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Kerniger Künstler mit kleinem Knall

GA-Serie (5) Seit gut 25 Jahren lebt und wirkt der Maler und Bildhauer Hartmut T. Reliwette in Idafehn (von Ole Cordsen)

IDAFEHN – Ob Hartmut T. Reliwette einen kleinen Knall hat? Getuschelt haben dies schon manche Leute, die ratlos vor seiner Kunst standen. Vor allem aber sorgte er für einen Knall bei seiner Ankunft in ldafehn-Nord. Genauer gesagt, ließ er es gleich zehnmal knallen. Hinter der Scheune seines frisch renovierten Hauses hatte Reliwette zehn Fernseher gestapelt. Und für die Auftakt-Aktion in seiner neuen Heimat zielte er mit einem großkalibrigen Revolver und schoss. Krachend zersplitterten die Mattscheiben und Bildröhren. Aus Furcht versteckten Schaulustige sich hinter Hausecken und Gebüschen. Das war damals, vor gut 25 Jahren.

„Stimmen (D)eines Herrn“ hatte Reliwette, nach eigener Auskunft ein Freund und Weggefährte des berühmten Aktionskünstlers Joseph Beuys, diese Aktion genannt. „Ich wollte symbolisch das leere Gebrabbel der Fernsehsender stummschießen, dem viel zu viele Menschen hörig waren und sind“, sagt er heute. Dann schiebt er seinen Hut aus der Stirn, schenkt im Wohnzimmer seines Hauses Kaffee ein und blickt auf das Vierteljahrhundert zurück, das er in Ostfriesland lebt. „Ich habe tolle Nachbarn. Wir nehmen und mögen uns, wie wir sind.“
Überbleibsel seiner oft politisch motivierten Aktionen tummeln sich unter dem Dach seines Hauses. Dort hat Reliwette ein Museum in eigener Sache eingerichtet. Scherben einer Terracotta—Rakete liegen darin. Die wollte Reliwette in den 80er Jahren in einem Osterfeuer festbrennen — als Protest gegen die geplante Stationierung amerikanischer Pershing II—Raketen in Deutschland während des Kalten Krieges. Auf einem Beistelltisch steht ein Kaffee-Service, das Reliwette modelliert hat. Der Zuckerstreuer ähnelt einer Handgranate, die Kanne ist dem Geschützturm eines Panzers nachempfunden. Dabei geht es Reliwette um das Gegenteil von Gewalt. „Ich kämpfe für den Frieden“, sagt er. Wenige Wimpernschläge später berichtet Reliwette von einem Besuch in der Kunsthalle in Emden, wo er vor kurzem war und den Slogan „Kunst mit allen Sinnen genießen“ entdeckte. „Dafür ist Kunst doch nicht da. Sie soll zum Denken anstoßen, aufrütteln, Inhalte vermitteln. Sie muss ihrer Zeit voraus und im Leben anwendbar sein. Sonst wird Kunst belanglos“, sagt der 66-Jährige.
Er selbst, der den Großteil‘ seines Lebens im Ruhrgebiet gelebt hat, arbeitete bis 1998 gut 20 Jahre lang in Gelsenkirchen als Kunst-Therapeut im Gefängnis und regte die Sträflinge über die Kunst zum  Nachdenken an. Der studierte Maler machte sich vor allem durch Performance-Kunst einen Namen und arbeitet heute vomehmlich als Bildhauer und Schriftsteller.
Nach Idafehn zog Reliwette, „weil ich nach einem Eklat bei einer Performance in Essen 198l einen geschützten Raum zum kreativen Schaffen gesucht habe“, Weil er als Kind die norddeutsche Küstenregion geliebt habe, sei er über Umwege nach Idafehn gelangt, wo ihn neben der Ruhe auch die netten Nachbarn überzeugten. Die Kontakte zur Künstlerszene im „Pott“ hält Reliwette telefonisch, „doch die engen Bindungen bleiben“, sagt er. Guten Kontakt habe er auch in Ostfriesland gefunden, etwa zu Autoren der Poetry-Slam-Szene. Die haben den Mann mit dem Knall ins Herz geschlossen und waren schon zu Gast auf der Bühne im Labyrinth hinter Reliwettes Haus, das er zu Ehren von Beuys aus Tausenden von Dornbüschen schuf.

Quelle: Generalanzeiger 27.März 2010

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Amos und das Interview

Gedruckt sieht alles so ganz einfach aus

Gestern war die Presse bei Opa Hermann. Der Journalist hatte sich für 11 Uhr angekündigt. Deshalb hatte sich der alte Herr in Schale geschmissen und seine neue Cordhose (15 Jahre alt) aus dem Kleiderschrank geholt. „Meine Güte, wenn das in den überregionalen Teil kommt!“ Niemand will sich gerne blamieren. Deshalb war Rentner Hermann am Tage zuvor noch schnell beim „haircutter“ gewesen. So nennt man heutzutage die Friseure, die weniger in althergebrachten „Salons“ werkeln als dass sie heutzutage in „Studios“ die Kundschaft zur „Schere bitten“. Entsprechend haben sich die Namen der Unternehmen dem Mainstream angepasst: „HAIRHUNTER“ -analog zu „Kopfgeldjäger“ – oder „HEIßE SCHERE“ anstelle von „SALON EPIDERMES“ (obere Hautschichten), was übrigens keine griechische Göttin war.
Derart gestylt blickte der Geschorene daheim in den inzwischen infolge „hoher Laufleistung“ patinierten großen Kristallspiegel aus dem vorigen Jahrhundert. Aber so oft sich der alte Herr auch drehte und wendete, es kam nichts wesentlich Neues dabei heraus. Opa Hermann hatte außer einigen fehlenden Ohr-, Nasen- und Augenbrauenhaaren das Studio so verlassen wie er es betreten hatte. Was ist auch an einer „Fast-Glatze“ groß herum zu schnippeln?
Um so größer war der Schock, als der junge Journalist sich mit Namen vorstellte und kurz und knapp den Anlass seines Besuches darlegte: „Unsere Redaktion beabsichtigt einen Bericht über ihr sprechendes Schaf zu veröffentlichen.“ „Ach, und deshalb sind sie hier?“ fragte Opa Hermann überflüssigerweise. „Ja, wir hatten doch telefoniert…“
„Aber nicht darüber gesprochen, dass Sie mit Amos, dem Piratenschaf, ein Interview machen wollen“, verteidigte der alte Herr seine störrische Haltung. „Ich war davon ausgegangen, dass Sie mich sprechen wollen“, fügte der etwas pressegeile Opa Hermann hinzu.
Der Zeitungsreporter druckste etwas herum, es war ihm sichtlich unangenehm. Wie sollte er erklären, dass eine Reportage über einen brummigen ehemaligen Bergmann nicht viel hergeben würde außer ein Gähnen bei der Leserschaft des beliebten Tageblattes, ohne Opa Hermann zu brüskieren?
„Na dann kommen Sie mal mit!“ Opa Hermann angelte sich im Vorbeigehen seine Arbeitsjacke vom Haken seines Garderobenständers: „Hier entlang bitte!“ Es ging zweimal links herum, einmal rechts um die Häuserecken und dann war nur noch Grünes: mehr lang und breit als hoch. In Sichtweite grasten zwei Schafe, welche die Ankömmlinge interessiert beobachteten. „Amos und Linda“, rief Opa Hermann, „ihr habt Besuch, die Presse ist da!“ „Was pressen die denn“? fragte Amos. „Heu?“
„O ja“, rief der Journalist begeistert, „tatsächlich, es spricht!“ Opa Hermann mischte sich ein: „Früher war das Drucken mittels Druckstöcken wirklich ein Pressen, heute verwendet man Matritzen per Computer, nur der Name ist geblieben: Zeitungsmacher = Presse!“ „Aha“, röhrte das Piratenschaf und fügte „Böööööh“ hinzu. „Verstehe“, erwiderte der Zeitungsmann und notierte etwas in seinen Notizblock. „Huch“, fügte nun Linda hinzu, „wie praktisch!“ „Ach, Sie sprechen auch? Darf ich „du“ sagen?“ „Bin noch keine sechzehn“, erwiderte Linda, das Schaf, „ich habe kein Problem damit!“
An Amos gewandt startete der Journalist die erste Frage: „Was bevorzugst du am liebsten im Speiseplan?“ „Den Plan“, sagte das Piratenschaf etwas irritiert. Dann dachte es einen Moment nach: „Weidegras!“ „Und an zweiter Stelle kommt…..“, wurde gefragt und Amos: „Weidegras!“

Das würde ein Schietinterview, so viel war sicher. Aber du kannst ein Schaf ja schlecht nach seiner bevorzugten Whiskeymarke befragen. Amos schien die Verlegenheit des Reporters zu bemerken und sagte von sich aus: „Ich spreche hannoversches Hochdeutsch und bei Opa Hermann Plattdütsk. Bei den lieben Piraten wird „Lakonisch“ gesprochen, das ist die Sprache der Frustrierten!“

Der Reporter schüttelte den Kopf wie ein Zugpferd, dem das Halfter zu eng geworden war. „Das ist ja unglaublich!“
„Amos ist schlau“, mischte sich jetzt Opa Hermann ungefragt ein, „das Schaf sollte in die Politik gehen, außerdem sind die Betriebskosten viel günstiger als bei einem herkömlichen Abgeordneten. Ich erinnere: Weidegras! Die Politik könnte es nebenher machen, neben dem Fressen. Die Wirtschaft ist ohnehin ein Selbstläufer, und der Zahlmeister ist schon zufrieden, wenn die Steuereinnahmen tüchtig sprudeln, nicht wahr Amos?“
„Bööööh“, machte Amos, und Opa Hermann frohlockte: „Sehen Sie, sag ich doch! Haben Sie mitgeschrieben?“ „Scheiß Interview“, dachte der Reporter, „läuft völlig aus dem Ruder!“
„Fragen Sie das Piratenschaf nach dem Wehretat“, stichelte Opa Hermann. „Ich bin doch nicht bekloppt“, ächzte der Journalist, „wem soll ich das denn auf die Nase binden?“
„Geht bei der Blödzeitung doch auch“, ereiferte sich der alte Bergmann, „was glauben Sie, was die aus der Story machen würden? Eine Fotomontage, das Piratenschaf mit dem Gesicht von Frau…“ „Hören Sie auf, das ist doch völliger Quatsch!“ „Ja, und genau den wollen die Leute lesen, die Realität kennen die Menschen doch zur Genüge! Außerdem geifern so furchtbar viele danach, manipuliert zu werden. Das ist die Volksseuche Nummer 1, nicht irgend ein Grippevirus. Ein nackter Frauenpopo ersetzt vier Philosophiebücher, junger Mann, wenn ich das mal so wertfrei in den Raum stellen darf!“
Linda hatte etwas abseits gegrast. Sie tat so, als ginge sie das alles nichts an. In Wirklichkeit bekamen ihre gespitzten Ohren jede Einzelheit des Diskurses mit. Sie war stolz auf ihren Mann, das berüchtigte Piratenschaf, das es sogar mit dem Leithammel Brutus aufgenommen hatte, wenn auch durch eine rasante Flucht.
Gerade hörte sie, wie sich der Journalist für das Gespräch mit den Worten bedankte: „Wenn mein Chef das so durchgehen lässt, wird der Artikel in der übernächsten Ausgabe erscheinen!“
„Wer ist sein Chef?“ zischte Amos zu Opa Hermann hinauf. „Das ist doch der bekannte Chefredakteur vom Tagesanzeiger, aber du hättest dem Reporter auch ein wenig zuarbeiten können.“ Dabei ließ der alte Herr ein verschmitztes Lächeln erkennen und zwinkerte mit dem rechten Auge.

Der alte Bergmann hatte sich nicht umsonst in seine „neue“ Cordhose geschmissen.

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Amos und die rote Kiste

Einhundertundzwanzig Knöpfe und doch kein Mantel

Die Märzsonne stand im blauen Azur, wärmte bereits mit ihren Strahlen Land und Flur. Amos, das Piratenschaf, hatte nach langer erfolgloser Suche endlich seine geliebte Schafsdame Linda gefunden und sie zu sich in Opa Hermanns Grundstück entführt. Na ja, im Grunde war es gar keine Entführung gewesen, denn Opa Hermann hatte sie bei ihrem Züchter ausgelöst. Nun waren sie zusammen und genossen die Vorboten des Frühlings auf der saftigen Wiese.
„O, meine geliebte Linda“, säuselte Amos soeben, „wie habe ich dich lieb!“ Linda errötete etwas unter ihrem Wollschopf und atmete hörbar aus: „Mein strammer Pirat!“
Das wäre wahrscheinlich noch eine Weile so weitergegangen, wenn nicht plötzlich ein wehleidiger Laut an Amos Ohr gedrungen wäre.
„Oh, du liebe Güte“, durchfuhr es das Piratenschaf, „es ist etwas mit Opa Hermann!“ Dessen Kate war ja nur einen Hammelsprung entfernt auf dem selben Grundstück gelegen. „Bleibe du nur lieber hier“, empfahl das Piratenschaf, „ich gehe mal nach dem Rechten schauen!“
„Pass auf dich auf“, antwortete Linda, „nicht dass es etwas Gefährliches ist, was dich erwartet!“
„Nein, nein, bin doch schon groß“, brüstete sich Amos. Je näher er dem Haus von Opa Hermann kam, desto eindringlicher wurden die Klagelaute. So ein Geräusch hatte das Piratenschaf vorher noch nie wahrgenommen.
Unter dem Fenster, aus welchem die Töne kamen, stand eine blaue Gartenbank, die Amos jetzt als Kletterhilfe benutzte, um in das Zimmer zu spähen. Aus dem halb geöffneten Fenster waren jetzt deutlich Wortfetzen zu hören. „Ein Schmerz“, schrie Opa Hermann gerade, der eine rote Kiste vor seinen Bauch gebunden hatte und „fährt hinaus auf Seeeee“, war zu vernehmen.
Die rote Kiste blähte sich auf, es mutete an wie ein altmodischer Heizkörper einer Zentralheizung, aber dem alten Mann gelang es immer wieder sie zusammenzudrücken. Dabei entstanden diese wehleidigen Klagelaute. Gerade maulte der alte Herr: „Musst nicht traurrrrrig sein!“ Offensichtlich versuchte er die rote Kiste zu beruhigen. Amos konnte sich keinen Reim auf das Geschehen machen. „Komisch sind die Menschen“, dachte Amos, „sie binden sich überflüssigerweise eine Kiste vor den Bauch und versuchen sie dann zu trösten!“
Der Zeitpunkt war gekommen einzugreifen. Opa Hermann musste unter allen Umständen gerettet werden. Das Piratenschaf spähte nach der Haustür. Sie war verschlossen, ebenso die angebaute Waschküche. Amos raste um das Haus. Eile war sichtlich geboten! Was wäre, wenn die rote Kiste den armen Opa Hermann erdrücken würde? Nicht auszudenken! Amos besann sich nicht lange, sondern raste in wilden Dreiecksprüngen zum Nachbarhaus und bumste mit seinem Schädel gegen die Eingangstür. Der Nachbar erschien in der Türfüllung: „Ach, du bist es, was gibt`s?“ „Komm schnell“, hechelte der Vierbeiner, „es ist etwas mit Opa Hermann, aber bring einen Dietrich mit, er hat sich eingeschlossen!“ Zusammen erreichten sie die Kate. Der Nachbar trommelte mit seinen Fäusten gegen die Hausür. Von innen war ein Rumoren zu hören, dann wurde die Tür entriegelt. Opa Hermann stand mit umgeschnalltem Akkordeon im Eingang. Der Nachbar rang nach Worten: „Dein Schaf hat mich alarmiert, es meinte, dir ginge es nicht gut, hätte verdächtige Geräusche aus dem Haus gehört! Was spielst du auch immer für nen Scheiß? Da rollen sich ja die Tapeten vor Rührung von den Wänden!“ Opa Hermann war entrüstet: „Du Kulturbanause“, giftete er seinen Nachbarn an.“ „Wieso ich?“ rief sein Nachbar, „du hättest ja dein Schaf beizeiten an die Geräusche gewöhnen können!“ „Geräusche? Geräusche? Ich glaube bei dir hackt es! Das einzige Geräusch, welches du akzeptierst, ist doch deine Kettensäge! Das geht von morgens bis spät in die Nacht! Vor dir ist doch kein Baum mehr sicher!“
„Kannst du überhaupt die Tonleiter?“ wollte Clemens jetzt wissen.
„Na klar: – do-re-mi-fa-so-la-ti-do.“ Dabei machte Opa Hermann komische Handbewegungen, so als wolle er einen Fisch aus einem Marmeladenglas fingern. „Das ist keine Tonleiter“, kommentierte Clemens, „das hört sich an wie das Morsealphabet!“ „Das Morsealpabet hat doch ganze Wörter, z.B. „Yankie“ und „Zulu“. Für „Z“ hätte man heute sicher „Zombie“ genommen.“ „Aber die Yankies sind doch nicht in Afrika bei den Zulus“, wendete Clemens ein. „Boa“, Opa Hermann verdrehte die Augen, „das Morsealphabet ist doch keine völkerrechtliche Gebietsangabe, sondern ein Übertragungsmittel, außerdem waren die Amis schon überall, meist als Besetzer.“ 

Irgendwann hatten sich die Gemüter beruhigt. „Wenn du schon mal da bist, Clemens, komm rein. Wir nehmen einen zusammen und danke, dass du mich retten wolltest!“ Die Männer betraten die Diele, Amos folgte ihnen. Er brauchte mehr Informationen. Deshalb ging er mit. Später könnte er Linda alles erzählen.
„Ich habe das Lied von Hans Albers gespielt“, erklärte der alte Mann seinen Besuchern, „ein Stück aus „Große Freiheit Nr.7“. Es ist unter dem Titel „La Paloma“ sehr bekannt geworden. Das ist nun mal ein wenig wehmütig, besonders die Stelle, in der es heißt: weit ist das Meer, wie groß muss der Himmel sein!“
„Ja aber Opa Hermann, wozu sind die ganzen Regler an dem Kasten, die vielen weißen und schwarzen?“ wollte das Piratenschaf wissen. „Na, die lösen die Töne aus, und die Regler nennt man Tasten. Man spielt eine Tonart, die wird durch Tonika, Dominante und Subdominante geregelt, also einen Dreiklang!“ Amos sagte: „Bööööööööh!“ „Fast richtig“, stellte Opa Hermann fest. „Du fängst in frühen Jahren mit der Musik an, lieber Amos! Ich habe zum Beispiel von meinem Vater einen Kamm bekommen, da fehlten nur drei Zähne (es war Nachkriegszeit). Der wurde in ein Stück Zellophanpapier eingewickelt, und man konnte herrliche Melodien darauf blasen. Das Geräusch, also der Ton, kam einem Saxophon schon sehr nahe, also wenn du nur auf dem Mundstück spielst, ha ha ha ha ha! Sonst gab es ja nichts, außer einem Volksempfänger, und da kam meistens Marschmusik heraus. Wusstet ihr, dass ein Saxophon ein Holzinstrument ist, obwohl es aus Blech besteht, aus zusammengelöteten Konservendosen?“

Amos und der Nachbar kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. „Bööööh“, sagte das Piratenschaf erneut.

„Ich spiele euch jetzt mal ein Stück auf meinem Schifferklavier vor, das passt in diese Landschaft, dann wisst ihr das nächste Mal Bescheid, bevor ihr mir die Tür eintretet.“ Opa Hermann verklärte seine Augen und griff in die Tasten. Er sang dazu folgenden Text:

„My Bonnie is over the ocean – my Bonnie is over the sea, my Bonnie is over the ocean – please bring back my Bonnie to me!“


„Nicht schlecht“, schluchzte Clemens, „wenn doch nur min Olschke wieder bei mir wäre…“
„Weshalb ist sie denn damals stiften gegangen?“ fragte Opa Hermann mitfühlend. „Das war die Zeit, als ich damit anfing, Trompete zu lernen!“

 

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Opa Hermann und die Kunst

Die Wirksamkeit der Kunst liegt „am“ Auge des Betrachters

  Opa Hermann hatte Besuch bekommen! Sein alter Zechenkumpel Jupp und dessen Frau Burgel hatten sich zum Tee avisiert. „Den Kuchen bringen wir aber mit!“ Der alte Herr hatte ein frisches Tischtuch aufgelegt und mitten darauf stand eine Blumenvase mit frischen Schnittblumen: kleine Röschen, frisch aus Afrika importiert für 1,99 Euro aus dem Discounter. „Frisch eingeflogen, extra für Euch“, erklärte er zur Begrüßung. „Eigentlich finde ich es nicht gut, dass den afrikanischen Bauern das Land abgeknöpft wird, damit dort riesige Flächen zum Blumenanbau entstehen, aber die Sträußchen standen schon in den Eimern – direkt hinter dem Eingang…“
Kurze Zeit darauf saßen die drei um den Küchentisch herum, tranken Tee und kosteten von der Joghurtrolle, die Burgel beim Dorfbäcker erstanden hatte. Wenn man sich in einer Gruppe von Freunden wohlfühlt, kommt auch schnell ein Gespräch auf.
Bei Burgel geht es meistens um Kunst. Da kennt sie sich aus. Sie besucht jede Ausstellung in der Gegend. Ihr Lieblingsmaler ist Vincent van Gogh, der Impressionist aus dem vorigen Jahrhundert.
„Das ist einer der ersten Maler, der im pointilistischen Stil gemalt hat. Seine Bilder setzen sich aus Pinselstrichen zusammen wie ein Mosaik“, erklärte sie den Männern mit hochrotem Kopf.
Wenn Burgel über Kunst reden konnte, war sie nicht mehr zu bremsen. Opa Hermann hielt seinen Kopf beim Zuhören etwas schief, was bei seiner Besucherin den Eindruck erweckte, er lausche intensiv ihren Ausführungen. In Wirklichkeit war diese Körperhaltung dem Umstand geschuldet, dass er auf einem Ohr nicht mehr so gut hören konnte. Als Burgel an einer Stelle ihrer Ausführungen Luft holen wollte, ergriff Opa Hermann das Wort, weil er dachte, sie sei fertig!
„Wir haben hier auch einen Dorfkünstler“, fiel der alte Herr ein, „ich weiß nicht, ob du ihn kennst?“
„Wie heißt der denn?“ wollte Burgel jetzt wissen. „Ob der überhaupt einen richtigen Namen hat, weiß ich jetzt nicht, aber wie der aussieht, das kann ich beschreiben: eine lange, hagere Gestalt mit einem Rauschebart, er hat ein altes Siedlerhaus an der Wieke! Auf einem Heuballen steht immer eine weißgescheckte Ziege.
In seiner Scheune ist angeblich eine Dauerausstellung seiner Bilder, und man soll da auch Tee trinken können!“
„Ja, von dem steht ja zuweilen etwas in der Zeitung“, meinte Burgel. „Er soll ein Schüler von dem Beuys gewesen sein, dem Kunstprofessor aus Düsseldorf.“ „Ist das der mit dem Hut?“ Opa Hermann warf einen triumphierenden Blick in die Runde. „Ja“, meldete sich jetzt Jupp zu Wort, „das ist der mit der Margarineecke!“ „Fettecke“, verbesserte Burgel. „Ja, dann eben Fettecke!“ Ihr Mann machte eine wegwerfende Handbewegung. „Jedenfalls ist unser Dorfkünstler ein Sonderling. Den versteht hier „keen enen nich“, der sieht aus wie das Leiden Christi, hohlwangig mit entzündeten Augen und macht einen auf Öko!“ „Habt ihr mal seine Skulpturen gesehen?“ wollte Opa Hermann wissen, „der soll ja alles mögliche von Schrottautos zusammenschweißen, also ein Auto zerlegen und falsch herum wieder zusammenbauen!“
„Das macht Sinn“, stichelte Jupp, „wenn ich mir so begucke, was sich VW in den letzten Jahren so geleistet hat! Zig Millionen Euro gab es für die Manager im Jahr und was kam dabei heraus? Ein Dieselmotor mit gefälschten Abgaswerten!“
„Na ja, ins Wohnzimmer möchte ich mir so eine Skulptur nicht gerade stellen. Würde auch gar nicht in meine Wohnstube passen“, meinte Opa Hermann.
Ich glaube nicht, dass ein Künstler, der solch ein Kunstverständnis hat, möchte, dass seine Skulpturen in einer Privatwohnung verschwinden. Das ist doch etwas für ein Museum, damit alle etwas davon haben“, ereiferte sich Burgel. „Na eine genießbare Kunst ist das jedenfalls nicht“, meinte Jupp.
„Ich tippe mal eher auf Unsinnsmaschine“, versuchte Burgel jetzt eine Deutung. „Das kommt der Sache vermutlich am nächsten. Und wenn man das weiter denkt, dann liegt doch nahe, dass der Zeitgenosse Künstler wohl der Auffassung ist, dass die Menschen sich mit zuviel unnützem Zeug befassen, wenn sie orientierungslos den Globus zertrampeln, oder?“ „Ich sag es ja, Hermann, wenn Burgel erst einmal loslegt, dann kannst du nur mit den Ohren schlackern!“ „Mir fällt da ein Witz ein“, sagte Opa Hermann, „der hat auch etwas mit Deutung zu tun. In einer äh Irr… nee, darf man ja nicht sagen, also ihr wisst schon Pünktchen, Pünktchen- anstalt wartet ein Insa… – nee, Patient auf seine Entlassung. Der sagt ständig, dass er sich eine Zwille (Schleuder) bauen und damit auf die Leute schießen will. Das lässt der Direktor aber nicht durchgehen. Jährlich erfolgt eine erneute Prüfung des Heilerfolges. Doch jedesmal sagt der Betroffene dasselbe: „Ich baue mir eine Zwille und schieße auf alle Leute!“ Im dritten Jahr sagt er aber zu dem Direktor: „Wenn ich entlassen bin, suche ich mir eine hübsche Frau!“ „Und was dann?“ will der Direktor wissen. „Die ziehe ich dann abends aus!“ „Und dann?“ fragt der Direktor hoffnungsvoll. „Dann nehme ich ihr Strumpfband, baue mir eine Zwille und schieße auf alle Leute!“

„Und was hat das jetzt mit Kunst zu tun?“ fragte Jupp leicht irritiert, „ich meine, worin besteht der Bezug? Im Unverständnis?“
„Das weiß ich jetzt auch nicht so genau, aber es hört sich gut an!“

Mit diesen Worten stand Opa Hermann auf, schnappte sich den Wasserkessel und ließ neues Leitungswasser einlaufen!

 

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Der Islam gehört – nicht – zu Deutschland

„Deutschland“ diskutiert, „Deutschland“ regt sich auf, wegen der hohen Zuwanderungsrate, wegen der Islamisierung des Abendlandes, wegen des „Aussterbens“ abendländischer Werte und und und….
Wen wundert es, dass die „Hutschnur“ platzt? Jeder wirft nach dem Anderen!
Womit? Mit Worthülsen! Auch die Bundeskanzlerin spricht mit einer Worthülse, die viele zu verstehen glauben, obschon sie nichts an Erkennt-nissen hergibt. Was heißt denn das im Klartext, der Islam gehört zu Deutschland?
Worin sind die Werte verankert, die dem westlichen Europa zugeschrieben werden? Reicht es, der Einfachheit halber auf die Verfassungen hinzuweisen, jene z.B. der Bundesrepublik Deutschland, welche bei der Staatsgründung 1949 auf die „neue Fahne gegossen“ und durch die Alliierten abgesegnet wurde?

Beziehen sich die Deutschen auf Vorgaben der Bibel, in welcher christliche Werte vermittelt werden? Wo steht in den zehn Geboten etwas von Gleichberechtigung? Auf welche Bibel wird überhaupt Bezug genommen?
Ist das Alte Testament gemeint. die etwa 3000 Jahre alte jüdische Bibel?
Ist das Neue Testament gemeint? Wo steht in den Testamenten, dass der
Mensch „Hexen“ verbrennen oder dass man dem „Teufel“ in einer exorzistischen Sitzung beikommen soll? Wo steht geschrieben, dass man im Namen Gottes Waffen segnet ?
Unsere abendländischen Werte mögen irgendwo von irgendwem erfunden oder aus welcher Stelle einer religiösen Botschaft auch immer abgeleitet
worden sein. Fest steht: die angesprochenen „Werte“ verbergen sich knallhart im BGB, im StGB, in der Strafprozessordnung und weiteren Gesetzestexten und ministeriellen Verordnungen.
Glückwunsch dem, der sie alle kennt!

All diese Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenlebens sind auch
Ergebnisse ethischer Lehren unserer zahlreichen Philosophen, auf welche eine Minderheit der deutschen Bevölkerung stolz ist, während der überwiegende Teil der Bevölkerung kaum ihre Namen aussprechen kann, geschweige denn ihre Werke gelesen hat.
Die  angesprochenen Grundlagen greifen ferner auf Hinweise zurück, die in der Literatur zu finden sind, auf die Lehren des Humanismus. Es gab eine „Zeitepoche der Aufklärung“, genannt sei an dieser Stelle John Locke, ein Engländer. Die Geistesbewegung der „Aufklärung“ ging tatsächlich von England aus, führte über Frankreich und Belgien bis nach Deutschland. Einer der deutschen Vordenker war der Philosoph Immanuel Kant. Das Prinzip, welches der „Aufklärung“ zugrunde lag, ist das des kritischen Verstandes, eine Grundlage überhaupt, eine Urteilsbefähigung zu erlangen (Kritik der reinen Vernunft).
Letztlich wachen Juristen als Formulierer und Vollstrecker darüber, dass die oben beschriebenen Gesetze eingehalten werden, vom Justizvollzug als dritter Säule einmal abgesehen.

Die christlichen Religionen haben sich im Laufe der Jahrhunderte entsprechend angepasst, nachdem der katholische Klerus noch im späten Mittelalter unsägliches Leid über Teile vorwiegend der unbelesenen Bevölkerung gebracht hatte. Selbst ein Astronom wäre der Willkür der Inquisition zum Opfer geworden, wenn er seine Erkenntnis, dass der Planet Erde nicht Mittelpunkt des Sonnensystems ist, nicht widerrufen hätte.

Viele Menschen in der BRD und in Europa wissen um diese Dinge. Doch viele von uns geben sich auch mit einer Worthülse zufrieden. Sie glauben zu wissen, was gemeint ist.

In Deutschland wird nicht akzeptiert, dass eine Frau hinter einem Mann zurückstehen muss. Das gilt auch für die Ehe. Beide Geschlechter sind vor dem Gesetz gleich, haben gleiche Rechte und gleiche Pflichten. Wer das nicht akzeptiert, der gehört nicht in die BRD, weil der Staat die Gesetze bestimmt, nicht die Kirche.

Andere Probleme ergeben sich bei der Beschneidung im Genitalbereich bei  beiden Geschlechtern aus religiöser Vorgabe. Nach deutschen ethischen Vorstellungen sollte die Person nach Erreichen der Volljährigkeit selbst entscheiden dürfen, ob sie einem solchen Eingriff bei sich zustimmt.

Das „Schächten“ soll nach behördlichen Vorgaben auf Schlachthöfen vorgenommen werden, keinesfalls auf Hinterhöfen in Wohnsiedlungen.

Der Bau von Minaretten stößt bei der Bevölkerung auf Widerstand, nicht die Errichtung von Moscheen. Wenn Minarette erlaubt werden sollten, dann mit Muezzin und / oder Lautsprecheranlage?

Gesetze können schnell geändert werden. Davor haben viele Angst. Sobald der Bevölkerungsanteil der Muslime einen gewissen Umfang erreicht hat, könnten geltende Machtverhältnisse per Gesetz völlig legitim gekippt und sogar ins Gegenteil verkehrt werden.
Wer heutzutage kontrovers diskutiert, sollte seine Argumente weitsichtig anlegen, zumal überall auf der Welt bürgerkriegsähnliche Brände entstehen. Aufstände, Massenmorde und Vertreibungen werden in den meisten Fällen von „Machtmenschen“ religiös unterlegt (bejahend oder verneinend), wenn  es darum geht, ihr Handeln als rechtmäßig vor „der Welt“ darzustellen. Darauf sei zu achten, nicht auf integrierte muslimische Bürger, die ihren Glauben still ausleben und nicht wie die IS einen Gottesstaat errichten wollen.

Es gilt: Wer die Staatsräson anerkennt, erfährt die Zustimmung der Religionsfreiheit durch das Grundgesetz. Und dies, meine Damen und Herren Zeitgenossen, sei auch Anhängern der AfD in ihr Tagebuch geschrieben.

 

 

 

 

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Fehlende Weitsicht macht blind

Alt ist das Motto! Was kann ich als einzelner Mensch im politischen Alltagsleben an Situationen ändern, die mir Angst machen, meine Familie bedrohen?
Es wird weggeschaut, verdrängt, hinter vorgehaltener Hand gemunkelt, geflüstert, eine bescheidene Meinung geäußert: „Wie denkst du?“ Angst geht um, das wird im Alltagsleben deutlich, Unsicherheiten machen sich bemerkbar, sie gelten dem Arbeitsplatz, dem Frieden in der Familie, der Situation mit den Flüchtlingen aus den vielen Krisenregionen. Neuerdings geht die Angst vor einem Krieg um, der seit vielen Jahren an vielen Orten der Welt geführt wird. Die deutschen Bürgerinnen und Bürger waren bislang nicht direkt betroffen.

Das deutsche Volk ist in die Europäische Union eingebettet. Ein Sprichwort besagt: „wie man sich bettet – so liegt man!“

Der unpolitische Bürger liegt bequem, stiehlt sich aus der Verantwortung: eine Sprachfloskel, die in jüngster Zeit umgeistert, ist: „Keine Ahnung“, und damit wird ein neuer Satz begonnen. Überall fangen – vor allem junge Menschen – jeden zweiten Satz mit „keine Ahnung“ an, um dann doch noch ein Statement anzufügen – im Glauben, dass man aufmerksame Zuhörer findet, wenn man dem Gedanken vorausschickt, dass er von jemandem entwickelt wird, der keine Ahnung hat.

Das Wahlalter wurde von 18 Jahren auf 16 herabgesetzt. Offensichtlich finden die Bewerber um Mandate die Anzahl der Stimmen wichtiger als ihre Qualität, denn der Waschmittelreklame der Parteien, die vor den Wahlen für den Umsatz der Papierindustrie sorgen, messen sogar inzwischen „Berufsignoranten“ keinerlei Bedeutung mehr bei.

Ein Wahlprogramm, das zukunftsträchtig bereits im Vorfeld alle zukünftigen Probleme mit den dazugehörigen Lösungsmechanismen anbietet, wurde bisher in Deutschland noch nicht angeboten. Also bedient sich der Bewerberapparat z.B. der „Volksparteien“ mit Aussagen wie:“Die Armen müssen reicher werden“ oder „Gerechtigkeit für alle!“ Empfehlenswert wäre auch ein Wahlslogan mit dem Inhalt: „Ein Fußball in jede Wohnstube!“

Was inzwischen weltweit aus dem Ruder läuft, ist mit der Erkenntnis zu beschreiben, dass es zur Mode wurde, aus einem großen Staat viele kleine zu machen, nachdem der mühselige Versuch gelungen ist, aus vielen kleineren Einheiten eine große zu gestalten.

Fehlende Weitsicht macht blind, und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass inzwischen die Mächtigen dieser Welt blindlings auf der Weltkarte herumstochern, um Veränderungen nach ihrem Kalkül herbeizuführen. Macht, Privilegien und Kapital sind seit Jahrtausenden die Weltplagen, welche die Menschen in die kriegerischen Auseinandersetzungen führten. Dabei ist das Kapital einer Gesellschaft die Summe aller Fähigkeiten, nicht das Geld (Zitat J.Beuys).

Zwei der größten Machtblöcke, Amerika und Russland, verstricken sich mehr und mehr in ein Machtgerangel, das sich auch in der Europäischen Union bemerkbar macht. Man sollte nicht danach fragen, wer von den beiden Machtblöcken mehr provoziert. Momentan ist es die Nato. Die EU lässt sich mehr und mehr auf die „politischen Vorgaben der USA“ ein. Der „Weltpolizist“ riss mit der Zugehörigkeit der europäischen Staaten zur Nato kriegerische Schauplätze auf der Welt auf und machte somit nicht nur die Bundesrepublik Deutschland zu unkritischen Mitläufern. Die Verweigerung der Bundesrepublik an einer kriegerischen Beteiligung gegen den Irak (Bundeskanzler Schröder) stellt sich heute im Nachhinein als weitsichtige Entscheidung dar.

Plötzlich lief es wie ein Fieberschock durch Ägypten und Syrien. Dabei war es kein „Frühling“, der den Beteiligten zartes Grün bescherte, sondern der Start zu Revolutionen und Revolten. Warnende Worte vom ehemaligen Auslandskorrespondenten, „Scholl-Latour“, der die Länder bereiste und über Insiderinformationen verfügte, wurden in den Wind geschlagen. Der Ruf des „Westens“ nach „Demokratie und Freiheit“ wurde von den Aufständigen auf Fahnen geschrieben, auch wenn der größte Teil der Betroffenen weder schreiben noch lesen konnte.

Der Aufstand auf dem Maidan-Platz, die Revolution der Ukrainer, fand im Westen auf fast solidarische Zustimmung, leider mit den Folgen, dass völlig unsinnige Referenden im Sinne einer stillen Revolution, die Entwicklung der politischen Entscheidungen völlig auf den Kopf stellten und schließlich zur Annektierung der Halbinsel Krim an das russische Staatsgebiet führten. Menschen sollten mit weitreichenden politischen Veränderungen mittels eines Referendums vorsichtig umgehen. (Ein Referendum ohne 2/3 Mehrheit ist überdies völlig unsinnig, wie es der „Brexit“ jetzt beweist).

Die Vorgänge in der Ukraine führten dazu, dass die baltischen Staaten, Estland, Lettland und Litauen um ihre Sicherheit fürchten in der Ahnung, auch noch von Russland vereinnahmt zu werden. Schon kommt die Nato wieder ins Spiel. Die Forderung nach deutscher Beteiligung wird laut. Selbst die Polen ergehen sich in Angst um die Sicherheit ihrer Grenzen, eine Hysterie unbeschreiblichen Ausmaßes macht sich breit. Zu Polen sei vorsichtiges Verständnis angemahnt, denn dieses Land ist bereits vor dem Zweiten Weltkrieg 5 mal geteilt worden, und Russland war hieran beteiligt.

Angeblich sprechen sich 80 Prozent der Bevölkerung gegen das Handelsembargo gegen Russland aus und ebenso viele gegen das Säbelrasseln der Nato in den baltischen Staaten, wie es der Außenminister Steinmeier kürzlich formulierte. Und schon wurde er von Abgeordneten einer Volkspartei kritisiert. Mitlerweile lässt auch der Vizekanzler Gabriel mit Hinblick auf die Abgrenzung zur CDU solche Töne hören. Die Umfragewerte der SPD sind alles andere als berauschend.

Ein Volksbegehren mittels Unterschriften richtete sich gegen das von den USA eingebrachte Handelsabkommen TTIP, so dass selbst in den Entscheidungsgremien der EU Zweifel an der Art und Weise aufkamen, wie die Wirtschaftsmacht der USA mit ihren „Partnern“ umspringt zumal die Wenigsten über Kenntnisse des englisch/amerikanischen Wirtschaftsenglisch verfügen und die Verbreitung des Inhalts an Bürger und Medien von den USA unerwünscht war. Dies stellt eine typisch amerikanische Übergehensmethode der Bürger dar, die von kritisch eingestellten Menschen nicht hingenommen wurde.

Es wird allerhöchste Zeit, dass die Bunderepublik vertrauensfördernde Gespräche mit der russischen Führung aufnimmt. Es ist eine unsinnige Einstellung, man könne z.B. mit Präsident Putin keine verbindlichen Verträge abschließen. Ein Vertrag mit Russland könnte zum Inhalt haben, dass Russland die Grenzen Polens und die Selbständigkeit der baltischen Länder garantiert und die Nato aus den Gebieten verschwindet.

Feindschaft zu den USA muss nicht entwickelt werden, Kritik allerdings muss sich ein Staat, zumal er sich der Demokratie verschrieben hat, gefallen lassen. Größere Sorgen sollte der mündige Bürger sich wegen eines eventuellen Wahlsieges des Präsidentenanwärters Trump machen. Auf die Frage eines Journalisten während einer Wahlveranstaltung Trumps, wie er denn zum Ku- Klux- Klan stehe, antwortete dieser: „Ich kann nichts darüber sagen, ich kenne die Herren nicht!“

Hartmut T. Reliwette

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Amos kehrt zurück

„Wer diskutiert weiß nicht was er will“

Das Piratenschaf hatte es sich im Mastkorb der „Cara Mia“ bequem gemacht und spähte das Meer nach Schiffen ab. Es hatte seine schwarze Augenklappe etwas hochgeschoben, weil sie die freie Sicht doch etwas behinderte. Hornblewer, der Piratenkapitän mit dem Schleppsäbel am breiten Gurt, hatte einen neuen Kurs ausgegeben. Demnach sollte zunächst Emden angelaufen werden. Später sollte der Segler bei auflaufender Flut die Ems stromaufwärts bis nach Leer entweder per Windkraft oder Treidelschlepp gelangen und im Leeraner Hafenbecken festmachen. Leer, so wusste man auf dem Piratenschiff, ist eine Teestadt. Die „Cara Mia“ hatte 14 Kisten Darjeeling-Tee geladen, die man mit erheblichem Gewinn verkaufen wollte. In der letzten Mannschaftssitzung vor einigen Tagen hatte ein Neuanstrich des Schiffes auf der Tagesordnung gestanden. Der langsam abblätternde schwarze Anstrich war nicht mehr zeitgemäß, und es waren tolle Vorschläge aus den Reihen der Piraten gekommen.
„Schwarz macht den Leuten Angst“, hatte der Segelmacher Louis in die hitzige Debatte eingebracht. Der krummbeinige Pirat mit der flammend roten Narbe über seinem linken Jochbein galt in der Mannschaft als besonders fortschrittlich – fast progressiv. Wenn er ein Segel flickte, so gerieten die Flicken immer zu mehr oder weniger großen Herzen. So bestand das Großsegel am Vorschotmast eigentlich nur noch aus lauter weißen Herzen, die sich vor dem ockerfarbenen Segeltuch deutlich abhoben. In jedes Herz stickte Lois seine Initialen ein: L.B. Das stand für Louis Belsace.

Der gelernte Segelmacher hatte einst an einem Patchwork-Kurs in Frankreich teilgenommen, einer besonderen Form der Flickenschneiderei, bevor er sich für die Piratenlaufbahn entschieden hatte.

Ibrahim, der immer finster dreinblickende 1. Kanonier des Schiffes, hatte seinen schwarzen Wuschelkopf geschüttelt und sich dagegen ausgespro-
chen: „Da halte ich nicht viel von“, hatte er gemault, „wir verlieren an Ansehen und Gefährlichkeit. Ich bin weiterhin für schwarz!“.
Er kam sich ohnehin ziemlich überflüssig vor, denn er konnte sich nicht daran erinnern, dass auch nur eine seiner ständig blank geputzten Kanonenkugeln gegen ein anderes Schiff zum Einsatz gekommen wäre.
Wenn geschossen wurde, dann nur Salut, weil das 3/4 Vollschiff über kein Nebelhorn verfügte, mit dem man vorbeifahrenden Schiffen einen tüchtigen Schrecken einjagen konnte.
Der Proviantmeister und Schiffskoch, Vanbrat, hatte sich für rote, gelbe und blaue Punkte auf weißem Grund entschieden. Er sah während der Überfahrten das Schiff ohnehin nur von innen, musste ständig mit Töpfen und Pfannen hantieren und hatte schon mehrmals darüber geklagt, dass ihm niemand beim Kartoffelschälen helfen wollte.
Kartoffelschälen ist  für einen Piraten undenkbar! Der Käpten musste sich jedesmal etwas ausdenken, um zwei, drei Leute abzustellen, die dem Koch bei Verrichtungen in der Kombüse behilflich waren.

Zum Beispiel ließ er die Mannschaft antreten und führte eine „Kleiderinspektion“ durch. Wem ein, zwei oder drei Knöpfe an Jacke, Hemd oder Hose fehlten, hatte sich für mehrere Tage für den Küchendienst qualifiziert, entsprechend der fehlenden Knöpfe.
Ein anderes Mal hatte er gesagt: „Mal herhören, wer als erster „hier“ schreit, der….“ Weiter kam er nicht. Drei der Piraten hatten sofort „hier“ gebrüllt in der Erwartung, es gäbe eine Sonderration Rum. Doch der raffinierte Käpten beendete seinen angefangenen Satz mit: „Der hilft dem Koch beim Kartoffelschälen“.  Schon hatte er drei Rufer beim Wickel.

„Der Käpten ist ganz schön ausgebufft“, gab sich einer der „Freiwilligen“ geschlagen“. Die beiden anderen stimmten ihm zu: „Dem kommen wir nicht bei, deshalb ist er ja auch unser Boss!“

Rückblende

Der Versammlungsleiter-es handelte sich selbtverständlich um Käpten Hornblewer- klingelte mit einem Glöckchen.“Ruhe im Kabarett!“, rief er
laut. Er meinte natürlich „Kabinett“, aber das fiel gar nicht weiter auf. Das Stimmengewirr verebbte: „Wer ist noch für rote, gelbe und blaue Punkte auf weißem Grund?“ Mit diesen Worten hob er selbst schon einmal die rechte Hand und blickte in die Runde. Der Segelmacher hob ebenfalls die rechte Hand und der Proviantmeister natürlich, kam doch der Vorschlag von ihm.
„Na, was ist?“, rief Hornblewer,“oder muss ich Euch das erst noch einmal erklären?“
Nun wollte keiner der Anwesenden zugeben, dass man ihm einen feststehenden Sachverhalt erst noch erklären muss, und so hoben die restlichen Stimmberechtigten zögerlich nach und nach die Hände zur Zustimmung.
„Einstimmig angenommen“, säuselte Hornblewer milde,“ ich wusste doch, dass ich es hier mit intelligenten Köpfen zu tun habe“, lobte er seine Mannschaft. Und somit war es beschlossen.

„Ende der Sitzung nach 10 Glasen“, notierte er als Schriftführer in sein Sitzungsprotokoll. Zehn Glasen? Damit war wohl weniger die Uhrzeit gemeint als die Menge an Rum, die während der Sitzung durch die Kehlen der lieben Piraten geflossen  war. Für den Ort des Geschehens fügte er hinzu:“Cara-Mia, 54Grad 7 Minuten Nord , 0 Grad 22 Minuten West.“
Wer es nicht glaubt, schaue auf dem Globus nach und wird überrascht sein!

„Schiff Steuerbord voraus“, rief Amos, das Piratenschaf, vom Mastkorb hinunter und blökte einige Male aufgeregt: „Ein rotes Teufelsding hüpft da auf uns zu!“
Hornblewer spähte durch sein messingfarbenes Fernrohr. „Verflixt und zugenäht“, rief er und zog sein Teleskop noch dichter an die Nase, „das sind ja zwei Schiffe in einem und ohne Segel!“
Gegen den Wind war dumpfes Grollen zu vernehmen, das mehr und mehr anschwoll! „Da hol mir doch einer die Großmutter aus dem Sack!“
Nun konnte es auch der Rudergänger mit bloßem Auge erkennen.
„Alle Mann unter Deck!“, befahl der Piratenkapitän seiner Mannschaft!

„Ich übernehme die Verhandlungen!“ Was er nicht wusste: das rote hüpfende Ding war ein Katamaran, der Fahrgäste zur Insel Helgoland verschiffte und abends wieder in den Heimathafen brachte. Das Schiff schaffte mit seinen tausenden von Pferdestärken locker 40 Knoten, selbst bei Wellengang und starkem Wind. Für den Piraten war es der Teufel höchst persönlich.
Der Rudergänger wollte sich auch verdrücken. „Du bleibst natürlich“! befahl Hornblewer, „wer steuert sonst das Schiff, kapiert?“ Aber das rote Unding, welches auf die „Cara Mia“ zuraste, machte gar keine Anstalten, beizudrehen. Auf dem Oberdeck öffnete sich eine Luke und das finstere Gesicht des 1. Kanoniers erschien in der Öffnung: „Eine Breitseite?“, rief er hoffnungsvoll zu seinem Kapitän herüber. „Alle Mann unter Deck!“ brüllte Hornblewer zum zweiten Male, „das gilt auch für Dich! Das Ding reitet der Teufel persönlich!“ Bevor er einen weiteren Fluch ausstoßen konnte, stob das rote Schiff mit den zwei Rümpfen auch schon in einer riesigen Gischtwolke unter infernalem Getöse steuerbords vorbei. Noch in der Vorbeifahrt ließ das „Teufelsding“ ein drohendes Tuten hören, dass es den alten, kampferprobten Piratenkapitän in den Pluderhosen schlottern ließ.
Aus dem Mastkorb ertönte ein kräftiges Bööööh und noch eins. Wenig später verschwand das rote Schiff achteraus, eine mächtige Heckspur aus verquirltem Wasser hinter sich her ziehend. Es sah aus, als wenn die See kochte. Der Lärm schwoll langsam ab. Hornblewer atmete hörbar aus.
„Na also“, dachte er ,“der Teufel kann uns gar nichts“! Sofort hatte sein Gemütszustand  „Oberwasser“. „Alle Mann an Deck“, schrie er, „hopp, hopp, hopp, ein bisschen plötzlich, wenn ich bitten darf! Wo kein Eis liegt, darf gerannt werden!“
Als sich die Mannschaft auf dem Vordeck versammelt hatte, setzte Hornblewer zu einer seiner triumphschwangeren Reden an: „Seht ihr, Männer“, begann er in weltmännischer Selbstüberschätzung, „außer mir ist Amos, unser geliebtes Piratenschaf (Hormblewers Kuscheltierchen), so ziemlich das einzige Lebewesen an Bord, das die Situation richtig eingeschätzt hat“, und an den Kanonier gewandt mahnte er: „Du kannst den Teufel nicht erschießen, auch nicht mit einer Breitseite! Bevor du auch nur eine einzige Kugel aus dem Rohr hast, ist er dir aufs Kajütendach gesprungen und saust mit Dir in den Höllenschlund. Aber wenn du ihm die Stirn bietest und keine Furcht zeigst, dann wendet er sich ab. Ihr habt das alle gehört!“
Die Piraten begannen zu klatschen und ließen ihren Anführer hochleben: „Ein dreifach Hoch auf unseren Käpten!“, rief einer von ihnen. Hornblewer fühlte sich geschmeichelt: „Eine Sonderration Rum für alle“, rief er seinem Proviantmeister und Koch zu. Amos fragte aus seinem Mastkorb hinunter: „Für mich Kakao?“
Als Hornblewer zum Mast hochschaute, zwinkerte ihm Amos ein Auge zu.
Hornblewer schmunzelte:“Für dich wie immer Kakao!“
„Kurs Emden“, befahl er seinem Rudergänger und verschwand in seiner Kapitänskajüte, um auf der  entsprechenden Seekarte „ein Besteck“ zu nehmen.
„Aye, aye, Sire“, rief der Rudergänger, „Kurs Emden liegt an, sobald ich Gabel und Löffel kriege!“

Demokratie und freie Marktwirtschaft

Möglichkeiten der Einflussnahme

Die Problematik des gesellschaftlichen Zusammenspiels nimmt zu. Auf der einen Seite interkontinental, andererseits auf nationlaler Ebene. Die Gesellschaft hechelt den Ereignissen hinterher, sucht nach Ursachen und Lösungsmöglichkeiten. Viele Kräfte sind bemüht, nur wenige finden Lösungen, für sich und andere. Doch zunächst sei die Frage zu klären, worin Demokratie und freie Marktwitschaft ihre Unterschiede haben und ob es Zusammenhänge gibt, die auf Lösungen von Problemen hinweisen. Die Bedeutung der beiden Gesellschaftsformen ist den meisten Bürgern bekannt: Demokratie ist eine Staatsform, alle Gewalt geht vom Volke aus, die freie Marktwirtschaft ist, wie der Name schon sagt, eine Wirtschaftsform. Ihr steht eine Planwirtschaft entgegen, deren Normen vom Staat vorgegeben werden.

Bei der Staatsform besteht eine beschränkte Mitbestimmung durch das Individuum. Der Einzelne hat durch die freie Wahl, die Möglichkeit, eine Partei, von der er ausgeht, dass sie seine Interessen weitgehend umsetzt, für die Dauer von vier Jahren in bestimmte Gremien zu wählen und zwar auf kommunaler Ebene, in den Land- und in den Bundestag. Innerhalb einer Legislaturperiode sind die gewählten Vertreter laut Grundgesetz nur ihrem Gewissen gegenüber verpflichtet. Eine direkte Einflussnahme auf gesellschaftlich relevante Entscheidungen hat der Wähler während dieses Zeitraumes nicht. Ein Volksbegehren gibt es derzeit nicht.

Bei der Wirtschaftsform jedoch ist eine unmittelbare Einwirkung auf Produkte oder Dienstleistungen durch Kaufverhalten oder Inanspruchnahme durch das Individuum möglich. Es kommt hierbei auf das Konsumverhalten des Individuums, das durch Werbung oder Nachahmeffekte beeinflusst wird, an.

Der „Konsument“ ist sich seiner Macht – so scheint es – überhaupt nicht bewusst, mit der er den zumeist materiellen Angebotsüberfluss beeinflussen kann. Durch das Konsumverhalten bestimmen die Käufer – man spricht leidenschaftslos vom „Verbraucher“- über Bestand, Aufschwung oder Niedergang von Firmen oder Firmengruppen. Angebote werden über das Preis-Leistungsverhältnis angenommen oder vom Kunden verworfen. In der Fachsprache wird die Vokabel Mitbewerber benannt, wenn sich mehrere Unternehmen mit einem Angebot um die Gunst der Kunden bemühen. In Wirklichkeit handelt es sich um gnadenlose Konkurrenzkämpfe, die über das Wohl oder Wehe der Unternehmenszweige entscheiden. Das ist bekannt und nichts Neues.

In der vergangenen Woche hätte die „Air Berlin“ Konkurs anmelden müssen. Gestreckt wurde das Insolvenzverfahren durch einen Zuschuss aus der staatlichen Bank für Wiederaufbau in Millionenhöhe, so dass bestehende Buchungen in einem bestimmten Zeitrahmen noch abgewickelt werden können, bevor Teile des Unternehmens an andere Fluggesellschaften verkauft werden. Erst vor kurzem meldete die Alitalia den Konkurs an. Wie kann es geschehen, dass Fluggesellschaften durch die Preisgestaltung ihrer Flugrouten bzw. Flugziele mit oder ohne Verflechtung von Reiseunternehmen in die roten Zahlen rutschen?

Der „Konsument“ vergleicht in Reisebüros die Angebote mit denen, die im Internet zu buchen sind. Dabei achtet er genau auf die Endpreise bei gleicher Flug- und Hotelbuchung im Urlaubsland seiner Wahl. Der gesunde Menschenverstand müsste dem Individuum eigentlich sagen, dass ein Hin- und Rückflug mitsamt einer Woche Halbpension in einem Dreisternehotel in Tunesien für 265.-€ in der Vor- oder Nachsaison nicht der Realität entspricht. Für diesen Preis käme ein Kunde mit dem Taxi nicht von z.B. Hamburg nach Berlin-Mitte – und das ohne Halbpension und Übernachtung in einem Hotel. Auf der anderen Seite achtet das Bundeskartellamt darüber, dass Fluggesellschaften keine Preisabsprachen treffen. Dem „Konsumenten“ ist es völlig egal, ob er durch seinen überzogenen Geiz für tausende verlorener Arbeitsplätze verantwortlich ist. Er übersieht gerne, dass gute Qualität von Waren oder Dienstleistungen ihren Preis einfordern, zumal viele Menschen die Qualität von Möbeln, Werkzeugen und Maschinen überhaupt nicht beurteilen können – um nur einige Beispiele zu nennen. Es scheint erschreckend, dass so viele Menschen sich von dreister und hirnloser Werbung beeinflussen lassen und dann bereit sind, einen höheren Preis zu bezahlen z.B. wenn ein Bier aus Felsquellwasser gebraut wird, ein Bier, das auf Glyphosat getestet wurde – wie viele andere Biersorten auch – und positiv war. Nun fragt sich der kritische Verstand, wie Glyphosat in das Felsquellwasser gelangt ist, wärend das Brauwasser aus Bremen keine Spuren von Glyphosat nachwies. Ein Wasser aus einem tiefen Brunnen unter einer Großstadt? Dass der „Verbraucher“ die teure Werbung aus dem TV mit der von ihm erworbenen Kiste Bier mitbezahlt, müsste ihm eigentlich einleuchten.

Wie irrationell der „Verbraucher“ agiert, wird auch aus seinem Verhalten deutlich, wenn er an Kreuzfahrten teilnimmt, die durch ihren Schweröltreibstoff dafür sorgen, dass gewaltige Mengen von Kohlendioxyd und Ruß in die Umwelt gelangen, Auf der anderen Seite werden Erderwärmung und Zunahme von Stickoxyden beklagt. Wie leicht könnte Druck auf die Reedereien ausgeübt werden, wenn der Reise- und Entdeckungslustige nur noch Reisen mit Schiffen buchen würde, deren gewaltige Motoren ( oft drei bis vier Hauptantriebsblöcke und 4 bis 8 Nebenaggregate für die Stromerzeugung) mit Katalysatoren ausgerüstet würden. Natürlich würde der Buchungspreis um ca. 100.-€ steigen. Ein Kreuzfahrtschiff der neuesten Generation kommt ohnehin erst nach vielen, vielen Jahren in die Gewinnzone bei einer „Laufzeit“ von ca.vierzig Jahren, bevor es verschrottet wird. Die drohenden Umweltkatastrophen können dementsprechend nicht so ohne Weiteres weder dem System angelastet werden noch den Politikern, die dieses System vorantreiben, auch wenn es von Lobbyisten und Analysten beeinflusst wird. Die Frage wäre noch zu klären, wann das System der freien Marktwirtschaft zu einem Raubtierkapitalismus entartet, der früher oder später den völligen Niedergang einer Gesellschaft nach sich zieht. Der Besitzstand des Einzelnen beruht in vielen Fällen auf Armut und Ausbeutung anderer. Auf eine weltweite Solidarität der begüterten Gesellschaften mit den armen Gesellschaften beispielesweise in Afrika, Pakistan oder Indien wird umsonst hingewiesen. Das Argument:“Mir schenkt auch keiner etwas“ scheint die Gewissen der meisten Menschen zu beruhigen. Wenn sich in der Einstellung des Individuums zu seiner und anderen Gesellschaften und zum Planeten selbst, der uns trägt, nichts wesentlich ändert, kann der Zukunft keine günstige Prognose eingeräumt werden.

Prost! Austrinken! Noch sind wir!

 

 

Die Qual der Wahl

Was hat das Eine mit dem Anderen zu tun?

„In wenigen Wochen sind Bundestagswahlen!“ „Jo, Hermann, ick weit woll!“ „Un? Geihst wählen?“ Die kurze mundartgerechte Einführung gab seinem Kumpel Jupp die Gelegenheit, auf seine neueste Aktivität hinzuweisen: „Über das Internet wurde ich auf die Möglichkeit aufmerksam, dass engagierte Wähler Fragen an einen Wahlkreispolitiker/In ihrer Wahl stellen können. Das habe ich gemacht, denn Fragen zu stellen ist die aktive Politik des kleinen Mannes.“

„Wem hast du welche Frage gestellt?“ wollte Opa Hermann jetzt genau wissen. „Na ja, bei uns ist das Gitta Connemann“, meinte Jupp, „ob die nun omnipotent ist, kann ich nicht sagen, aber omnipresent ist sie auf jeden Fall, und immer mit Presse.“ „Und welche Frage hast du über dieses Portal an sie gestellt?“ „Ich habe geschrieben: „Liebe Gitta Connemann (CDU), sind Sie mir böse, wenn ich bei der kommenden Bundestagswahl Frau Wagenknecht wähle?“
„Und? Hat sie dir geantwortet?“ „Bis heute nicht. Aber das Moderatorenteam hat die Frage zugelassen, wie mir mein E-mail Programm flüsterte.“
„Fragen stellen, Fragen stellen“, echote Opa Hermann, „das ersetzt doch keinen Willensaustausch!“ „In Bezug auf wichtige Entscheidungen z. B. bei der Außenpolitik könnte das gewisse Rückschlüsse ergeben“, behauptete Jupp mit heftigem Kofnicken. „Auf die Frage, wie reagiert Ihre Partei auf die Tatsache, dass fünfundfünfzig Prozent der Deutschen die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland fordern?“ „Nee, nee, nee“, regte sich Opa Hermann auf, „das kannste doch nicht deine Wahlkreistante fragen, das musst du Frau Merkel fragen! Denn auch in einem Matriarchat wie Merkel, Von der Leyen und Co. gibt es immer eine Älteste, das solltest du stets im Hinterkopf behalten, wenn du sinnlose Fragen an die falschen Köpfe stellst.“ „Ich weiß gar nicht, was du gegen ein Matriarchat hast“, maulte Jupp, „es sind doch jetzt überall Frauen in wichtigen Positionen, die einzigen, die bis jetzt standhaft geblieben sind, sind der katholische Klerus und das Dreigestirn beim Kölner Karneval. „Ich finde Männer mit blonden langen Zöpfen total geil!“
„Und alte Säcke in Frauenkleidern aus Gardinenstoff, oder wer oder was?“ Opa Hermann kicherte in sich hinein. „Jetzt gehst du aber unter die Gürtellinie, altes Steigeisen!“ „Nee“, sagte Opa Hermann, „ich hab nix von Messdienern verlauten lassen! Häme kommt nicht aus meinem Mund!“ „Komm, komm, komm, alter Freund, etwas Selbstkritik wäre aber angebracht, ich drücke es jetzt mal vorsichtig aus: Häme ist dein zweiter Vorname.“ „Nee, das ist Satire“, behauptete Opa Hermann stur, „Häme ist, wenn ich zu einem katholischen Pfarrer sagen würde, dein Latein ist schlecht, wie kann man nur den Alkohol hervorheben in einer Predigt von wegen „spiritus sanctus?“
„Aber mal etwas Anderes, wie kommst du von Politik auf Katholizismus? Ich meine, den Zusammenhang mit Karneval verstehe ich ja noch.“ „Ja, habe ich das „C“ in die Union eingebracht? Das kommt garantiert aus Bayern, das ist bayerischer Import! Wie kann man eine unchristliche Partei mit einem Glaubensanspruch unterwandern?“ „Was meinst du konkret mit unchristlich?“ „Rüstungsteile, ganze Panzer nach Saudi-Arabien verkaufen, als wüsste niemand im Bundestag, dass die gerade dabei sind, den Jemen plattzumachen!“ „Jemen, Jemen, das sind doch die, welche noch Hände abhacken und steinigen!“ „Das ist dort juris prudens, eine gut fundamentierte alte Rechtsprechung!“ „Ooch komm!“ „Wer zweimal beim Klauen erwischt wird, der kann anschließend weder Messer noch Gabel halten!“ „Brauchst auch nicht unbedingt, hast du schon jemals bei Mc Donald gesehen, dass die Leute da mit Messer und Gabel essen?“

„Wo waren wir stehen geblieben?“ „Bei Frau Connemann! Wenn sie aus dem Urlaub aus Cornflakes zurück ist, wird sie meine Frage vorfinden!“ „Du meinst Cornwall?“ „Ist doch dasselbe, total koscher!“ „Au Backe, Jupp, deine Orthografiekenntnisse sind aber nicht berauschend!“ Und deine Geografiekenntnisse auch nicht!“ „Wie kommst du jetzt auf Geografie?“ „Na, bekannt nach dem Geodreieck, weißt schon, Mengenlehre!“

Opa Hermann und der „homo sapiens“

Wer den „Hermann macht“ kann auch Friedhelm heißen

  Teichgespräch, Folge 40: Opa Hermann und sein Kumpel Jupp hatten den „Sechserträger“ Pils ohne Glyphosat-Spuren bereits ziemlich geleert. „Dass ausgerechnet ein Bier ohne Glyphosat-Spuren aus den Tiefen einer Großstadt kommt, ist schon merkwürdig“, gab Jupp gerade zu bedenken. „Ist für mich logisch“, erwiderte Opa Hermann,“ in einer Großstadt werden keine Pflanzenvernichtungsmittel gespritzt, so wie auf den großen Agrarflächen der Landwirtschaft. In den Großstädten hätten die Insekten noch Chancen zu überleben, keine flächendeckenden Pestizide, Fungizide, kein Glyphosat (Unkrautvernichtungsmittel). Aber die Bienen müssten sich von Balkonpflanzen ernähren!“ „Ja, ja, ja, der homo sapiens!“ Jupp legte seine Stirn in Falten und nuckelte an seiner Bierflasche. „Kennst du einen, Hermann?“ „Einen weisen, erkenntnisreichen Menschen? Also nicht direkt, aber einer hieß Friedrich Hegel! Er hatte mehrere Schriften verfasst, eine handelt von der „Vierfachen Wurzel vom zu reichenden Grunde“!“ „Näääää!“ „Dooooch!“ „Das muss aber ne dicke Wurzel gewesen sein!“ „War es auch!“ „Sag nicht, dasse dat auf der Bergmannsschule gelernt hast!“ „Opa Hermann grinste: „Das war ein deutscher Philosoph, der es unter anderem auch mit der Morallehre hatte! Mich stört nur dabei, dass er sein Werk mit einem Worwort dem Kaiser untertänigst angeboten hatte, in der Hoffnung, dass es in den deutschen Universitäten als Lehrstoff verbreitet würde.“ „Und ? Wurde es als Lehrstoff verwendet?“ „Nicht in seiner gesamten Komplexität!“ Das lag mehr oder weniger daran, dass er seine Erkenntnisse in Form von Thesen und Antithesen quasi verschlüsselt darbot, nach dem Motto: Wenn es nicht so ist wie beschrieben, dann steht dem dieses oder jenes als Erkenntnis entgegen!“ „Ja, ja, man muss ja auch nicht immer Recht behalten!“Die beiden Männer lachten.

„Es geht doch immer nur um das eine“, seufzte Opa Hermann gedankenschwer, „um Macht und Geld! Dabei gehen Macht und Besitz in eine Hand über! Es wäre sehr schön, wenn die Menschen ohne Macht leben könnten, also Macht durch Kompetenz ersetzten.“ „Der Mensch nimmt sich zu wichtig“, stimmte Jupp zu, „wäre er weniger ehrgeizig, würden wir bestimmt noch mit der Keule herumlaufen!“ „Na schau dir doch die Geschichte an, Napoleon, Hitler! Ganz Europa hat vor denen gezittert – und wie sind sie geendet? Völlig kläglich, ja ehrlos!“
„Meine Mutter hat immer gesagt: Was man sich einbrockt, das muss man auch auslöffeln!“ Opa Hermann ergänzte die Aussage durch den Ausspruch seines Vaters:“ Was auf dem Teller ist, wird aufgegessen!“

„Das ist aber nicht dasselbe“, warf Jupp ein. „Das geht mehr in die Richtung:“Iss auf, damit du groß und stark wirst!“ „Ja, ja, wie „Ekel Alfred Tetzlaf“! Im Übrigen sollte es sich der Mensch angewöhnen, etwas unter der Oberfläche zu kratzen. Die meisten Menschen denken doch, dass sie der „King of Currywurst“ sind, wenn sie etwas besitzen!“ „Aber nur so funktioniert unsere Wirtschaft. Wenn alle Menschen wie du dreißig Jahre lang mit einer Cordhose rumlaufen würden oder einen 20 Jahre alten Trabbi fahren, dann wäre unsere Wirtschaft schon vor zehn Jahren zusammengebrochen.“ „Nee, nee! Hast du deine Couchgarnitur mal umgedreht und nachgesehen, wie der Bezug am Kistenrahmen festgetackert ist?“ „Welche Couchgarnitur?“
„Ich jedenfalls wohne auf einer Sperrmüllplantage“, verkündete Jupp stolz. „Es gibt genügend Reinigungsmittel und Duftsprays, aber einen Trabbi fahre ich nicht, sondern einen neuen SUV aus Südkorea. Wenn dein Freund Hegel den gehabt hätte, hätte er die Antithesen weggelassen, von denen du sprachst. Das Auto hat fünf Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung und kann mit seinem Motoröl dreißigtausend Kilometer fahren, bevor es gewechselt werden muss! Übrigens, der „mainstram“ wird in Funktion gebracht wie die Sommermode von „St. Mauk Di Nichnackich, Paris“! Und dann wäre noch die Antwort auf die Frage zu finden, wer zuerst war, der „mainstream“ oder der Kapitalismus?“ „Das ist schwer zu beantworten“, jammerte Opa Hermann, „jedenfalls funktioniert der Kapitalismus nicht ohne den „mainstream“!“ „Sehe ich auch so“, stimmte Jupp zu, „aber da greifen noch andere menschliche Eigenschaften mit hinein, zum Beispiel der Jagdtrieb, der Sammeltrieb, der Ehrgeiz des Individuums, besser sein zu wollen als der Nebenstehende.“ „Da kommt ganz schön was zusammen.“  „Du hast die Bosse vergessen in Deiner Aufzählung, die Großbanken, Unternehmungsführungen, Vorstände, Aufsichtsräte und Politiker und die Lobbyisten, welche Einfluss auf die politischen Machtverhältnisse nehmen. Ohne die funktioniert kein Kapitalismus. Und kapitalistische Unternehmensführungen brauchen den Absatz, um nochmal auf die alte Cordhose zu sprechen zu kommen!“

„Übrigens, in Bezug auf Deinen neuen SUV, lieber Jupp,“ spottete Opa Hermann und grinste hinterhältig, „wenn du mal ohne Benzin liegen bleibst, dann nimmst du die Batterien aus deiner „Maglight“ – Taschenlampe und fährst elektrisch weiter! Du wirst nie ne rote Socke!“

 

 

Opa Hermann „geht in medias res“

 

Wenn das Füllhorn zur Neige geht, bricht auch der Krug

 

Glutrot leuchtete die untergende Sonne durch das filigrane Zweigwerk der Trauerweide, formte auf der Ziegelwand der Kate ein bizarres Geflecht von irrisierenden Schatten, die im leichten Abendwind tanzten oder in einander verschmolzen, um sich jäh wieder zu trennen und kurz darauf erneut umeinanderzuwirbeln.

Opa Hermann betrachtete das kaleidoskopartige Farbenspiel mit Entzücken. „Es gibt doch noch Dinge auf diesem Erdenrund, die nichts kosten“, dachte er, „man braucht nur ein Auge dafür und Muße, um sie zu entdecken.“ Die schnelllebige Zeit hingegen hält die Menschen in Atem. Sie werden von Woche zu Woche gehetzt. Sie freuen sich bereits am Montag auf das kommende Wochende, gerade so, als sei die Zeit dazwischen abzuhaken, nicht gelebt – ja, nicht lebenswert. Fünf wichtige Zeiteinheiten pro Woche als „Streichergebnis“. Wem hat man es geopfert?  Der Satz :“ Er wird wie eine Sau durchs Dorf getrieben“ bekommt eine völlig neue Bedeutung, nur dass es kein Dorf ist, sondern die Zeit!
Was ist mit den anderen Menschen? Haben wir noch Zeit für unsere Mitmenschen, Nachbarn, Kollegen, Geschwister, Neffen, Onkel oder Tanten? Oder sind tatsächlich alle mit sich selbst dermaßen beschäftigt, dass beschwörende Unkenrufe durch die Netzwerke geistern, Twitter, youtube, oder facebook, um nur einige zu nennen. Denn Zeitverlust erzeugt Hektik, und fehlende Nähe zu anderen Menschen spiegelt sich im virtuellen Umfeld wieder. Du wirst aufgefordert, diesen oder jenen Beitrag „zu liken“oder : „Ich würde mich freuen, wenn Du diese Seite  mit einem „like“ versehen würdest.“ Was ist das? Brauchst du Zuwendung oder Anerkennung, oder bekommst du Geld dafür, wenn du deinem Auftaggeber Adressen vermittelst?

Wie gehen wir Menschen miteinander um? Kalenderblattartig werden dem Nutzer weise Sprüche vor Augen geführt, hunderte Male geteilt nach dem Motto:“Nimm mich wie ich bin oder geh mir aus den Augen!“ Oder: „Wer mich nur nach dem Äußeren beurteilt, wird meinen wahren Wert nicht erkennen“. Opa Hermann dachte bei sich: „Am liebsten würde ich dem Absender zurufen: Heul doch! Das Erdenrund ist vollgepfropft mit Egomanen und Egoisten!“
Menschen lernst du ohnehin erst  in schweren Notsituationen richtig kennen. Doch da sei der Herrgott vor, dass Montagmorgen die Regale bei LIDL oder ALDI leerstehen! Du kämst mit dem letzten Apfel nicht mehr gesund bei der Kasse an, bestenfalls in kleinen Häppchen. Wem nutzen angesichts solcher Ereignisse die wohlgemeinten Kalendersprüche aus der Hexenküche der psychologisierenden Schreiberlinge?

Opa Hermann hatte zu diesem Themenkomplex schon heiße Diskussionen mit seinem alten Zechenkumpel Jupp geführt. Jupp, der den alten Rentner und ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden ein über das andere Mal als „rote Socke“ bezeichnet hatte. „Wissen kannst du auf den Schulen beigebracht kriegen“, hatte Opa Hermann zu ihm gesagt, aber kaum eine soziale Bildung oder soziale Kompetenz, denn das sind Lehrinhalte, die eine gute Religion vermittelt oder eben das Elternhaus. Und auf die Politik bezogen hatte Opa Hermann gesagt: „Du brauchst keine Angst davor zu haben, dass in Deutschland die LINKE an die Regierung kommt, weil die meisten Menschen Angst davor haben, dass ihre Leberwurst verstaatlicht wird.“

An anderer Stelle hatte Opa Hermann geäußert, dass es doch geradezu pervers ist, wenn erlerntes know how in einem System konkurrenzlastig ausgelebt wird, anstatt eine solche Fachkompetenz zu bündeln und zu aller Nutzen zu verwenden. Jupp hatte dagegen gehalten: „Reichtum schreit nach mehr Gewinn! Hast du die Micky Maus nicht gelesen als du klein warst? Da stand es drin bei Dagobert Duck! Die Micky Maus war eine wahre Fundgrube sozialer Bestandsaufnahmen“. Und das Schönste war, man brauchte nicht viel zu lesen, denn alles war detailliert bebildert.“
Mittlerweile hatte Opa Hermann die dritte Flasche Bier geköpft. Der Gerstensaft hatte, auf diese Menge bezogen, eine beruhigende Wirkung. Das hing damit zusammen, dass schwierigen  Gedankenverflechtungen einer gewissen Trägheit zum Opfer fielen, was er als angenehm empfand.

Mittlerweile waren die Schatten länger geworden. Die zuckenden und quirlenden Lichtimpulse der untergehenden Sonne begannen zu verblassen. Der Wind hatte sich gelegt. „So fühlt sich Ruhe und Entspannung, ja Frieden an“, dachte der alte Mann, und er stellte sich eine letzte Frage an diesem Abend: „Hat die Schöpfung das für mich gemacht oder sollte ich das mit jemandem teilen, der das nicht zu schätzen weiß? Denn heute ist so ein Tag zwischen Montag und dem Wochenende.

Opa Hermann und die Gesetzgebung

„Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß“

 

Nun hatte der Sommer endlich mit voller Wucht Einzug gehalten. Die Menschen stöhnten unter der Hitze. Opa Hermann wunderte sich über die Bauarbeiter, die mit entbößtem Oberkörper auf den zahlreichen Baustellen im Ort werkten. In den Schulen gibt es schon mal hitzefrei, wenn das Thermometer über die dreißig Grad Celsius – Marke klettert. „Die Berufstätigen in Deutschland können davon nur träumen“, dachte Opa Hermann. „Wie kann man bei dem Wetter Straßen teeren oder auf Dächern arbeiten?“ Er selbst saß unter einem Pavillon am Gartenteich, hatte die Füße in einen Eimer Wasser getaucht und schaute den Libellen zu, die über die Wasserobefläche surrten. Ihre glitzernden Flügel reflektierten die Sonne, welche nahezu senkrecht auf die Erdoberfläche strahlte.
Just in diesem Moment, da sich der alte Herr wohligen Betrachtungen hingab, erschien sein alter Kumpel Jupp auf der Bildfläche. Opa Hermann warf seinen Kopf herum, denn er hatte leise raschelnde Schritte auf dem Rasen hinter sich vernommen. „Jupp, alter Geigerzähler“, rief ihm Opa Hermann zu, „schön, dass du vorbeischaust. Wo hast du deine Frau gelassen?“ „Burgel ist
beim Friseur“, antwortete sein Freund. „Ich wollte dir eigentlich beim Rasenmähen zugucken!“
„He he he“, lachte Opa Hermann meckernd, „wofür habe ich denn zwei Schafe eingestellt?“ Er meinte damit Amos, das Piratenschaf und dessen Linda, die dafür sorgten, dass die Grünbestände seines Anwesens überschaubar blieben.
„Ja, ja, du bist der perfekte Arbeitgeber“, spottete Jupp belustigt, „lässt andere für dich arbeiten und nennst das Ergebnis „überschaubar“. Das hätte ich von einer roten Socke nicht erwartet.“
Opa Hermann kniff ein Auge zu: „Glaubst du im Ernst, dass rote Socken nicht wüssten, wie die Wirtschaft funktioniert?“
Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, da die lockere Konversation in eine tiefschürfende Diskussion abzugleiten drohte. Dafür war der alte Herr immer zu haben. Schließlich war er während seines langen Berufslebens Betriebsrat gewesen und hatte sogar den Vorsitz innegehabt.
„Du glaubst doch nicht, dass eine erfolgreiche Innen- und Außenpolitik  ohne Berücksichtigung wirtschaftlicher Interessen funktioniert? Ich behaupte sogar, dass  wirtschaftliche Interessen die Innen- und Außenpolitik maßgeblich beeinflussen!“
„Ja, ja“, versuchte Jupp zu beruhigen, „das weiß ich doch selbst! Wer Panzer nach Saudi Arabien verkauft, sorgt für Arbeitsplätze und schaufelt Geld! Dabei ist es scheißegal, wofür und gegen wen die Rüstungsgüter in der Folge eingesetzt werden. Von wegen, nicht in Spannungsgebiete liefern!“
„Richtig“,  stimmte ihm Opa Hermann zu, „Spannungsgebiete sind Auslegungssache. Außerdem
ändert sich die weltpolitische Lage zu jeder beginnenden Woche !“
„Da müssen die Lobbyisten Einfluss nehmen“, stichelte Jupp, „die sitzen im Bundestag auf den Rängen und merken sich, wer für ihre Interessen stimmt und wer dagegen argumentiert. Ent
sprechend werden die Parteispenden ausgelotet. Du als rote Socke bekämst keinen einzigen Cent zugesteckt.“
„Egentlich müssten die „Voyeure“ auf der Empore jedesmal einen Grund benennen, wenn sie auf den Rängen Platz haben wollen. Doch sie scheinen Dauerkarten zu besitzen.  Außerdem  müssten die Parteien ihre Zuwendungen aus den Reihen der Lobbyisten deklarieren, die Spender öffentlich machen.“ „Das ist den meisten Wählern doch egal, Hauptsache ist doch, dass am „prallen Leben“ partizipiert wird.“
Opa Hermann begann zu maulen: „Das ist doch eine Schande, wenn die Bonzen der Industrie direkt oder indirekt Einfluss auf die Legislative haben.“
„Direkt geht das nicht! Sie können gewissen Abgeordneten etwas zustecken, was  ihren Interessen entgegenkommt, aber fertige Gesetze dürfen sie , Gott sei es gedankt, nicht einbringen.“ „Weshalb das denn nicht?“ „Du als politisch wirksamer Betriebsrat müsstest eigentlich das Grundgesetz kennen, z.B. den Artikel 76!“ „Also, den habe ich jetzt nicht auf der Mattscheibe“, gab Opa Hermann zu, „was besagt der noch mal?“ „Der besagt, dass „Gesetzesvorlagen durch die Bundesregierung aus der Mitte des Bundestages oder durch den Bundesrat eingebracht werden“ und nicht von den Rängen auf der Empore.“ „Aber das kann man doch umgehen!“ „Nee, so bescheuert wird kein Lobbyist sein und einem von der Regierung einen fertigen Gesetzesentwurf zustecken. Der würde sich doch völlig in die Hand des Lobbyisten begeben. Was glaubst Du, wenn das rauskommt? Das gäbe einen Skandal, dagegen wäre Watergate eine Luftnummer! Also, wenn die Merkel das machen würde, bekäme sie sofort einen Misstrauensantrag ans Bein gebunden, oder wenn man ihr nachweisen könnte, dass sie davon gewusst hat.“

Opa Hermann dachte einen Moment nach. Dann sagte er: „Wenn ich drei Ballen Heu von der Wiese weg verkaufe, dann frage ich doch Linda und Amos nicht, in welche Ecke sie gekackt haben!“

 

 

Scharfe Schafe

von Gastautorin  Anja Es,  Malerin und Galeristin, Timmendorf

Nun war es bereits wieder Sommer und noch immer war es Amos nicht gelungen, Kontakt zu seinen Piraten-Freunden aufzunehmen. In ganz Ostfriesland hatte er Zettel ausgehängt mit selbst gemalten Bildern von seinen Freunden und dem Aufruf, man möge sich melden, falls man wisse, wohin es die Freunde verschlagen hätte.
Aber niemand hatte sich gemeldet. Amos hatte im Internet gesucht und in allen Zeitungen auf der Suche nach Meldungen über geenterte Schiffe, Piratenüberfälle und Räubereien nachgesehen. – Nichts. Es schien, als seien seine Freunde vom Erdboden verschluckt, oder schlimmer noch: Von der Wasseroberfläche verschwunden.
Vielleicht waren sie auch ins Bermuda-Dreieck gesegelt und dort auf mysteriöse Weise auf den Meeresgrund gesaugt worden, so wie hunderte von Schiffen vor ihnen?
Amos wusste es nicht und langsam gingen ihm die Ideen aus, wo er noch suchen sollte.
Mit hängendem Kopf schlurfte er die ostfriesischen Feldwege entlang und hin und wieder entwich ihm in seinem Kummer ein „Böööh!“

Auf einmal, inmitten feuchter Wiesen und matschiger Felder, antwortete ihm ein vielstimmiges „Bääähh! Bääähh!“ – Amos hob den Kopf und sah sich einer ganzen Herde Schafe gegenüber. – Zwar keine Piratenschafe, aber immerhin.
„Eeeey, was machst Du denn hier?“ määhten die Schafe und kamen näher.
„Ach, nichts,“ sagte Amos, „ich suche meine Freunde!“
„Außer uns gibt’s hier keine Schafe“, entgegneten die anderen und bildeten einen Halbkreis um Amos.
„Ich suche ja auch keine Schafe, sondern meine Freunde, die Piraten,“ sagte Amos, „ich bin nämlich ein Piratenschaf!“
„Ein WAS???“ klang es im Chor.
„Ein PIRATENSCHAF!“ rief Amos. „Seht ihr nicht meine Augenklappe? Das Auge habe ich im Kampf um die Bounty verloren, die haben wir mit Mann und Maus geentert!“
„So´n Quatsch!“ blökten die Schafe und „Spinner!“ und „Aufschneider!“ und „Angeber!“ – Schließlich trat der Anführer der Herde vor, ein kräftiger Bock mit breiter Stirn und dicken Locken: „ Piraaaatenschaf! Das ich nicht lache! Wie soll das denn gehen?“
„Das kann ich dir sagen,“ erwiderte Amos, „ich bin nämlich eigentlich als Verpflegung mit an Bord gekommen, aber immer wenn der Schiffskoch mich holen wollte, habe ich gekämpft wie ein Löwe und da haben sie gesehen, dass ich nicht nur schlau bin, weil ich den Braten gerochen habe, sondern auch mutig; und der Smutje meinte, ich sei ein richtiges Kampf-Schaf. Das fanden die anderen auch und beschlossen, mich nicht zu essen, sondern zum Piraten – Schaf zu machen. Ich hatte eine richtige Ausbildung, habe im Ausguck gesessen, Wurfanker geschmissen und mit dem Messer zwischen den Zähnen Schiffe geentert.“
„Glaub´ ich nicht!“ sagte der Anführer, der übrigens Schorsch hieß, und zog die Mundwinkel herunter. „Schaf bleibt Schaf und ein Schaf kämpft nicht.“
„Und warum nicht?“ fragte Amos
„Weil…. na, weil…. Na, weil das eben so ist und immer so war!“ sagten sie anderen und guckten sich fragend um, ob einer eine bessere Antwort hätte.
„Na, wenn das so ist,“ meinte Amos und zog die Augenbrauen hoch, „dann müsst ihr eben weiter friedlich bleiben und zusehen, wie die Menschen kommen und eure Lämmer von der Wiese holen.“
Jetzt ging ein großes Wehklagen durch die Schafsherde und ein „Ach!“ und „Weh!“ und Gejammer. „Was sollen wir denn machen?“ riefen die Mütter und „Dagegen sind wir doch machtlos!“ die Väter. „Erst kommen sie und sagen: „Ach, wie süß!“ und zwei Wochen später nehmen sie sie mit. Das ist jedes Jahr zu Ostern das Selbe!“
„Dann wehrt euch doch!“ rief Amos und schwang den Vorderhuf in der Luft.
„Ich könnte euch zeigen, wie man sich und seine Lämmer verteidigt.“
„Wirklich?“ erschall es aus der Schafherde.
„Ja! Wir üben und trainieren und am Ende sind wir stark genug, uns die Schlachter vom Leib zu halten. – Außerdem, überlegt mal: Wir sind fast hundert und die, die unseren Kindern an die Gurgel wollen, sind bloß zu dritt. Wir müssen strategisch vorgehen, dann kann uns keiner was anhaben. – Macht ihr mit?“
„Jaaaaa!“ blökten alle und waren voller neuer Hoffnung.

In den folgenden Wochen übte Amos mit seinen neuen Freunden den Widerstand.
Er zeigte den anderen, wie man mit der Stirn gegen einen Baum läuft, ohne bewusstlos zu werden, wie man dem Feind mit der eigenen Wolle die Luft abdrückt und wie man sich so in Schafscheiße wälzt, dass der Gegner vom Gestank ohnmächtig wird.
Nach der Einzelkämpfer-Ausbildung kam das Manöver dran. Zuerst kam das mit der Gruppen-Identität. Alle wurden aufgefordert, einen passenden Namen für die Herde zu finden und nach einigen Diskussionen einigte man sich auf „Scharfe Schafe“.
Amos zeigte den anderen, wie man als Herde blitzschnell einen engen Kreis um die Lämmer bildet und wie man dem Gegner die Köpfe entgegen streckt.
Sie übten auch „gefährlich gucken“ und „laut blöken“ und zum Schluss kam „Angriff“!
Das war das Schwierigste, denn damit hatten die Schafe überhaupt keine Erfahrung.
Aber als Amos ihnen erklärte, sie müssten gar keine Menschen angreifen, sondern bloß den Hund und den auch nur scheinbar, fanden alle Mut und waren dabei.
Der Hund war ein besonderes Problem, denn alle hatten Angst vor seinen scharfen Zähnen. „Hat er denn schon mal einen von euch gebissen?“ fragte Amos.
Alle grübelten und dachten nach aber keiner konnte sich erinnern, dass es jemals dazu gekommen ist.
„Seht ihr,“ sagte Amos, „der darf nämlich gar nicht beißen! Der soll nur die Zähne zeigen, damit ihr Angst kriegt! In Wirklichkeit ist der Hund auch bloß ein Schaf, jedenfalls vom Geist her, und macht, was der Mensch ihm sagt.“ erklärte Amos.
„Wenn wir aber nun so tun, als wollten wir IHN beißen, kriegt er Angst vor uns und zieht den Schwanz ein. – Ist alles ne Frage von Schauspielerei und wenn wir überzeugend auftreten, wird das auch funktionieren!“
Das konnten die anderen verstehen und blökten einvernehmlich.

Nachdem die Ausbildung abgeschlossen war, feierten alle ein großes Fest, und es wurde über dem Stall ein Schild mit der Aufschrift Scharfe Schafe aufgehängt.
Schon am nächsten Tag aber begann das regelmäßige Kraft- und Konditionstraining, denn bis Ostern war es nicht mehr lange und die ersten neuen Lämmer kamen schon zur Welt. Die wurden herzlich begrüßt und abgeschleckt und alle freuten sich.

Am Gründonnerstag wurde es aber ernst. Der große Transportwagen arbeitete sich durch den Matsch zur Wiese vor und der Hund wurde losgelassen, um die Schafe zusammenzutreiben. Jetzt hieß es, nicht die Nerven zu verlieren: Anstatt in Panik zu fliehen, sollte nun die andere Richtung, auf den Hund zu, eingeschlagen werden.
Und es klappte! Die ganze Herde raste auf den armen Hund zu, der erst völlig verdutzt war und danach in einem Affenzahn zurück zum Transporter lief, hinein sprang und auch nicht wieder heraus kam.
„Der wird gefeuert!“ riefen die Schafe und lachten sich halb tot, während die Menschen noch beratschlagten, wie sie nun ohne Hund die Schafe zusammentreiben sollten. Anscheinend wurde beschlossen, rund um die Herde einen Zaun zu ziehen und den immer enger zu ziehen, bis keins der Schafe sich mehr rühren konnte. Diesen Plan durchschauten aber die Schafe, die das Denken gelernt hatten, sofort und griffen jeden an, der es wagte, sich der Herde zu nähern. Diese Aufgabe hatten die stärksten Böcke, währen die Mütter einen festen Kreis um die Lämmer bildeten und gefährlich blökten.
Besonders die Nummer mit dem Schafscheiße- Gestank hatte große Wirkung und wenn die Dosis hoch genug war, konnte man sogar zwei Menschen auf einmal in Ohnmacht versetzen. Das war lustig!
So vergingen noch einige Stunden, in denen die Menschen verschiedene Tricks ausprobierten, aber Amos hatte seine Freunde so gut trainiert, dass an diesem Tag alle Versuche, an die Lämmer zu kommen, fehl schlugen.
Auch alle weiteren Anschläge der Menschen an den nächsten Tagen gingen voll in die Hose, und mit jedem neuen Kampf gewannen die Scharfen Schafe an Erfahrung und Mut.
Schließlich war Ostern vorbei und die Menschen gaben auf.
Was für ein Sieg! Das erste Mal in der Geschichte hatten Schafe für ihre Rechte gekämpft!
Sie hatten ihre Lämmer beschützt und die Meuchelmörder in die Flucht geschlagen. Das musste gefeiert werden! Amos, der sich auskannte, führte die Herde zu einer Wiese, auf der nur die allerbesten Kräuter und Gräser wuchsen und wo der Wind so durch die Bäume wehte, dass ein Flöten und Singen entstand. Man fraß, sang zum Wind und tanzte, und es wurde eine Menge neuer Lämmer gemacht. – Ein tolles Fest!
Als die Sonne hinter den Hügeln versank und die Wiese noch einmal in rotes Licht tauchte, kuschelte sich ein junge Schäfin an Amos und fragte besorgt: „Haben denn die Menschen jetzt nichts zu essen und müssen hungern?“ – Amos, der wohlig im Heu lag, hob den Kopf und sagte: „Aber nein! Die Menschen müssen kein Fleisch essen! Die können genauso gut Vegetarier werden wie wir und bleiben dabei sogar noch schön und schlank!“ Das beruhigte die Schäfin und sie strich sich eine Locke aus dem Gesicht. „Duhuu, Amos?“ wisperte sie, „willst du immer noch deine Piraten – Freunde suchen oder bleibst du noch eine Weile bei uns? – Ich meine, wir sind doch jetzt auch deine Freunde und einen wie dich…“ sie schnusselte Amos am Ohr und Amos fand plötzlich, dass sie ganz besonders gut duftete und auch schöne Augen hatte und überhaupt…

 

Opa Hermann und sein Albtraum

Links ist, wo die Socke auch rechts getragen werden kann

„Hast du heute nichts zu meckern, Opa Hermann?“ Das Piratenschaf schaute seinen Ziehvater von der Seite an. „Ich habe immer etwas zu beanstanden“, meinte der Angesprochene mürrisch.“ „Aber das ist kein Meckern. Ziegen meckern, Menschen üben Kritik. Außerdem bin ich ein Fan der Industrie!“ „Was ist denn „Industrie, Opa Hermann?“ „Na, wie soll ich das einem Piratenschaf erklären? Also in eurem Verständnis für das Wichtige im Leben, wären das – äh – na sagen wir mal 50 Heuballen, aus einer großen Weidefläche gemacht.“ „Hä?“, sagte das Piratenschaf,“ sind dann die Köttel auch Industrie, wenn die von einer ganzen Schafherde stammen?“ „Nee, meinte Opa Hermann, „das wäre mehr Heimarbeit – Handarbeit kann man dazu ja nicht sagen! Übrigens können wir uns heute gratulieren!“ „Gratulieren? Wozu?“ „Wir kommen jetzt ein ganzes Jahr in der Kolumne vor,“ sagte Opa Hermann nicht ohne Stolz. „Aber ich habe heute Nacht einen schlimmen Traum gehabt. Ohne weitere Nachfrage von Amos erzählte der alte Herr von seinem Albtraum:

„Ich träumte, dass ich in der Stadt Essen, in der ich sehr lange gewohnt hatte, in eine riesige Demonstration geraten bin. Da fuhr auf einmal ein Konvoi von schwarzen Limosinen genau vor das Gebäude der Industrie. Die Demonstranten jaulten und tobten und schmissen mit Gegenständen. Auf einmal öffnete sich eine Autotür und Helmut Kohl stieg aus. Der flüchtete aber nicht in das Gebäude, sondern nahm eine frontale Position zu den Demonstranten ein. Ich selbst stand zwischen denen und dem Altbundeskanzler. Ich ging zu Dr.Kohl hinüber und sagte „Guten Tag, Herr Kohl!“ Der erwiderte meinen Gruß und nannte mich bei meinem Nachnamen. Wir gaben uns die Hand. Ich konnte riechen, dass der Altbundeskanzler fürchterlich aus dem Mund gaste. Davon bin ich wach geworden. Ich habe dann über meinem Traum gegrübelt und mir gedacht, dass es kein Wunder ist, wenn jemand aus dem Mund riecht, wenn er schon seit anderthalb Wochen tot ist.“

„Das ist ziemlich heftig“, bekundete das Piratenschaf sein Mitgefühl. Wie kommt dieser Traum zustande, und was mag er bedeuten?“ „Das hängt bestimmt mit dem Gipfeltreffen in Hamburg zusammen“, versuchte Opa Hermann einen Erklärung, „und mit der bevorstehenden Bundestagswahl. Da macht ja die Vorsitzende der LINKEN mächtig Dampf im Bundestag. Auf Facebook und Twitter kommt man auf die Reden, die mitgeschnitten wurden.“ Jetzt wollte das Piratenschaf aber eine wichtige Frage loswerden. „Was sind denn die LINKEN, Opa Hermann?“ „Die machen das, was eigentlich die Sozialdemokraten in ihrem Programm haben sollten, aber die definieren sich gerade jetzt neu über die Ehe zwischen Lesben einerseits und zwischen Homosexuellen andererseits. Sie zwingen ihren Koalitionspartner quasi, dass sie dem zustimmen. Kommt das nicht zustande, droht der CDU/CSU Stimmenverlust. „Bööööa“, stieß Amos hervor,“du erklärst mir alles nicht richtig Was sind denn Lebsen?“

„Nicht Lebsen, Amos, Lesben, die Ehe zwischen Gleichgeschlechtlichen ist gemeint!“ Kenne ich nicht“, rülpste Amos, denn er musste widerkäuen. Zwischen den Zähnen stieß er hervor: „Und das mit den LINKEN habe ich auch nicht verstanden“. „Also das ist so: Du kannst einen Socken auf den linken Fuß ziehen. Aber du kannst die selbe Socke auch rechts tragen. Weshalb? Weil zwei Socken gleich aussehen und sich auch in der Form gleichen.  Also kannst du die selbe Socke auch rechts tragen, zum Beispiel wenn in der linken Socke der dicke Onkel aus einem Loch guckt, dann wechselst du das Teil auf den rechten Fuß, so dass der dicke Zeh nicht mehr aus dem Loch schaut, sondern ein anderer Zeh, weil die großen Zehen an jedem Fuß auf der Innenseite liegen.“ „Hör auf, hör auf“, jammerte das Piratenschaf, “ ich bin ein Paarzeher und habe keinen dicken Onkel! Und Socken trage ich auch nicht!“ „Das ist eine Metapher, ein Gleichnis“, versuchte der alte Bergmann, ehemaliger Betriebsrat von Prosper II, eine Erklärung. „Die LINKEN können aus der Opposition heraus so manches deklarieren, weil sie ohnehin in der Minderheit sind. Zum Beispiel können sie ungeniert gegen eine Diätenerhöhung stimmen, weil sie keine Mehrheit dafür kriegen. Sie werden von den anderen Abgeordneten einfach überstimmt! Das wirft man ihnen vor! „Aber dann könnten die anderen Abgeordneten doch auch gegen eine Diätenerhöhung stimmen, dann wäre doch bewiesen, dass die LINKEN das ehrlich meinen,“ „Ja, ja, Amos, es gäbe einiges zu beweisen, was man in der Minderheit nicht kann, zum Beispiel dafür zu sorgen, dass jeder Bürger, der eine Zeit lang in Deutschland gelebt und gearbeitet hat, eine Mindestrente bezieht. Deutschland ist ein reiches Land, so heißt es, nur ein sehr großer Teil der Bevölkerung veramt immer mehr! Diese Behauptung, dass Deutschland ein reiches Land sei, wird dadurch widerlegt, wenn Menschen gewisser Einkommensgruppen einen Blick in ihre Portemonnaies werfen. Das ist genauso, als wenn ich sage: Der Mensch an sich ist reich – nur die Leute sind arm!“

 

„Und was ist mit dem Gipfeltreffen, Opa Hermann?“ „Ja, was soll ich dazu sagen? Das ist eine sehr teure Veranstaltung, bei der sich die Mächtigsten der 20 Industrienationen, oder die sich dafür halten, ihre Standpunkte um die Ohren hauen. Meine Favoriten sind auch darunter, Amos!“ „Deine Favoriten, Opa Hermann, du hast Favoriten außer dir selbst? Das mag ich kaum glauben!“ „Doch, doch, Amos“, meine Favoriten sind die Präsidenten, Erdogan und Trump. Die zeigen den anderen mal, was eine Harke ist!“ Opa Hermann drehte den Kopf zur Seite, so dass Amos nicht sehen konnte, dass der alte Herr ein zweideutiges Grinsen aufgesetzt hatte.

Verkehrte Welt

Du kannst schlagen wohin du willst, du triffst immer etwas

„Ogottogottogott!“ Opa Hermanns faltenzerfurchtes Gesicht sah aus wie der Grand Canyon. „Was ist los, Opa Hermann?“ fragte das Piratenschaf, „du rufst Deinen Schöpfer an!“ „Unseren Schöpfer!“ meinte der alte Herr, „er ist auch dein Schöpfer! Außerdem habe ich ihn nicht angerufen, sondern ausgerufen!“ „Das klang jetzt aber nicht besonders positiv“, meinte Amos. Der pensionierte Bergmann ließ die Zeitung sinken und pochte mit seiner rechten knochigen Hand auf die Tischplatte. „Jetzt fangen die Irren schon wieder mit der Wahlwerbung an“, hämmerte er die Worte im Takt auf die Tischplatte,“dabei haben sie die anstehenden Probleme noch nicht einmal ansatzweise in den Griff bekommen. Ich plädiere dafür, dass das Wahlalter auf sechs Jahre herabgesetzt wird!“
„Weshalb denn?“ Amos setzte sich die Augenklappe auf das andere Auge und blinzelte seinen Ziehvater durch das frei gewordene Auge an. „Ist doch logisch, Wollknäuel, dann brauchen sich die Werbestrategen nicht mehr den Kopf darüber zu zerbrechen, welche blöden Sprüche das Wahlvolk zermürben.“ „Sondern?“ „Es reicht, MAOAM, bunte Smarties und Gummibärchen unter die Wähler zu verteilen!“
„Ha ha ha ha ha!“ Amos hüpfte um „vier Ecken“ und machte Bocksprünge in der kleinen Wohnküche: „Das ist lustig, Opa Hermann, du hast immer gute Ideen!“ „Logisch“, meinte Opa Hermann, „das lernt man auf Sohle eins unter Tage in drei Wochen!“
Es klingelte im Vorderhaus. „Nanu, die Post kommt doch erst gegen 16 Uhr, wer kann das sein?“ Opa Hermann erhob sich ächzend aus seinem „Hörn“ (Sorgenstuhl) und watschelte in seinen Slippern zur Haustür. Dabei brummte er etwas wie: „Mein Hüfthalter bringt mich um!“

Es stellte sich heraus, dass sein „früher“ Besucher niemand anderes war als sein letzter und einziger Freund Jupp. „Hallo, altes Steigeisen, was führt dich mitten in der Nacht auf meine Fährte?“ Die beiden Männer klopften sich zur Begrüßung gegenseitig auf die Schultern. „Ich war mal wieder beim Arzt“, berichtete sein ehemaliger Zech- und Zechenkumpel. „Was hat die Untersuchung ergeben?“ wollte Opa Hermann wissen. „Die Pumpe läuft nicht mehr rund, jetzt kommen die Überweisungen an die Fachkliniken!“ „Ja ja, du kommst in der Welt herum“, witzelte sein Freund. „Wenn die Ärzte nicht mehr weiter wissen, dann können sie den Todgeweihten noch schnell die Umsonst-BILD von vorgestern unter die Nase halten und sagen: „Schauen Sie, was ALDI für Sie bereit hält und suchen Sie sich was Schönes aus!“
Jupp musste lachen: „Mir haben sie auch so ein „Wichsblatt“ in den Briefkasten gestopft!“ „Du meinst „Witzblatt?“ „Ist das selbe!“ „Nee!“ „Doch!“ „Nee, wirklich nicht! Denk mal nach!“ Opa Hermann war sich seiner Sache sicher!
„Komm erst mal rein, die Zeiten des Stehkonvents sind lange vorbei. Wir besprechen die Lage im Sitzen!“
„Bier oder Cognac?“ „In der Reihenfolge, wenn es beliebt! Ach, Amos ist auch da, wo hast deine Linda gelassen?“ fragte er das Piratenschaf. „Ist beim Frauenarzt, kann sein, dass wir Nachwuchs bekommen!“ “ O, ihr macht kleine Piratenschafe?“
Opa Hermann mischte sich ein: „Das sind die kleinen Freuden des Lebens!“ „Aber nicht mehr zeitgemäß“, mäkelte Jupp, „wir brauchen Bullterrier und American Staffordshire, um unser Eigentum zu schützen, die Polizei kann es ja nicht, wegen Unterbesetzung!“ „Nee natürlich nicht, wenn die halbe Bevölkerung mit Regieren beschäftigt ist!“ Opa Hermann guckte grimmig. Er sah in diesem Moment selber aus wie ein Bullterrier. „Herrmann, besinn dich, ich bin`s, dein alter Kumpel Jupp!“
Die beiden Männer lachten. Jupp jetzt: „Wäre ich nur Förster geworden, ich hätte jetzt drei Langwaffen und eine Kurzwaffe für den Notfall!“ „Biste aber nicht, dafür hast jetzt Silikose!“ „Jau“, sagte Jupp, „jetzt kann ich die Einbrecher totspucken!“
„Was ist nur mit den Menschen los?“ sinnierte Opa Hermann, „ich habe das Gefühl, dass ich – in der Menge gesehen – mit lauter belegten Brötchen rede!“ „Das macht der Kapitalismus aus uns“, versuchte Jupp ihn zu beruhigen, „kaufen, kaufen, kaufen, wegschmeißen und neu kaufen, das ist das Credo der Wegwerfgesellschaft. Neues Smartphone gefällig?“
„Ich habe noch nicht einmal ein altes!“ Opa Hermann zeigte auf den Tisch: „Sieh dort, ein Telefon mit Wählscheibe!“ „Das funktioniert doch gar nicht mehr“, reklamierte Jupp, „das geht doch heute nur noch analog!“ „Sieht aber gut aus“, verteidigte Opa Hermann starrsinnig seine Weltanschauung und fügte hinzu: „Ruft doch eh niemand an!“ „Ja ja, und dein Hörgerät ist noch ein Ofenrohr, oder wie?“
„Einfach nur lauter sprechen und nicht nuscheln“, gab Opa Hermann zurück. „Und wie machste das mit Deinem Fernseher?“ wollte sein Freund wissen.“Welcher Fernseher?“ grunzte Opa Hermann. „Ich lese abends.“ „Wie? Du kannst lesen? Das ist ja ein völlig neuer Aspekt. Es gibt doch heutzutage Hörbücher. Eine der letzten Ausgaben ist von Helmut Kohl, aber ich weiß nicht, ob seine Biografie vollendet wurde. Nach meinem  Wissensstand hat er seinen Biografen um mehrere Millionen Euro verklagt, weil der etwas veröffentlicht hatte, was der große Staatsmann Kohl zwar gesagt, aber nicht gedruckt sehen wollte.“
„Siehste“, empörte sich Opa Hermann, „das kommt davon, wenn man selber nicht lesen und schreiben kann!“

„Du willst doch nicht ernsthaft behaupten, dass der ehemalige Staatsmann, Helmut Kohl, nicht schreiben konnte?“ „Na ja, das kommt darauf an, wo ich den Level ansetze, zum Bundeskanzler hat es gereicht, zum Autor nicht….“

Rentnertreffen

Eine helfende Hand findet sich immer


„Wie geht es, Jupp?“ Opa Hermann begrüßte seinen alten Zechenkumpel mit großer Freude. Der konterte die Frage mit: „Gestern ging es noch, heute habe ich noch nicht probiert!“ Die Männer lachten. „Man trifft sich immer häufiger vor dem Supermarkt, alter Steppenwolf!“

„Ist für mich auch nahezu die einzige Möglichkeit geworden, Geld auszugeben“, feixte Jupp, „ausgenommen über das Internet, du weißt schon, Zahnkleber, Ersatzteillager – äh – die ganze Palette. Ich bin ja soooo genügsam!“

„Na ja, alter Grubenhirsch, dann hast du ja trotzdem den ganzen Tag etwas zu tun!“ „Na ja, bis auf Kirschkern-Weitspucken sind die Stunden abgedeckt!“ „Bei dir was Neues?“ „Das Gras ist wieder gewachsen!“ „Nee!“ „Doch!“ „Schon wieder?“

Die beiden Männer waren dicht vor dem Eingang stehen geblieben, um die tägliche Parade abzunehmen. Da näherte sich auch schon ein bekannter Rollatorführer.
„Hallo Ernst“, rief Jupp dem Heranrollernden zu, „auch schon unterwegs?“ Der Angesprochene blieb mit seinem  Rollator stehen, zog die Bremsen an und setzte sich auf den Ruhesitz des Gefährtes. „Jo, es gibt Sonderangebote, meine bessere Hälfte schickt mich zur Überprüfung!“
„Seit du nicht mehr beim TÜV die Autos von der Strecke holen kannst, hast du dein Betätigungsfeld auf die Einkaufswagen verlegt, gelle?“

Ernst machte ein gequältes Gesicht. „Da ist nicht viel zu überprüfen, denn das meiste an denen ist Luft!“ Es dauerte gar nicht lange, dann näherte sich eine weitere Gestalt dem Trio. Es handelte sich um Heinz, den Kriegsveteranen. Dieser nahm sofort Kontakt zu ihnen auf: „Nice to meet you“, sagte er zur Begrüßung und blieb bei ihnen stehen. Er hatte seine Kriegsgefangenschaft in den USA abgeleistet, weil er einen komplizierten Durchschuss abbekommen hatte und in den Staaten als Versuchsobjekt medizinisch versorgt wurde. Bei der Gelegenheit hatte er Kenntnisse der englischen Sprache erworben. „Wir können dir leider keinen Platz anbieten“, sagte Opa Hermann, „es sei denn, du nimmst in einem Einkaufswagen Platz.“
Der Angesprochene reagierte prompt: „Die haben doch heute Gartenstühle im Angebot, sollen wir vier Stück kaufen? Die können wir doch anschließend wieder umtauschen. Sagst einfach, dass die wackeln!“ „Umtauschen macht Spaß“, gab Ernst zu. „Der Frau an der Kasse bestimmt nicht,“ gab Opa Hermann zu bedenken. „Solange die mit Umtauschen beschäftigt ist, muss sie den Laden nicht putzen“, fügte Heinz hinzu.
Er wandte sich an Opa Hermann: „Was macht Dein Piratenschaf?“ „Frisst Gras!“ „Aha!“
Die Kunden hatten Mühe, mit ihren Drahtwagen den Eingang zu passieren. Die Männer hatten sich geschickt über die Passage verteilt. „Rentnertreff?“ fragte eine Dame mittleren Alters. „Zwei von uns sind Pensionäre“, gab Jupp wahrheitsgemäß zu Protokoll, „so viel Zeit muss sein!“ Die Frau grinste mitleidig und verschwand mit ihrem Gefährt im Inneren des Supermarktes.
„Stehen wir hier im Weg?“ fragte Ernst in die Runde.  „Nicht mehr als sonst auch! Außerdem, Lagebesprechung ist Lagebesprechung, und die findet am Ort des Geschehens statt“, formulierte Jupp und behustete seine Umgebung. „Also, wenn wir jetzt vier Gartenstühle besorgen, dann brauchen wir auch einen Gartentisch“, behauptete Heinz, „das nennt man Set! Wir könnten ja fragen, ob uns das jemand zum Auto bringt“. „Bleibt mal hier und sichert mir den Rückzug“, forderte Jupp die Männergruppe auf, „ich gehe rein und ordere die Teile!“ Sprachs und verschwand im Discounter.
„Der macht das wirklich, ich fasse es nicht“, meinte Ernst. Nach 10 Minuten öffnete sich eine Tür und zwei Weißbekittelte trugen vier Gartenstühle und einen Gartentisch ins Freie. Hinterdrein erschien Jupp und grinste über das ganze Gesicht. „Stellen Sie es ruhig hier ab“, sagte er, „meine Freunde helfen mir sicher weiter! Vielen Dank!“ Die beiden Angestellten verschwanden wieder im Inneren des Gebäudes.
„Wo sind die Kartons geblieben?“ wollte Opa Hermann wissen. „Die habe ich gleich drinnen entsorgen lassen“, grinste Jupp.  „Und wenn du die Sachen gleich umtauschen willst, dann hast du doch die Verpackung nicht mehr!“ wandte Opa Hermann ein.

„Wer sagt denn, dass ich die Garnitur umtauschen will? Das war doch vorhin nur Spaß. Gundi hat mich geschickt, ich soll die Garnitur für die Veranda kaufen. Und jetzt könnt ihr mir dabei helfen, die Sachen ins Auto zu tragen, na ja – bis auf Ernst, der ist ja Rollatorführer.“