden 50 Cent und mehr pro eingespeiste Kilowattstunde vergütet und für lange Zeitspannen garantiert. Dafür mussten die Stromkunden entsprechend mehr bezahlen, um den Verlust der örtlichen Energie-und oder Netzbetreiber auszugleichen. Der Finanzverwaltung war es egal, ob es sich die Steuern von den großen Energiefirmen holt oder von den privaten Stromlieferern, denn der Staat kann nicht auf Steuereinnahmen verzichten.
Wer sich jetzt aktuell auf private Stromerzeugung einlässt, kann nur noch 11 Cent pro eingespeiste Kilowattstunde bekommen.

Der große Hammer kommt noch, was diesbezüglich die Steuerpolitik der deutschen Bundesregierung anbetrifft. Dazu wird in der Wahlpropaganda kein einziges Wort verloren. Es betrifft die Photovoltaikanlagen, die dazu geeignet sind, sowohl Strom ins Netz zu liefern als auch zum Eigenverbrauch zu erzeugen und einen Speicher für die Nachtstunden zu verwenden. Dies ist an sich eine gut durchdachte Ingenieursleistung und im Prinzip auch anwendbar. Der Unterzeichner steht auch jetzt zum Prinzip der Speicheranlagen mit Energie aus der Solartechnik. Allerdings gehört dazu der unabdingbare Wille, etwas Sinnvolles für die Zukunft der kommenden Generationen einzurichten, auch wenn die Besteuerung eines solchen Vorhabens einer Rendite im Wege steht. Krämerseelen, die „zukunftsträchtige Projekte“ lediglich unter dem Aspekt der Gewinnoptimierung in Angriff nehmen, seien gewarnt: das Bundesfinanzministerium unter Federführung des bekannten Finanzministers spielt hierbei nicht entsprechend mit:

Eine große Rolle jedoch spielen hierbei die Einkommen aus nicht selbständiger Arbeit der Eheleute (steuerliche Gesamtveranlagung) bzw. des Einzelnen, denn sämtliche Einnahmen aus dem Gewinn einer Photovoltaikanlage werden dem Einkommen hinzugerechnet. Nicht nur die ins Netz gelieferten Stromerträge werden in Ansatz gebracht, sondern auch die gewonnenen Energiemengen zum Eigenverbrauch! Die Mehrwertsteuer für die Beschaffung der Anlage wird zwar erstattet, aber im Folgejahr dem Gesamteinnkommen hinzugerechnet. Betreiber, denen aus Renten oder Pensionen eine Steuerbegünstung zuteil wird, können infolge der Mehreinnahmen in eine sich nachteilig auswirkende Steuerprogression rutschen. Bei der Erstattung der Mehrwertsteuer als Kleinunternehmer (das sind Sie, wenn Sie eine solche Anlage betreiben), behält das Finanzamz im gegebenen Fall 1/3 ein.

Um sich ein Bild davon zu machen, wie widersinnig sich dieser Ansatz des geltenden Steuergesetzes darstellt, ein Beispiel:

Der Betreiber entrichtet beim Kauf einer entsprechenden Photovoltaikanlage eine Mehrwertsteuer in Höhe von 2.400.-€ (Beispiel). Er bekommt die Mehrwertsteuer als Kleinunternehmer vom Finanzamt erstattet, also sein eigenes Geld, das er bezahlt hat. Von dieser Rückerstattung muss er dem Finanzamt im Zuge der Gesamtveranlagung der Einkommenssteuer ggfls. 1/3 zurückzahlen.

Zugegeben: etwas verwirrend. Im Grunde könnte sich der Umweg über Mehrwertsteuer und Mehrwertsteuerrückerstattung wie folgt darstellen:

Der Käufer bezahlt 15.000.-€ für die Anlage, und das Finanzamt erhebt dafür eine Gebühr in Höhe von 800.-€. Das ist die Logik der Finanzbehörde, nur errechnet sie sich anders.

Ein anderes Rechenbeispiel: Der Betreiber erwirtschaftet jährlich aus gelieferter Strommenge an den Netzbetreiber 200.-€ bei 11 Cent pro Kilowattstunde. Seine selbst verbrauchte Strommenge ist je nach Verbrauch in etwa gleich hoch. Dafür muss er auch Steuern bezahlen, aber nicht für 11 Cent pro Kilowattstunde, sondern 23 Pfennig, den Preis, den er beim Stromanbieter zahlt. Da aber auch noch Strom aus dem Netz bezogen wird, weil die Anlage bei schlechtem Wetter nicht genügend Energie für den Eigenbedarf liefert (z.B. in den Wintermonaten) oder die Batterien nicht voll aufgeladen werden können, bezieht der Betreiber selbst Strom aus dem Netz zu 23 Cent, also für mehr als das Doppelte dessen , was er für seinen eigenen produzierten Strom bekommt.

Auszug aus dem Antwortschreiben meiner Anfrage an das Bundesministerium der Finanzen  vom 21.4.2015 Az: IV C6-S 2240/10001  DOK 2015/0249636:

„Abschreibungsbeträger, die auf den privat genutzten Teil der Photovoltaikanlage entfallen, sind als Kosten der privaten Lebensführungen gemäß § 12 Nr.1 EStG nicht abzugsfähig und werden über die Entnahme nach § 6 Absatz1 Nr. 4 EStG korrigiert. Eine gesetzliche Änderung kommt nicht in Betracht, da die für den Haushalt des Steuerpflichtigen und für den Unterhalt seiner Familienangehörigen aufgewendeten Beträge weder bei den einzelnen Einkunftsarten noch vom Gesamtbetrag der Einkünfte abgezogen werden dürfen.“

Ich fordere das Bundesfinanzministerium über die politisch wirksame Regierung auf, dieses zukunftsweisende Modell der Solar -Speicheranlagen mit Eigennutzung auf ein besseres Steuermodell zu stellen, damit privaten Initiativen zur Abschaffung von Energieanlagen aus fossilen Brennstoffen und Atommeilern mehr Unterstützung zukommt. Der Anreiz, einen Beschaffungszuschuss aus Mitteln der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) in Höhe von 3.200.-€ zu gewähren, reicht nicht aus zumal nach spätestens acht Jahren die  Ersatzbeschaffung der teuren Batterien (in der Regel vier  mit Bleigranulat befüllte Riesenbatterien) anfällt. Für die im Zuge der Erhaltung der Anlage (Abschreibung 20 Jahre) anfallenden Kosten für die Ersatzbatterien wird die Mehrwertssteuer zwar wieder rückerstattet, der Betrag allerdings erneut dem Einkommen des /der Betreiber zugerechnet. Bei der steuerlichen Gesamtveranlagung der Einkommen beider Eheleute -und seien diese aus Pensions- oder Renteneinkünften-kann dies wiederum dazu führen, dass die Gesamteinkünfte eine magische Grenze überschreiten, die zu einer höheren steuerlichen Belastung führen. Diese Situation entpuppt sich den Betroffenen im Einzelfall als persönliche „Milchmädchenrechnung“, welche eine Beschaffung einer solchen Anlage  (eine an sich positive Idee der Energiegewinnung) verleiden kann. Am wirtschaftlichsten erweist sich die Beschaffung einer Photovoltaikanlage mit Speichereinrichtung zur Eigennutzung für Alleinverdiener im Rentenstatus mit einem Einkommen unter 1000.-€, weil hierauf keine Steuern anfallen. Ein jährlicher Überschuss in Höhe von 2400.-€ infolge von Mehrwertssteuerrückerstattung oder Gutschrift aus Teilabschreibung erreicht nicht die magische Einkommensgrenze einer deutlichen Mehrbesteuerung im Vergleich zu Einkommen beispielsweise beider Eheleute (steuerliche Gesamtveranlagung), die über  einen Nettobetrag von  3000.-€ monatlich verfügen können. Im Übrigen sollte bei den Überlegungen die Hinzuziehung einer Steuerberatung eingeplant werden, deren Inanspruchnahme einen jährlichen Kostenaufwand von bis zu 320.-€ bedeutet. Nebenbei bemerkt: Kosten für Steuerberatung sind nicht absetzbar.

Andererseits müssen wir hier nicht die Überlegung diskutieren, welcher Rentner mit einem monatlichen Einkommen von unter 1000.-€ monatlich in der Lage ist, sich eine Photovoltaikanlage auf sein Eigenheim zu setzen, falls er überhaupt über ein solches verfügen kann. Aus der Summe der Überlegungen ergibt sich folgender Vorschlag an das Bundesministerium der Finazen über die Bundesregierung:

 

Es wird empfohlen, den produzierten Strom für den privaten Eigenbedarf (Haushalt) aus Photovoltaikanlagen mit Speichereinrichtung bis zu einem jährlichen Volumen von 2 Megawatt (2000 KW/h) steuerfrei zu behandeln. Ansonsten sehe ich dieses Projekt aus marktwirtschaftlicher Sicht ( Hersteller von Solarzellen,Batterien und Steuermodulen, Gleichrichtern pp., der Vertriebs- und Aufstellerunternehmen) einschließlich der gestellten Arbeitsplätze als stark gefährdet.

Mit freundlichen Grüßen!

Hartmut T. Reliwette

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 sehr verehrte Aschenbecher,

der bekloppte BRD – Journalismus hat es mal wieder auf die Spitze getrieben! Es flog 1 Tomate! Diese Tomate hat Frau Merkel unterhalb der Brust in etwa Hüfthöhe gestreift und traf etwas zerplatzend die neben ihr stehende Moderatorin in hellem „outfit“. Die hat also das Meiste abgekriegt. Natürlich kann ein Chefredakteur eine Meldung „mit 1 Tomate“ schlecht akzeptieren, es müssenm TOMATEN sein (Mehrzahl). Besser wäre die headline gewesen : „Merkel unter Tomaten begraben“, doch irgendwie wäre dem deutschen Leser/ Gucker/ Hörer aufgefallen, dass diese Meldung „etwas“ übertrieben wäre. Ich meine, der deutsche Michel kriegt ja selten etwas mit in voller Gänze und Klarheit. Der deutsche Michel verdaut, das ist sein Charisma! Hätte er doch auch nur fünf Mägen wie eine Kuh. Es ist bedauerlich: er hat sie nicht! Er muss zu seinem Leidwesen alles gleich wieder ausscheiden! Das Gute daran ist, er kann sofort wieder aufnehmen, und das ist das Prinzip der freien Marktwirtschaft.

Neuerdings hat ein toller Erfinder (wahrscheinlich mit Hilfe  der Crew aus der Höhle der Löwen  –  der Gatte von der Ferres?) eine tolle Erfindung vermarktet: es ist ein dreipoliger „Drehkranz“, der auf den Fingern balanciert wird und sich – einmal in Rotation versetzt – eine längere Zeit wie ein Kreisel in Bewegung hält. Ganz tolle Nummer! Braucht kein Schwein – ist aber in Bewegung. Das Teil ersetzt bei vielen Leuten den Geist, der sich ja bekanntlich am liebsten im Aggregatzustand  der Starre aufhält (Gas, Schnaps, Beton).

Es ist unglaublich, was hier in der BRD (und natürlich woanders in der Welt ) passiert: Wichtigkeiten werden erfunden und durch labile Presseorgane vervielfältigt und gereichen dem Einfältigen zu dessen Wonne. Ich höre täglich davon beim Bäckertreff, was bei mir eine Revolte des Verdauungstraktes hervorruft. Leider darf ich da nicht laut furzen, sonst kommt die Chefverkäuferin angerannt und beklagt sich, dass sie die Kunden nicht verstehen kann.

Es ist schon ein Jammer, dass der erkennende Geist sich mit Nebensächlichkeiten diagnostizierend begnügen muss, um es zu transportieren, denn nähme er die Wichtigkeiten auf das bekannte „Korn“, kämen sogleich die Beschwerden, dass ein Wortschatz Verwendung erführe, der schwer verständlich ist, zumal Nebensätze in der Schilderung des Gebotenen vorkommen.

Prost! Austrinken! Noch sind wir! Deshalb lasst Euch nicht lullen!

WÄHLT PDA, die PARTEI DEMOKRATISCHER AHNUNGSLOSER!

 

Gefährliche Sandkastenspiele

Es ist allerhöchste Zeit, zwischen Kim Jong – un, dem Präsidenten von Nordkorea , dem Präsidenten von Südkorea, und dem amerikanischen Präsidenten, Donald Trump, zu vermitteln. Nun stellt sich der Verfasser dieser Zeilen zunächst die Frage, weshalb bisher keiner der deutschen Spitzenpolitiker auf diese Idee gekommen ist? Weshalb ist niemand der politischen Spitzenkräfte Willens und in der Lage, die belastende Vergangenheit zwischen dem norkoreanischen, dem südkoreanischen Volk und den Administrativen aus Washington aufzuarbeiten? Zur Erinnerung: Nordkorea und die amerikanisch subventionierten südkoreanischen Machthaber standen sich im sogenannten „Koreakrieg“ gegenüber. Seither trennen die beiden Staaten eine entmilitarisierte Zone. Einen Friedensvertrag zwischen Nordkorea einerseits und Südkorea/ USA andererseits gibt es bis heute nicht. Im Westen ist bekannt, dass der frühere – inzwischen verstorbene – koreanische Präsident einem Atomwaffenverzicht zugestimmt hatte, an den sich sein Sohn als jetziger Präsident  nicht gebunden fühlt.

Was also liegt näher als die Souveränität Nordkoreas anzuerkennen und den Präsidenten dieses Staates aus der Ecke zu nehmen, in die er sich im Laufe der letzten Jahre zurückgezogen hat? Was bewirken Wirtschaftssanktionen in diesem Zusammenhang? Bisher ist anscheinend niemandem aufgefallen, dass mit Druckmitteln wie etwa den Sanktionen auch der Druck in besagter Ecke erhöht wird.

Andererseits müssen die Amerikaner mit ihren diversen Stützpunkten  auf dem Erdenrund anscheinend auf ihrer Aufpasserrolle beharren, ungeachtet dessen, dass sie anderen damit auf der Nase herumtanzen. Unsicherheit und Ängste werden damit geschürt. denn was dem einen billig ist, mag dem anderen sein Recht sein.

Wenn also kein deutscher oder anderer europäischer Politiker sich in dieser Angelegenheit als Vermittler verwendet, biete ich mich als neutraler  Kunstmeister an, eine Versöhnungskonferenz mit Kim Jong – un , dem südkoreanischen Präsidenten und Donald Trump auf neutralem Boden z.B. in einem Schweizer Hotel zu initiieren, wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass sich die drei Herren auf Augenhöhe begegnen möchten. Also, bitte, meine Herren, machen Sie Gebrauch davon. Sie werden staunen, wie einfach das ist, und Spaß wird es auch machen, wenn sich die  Herren beim abendlichen Kegeln freundschaftlich beim Kegelaufstellen behilflich sind, aber das könnte auch ein Automat übernehmen.

Sehr herzliche Grüße an Sie drei Prädidenten!

Ihr alter Kunstmeister Hartmut T. Reliwette

 

Amos und die Allgemeinbildung

„Weiß nix – Macht nix“

Vorgeschichte

„Das gemeine Volk hört nur halb hin und liest auch kaum etwas Gescheites!“, wetterte Opa Hermann aus Richtung Gartenklo, so dass das gefährliche Piratenschaf zusammenzuckte. Er zerknüllte die Bildzeitung, die er soeben „zensiert“ hatte: „Kaum noch Lesekultur, schlechte Allgemeinbildung, und die meisten Leute glauben alles, was schwarz auf weiß gedruckt wird!“ Diese Feststellung unterstrich er mit einem lauten Verdauungsgeräusch.
Amos lag unweit des Geschehens auf seiner Kuscheldecke. Ihm war der emotionale Ausbruch seines Ziehvaters nicht entgangen. Er war es gewohnt, dass der alte Bergmann wieder und wieder anmahnte, nicht alles als „Gott gewollt und gegeben“ hinzunehmen. „Es ist vor allem die Sprache, die uns vor den anderen Geschöpfen auszeichnet“, dozierte der alte Herr in seinem Selbstgespräch, „dafür können die Affen Bananen schneller schälen“.
„Auf der Cara Mia haben die lieben Piraten eine eigene Sprache“, meldete sich jetzt das Piratenschaf. „Ach ja? Und wie heißt diese Sprache?“, wollte Opa Hermann wissen.
„Lakonisch“, erwiderte Amos, „die geht zum Beispiel so: Schechte meschen ma schoffen!“
„Tolle Sprache“, höhnte Opa Hermann, “passt zu gleichmütig, gleichgültig! Heißt wahrscheinlich: „Mir ist vom Saufen schlecht geworden! Aber das ist noch gar nichts, ich hatte mal einen Schulkameraden, der bezog sein gesamtes Wissen aus der Micky Maus!“
„Was ist aus dem geworden?“ Opa Hermann musste grinsen: “Der ist heute Landrat!“
„Ist das etwas Besonderes?“, wollte Amos jetzt wissen. „Ja, das ist ein verantwortungsvolles politisches Mandat in einem Landkreis. Aber Du kannst ja mal eine Flasche Kakao in Dein Fell packen und selbst sehen, wie es mit der Bildung der Menschen steht, denn Bildung erreicht man unter anderem durch Lesen!“

Die Lesekultur schmilzt dahin

Das Piratenschaf durchwanderte den nahe gelegenen Park und traf auf einen dicken Mann, der auf einer der Bänke saß. Amos hielt ihm zur Begrüßung die rechte Pfote hin: „Entschuldigen Sie, ich bin Amos, das gefürchtete Piratenschaf, darf ich Sie mal etwas fragen? Was lesen Sie eigentlich –  wenn Sie lesen?“
„Aha, ein ganz gescheiter Marketing-Fachmann! Bist du ein Vertreter für Wolle oder Tiernahrung?“
So barsch angemacht kullerten Amos sofort zwei Tränchen über das Gesicht, aber der Fremde bemerkte das und grinste versöhnend.
„Okay, ich lese Beipackzettel. In diesen klein geschriebenen gewaltigen Texten schottet sich die Pharmaindustrie juristisch ab, verstehst du?“
Amos nickte ergriffen, obwohl: er hätte nachfragen sollen.
Ein anderer Herr meinte, dass er nur die Zusätze unter Verkehrsschildern lese, zum Beispiel „montags bis freitags“ oder „Anlieger frei“!
Ein Dritter schob seine Frau vor. Sie lese das, was wärmstens empfohlen wird, höchstens dreißig Seiten davon, dann fliegt das „Zeug“ in die Ecke!
Der letzte Versuch, sich ein Bild von der Lesekultur zu machen, brachte das Ergebnis, dass sich eine Dame mit Kontoauszügen beschäftigte.
Amos nickte mit einem großen Verständnis für die reale Welt. Dann wollte es seine Studie mit einem Besuch der örtlichen Bücherei abrunden.

Der Buchhändler tat das, worin sich offensichtlich alle Buchhändler abgesprochen haben. Er sah nicht hoch. Diesmal besah er sich aber und fragte das Piratenschaf verwundert nach seinen Wünschen: Amos blinzelte mit dem nicht abgedeckten Auge.
„Haben Sie Beipackzettel, Ecken-Flieger und Kontoauszüge?“

 

 

 

 

 

Amos kehrt zurück

„Wer diskutiert weiß nicht was er will“

Das Piratenschaf hatte es sich im Mastkorb der „Cara Mia“ bequem gemacht und spähte das Meer nach Schiffen ab. Es hatte seine schwarze Augenklappe etwas hochgeschoben, weil sie die freie Sicht doch etwas behinderte. Hornblewer, der Piratenkapitän mit dem Schleppsäbel am breiten Gurt, hatte einen neuen Kurs ausgegeben. Demnach sollte zunächst Emden angelaufen werden. Später sollte der Segler bei auflaufender Flut die Ems stromaufwärts bis nach Leer entweder per Windkraft oder Treidelschlepp gelangen und im Leeraner Hafenbecken festmachen. Leer, so wusste man auf dem Piratenschiff, ist eine Teestadt. Die „Cara Mia“ hatte 14 Kisten Darjeeling-Tee geladen, die man mit erheblichem Gewinn verkaufen wollte. In der letzten Mannschaftssitzung vor einigen Tagen hatte ein Neuanstrich des Schiffes auf der Tagesordnung gestanden. Der langsam abblätternde schwarze Anstrich war nicht mehr zeitgemäß, und es waren tolle Vorschläge aus den Reihen der Piraten gekommen.
„Schwarz macht den Leuten Angst“, hatte der Segelmacher Louis in die hitzige Debatte eingebracht. Der krummbeinige Pirat mit der flammend roten Narbe über seinem linken Jochbein galt in der Mannschaft als besonders fortschrittlich – fast progressiv. Wenn er ein Segel flickte, so gerieten die Flicken immer zu mehr oder weniger großen Herzen. So bestand das Großsegel am Vorschotmast eigentlich nur noch aus lauter weißen Herzen, die sich vor dem ockerfarbenen Segeltuch deutlich abhoben. In jedes Herz stickte Lois seine Initialen ein: L.B. Das stand für Louis Belsace.

Der gelernte Segelmacher hatte einst an einem Patchwork-Kurs in Frankreich teilgenommen, einer besonderen Form der Flickenschneiderei, bevor er sich für die Piratenlaufbahn entschieden hatte.

Ibrahim, der immer finster dreinblickende 1. Kanonier des Schiffes, hatte seinen schwarzen Wuschelkopf geschüttelt und sich dagegen ausgespro-
chen: „Da halte ich nicht viel von“, hatte er gemault, „wir verlieren an Ansehen und Gefährlichkeit. Ich bin weiterhin für schwarz!“.
Er kam sich ohnehin ziemlich überflüssig vor, denn er konnte sich nicht daran erinnern, dass auch nur eine seiner ständig blank geputzten Kanonenkugeln gegen ein anderes Schiff zum Einsatz gekommen wäre.
Wenn geschossen wurde, dann nur Salut, weil das 3/4 Vollschiff über kein Nebelhorn verfügte, mit dem man vorbeifahrenden Schiffen einen tüchtigen Schrecken einjagen konnte.
Der Proviantmeister und Schiffskoch, Vanbrat, hatte sich für rote, gelbe und blaue Punkte auf weißem Grund entschieden. Er sah während der Überfahrten das Schiff ohnehin nur von innen, musste ständig mit Töpfen und Pfannen hantieren und hatte schon mehrmals darüber geklagt, dass ihm niemand beim Kartoffelschälen helfen wollte.
Kartoffelschälen ist  für einen Piraten undenkbar! Der Käpten musste sich jedesmal etwas ausdenken, um zwei, drei Leute abzustellen, die dem Koch bei Verrichtungen in der Kombüse behilflich waren.

Zum Beispiel ließ er die Mannschaft antreten und führte eine „Kleiderinspektion“ durch. Wem ein, zwei oder drei Knöpfe an Jacke, Hemd oder Hose fehlten, hatte sich für mehrere Tage für den Küchendienst qualifiziert, entsprechend der fehlenden Knöpfe.
Ein anderes Mal hatte er gesagt: „Mal herhören, wer als erster „hier“ schreit, der….“ Weiter kam er nicht. Drei der Piraten hatten sofort „hier“ gebrüllt in der Erwartung, es gäbe eine Sonderration Rum. Doch der raffinierte Käpten beendete seinen angefangenen Satz mit: „Der hilft dem Koch beim Kartoffelschälen“.  Schon hatte er drei Rufer beim Wickel.

„Der Käpten ist ganz schön ausgebufft“, gab sich einer der „Freiwilligen“ geschlagen“. Die beiden anderen stimmten ihm zu: „Dem kommen wir nicht bei, deshalb ist er ja auch unser Boss!“

Rückblende

Der Versammlungsleiter-es handelte sich selbtverständlich um Käpten Hornblewer- klingelte mit einem Glöckchen.“Ruhe im Kabarett!“, rief er
laut. Er meinte natürlich „Kabinett“, aber das fiel gar nicht weiter auf. Das Stimmengewirr verebbte: „Wer ist noch für rote, gelbe und blaue Punkte auf weißem Grund?“ Mit diesen Worten hob er selbst schon einmal die rechte Hand und blickte in die Runde. Der Segelmacher hob ebenfalls die rechte Hand und der Proviantmeister natürlich, kam doch der Vorschlag von ihm.
„Na, was ist?“, rief Hornblewer,“oder muss ich Euch das erst noch einmal erklären?“
Nun wollte keiner der Anwesenden zugeben, dass man ihm einen feststehenden Sachverhalt erst noch erklären muss, und so hoben die restlichen Stimmberechtigten zögerlich nach und nach die Hände zur Zustimmung.
„Einstimmig angenommen“, säuselte Hornblewer milde,“ ich wusste doch, dass ich es hier mit intelligenten Köpfen zu tun habe“, lobte er seine Mannschaft. Und somit war es beschlossen.

„Ende der Sitzung nach 10 Glasen“, notierte er als Schriftführer in sein Sitzungsprotokoll. Zehn Glasen? Damit war wohl weniger die Uhrzeit gemeint als die Menge an Rum, die während der Sitzung durch die Kehlen der lieben Piraten geflossen  war. Für den Ort des Geschehens fügte er hinzu:“Cara-Mia, 54Grad 7 Minuten Nord , 0 Grad 22 Minuten West.“
Wer es nicht glaubt, schaue auf dem Globus nach und wird überrascht sein!

„Schiff Steuerbord voraus“, rief Amos, das Piratenschaf, vom Mastkorb hinunter und blökte einige Male aufgeregt: „Ein rotes Teufelsding hüpft da auf uns zu!“
Hornblewer spähte durch sein messingfarbenes Fernrohr. „Verflixt und zugenäht“, rief er und zog sein Teleskop noch dichter an die Nase, „das sind ja zwei Schiffe in einem und ohne Segel!“
Gegen den Wind war dumpfes Grollen zu vernehmen, das mehr und mehr anschwoll! „Da hol mir doch einer die Großmutter aus dem Sack!“
Nun konnte es auch der Rudergänger mit bloßem Auge erkennen.
„Alle Mann unter Deck!“, befahl der Piratenkapitän seiner Mannschaft!

„Ich übernehme die Verhandlungen!“ Was er nicht wusste: das rote hüpfende Ding war ein Katamaran, der Fahrgäste zur Insel Helgoland verschiffte und abends wieder in den Heimathafen brachte. Das Schiff schaffte mit seinen tausenden von Pferdestärken locker 40 Knoten, selbst bei Wellengang und starkem Wind. Für den Piraten war es der Teufel höchst persönlich.
Der Rudergänger wollte sich auch verdrücken. „Du bleibst natürlich“! befahl Hornblewer, „wer steuert sonst das Schiff, kapiert?“ Aber das rote Unding, welches auf die „Cara Mia“ zuraste, machte gar keine Anstalten, beizudrehen. Auf dem Oberdeck öffnete sich eine Luke und das finstere Gesicht des 1. Kanoniers erschien in der Öffnung: „Eine Breitseite?“, rief er hoffnungsvoll zu seinem Kapitän herüber. „Alle Mann unter Deck!“ brüllte Hornblewer zum zweiten Male, „das gilt auch für Dich! Das Ding reitet der Teufel persönlich!“ Bevor er einen weiteren Fluch ausstoßen konnte, stob das rote Schiff mit den zwei Rümpfen auch schon in einer riesigen Gischtwolke unter infernalem Getöse steuerbords vorbei. Noch in der Vorbeifahrt ließ das „Teufelsding“ ein drohendes Tuten hören, dass es den alten, kampferprobten Piratenkapitän in den Pluderhosen schlottern ließ.
Aus dem Mastkorb ertönte ein kräftiges Bööööh und noch eins. Wenig später verschwand das rote Schiff achteraus, eine mächtige Heckspur aus verquirltem Wasser hinter sich her ziehend. Es sah aus, als wenn die See kochte. Der Lärm schwoll langsam ab. Hornblewer atmete hörbar aus.
„Na also“, dachte er ,“der Teufel kann uns gar nichts“! Sofort hatte sein Gemütszustand  „Oberwasser“. „Alle Mann an Deck“, schrie er, „hopp, hopp, hopp, ein bisschen plötzlich, wenn ich bitten darf! Wo kein Eis liegt, darf gerannt werden!“
Als sich die Mannschaft auf dem Vordeck versammelt hatte, setzte Hornblewer zu einer seiner triumphschwangeren Reden an: „Seht ihr, Männer“, begann er in weltmännischer Selbstüberschätzung, „außer mir ist Amos, unser geliebtes Piratenschaf (Hormblewers Kuscheltierchen), so ziemlich das einzige Lebewesen an Bord, das die Situation richtig eingeschätzt hat“, und an den Kanonier gewandt mahnte er: „Du kannst den Teufel nicht erschießen, auch nicht mit einer Breitseite! Bevor du auch nur eine einzige Kugel aus dem Rohr hast, ist er dir aufs Kajütendach gesprungen und saust mit Dir in den Höllenschlund. Aber wenn du ihm die Stirn bietest und keine Furcht zeigst, dann wendet er sich ab. Ihr habt das alle gehört!“
Die Piraten begannen zu klatschen und ließen ihren Anführer hochleben: „Ein dreifach Hoch auf unseren Käpten!“, rief einer von ihnen. Hornblewer fühlte sich geschmeichelt: „Eine Sonderration Rum für alle“, rief er seinem Proviantmeister und Koch zu. Amos fragte aus seinem Mastkorb hinunter: „Für mich Kakao?“
Als Hornblewer zum Mast hochschaute, zwinkerte ihm Amos ein Auge zu.
Hornblewer schmunzelte:“Für dich wie immer Kakao!“
„Kurs Emden“, befahl er seinem Rudergänger und verschwand in seiner Kapitänskajüte, um auf der  entsprechenden Seekarte „ein Besteck“ zu nehmen.
„Aye, aye, Sire“, rief der Rudergänger, „Kurs Emden liegt an, sobald ich Gabel und Löffel kriege!“

Demokratie und freie Marktwirtschaft

Möglichkeiten der Einflussnahme

Die Problematik des gesellschaftlichen Zusammenspiels nimmt zu. Auf der einen Seite interkontinental, andererseits auf nationlaler Ebene. Die Gesellschaft hechelt den Ereignissen hinterher, sucht nach Ursachen und Lösungsmöglichkeiten. Viele Kräfte sind bemüht, nur wenige finden Lösungen, für sich und andere. Doch zunächst sei die Frage zu klären, worin Demokratie und freie Marktwitschaft ihre Unterschiede haben und ob es Zusammenhänge gibt, die auf Lösungen von Problemen hinweisen. Die Bedeutung der beiden Gesellschaftsformen ist den meisten Bürgern bekannt: Demokratie ist eine Staatsform, alle Gewalt geht vom Volke aus, die freie Marktwirtschaft ist, wie der Name schon sagt, eine Wirtschaftsform. Ihr steht eine Planwirtschaft entgegen, deren Normen vom Staat vorgegeben werden.

Bei der Staatsform besteht eine beschränkte Mitbestimmung durch das Individuum. Der Einzelne hat durch die freie Wahl, die Möglichkeit, eine Partei, von der er ausgeht, dass sie seine Interessen weitgehend umsetzt, für die Dauer von vier Jahren in bestimmte Gremien zu wählen und zwar auf kommunaler Ebene, in den Land- und in den Bundestag. Innerhalb einer Legislaturperiode sind die gewählten Vertreter laut Grundgesetz nur ihrem Gewissen gegenüber verpflichtet. Eine direkte Einflussnahme auf gesellschaftlich relevante Entscheidungen hat der Wähler während dieses Zeitraumes nicht. Ein Volksbegehren gibt es derzeit nicht.

Bei der Wirtschaftsform jedoch ist eine unmittelbare Einwirkung auf Produkte oder Dienstleistungen durch Kaufverhalten oder Inanspruchnahme durch das Individuum möglich. Es kommt hierbei auf das Konsumverhalten des Individuums, das durch Werbung oder Nachahmeffekte beeinflusst wird, an.

Der „Konsument“ ist sich seiner Macht – so scheint es – überhaupt nicht bewusst, mit der er den zumeist materiellen Angebotsüberfluss beeinflussen kann. Durch das Konsumverhalten bestimmen die Käufer – man spricht leidenschaftslos vom „Verbraucher“- über Bestand, Aufschwung oder Niedergang von Firmen oder Firmengruppen. Angebote werden über das Preis-Leistungsverhältnis angenommen oder vom Kunden verworfen. In der Fachsprache wird die Vokabel Mitbewerber benannt, wenn sich mehrere Unternehmen mit einem Angebot um die Gunst der Kunden bemühen. In Wirklichkeit handelt es sich um gnadenlose Konkurrenzkämpfe, die über das Wohl oder Wehe der Unternehmenszweige entscheiden. Das ist bekannt und nichts Neues.

In der vergangenen Woche hätte die „Air Berlin“ Konkurs anmelden müssen. Gestreckt wurde das Insolvenzverfahren durch einen Zuschuss aus der staatlichen Bank für Wiederaufbau in Millionenhöhe, so dass bestehende Buchungen in einem bestimmten Zeitrahmen noch abgewickelt werden können, bevor Teile des Unternehmens an andere Fluggesellschaften verkauft werden. Erst vor kurzem meldete die Alitalia den Konkurs an. Wie kann es geschehen, dass Fluggesellschaften durch die Preisgestaltung ihrer Flugrouten bzw. Flugziele mit oder ohne Verflechtung von Reiseunternehmen in die roten Zahlen rutschen?

Der „Konsument“ vergleicht in Reisebüros die Angebote mit denen, die im Internet zu buchen sind. Dabei achtet er genau auf die Endpreise bei gleicher Flug- und Hotelbuchung im Urlaubsland seiner Wahl. Der gesunde Menschenverstand müsste dem Individuum eigentlich sagen, dass ein Hin- und Rückflug mitsamt einer Woche Halbpension in einem Dreisternehotel in Tunesien für 265.-€ in der Vor- oder Nachsaison nicht der Realität entspricht. Für diesen Preis käme ein Kunde mit dem Taxi nicht von z.B. Hamburg nach Berlin-Mitte – und das ohne Halbpension und Übernachtung in einem Hotel. Auf der anderen Seite achtet das Bundeskartellamt darüber, dass Fluggesellschaften keine Preisabsprachen treffen. Dem „Konsumenten“ ist es völlig egal, ob er durch seinen überzogenen Geiz für tausende verlorener Arbeitsplätze verantwortlich ist. Er übersieht gerne, dass gute Qualität von Waren oder Dienstleistungen ihren Preis einfordern, zumal viele Menschen die Qualität von Möbeln, Werkzeugen und Maschinen überhaupt nicht beurteilen können – um nur einige Beispiele zu nennen. Es scheint erschreckend, dass so viele Menschen sich von dreister und hirnloser Werbung beeinflussen lassen und dann bereit sind, einen höheren Preis zu bezahlen z.B. wenn ein Bier aus Felsquellwasser gebraut wird, ein Bier, das auf Glyphosat getestet wurde – wie viele andere Biersorten auch – und positiv war. Nun fragt sich der kritische Verstand, wie Glyphosat in das Felsquellwasser gelangt ist, wärend das Brauwasser aus Bremen keine Spuren von Glyphosat nachwies. Ein Wasser aus einem tiefen Brunnen unter einer Großstadt? Dass der „Verbraucher“ die teure Werbung aus dem TV mit der von ihm erworbenen Kiste Bier mitbezahlt, müsste ihm eigentlich einleuchten.

Wie irrationell der „Verbraucher“ agiert, wird auch aus seinem Verhalten deutlich, wenn er an Kreuzfahrten teilnimmt, die durch ihren Schweröltreibstoff dafür sorgen, dass gewaltige Mengen von Kohlendioxyd und Ruß in die Umwelt gelangen, Auf der anderen Seite werden Erderwärmung und Zunahme von Stickoxyden beklagt. Wie leicht könnte Druck auf die Reedereien ausgeübt werden, wenn der Reise- und Entdeckungslustige nur noch Reisen mit Schiffen buchen würde, deren gewaltige Motoren ( oft drei bis vier Hauptantriebsblöcke und 4 bis 8 Nebenaggregate für die Stromerzeugung) mit Katalysatoren ausgerüstet würden. Natürlich würde der Buchungspreis um ca. 100.-€ steigen. Ein Kreuzfahrtschiff der neuesten Generation kommt ohnehin erst nach vielen, vielen Jahren in die Gewinnzone bei einer „Laufzeit“ von ca.vierzig Jahren, bevor es verschrottet wird. Die drohenden Umweltkatastrophen können dementsprechend nicht so ohne Weiteres weder dem System angelastet werden noch den Politikern, die dieses System vorantreiben, auch wenn es von Lobbyisten und Analysten beeinflusst wird. Die Frage wäre noch zu klären, wann das System der freien Marktwirtschaft zu einem Raubtierkapitalismus entartet, der früher oder später den völligen Niedergang einer Gesellschaft nach sich zieht. Der Besitzstand des Einzelnen beruht in vielen Fällen auf Armut und Ausbeutung anderer. Auf eine weltweite Solidarität der begüterten Gesellschaften mit den armen Gesellschaften beispielesweise in Afrika, Pakistan oder Indien wird umsonst hingewiesen. Das Argument:“Mir schenkt auch keiner etwas“ scheint die Gewissen der meisten Menschen zu beruhigen. Wenn sich in der Einstellung des Individuums zu seiner und anderen Gesellschaften und zum Planeten selbst, der uns trägt, nichts wesentlich ändert, kann der Zukunft keine günstige Prognose eingeräumt werden.

Prost! Austrinken! Noch sind wir!

 

 

Die Qual der Wahl

Was hat das Eine mit dem Anderen zu tun?

„In wenigen Wochen sind Bundestagswahlen!“ „Jo, Hermann, ick weit woll!“ „Un? Geihst wählen?“ Die kurze mundartgerechte Einführung gab seinem Kumpel Jupp die Gelegenheit, auf seine neueste Aktivität hinzuweisen: „Über das Internet wurde ich auf die Möglichkeit aufmerksam, dass engagierte Wähler Fragen an einen Wahlkreispolitiker/In ihrer Wahl stellen können. Das habe ich gemacht, denn Fragen zu stellen ist die aktive Politik des kleinen Mannes.“

„Wem hast du welche Frage gestellt?“ wollte Opa Hermann jetzt genau wissen. „Na ja, bei uns ist das Gitta Connemann“, meinte Jupp, „ob die nun omnipotent ist, kann ich nicht sagen, aber omnipresent ist sie auf jeden Fall, und immer mit Presse.“ „Und welche Frage hast du über dieses Portal an sie gestellt?“ „Ich habe geschrieben: „Liebe Gitta Connemann (CDU), sind Sie mir böse, wenn ich bei der kommenden Bundestagswahl Frau Wagenknecht wähle?“
„Und? Hat sie dir geantwortet?“ „Bis heute nicht. Aber das Moderatorenteam hat die Frage zugelassen, wie mir mein E-mail Programm flüsterte.“
„Fragen stellen, Fragen stellen“, echote Opa Hermann, „das ersetzt doch keinen Willensaustausch!“ „In Bezug auf wichtige Entscheidungen z. B. bei der Außenpolitik könnte das gewisse Rückschlüsse ergeben“, behauptete Jupp mit heftigem Kofnicken. „Auf die Frage, wie reagiert Ihre Partei auf die Tatsache, dass fünfundfünfzig Prozent der Deutschen die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland fordern?“ „Nee, nee, nee“, regte sich Opa Hermann auf, „das kannste doch nicht deine Wahlkreistante fragen, das musst du Frau Merkel fragen! Denn auch in einem Matriarchat wie Merkel, Von der Leyen und Co. gibt es immer eine Älteste, das solltest du stets im Hinterkopf behalten, wenn du sinnlose Fragen an die falschen Köpfe stellst.“ „Ich weiß gar nicht, was du gegen ein Matriarchat hast“, maulte Jupp, „es sind doch jetzt überall Frauen in wichtigen Positionen, die einzigen, die bis jetzt standhaft geblieben sind, sind der katholische Klerus und das Dreigestirn beim Kölner Karneval. „Ich finde Männer mit blonden langen Zöpfen total geil!“
„Und alte Säcke in Frauenkleidern aus Gardinenstoff, oder wer oder was?“ Opa Hermann kicherte in sich hinein. „Jetzt gehst du aber unter die Gürtellinie, altes Steigeisen!“ „Nee“, sagte Opa Hermann, „ich hab nix von Messdienern verlauten lassen! Häme kommt nicht aus meinem Mund!“ „Komm, komm, komm, alter Freund, etwas Selbstkritik wäre aber angebracht, ich drücke es jetzt mal vorsichtig aus: Häme ist dein zweiter Vorname.“ „Nee, das ist Satire“, behauptete Opa Hermann stur, „Häme ist, wenn ich zu einem katholischen Pfarrer sagen würde, dein Latein ist schlecht, wie kann man nur den Alkohol hervorheben in einer Predigt von wegen „spiritus sanctus?“
„Aber mal etwas Anderes, wie kommst du von Politik auf Katholizismus? Ich meine, den Zusammenhang mit Karneval verstehe ich ja noch.“ „Ja, habe ich das „C“ in die Union eingebracht? Das kommt garantiert aus Bayern, das ist bayerischer Import! Wie kann man eine unchristliche Partei mit einem Glaubensanspruch unterwandern?“ „Was meinst du konkret mit unchristlich?“ „Rüstungsteile, ganze Panzer nach Saudi-Arabien verkaufen, als wüsste niemand im Bundestag, dass die gerade dabei sind, den Jemen plattzumachen!“ „Jemen, Jemen, das sind doch die, welche noch Hände abhacken und steinigen!“ „Das ist dort juris prudens, eine gut fundamentierte alte Rechtsprechung!“ „Ooch komm!“ „Wer zweimal beim Klauen erwischt wird, der kann anschließend weder Messer noch Gabel halten!“ „Brauchst auch nicht unbedingt, hast du schon jemals bei Mc Donald gesehen, dass die Leute da mit Messer und Gabel essen?“

„Wo waren wir stehen geblieben?“ „Bei Frau Connemann! Wenn sie aus dem Urlaub aus Cornflakes zurück ist, wird sie meine Frage vorfinden!“ „Du meinst Cornwall?“ „Ist doch dasselbe, total koscher!“ „Au Backe, Jupp, deine Orthografiekenntnisse sind aber nicht berauschend!“ Und deine Geografiekenntnisse auch nicht!“ „Wie kommst du jetzt auf Geografie?“ „Na, bekannt nach dem Geodreieck, weißt schon, Mengenlehre!“

Opa Hermann und der „homo sapiens“

Wer den „Hermann macht“ kann auch Friedhelm heißen

  Teichgespräch, Folge 40: Opa Hermann und sein Kumpel Jupp hatten den „Sechserträger“ Pils ohne Glyphosat-Spuren bereits ziemlich geleert. „Dass ausgerechnet ein Bier ohne Glyphosat-Spuren aus den Tiefen einer Großstadt kommt, ist schon merkwürdig“, gab Jupp gerade zu bedenken. „Ist für mich logisch“, erwiderte Opa Hermann,“ in einer Großstadt werden keine Pflanzenvernichtungsmittel gespritzt, so wie auf den großen Agrarflächen der Landwirtschaft. In den Großstädten hätten die Insekten noch Chancen zu überleben, keine flächendeckenden Pestizide, Fungizide, kein Glyphosat (Unkrautvernichtungsmittel). Aber die Bienen müssten sich von Balkonpflanzen ernähren!“ „Ja, ja, ja, der homo sapiens!“ Jupp legte seine Stirn in Falten und nuckelte an seiner Bierflasche. „Kennst du einen, Hermann?“ „Einen weisen, erkenntnisreichen Menschen? Also nicht direkt, aber einer hieß Friedrich Hegel! Er hatte mehrere Schriften verfasst, eine handelt von der „Vierfachen Wurzel vom zu reichenden Grunde“!“ „Näääää!“ „Dooooch!“ „Das muss aber ne dicke Wurzel gewesen sein!“ „War es auch!“ „Sag nicht, dasse dat auf der Bergmannsschule gelernt hast!“ „Opa Hermann grinste: „Das war ein deutscher Philosoph, der es unter anderem auch mit der Morallehre hatte! Mich stört nur dabei, dass er sein Werk mit einem Worwort dem Kaiser untertänigst angeboten hatte, in der Hoffnung, dass es in den deutschen Universitäten als Lehrstoff verbreitet würde.“ „Und ? Wurde es als Lehrstoff verwendet?“ „Nicht in seiner gesamten Komplexität!“ Das lag mehr oder weniger daran, dass er seine Erkenntnisse in Form von Thesen und Antithesen quasi verschlüsselt darbot, nach dem Motto: Wenn es nicht so ist wie beschrieben, dann steht dem dieses oder jenes als Erkenntnis entgegen!“ „Ja, ja, man muss ja auch nicht immer Recht behalten!“Die beiden Männer lachten.

„Es geht doch immer nur um das eine“, seufzte Opa Hermann gedankenschwer, „um Macht und Geld! Dabei gehen Macht und Besitz in eine Hand über! Es wäre sehr schön, wenn die Menschen ohne Macht leben könnten, also Macht durch Kompetenz ersetzten.“ „Der Mensch nimmt sich zu wichtig“, stimmte Jupp zu, „wäre er weniger ehrgeizig, würden wir bestimmt noch mit der Keule herumlaufen!“ „Na schau dir doch die Geschichte an, Napoleon, Hitler! Ganz Europa hat vor denen gezittert – und wie sind sie geendet? Völlig kläglich, ja ehrlos!“
„Meine Mutter hat immer gesagt: Was man sich einbrockt, das muss man auch auslöffeln!“ Opa Hermann ergänzte die Aussage durch den Ausspruch seines Vaters:“ Was auf dem Teller ist, wird aufgegessen!“

„Das ist aber nicht dasselbe“, warf Jupp ein. „Das geht mehr in die Richtung:“Iss auf, damit du groß und stark wirst!“ „Ja, ja, wie „Ekel Alfred Tetzlaf“! Im Übrigen sollte es sich der Mensch angewöhnen, etwas unter der Oberfläche zu kratzen. Die meisten Menschen denken doch, dass sie der „King of Currywurst“ sind, wenn sie etwas besitzen!“ „Aber nur so funktioniert unsere Wirtschaft. Wenn alle Menschen wie du dreißig Jahre lang mit einer Cordhose rumlaufen würden oder einen 20 Jahre alten Trabbi fahren, dann wäre unsere Wirtschaft schon vor zehn Jahren zusammengebrochen.“ „Nee, nee! Hast du deine Couchgarnitur mal umgedreht und nachgesehen, wie der Bezug am Kistenrahmen festgetackert ist?“ „Welche Couchgarnitur?“
„Ich jedenfalls wohne auf einer Sperrmüllplantage“, verkündete Jupp stolz. „Es gibt genügend Reinigungsmittel und Duftsprays, aber einen Trabbi fahre ich nicht, sondern einen neuen SUV aus Südkorea. Wenn dein Freund Hegel den gehabt hätte, hätte er die Antithesen weggelassen, von denen du sprachst. Das Auto hat fünf Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung und kann mit seinem Motoröl dreißigtausend Kilometer fahren, bevor es gewechselt werden muss! Übrigens, der „mainstram“ wird in Funktion gebracht wie die Sommermode von „St. Mauk Di Nichnackich, Paris“! Und dann wäre noch die Antwort auf die Frage zu finden, wer zuerst war, der „mainstream“ oder der Kapitalismus?“ „Das ist schwer zu beantworten“, jammerte Opa Hermann, „jedenfalls funktioniert der Kapitalismus nicht ohne den „mainstream“!“ „Sehe ich auch so“, stimmte Jupp zu, „aber da greifen noch andere menschliche Eigenschaften mit hinein, zum Beispiel der Jagdtrieb, der Sammeltrieb, der Ehrgeiz des Individuums, besser sein zu wollen als der Nebenstehende.“ „Da kommt ganz schön was zusammen.“  „Du hast die Bosse vergessen in Deiner Aufzählung, die Großbanken, Unternehmungsführungen, Vorstände, Aufsichtsräte und Politiker und die Lobbyisten, welche Einfluss auf die politischen Machtverhältnisse nehmen. Ohne die funktioniert kein Kapitalismus. Und kapitalistische Unternehmensführungen brauchen den Absatz, um nochmal auf die alte Cordhose zu sprechen zu kommen!“

„Übrigens, in Bezug auf Deinen neuen SUV, lieber Jupp,“ spottete Opa Hermann und grinste hinterhältig, „wenn du mal ohne Benzin liegen bleibst, dann nimmst du die Batterien aus deiner „Maglight“ – Taschenlampe und fährst elektrisch weiter! Du wirst nie ne rote Socke!“