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Wohlgemut will meditieren

 Wohlgemut ist ein eifriger Zeitungsleser. Manchmal verirrt er sich auch in den Gesundheitsteil, wo medizinische Ratschläge gegeben werden. So ist ihm nicht entgangen, dass in den letzten Jahren das Thema Meditation eine dominierende Rolle  spielt. Es heißt, dass Meditation dem modernen Menschen hilft, Stress abzubauen und Ruhe in sein hektisches Leben zu bringen. Aber nicht genug damit, sie soll darüber hinaus eine Methode sein, wie man seine Gedanken, Gefühle und Ängste unter Kontrolle bringen kann. Selbst die Wissenschaft habe bewiesen, dass  Meditation eine positive Wirkung auf Gehirnfunktionen hat, dass sie die Konzentrationsfähigkeit steigert, die Stimmung kontrolliert und die Entscheidungsfreudigkeit fördert, ja selbst Atem und Herzschlag beeinflussen kann. Kein Wunder, dass vor allem Menschen mit von Stress zerrütteten Nerven ihr Heil in der Meditation suchen –  also Manager, Lehrer und alle, die an anderen gesellschaftlichen Zwängen leiden. Doch auch Heilpraktiker und andere Therapeuten wenden sich der Meditation zu. Sie tun es möglicherweise aus beruflichem Interesse: Vielleicht kann man ja etwas von der Meditation für die eigenen Praxis verwenden. Vergessen darf man aber auch nicht die Suchenden, also Menschen auf der Suche nach sich selbst, nach dem Sinn des Lebens und dem Sinn von überhaupt allem.

Wer nicht gleich einen kostenpflichtigen Einführungskurs belegen will, kann sich im Internet durch die unendliche Zahl von Videos hindurchklicken, in denen alle Varianten der Meditation vorgestellt werden. Wohlgemut tat dies. Sein erster Eindruck war, dass die Meditationsvideos sich in vier Gruppen einteilen ließen. Es waren die verschiedenen Kursleiter, die Wohlgemut als Einteilungskriterium dienten.

Vier Typen erkannte Wohlgemut. Da war zunächst der seriös wirkende Herr im Anzug und mit dezenter Krawatte, straff gescheiteltes Haar, ein Mann, der durchaus selbst Manager oder Eheberater hätte sein können, bevor er sich zum Meditationsexperten entwickelt hatte. Sein Erscheinungsbild suggerierte: Bei mir gibt’s  nichts Magisches, hier geht alles nüchtern und sachbezogen zu, psychologisch-wissenschaftlich untermauert. Kein Zweifel besteht: Er gehört zum westlichen Kulturkreis.

Auch noch zum westlichen Kulturkreis gehört der zweite Typ, obwohl er schon im Erscheinungsbild erkennen lässt, dass er nicht ein langweiliger Standardbürger ist. Er hat nämlich sein Haar als Zopf gebündelt, der ihm tief auf dem Rücken hängt. Je nach Laune kann er aber auch sein Haar offen tragen und bis auf die Schultern wallen lassen.

Ist das Haar nicht mehr so füllig, oder ist die Glatzenbildung gar schon weiter fortgeschritten, rasiert sich dieser Typ die restlichen Haare einfach ab, kaschiert damit nicht nur den Haarausfall, sondern kommt im Aussehen dem chinesischen Urbild, Buddha, schon ein wenig nahe und kann somit als zaghafter Übergang vom westlichen Meditationslehrer zum buddhistischen Guru angesehen werden.

Wohlgemut stellte fest, dass sowohl der langhaarige als auch der glattrasierte Meditationslehrer vorwiegend auf einer grünen Wiese sitzend gezeigt werden, umgeben von einer Schar Frauen in losen Gewändern. Sie sitzen alle mit verschränkten Beinen –  fachsprachlich im sogenannten Lotussitz. Daran ist der asiatische Einfluss deutlich erkennbar.

Wohlgemut lauschte einem der Lehrmeister. Der gab zunächst seiner Freude Ausdruck, dass das Wetter so schön war und ihnen erlaubte, die Meditation in Freien  auszuführen. Das Schöne an der Meditation sei, das eigentlich schon zehn Minuten täglich  für sie genügten, riet er, doch heute habe man mehr Zeit und er wolle daher mit einer Basisübung beginnen: mit dem richtigen Atmen.

Das gefiel Wohlgemut: Beginnen mit etwas, das man schon kann. Doch da war der Guru ganz anderer Meinung.  Zu glauben, man könne einfach und gedankenlos richtig atmen, sei ein ganz großer Irrtum. Atmen bedeute nicht schlicht Füllen der Lunge mit Luft, nein, es sei vielmehr ein Füllen des ganzen Körpers und seiner Seele mit Lebenskraft. Der Guru las den Kursteilnehmern zunächst einmal die Leviten. „Sicherlich“, gab er zu, „wir atmen ständig, aber wir verschwenden keinen Gedanken daran, wie wir atmen. Das ist nicht nur gedankenlos, es beraubt uns auch der Möglichkeit, uns auf das hier und jetzt zu konzentrieren und die Achtsamkeit zu steigern. Durch die Kontrolle des Atmens werden wir uns des Augenblicks erste richtig bewusst.“

Wohlgemut fragte sich, warum der Schöpfer Atmen als automatischen, unbewussten Vorgang erfunden hat. Zwar hat das seine Vorteile, hat aber auch den Nachteil, dass dem Menschen dadurch sehr viel an Kontrolle über sein Leben verloren geht. Hier springt jedoch die Meditation hilfreich und korrigierend ein.

„Lasst es uns gemeinsam üben“, sagte der Guru und kommandierte mit wohltemperierter, ruhiger Stimme: „Tief einatmen, dem Atem nachspüren, ihn im Körper fühlen, und jetzt ausatmen, und wieder tief einatmen – wir merken, wie wir von unserem Atem getragen werden …“ Wohlgemut merkte es nicht, gab daher auf und verzichtete auf den Rest der Veranstaltung.

„Ex oriente lux“ – Licht und Erleuchtung kommt aus Osten, erinnerte sich Wohlgemut als alter Lateiner. Also warum nicht gleich sich an die Meister der hinduistischen und buddhistischen Lehre wenden, statt sich mit ihren europäischen Imitaten abzugeben. Gedacht, getan. Wohltat suchte im Internet hinduistische Gurus auf, von denen es eine Menge gab. Auch sie hatten meist langes, wallendes Haar, trugen farbenträchtige Gewänder und saßen im Lotussitz vor – wenigstens im  Internet – prunkvoll gestaltetem Hintergrund. Wohlgemut musste gestehen, dass er nicht frei von Ressentiments gegen sie war.

Das kam daher, dass er über das Leben der Mutter Teresa gelesen hatte, die in Kalkutta dafür arbeitete, die Not der Ärmsten der Armen zu lindern. Diese Armen gibt es aber nicht nur in Kalkutta, sondern in ganz Indien. Und warum? Weil sie das Pech haben, in der untersten Kaste geboren zu sein. Nach indischem religiösem Glauben ist die Gesellschaft hierarchisch in fünf Schichten, genannt Kasten, gegliedert. Nun gibt es auch in westlichen Ländern unterschiedliche gesellschaftliche Schichten. Aber mit Glück, Fleiß und Intelligenz kann man aufsteigen, falls man zu einer unteren Schicht gehört. Nicht so in Indien. Kaste ist Schicksal und kann nach religiösem Glauben nie und unter keinen Umständen verlassen werden. Der Angehörige der untersten Kaste, der auf der Straße lebende Paria, der Unberührbare ist der Diktatur des Schicksals unterworfen und lebenslang ein Paria.

Nachdem Wohlgemut sich das so drastisch vor Augen geführt hatte, stand für ihn fest: Von einem indischen Guru wollte er nichts über Meditation hören. Wenn es diesen Erleuchteten nach Jahrhunderte langer Meditation nicht gelungen ist, zu erkennen, dass das Kastensystem den Gipfel an Unmenschlichkeit verkörpert, dann sträubt sich alles in Wohlgemut, irgendeine Weisheit von einem solchen Weisen anzunehmen.

Bleibt also nur noch Buddha, der, wenn auch nicht Gott, aber dennoch ein Heiliger ist und sozusagen der Urvater aller Gurus. Wohlgemut erhofft sich von ihm, den Weg zu einem erfüllteren, vielleicht sogar glückseligen Leben zu finden. Der Buddha, wie ihn Wohlgemut von den beliebten Buddha-Statuen her kennt, ist ein Mann mit Glatze und dickem Bauch, mit fröhlichem lachendem Gesicht. Es besteht kein Zweifel: Der Mann ist mit sich und der Welt zufrieden, er hat letzte Glückseligkeit erreicht. Nun ist dieser Buddha ja mehr eine mythische Gestalt. Umso dankbarer ist Wohlfahrt, dass es eine lebende Variante des Buddha gibt: den Dalai Lama, der aus Tibet stammt.

Seine Heiligkeit, so lässt er sich nennen, reist gern um die Welt und besuchte auch Deutschland, so dass Wohlgemut ihn im Fernsehen kennenlernen konnte. Wohlgemut wusste zunächst nicht recht, was er von ihm halten sollte. Der Dalai Lama, schon ein älterer Herr, im typischen orange-roten Gewand buddhistischer Mönche war lächelnd unterwegs. Wo immer er auftrat, bei Empfängen oder Interviews – immer lächelte er  und kicherte. Egal welche Frage ihm gestellt wurde – er kicherte die Antwort. Selbst ernste Fragen beantwortet er kichernd. Der Verdacht lag nahe, dass seine Heiligkeit vielleicht dement war. Aber dann dämmerte es Wohlgemut. Das war nicht Demenz, das war vielleicht Ausdruck einer Abgeklärtheit, die sich von weltlichen Ereignissen nicht mehr erschüttern ließ, die das menschliche Leben lächelnd an sich vorüberziehen lässt, weil es dem Menschen gelungen ist, dank Meditation dem Schmerz und dem Leiden die schreckliche Wirklichkeit zu nehmen.

Seine Heiligkeit traf sich in den USA mit Deepak Chopra, einem aus Indien stammenden Meditationsexperten. Chopra hat  mit einer  Unzahl von Büchern den Markt überschwemmt, eines esotherischer als das andere. Sie haben ihm nicht nur Milliarden eingebracht, sondern auch den satirischen Nobelpreis für Physik, weil er in seinem Versuch, östliche Weisheit und westliches Wissen zu vereinen, gern von Erkenntnissen der Quantenphysik Gebrauch gemacht hat. Chopra und der Dalai Lama  haben bei ihrer Begegnung tatsächlich mehrmals ihre Nasen aneinander gerieben, um wohl damit  vergnüglich und humoristisch ihre Verbundenheit zum Ausdruck zu bringen.

Beneidenswert, diese Abgeklärtheit bei Männern, die sich doch bei aller Weisheit, ihre Kindlichkeit bewahrt hatten, dachte Wohlgemut. Er hoffte nun endlich, im Dalai Lama seinen Großmeister gefunden zu haben, der ihm den Weg zu einem erfüllten, gelassenen, glücklichen Leben führen würde. Doch dann stieß Wohlgemut, von dem wir schon wissen, dass er ein eifriger Zeitungsleser ist, in seiner Zeitung auf einen unglaublichen Bericht, der Wohlgemuts Absichten ein radikales Ende bereitete.

Manuel Bauer, der langjährige offizielle Fotograf des Dalai Lamas hat einen behinderten Sohn, der nicht gehen und nicht sprechen kann. Der Dalai Lama wollte den Vater, der seinen Sohn aufopfernd pflegt, trösten.  Er versuchte dies, wie es seiner Rolle entspricht, mit einer buddhistischen Idee. Der Buddhismus kennt zwar keinen Schöpfergott, hat sich aber über die Jahrhunderte zu einem Glaubenssystem entwickelt, in dem das Konzept des „Karma“ eine große Rolle spielt. Karma besagt, dass jede Handlung des Menschen Folgen hat, je nach Handlung gute oder schlechte Folgen. Diese Folgen können sogar in einem künftigen Leben eintreten. Buddhisten glauben nämlich an Reinkarnation, an „Samsara“,  den Kreislauf der Wiedergeburten. Dieses Konzept des Karma benutzte nun der Dalai Lama, um seinem Fotografen eine sinnvolle Erklärung für die schreckliche Behinderung seines Sohnes zu geben. Eltern von behinderten Kindern hätten möglicherweise in einem früheren Leben ein Kind getötet und müssten nun in diesem Leben im Sinn der karmischen Folge ein krankes Kind pflegen.

Der Bericht sagte nichts darüber, wie Bauer diese Erklärung aufgenommen hat. Wohlgemut fühlte sich schockiert von ihr. Er fand das Prinzip des Karma psychologisch unmenschlich. Nicht nur werden Eltern für potentielle Mörder gehalten, auch  das kranke Kind wird angeklagt, in einem früheren Leben Schlimmes getan zu haben. Nicht nur unmenschlich ist das Karma-Konzept – es ist auch sinnlos. Zwar scheint es nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung eine ausgleichende Gerechtigkeit herzustellen, indem es gute Taten belohnt und böse bestraft. Aber Wohlgemut ließ sich nicht durch buddhistische Spitzfindigkeiten einschüchtern. Welchen Sinn macht es denn, jemanden zu bestrafen, der kein Schuldbewusstsein haben kann, weil er sich nicht an sein früheres Leben und seine Handlungen erinnert? Soll Seine Heiligkeit der Dalai Lama trotz unendlich vieler Meditationen dennoch an die Sinnhaftigkeit von Karma glauben –  bitte schön, aber er, Wohlgemut konnte es nicht.

Langsam wurde Wohlgemut seiner Suche nach wirksamer Meditation müde. Da entdeckte er ein Video, in dem ihm ein seriös wirkender Herr versprach, mit Hilfe einer nur fünfminütigen Meditation vor dem Zubettgehen in einen tiefen, gesunden Schlaf zu fallen. Gut, dachte Wohlgemut, für eine gute Nachtruhe opfere ich gern fünf Minuten, zumal Dr. Wayne Dyer, der Herr, der mich anleiten wird ein professioneller Psychotherapeut ist, also aller Wahrscheinlichkeit kein Scharlatan.

Der erste Ratschlag Dyers klang durchaus sinnvoll: Programmiere dein Unterbewusstsein. Dann  empfiehlt er weiter: „Schließe deine Augen, sage dir, ich bin reiner Geist, der ich schon immer war und auch immer sein werde. In mir gibt es einen Raum für Vertrauen und Ruhe und Sicherheit, wo alle Dinge bekannt sind und verstanden werden. Das ist der universale Geist Gottes, von dem ich ein Teil bin, der mir antwortet, wenn ich frage. Dieser universale Geist  kennt die Antworten für alle meine Probleme, und die Antworten strömen mir zu, ich muss nicht mühsam nach ihnen suchen.“ Soweit war Wohlgemut geneigt, Dyer zu folgen, obwohl er sich des inneren Raums, in dem angeblich alle Dinge verstanden werden, nicht so sicher war. Aber Dyers Befehlen konnte Wohlgemut bei bestem Willen nicht folgen: „Sage dir, ich bin glücklich, ich bin erfolgreich, ich bin wohlhabend, ich bin Gott, ich bin Gott, ich bin Gott – weil jeder von uns im Grunde Gott ist.“ Wohlgemut erkannte, dass Meditation für Dyer nichts anderes war, als eine Anleitung für angehende Geschäftsleute, Erfolg zu erzeugen. Dass dazu sogar der Name Gottes missbraucht wurde, ist die eine Sache, und man könnte sie Blasphemie nennen. Die andere Sache ist, dass es Ausdruck von einem Riesengrößenwahn wäre, sich einzureden, dass man selber Gott wäre.

Seine Suche nach  Methoden der meditativen Selbstfindung hat Wohlgemut zu der Erkenntnis gebracht, dass vieles, was sich auf dem modernen Markt der esotherischen Weltanschauungen tummelt, auf Selbstbetrug und Schwindel beruht.  Er nahm sich vor, künftig bei zwei Männern Rat zu holen, deren Ratschläge betreffs Meditation allerdings sehr altmodisch sind. Es sind dies der Mann aus Galiläa, der Beten als Methode empfiehlt oder der Franzose, der im 17. Jahrhundert das aus Zweifel geborene klare Denken als Weg zur Selbstfindung vorschlug.

Undeutsche Klos, deutsche Kulturbeutel und ostdeutsche Kulturchristen

Kolumne

    Er hieß zwar Wohlgemut, fühlte sich aber nicht so. Die öffentliche Diskussion in Deutschland über das Thema Leitkultur ließ ihn nachts nicht mehr schlafen. Die Einführung einer Hocktoilette in einem Kölner Bürgerzentrum genügte, die Empörungsmaschinerie wieder einmal in Gang zu setzen. Das Hockklo entspräche nicht deutscher Tradition, sei  absolut undeutsch und ein Zeichen der wachsenden Islamisierung, so die Verteidiger deutscher Leitkultur. Dass der traditionelle deutsche Flachspüler schon seit Jahren durch den amerikanischen Tiefspüler ersetzt worden war, wurde aus olfaktorischen Wahrnehmungsgründen vom deutschen Bürger begrüßt. Wie so viele amerikanische Dinge des alltäglichen Lebens  widerstandslos in die deutsche Leitkultur aufgenommen wurden, so auch der Tiefspüler. Der Deutsche fühlte sich dadurch nicht in seiner Kultur bedroht. Aber ein Hockklo – nein, dagegen sträubt sich alles im kulturbewussten Deutschen.

   Wohlgemut fand, dass die Politiker dem Thema nicht gewachsen waren. Deswegen wollte er als loyaler Bürger seinen Beitrag leisten, um die Diskussion über Migranten und deutsche Leitkultur um einige Aspekte zu bereichern. Zu diesem Zweck begann er Briefe zu schicken an alle Politiker, die sich öffentlich zu dem Thema äußerten. Diese Briefe veröffentlichte er außerdem noch auf Facebook, in der Hoffnung, Gesinnungsgenossen zu gewinnen.

    Einleitend wollte Wohlgemut einen positiven Vorschlag machen, dessen Realisierung so unkompliziert war, dass er sich wunderte, dass noch niemand auf die Idee gekommen war, nicht einmal die, die so leidenschaftlich für eine deutsche Leitkultur werben und von Migranten erwarten, dass sie die übernehmen. Wohlgemut erinnerte sich an die Lehre der Werbepsychologie: Kleine Geschenke machen den Kunden geneigt zu tun, was man von ihm erwartet. Die Frage, was man den Migranten als Willkommensgeschenk, das sie für die deutsche Kultur einnehmen könnte, überreichen könnte, liegt auf der Hand. Was ist deutscher als der deutsche Kulturbeutel? Für den Deutschen ist das nicht einfach eine Tasche für Waschsachen und Kosmetika – nein, es ist ein Kulturbeutel, ein Beutel, der für den deutschen Bürger Kultur repräsentiert. Also, schlug Wohlgemut vor, überreiche man jedem Migranten oder jeder Migrantin beim Empfang einen deutschen Kulturbeutel. Als Inhalt für den Kulturbeutel eignen sich im Hinblick auf die spezifische Situation der Migranten vor allem ein Rasierapparat und ein Deostift. Der Rasierapparat würde den muslimischen Männern dazu dienen, diese riesigen schwarzen Bärte abzurasieren und sich so dem deutschen  Standardgesicht anzunähern. Da man weiß, in welch beengten Verhältnissen Migranten leben müssen und wie sich die Frauen kleiden, darf man annehmen, dass ein Deostift auch gern angenommen wird.

    Was aber soll geschehen mit Migranten, die noch gar nicht da sind, die erst nach Deutschland rein wollen? Auch das fragte sich Wohlgemut, und tat sich sehr schwer, eine Antwort zu finden. Der amerikanische Präsident machte es sich leicht. Er wollte Muslime einfach nicht in die USA einreisen lassen, weil sie Terror brächten und Leib und Leben der Amerikaner gefährden würden.

    In Deutschland sind es Pegida und die AfD,  die ebenfalls keine Ausländer ins Land lassen wollen, allerdings mit einer etwas anderen Begründung. Zwar sehen auch sie die Gefahr der Kriminalität, die von diesen Menschen ausgehen würde, aber am allergrößten ist ihre Sorge, dass diese Migranten aus muslimischen Ländern das christliche Abendland islamisieren und damit zerstören würden. Wohlgemut fand diese Sorge übertrieben. Die Migranten würden ja eine Minderheit im christlichen Abendland, das hier von Deutschland vertreten wird, darstellen. Also wäre doch logischerweise die Möglichkeit, dass nicht Deutschland islamisiert wird, sondern die Muslime christianisiert werden, viel größer. Komisch, dass niemand daran dachte!

    Ein Verdacht keimte in Wohlgemut auf: Sollten  diese abendländischen Christen, nicht wirkliche Christen sein? Einer der wichtigsten Sprecher der AfD ist Alexander Gauland, der von sich selbst sagte, er sei „nicht gläubig“, er sei „Kulturchrist“. Als Wohlgemut das hörte, schwirrten ihm mehrere Gedanken im Kopf: Gaulands christlicher Glaube ist ihm nicht durch muslimische Subversion zerstört worden, sondern muss ihm auf andere Art abhandengekommen sein. Ein wirklicher Christ, der sich durch seinen Glauben an Jesus definiert, ist Gauland also nicht. Deswegen nennt er sich einen „Kulturchristen“. Er ist jemand, der sich zwar vom Inhalt des Christentums verabschiedet hat, doch die Kultur des Christentums für sich reklamiert. Aber welchen Kulturbegriff hat der Mann? fragte sich Wohlgemut. Seine christliche Kultur ist doch ohne christlichen Glauben  sinnentleert. Wohlgemut fiel es wie Schuppen von den Augen: Gaulands Kultur besteht aus traditionellen christlichen Versatzstücken, antiquierten sinnlosen Riten und überkommenen Verhaltensweisen. Diese Kultur ist nichts anderes als Theaterkulisse. Wohlgemut dämmert es jetzt: Nicht nur Gauland agiert vor dieser Kulisse, sondern die Mehrheit all jener, die das christliche Abendland und seine Kultur beschützen wollen. Was sind sie doch alle für Heuchler, dachte Wohlgemut.          

   Wer aber beschreibt das Erstaunen, nein den Schock,  den Wohlgemut erlitt, als er im Fernsehen einen Bericht über Religion in Ostdeutschland sah. Eine Studie ergab: 52 Prozent der Ostdeutschen sind bekennende Atheisten, und in den Zeitungen las Wohlgemut, dass Ostdeutschland die „gottloseste Region der Welt“ ist – so die tatsächliche Formulierung.. „Kein Wunder“, dachte Wohlgemut zunächst, „ein halbes Jahrhundert Kommunismus hinterlässt eben seine Spuren.“ Aber dann fiel ihm ein, dass Polen und Russland ebenfalls unter dem Kommunismus gelebt haben, und dort die Religion dennoch immer noch ziemlich lebendig ist. Also muss es für die für die ostdeutschen Brüder und Schwestern andere Gründe für ihre Gottlosigkeit geben, vermutete er.

    Verstehen konnte er jedoch jetzt, dass die im Osten dominierende Pegida und AfD keine Muslime ins Land lassen  und die Grenze, wenn nötig, sogar mit Waffengewalt verteidigen wollten. Dass diese gottlosen Atheisten das christliche Abendland schützen wollen, ist doch die pure Heuchelei. Allerdings Recht haben sie auf eine verquere Weise, wenn sie sagen, diese Muslime sind nicht integrationsfähig. Wie sollten die sich als gottgläubige Menschen in eine atheistische Gesellschaft wirklich integrieren können? Zwar sind sie keine Christen. Aber was sie mit Christen immerhin gemeinsam haben, ist der Glaube an einen Gott. Für die ostdeutschen Atheisten wären sie allerdings eine ständige Provokation.  Gauland und Genossen glauben offensichtlich, dass Religion und Kultur nichts miteinander zu tun hätten und Ausländer sich deswegen auch in eine Kultur einleben könnten, die keinen  Sinn mehr hat. Wohlgemut hätte Gauland gern gefragt, ob 2000 Jahre abendländischer Atheismus dieselbe Kultur erzeugt hätten wie 2000 Jahre Christentum. Warum nennt er sich nicht Kulturatheist?

    Sie sind schon ein ganz besondere Völkchen, diese Ostdeutschen., dachte Wohlgemut. „Halt“, rief er sich zur Ordnung, vergiss nicht, sie sind doch Deutsche, sind Brüder und Schwestern, wie wir sie früher, vor der Vereinigung, genannt haben.“ Wohlgemut versuchte sich zu erinnern. Wie war das eigentlich damals bei der Vereinigung? Die  DDR als System wurde abgeschafft und Ostdeutschland wurde in die Bundesrepublik übernommen. Hatte man damals die Frage gestellt, die man heute im Hinblick auf Migranten stellt: Sind diese Ostdeutschen überhaupt integrationsfähig? Eine demokratische Kultur, wie man sie im Westen mühselig  jahrzehntelang mit amerikanischer Hilfe gelernt hatte, war denen im Osten doch vollkommen fremd. Wie man jetzt weiß, kommt noch hinzu, dass auch das Verhältnis zur Religion im Osten ein ganz anderes ist als im Westen. Wenn man damals die Maßstäbe von Pegida und AfD angelegt hätte, hätte die Trennung der beiden Teile Deutschlands unbedingt beibehalten werden müssen.

    Eine vom Fernsehen berichtete kleine Episode ließ Wohlgemut die Unvereinbarkeit der kulturellen und religiösen Vorstellungen von West und Ost klar erkennen: In der DDR wurden überflüssig gewordene Kirchen umfunktioniert. Eine Touristengruppe aus Bayern war aufs Tiefste schockiert, als sie erfuhr, dass das Restaurant, zu dem sie gefahren wurden, eine ehemalige Kirche war. Die Blasphemie wurde als schlimmer empfunden als wenn eine Kirche zur Moschee umgebaut worden wäre. Denn dann hätte sie immerhin  noch ihre alte Funktion behalten, nämlich Haus eines Gottesdienstes zu sein. Wohlgemut musste zugeben, dass er auch von Kirchen in Westdeutschland gehört hatte, die ebenfalls ihrem ursprünglichen Zweck entfremdet wurden, und er fragte sich, ob das nicht schon vielleicht Zeichen der Unterwanderung durch östliche säkulare Wertvorstellungen sei, dass also die Zersetzung der BRD durch ostdeutsche Einflussnahme schon begonnen habe.

    Wohlgemut war weder Psychologe noch Historiker. Er war Rheinländer. Als solcher erinnerte er sich an einen anderen Rheinländer, an den ersten Kanzler der Bundesrepublik, an Konrad Adenauer. Von ihm behaupteten einige seiner Kritiker, dass er nicht sehr unter der Teilung Deutschlands  gelitten habe, und dass er nicht genügend getan habe, sie zu beseitigen. In der Tat sah Adenauer einen Unterschied, eine Andersartigkeit der Mentalitäten,  zwischen dem Westen und dem Osten Deutschlands. Er fühlte sich dem Westen zugehörig. Der Osten war eine fremde Region für ihn. Wenn er als Kölner Oberbürgermeister ins preußische Berlin  reisen musste, zog er, sobald der Zug über die Elbe fuhr, die  Vorhänge zu, damit er „die asiatische Steppe“ nicht sehen musste. Und noch 1949 sagte er, dass „am Rhein die Menschen schon mit Frankreich ein kulturelles Erbe gehütet hätten, während im östlichen Deutschland noch Menschenopfer dargebracht worden wären“.

    Wohlgemut wusste natürlich, dass Adenauer das nicht wörtlich meinte. Aber er verstand sehr wohl, dass in dem Adenauer-Humor eine westliche Mentalität zum Ausdruck kam, die dem Osten als etwas Fremdem gegenüberstand. Vielleicht gilt das auch noch heute. Adenauer hatte humorvoll, also versöhnlich, die Kluft zwischen West und Ost beschrieben. Wohlgemut erinnerte sich, dass er als Schüler im Geschichtsunterricht etwas über Westfranken und Ost-Elbier gehört hatte,  und über die Elbe als Grenzfluss, der das römische Reich mit seiner Hochkultur  von den unzivilisierten Slawen trennte. Seine Geschichtskenntnisse  ließen Wohlgemut im Stich.  Aber die Vermutung wuchs in ihm, dass viele Eigenschaften und Merkmale, die den Ostdeutschen zugeschrieben werden, sehr alte Wurzeln in der Geschichte haben könnten.

    Wohlgemut musste einsehen, dass eine einfache Idee  – wie die mit dem deutschen Kulturbeutel  – diese uralten Probleme nicht lösen könnte. Daher sah er schwarz für Deutschlands Zukunft. Kurz entschlossen wanderte er nach Australien aus, wo man all diese Probleme nicht hat.

Die Corona-Demonstration…

… Berlin hat offensichtlich verschiedene Menschen mit verschiedenen Weltanschauungen zusammengeführt. Eine der Gruppen fühlte sich von der Regierung gegängelt: Vorgeschriebene Schutzmaßnahmen wie etwa die Maskenpflicht und die Einhaltung von Mindestabständen gehen ihrer Meinung nach nicht mit einer freiheitlich – demokratischen Grundordnung einher. Verbot von Großveranstaltungen, betriebliche Einschränkungen pp.

Eine andere Gruppe leugnet die Gefährlichkeit des Corvid 19 Virus und sieht dahinter eine Maßnahme von „wie auch immer- Gewinnlern“, die sich entweder an fragwürdigen Medikamenten oder Implantaten eine goldene Nase verdienen wollen. Verschiedene Verschwörungstheorien kursieren in den sozialen  Netzwerken dergestalt, das Virus sei  zum Beispiel einer Laborzüchtung entwichen, die dazu angetan sei, die Wirtschaft eines ganzen Staates lahmzulegen. Nun hätte es die Entwickler des Plagegeistes selbst erwischt, nämlich bekannte Provinz in China. Andererseits käme das Virus von Fledermäusen, die dort als Delikatesse auf den Märkten feilgeboten werden.

Die dritte Gruppe, die inmitten der harmlosen Spinner agiert, sind jene Fahnenschwenker, welche sich Reichsbürger nennen oder  sich den hardlinern der rechtsextremen Szene zugesellen, die am liebsten das „Dritte Reich“ vollenden möchten und jene als Galionsfiguren verehren, die dafür verantwortlich sind, dass das Staatsgebiet der BRD nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg dermaßen geschrumpft ist, dass „Not und Elend ins geliebte Vaterland einkehrten“, was deren Meinung nach wieder ins „rechte Lot“ gebracht werden müsse.

Ihnen sei empfohlen, sich in Geschichtsbüchern umzutun und parallel eine Weltkarte der entsprechenden  Perioden kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen Gruppen und Völkern vor sich auszubreiten. Verlorene Kriege gingen immer mit Gebietsverlusten der unterlegenen Parteien einher. Ostpreußen, Schlesien  und das Sudetenland gingen deshalb für immer verloren. Daher: „Von der Etsch bis an den Belt“ – und  von „über alles in der Welt“ sollte niemand mehr träumen.

Das ist nicht nur Unsinn, sondern gefährdet überdies eine gute Nachbarschaft zu Nationen, die den Deutschen weitestgehend verziehen haben in dem Wissen, dass die heutige Generation nicht unter dem „Führer“ gedient hat. Die Deutschen haben ihnen in der Zeit zwischen 1933 und 1945 „übel mitgespielt“. So viele Tote  soll es mit Corvid 19 nicht geben. Leider sind nicht alle Menschen vernünftig und kommen von selbst auf Vermeidungsstrategien. So müssen es Verordnungen und Anordnungen bewirken.

Jetzt geht in verschiedenen Gesellschaftskreisen das große Jammern los. Die Rede ist von bösen  skrupellosen Demagogen oder Diktatoren, die den freien Bürgern die Freiheit nehmen und sie statt dessen per Gesetz bevormunden.

Im Verein mit den Verunsicherten marschieren die Reichsbürger mit ihren Reichskriegsflaggen. Sie vermissen eine Verfassung der BRD und Friedensverträge mit den einstigen Kriegsgegnern. Sie erkennen das Grundgesetz, das seinerzeit mit „heißer Nadel“ buchstäblich über Nacht gestrickt wurde, nicht als Verfassung an, obwohl der Inhalt mit den Siegermächten „ausgehandelt“wurde.

Was ich an den Reichsbürgern vermisse ist, dass sie einmal einen umfangreichen Entwurf vorlegen, der ihrer Auffassung nach anstelle des Grundgesetzes für Recht und Ordnung in der BRD sorgen sollte und die persönliche Freiheit und Gleichheit  der Bürger vor dem Gesetz garantiert. Frauen wieder vor den Herd? Wahlrecht nur für Männer? Welcher Gestalt sollte das Verhältnis zu den benachbarten Staaten sein? Rückschritt in die Weimarer Republik?

Sollte Wilhelm der Zweite wieder ausgegraben werden? Hindenburg? Friedrich Ebert? Oder sollte es eine Renaissance der Nationalsozialistischen Partei geben?

Mit Blick auf Goethes Faust rufe ich aus: „Heinrich, mich graust`s  vor Dir!“

Prost! Austrinken!

Noch sind wir! Der alte Kunstmeister grüßt in die Runde!

Hyper – hyper

… ja genau! Hyper – hyper: Zahle 10.- € ein und spiele mit 50.- € ! Da springt dieser Typ aus der TV – Serie: „It`s your voice“ oder „“Kids voice“ – oder „schieß mich tot- voice“ wie ein HB-Männchen durch die Aufnahmelandschaft: „Hyper – hyper!“, schreit er und wirbt in einem TV Sender für die Spielsüchtigen unter uns! Es könnte auch heißen: „Zahle 10.-€ und spiele mit 1000.-€!  In den meisten Fällen aller Fälle sind auch die 1000.-€ bald verzockt. Nur dem „Unternehmen, welches dafür wirbt, geht es nicht schnell genug! Da tut sich Entsetzliches auf – neben anderem, was auch entsetzlich ist – in dieser, unserer Corona- Zeit.

Da gibt es Corona-Leugner, die sich beschweren, dass sie ihre Freiheit einbüßen! Freiheit? Häääää?

Du bist doch von Geburt an unfrei mit dem Ziel unfrei Dein Leben zu fristen bis es Dir genommen wird! Merke: „Alte Menschen sterben nie jung!“ Der Zeichner dieses Orakels ist inzwischen im achtundsiebzigsten Lebensjahr – fast ein Weiser, fast ein Prophet in diesem Zeitalter des Jammerns.

Nun hat der sehr ehrenwerte Kabarettist mit Namen  „Puffpaff“ – auf englisch „Paffpäff – ironischerweise den Gedanken an sein Publikum herangetragen, es solle „selektieren“, also das Unangenehme völlig ausblenden und nur das Positive an sich heranzulassen! Bravo, Paffpäff, nur so ist diese Welt zu ertragen, die Welt voller geistig Schwachen, die, wie es im Alten Testament unter den Seligpreisungen angemerkt ist, im Himmel aufgenommen werden, da selig gesprochen!

Ich nenne diese Ansammlung von – äh – wie nannte ich sie doch gleich in den Konferenzen an einer sozialtherapeutischen Anstalt in Gelsenkirchen? Ah ja – schwach Strukturierte, von den ich eine Größenordnung von weltweit achtzig Prozent in Ansatz bringe. Ich nenne diese „Garnitur“ Fleischklöpse.

Meine Frau  sprach mich in diesem Zusammenhang an: Der Torsten Straeter nennt sie „Frikadellen!“ Egal – ich finde die Bezeichnung „Fleischklöpse“ zutreffender, weil sie gekocht und nicht gebraten werden.

Meine späte Tochter ist studierte Soziologin mit Eignung zum Lehramt. Sie widersprach mir energisch (wie sie nun einmal ist!): „Da kommst du nicht mit aus!“

Gott sein es gedankt, ereignete sich Corona! Ich schöpfte wieder Hoffnung, sah ich doch die Pandemie als eine Chance, die bescheuerten Lebensgewohnheiten der Menschen gegen andere, weniger schädliche Initiativen im Leben umzuwandeln, abzuändern!

Nee, war klar! Die Wut vieler Menschen, die ihre Freiheit nun beschränkt sehen, richtet sich nicht gegen ihre Gewohnheit, als Spaßgesellschaft so viel Schaden wie möglich unserem Planeten anzutun, sondern gegen jene, welche sich bemühen, der Pandemie entgegenzuwirken. (Durch bekannte und teilweise verordnete Vorsichtsmaßnahmen.)

Ich will nun nicht an dieser Stelle den von Professor Joseph Beuys zur Debatte gestellten  Freiheitsbegriff bemühen, sondern nur ein kleines Beispiel dafür anführen, wie unfrei es dem Menschen bereits seit der Geburt anlastet: Die Atmung!

Skeptikern unter uns sei gesagt, dass diese Unfreiheit sich bei all jenen bemerkbar macht, die als Nichtschwimmer in einem tiefen Gewässer versinken.

Bei allem Getue um den angestrebten persönlichen Stellenwert im Leben: Vergiss niemals Luft zu holen und geselle dich niemals zu den 80 Prozent der Menschen, von denen ich im Laufe dieser Erörterung sprach!

Prost! Austrinken! Noch leben wir!

Euer alter Kunstmeister

Retroperspektive zum Wirken und Leben des Joseph Beuys

Heute, im Juni2020, wird vielerorts  an eine Aufarbeitung des Lebenswerkes von  Joseph Beuys gedacht. Sie kennen diesen Bildhauer und ehemaligen Kunstprofessor  an der Kunstakademie Düsseldorf in der Eiskellerstraße nicht?

Joseph Beuys wurde im Mai 1921 geboren. Er war Krefelder, verbrachte seine Jugendzeit dort, besuchte dort ein Gymnasium. Im nächsten Jahr würde er 100 Jahre alt, wenn er nicht 1986 gestorben wäre. Sein Todestag ist 34 Jahre her. Gut, die Menschen orientieren sich an runden Jahreszahlen: Silberhochzeit, Goldene Hochzeit, 25 jähriges Dienstjubiläum und runden Geburtstagen.

Weshalb diese Eile jetzt, dem Joseph Beuys  zu gedenken? Armin Laschet ist jetzt Schirmherr für die Joseph Beuys-Gedächtnisarrangements, natürlich mit Nähe zu Lehmbruck, bei dem J.B. studierte (Lehmbruck-Museum).

Ausgerechnet ein Karrierestreber wird zum Schirmherr eines toten Künstlers, der zu Lebzeiten stets die Kompetenzfrage in den Mittelpunkt seiner gesellschaftskritischen künstlerischen Gedanken stellte. „Die Kompetenz für die Lösung eines gesellschaftlichen Problems geht reihum“ – Originalton Joseph Beuys. Laschet ist Jurist wie ganz viele Abgeordnete des Land- und Bundestages. Im Volksmund macht eine Rede die Runde: „Wer anspuchsvollere Studienplätze (numerus klausus) nicht erreicht wird Jurist, wobei noch unterschieden wird zwischen dem normalen Staatsexamen und jenem zum „Volljuristen“ wie wir sie bei Richtern erleben und begrüßen!

Was der Joseph Beuys zu seinen Lebzeiten in die Bildende Kunst einbrachte, hat zu dessen Lebzeiten ohnehin kaum jemand begriffen: Kunst ist nach wie vor für viele Menschen das Abbilden von Vorgefundenem. Verächtlich könnte man diese kreativen Personen als Blümchenmaler in eine Schublade stecken, wobei das bildnerische Handwerk in den Vordergrund tritt.

Beuys: „Malen und Bildhauern alleine, ohne weitergehenden Bezug zu den elementarsten gesellschaftlichen Probleme reichen nicht aus. Damit hat Beuys die Gesellschaftspolitik zum  inhaltlichen Bestandteil der Bilden Kunst gemacht. Deshalb auch sein Ausspruch: „Jeder Mensch kann ein Künstler sein“, selbst wenn er weder malen noch bildhauern im klassischen Stil kann.

Beuys: „Ich selber kann gar nicht  gut malen. Komischerweise bin ich Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf geworden!“ (Beuys –Auftritt im Folkwang-Museum Essen in den siebziger Jahren). Der Autor war anwesend. Von daher ist dieser Ausspruch von Beuys authentisch.

Weil er im Rahmen der Immatrikulationsbedingungen zu viele Studenten in seine Klasse aufnahm, zeitweise waren es bis zu 400 Studenten, führte dieses Unterfangen  schließlich zu seiner Entlassung aus dem Schuldienst durch den damaligen Kultusminister, Johannes Rau, den späteren Bundespräsidenten.  Mit eben diesem führte ich einen handschriftlichen Briefwechsel in Bezug zu einem künstlerischen Projekt: „Die organische Welle“ einer geplanten Performance mit den Landwirten, die nie zustande kam, weil die Bauernverbände trotz Zusagen nicht aus dem „Quark“ kamen. Damals grassierte die Schweinepest und Johannes Rau riet mir, den Massenaufmarsch der Landwirte abzusagen. Auf jeden Fall wäre das eine Performance gewesen, die Beuys gefallen hätte.

Jetzt, da Beuys zunehmend an gesellschaftlicher Akzeptanz erfährt, wobei die „Ammenmärchen“ um ihn und seine Auffälligkeiten (Hut und Anglerweste, Koppelgürtel) zunehmend verstummen. machen sich gesellschaftliche Erkenntnisse breit, dass die Menschen es nicht zu arg mit der sie umgebenden Natur treiben sollten; gerade jetzt zu einer Zeit, da die Corona-Epidemie die Wirtschaft in einem Knebelgriff hält und mit katastrophalen wirtschaftlichen Einbußen und zu Arbeitslosigkeit der Menschen führen wird..

Dass ausgerechnet die Inhalte der Bildenden Kunst mit Weitsichtigkeit in Hinsicht auf nahende gesellschaftliche Probleme einhergehen, ist unbestritten ein Verdienst dieses genialen Kunstschaffenden. Er wollte die Menschen als Teil einer kreativ fungierenden Gesellschaft in diesen künstlerischen Prozess einbeziehen – in Form eines schöpferischen Gestaltungswillens, der ja einer Gestaltung in jedem Falle erst einmal vorausgeht. Dazu hat er die Menschen aufgerufen!

In seiner letzten Rede  im Lehmbruck-Museum hat er seine Mitstreiter, im Grunde alle Menschen, dazu aufgerufen: „Lasst die Flamme nicht erlöschen!“

In diesem Sinne sind an vielen Orten der BRD Aktionen  und Präsentationen um diesen großartigen Menschen und Kunstschaffenden geplant, die gehört und verstanden werden sollten!

Mach’s gut, mein Freund, an mir soll es nicht scheitern!

Das große Résumé

Zeit ein Résumé aus Gehabtem, Erstrittenem  und Erhofftem aus Vergangenheit und Jetztzeit zu ziehen. Die Gelegenheit ist Dank Corona so nützlich und notwendig wie nie zuvor.

Während sich jetzt schlaue und törichte Menschen auf die Corona-Diagnostik spezialisieren und widersprüchliche Kommentare in den Nachrichten nicht abreißen, haben sich andere zumeist “einfach strukturierte Seelen“ darauf spezialisiert, ihre von den Regierungen veranlassten persönlichen „Unfreiheiten“ in den sozialen Netzwerken zu beklagen und anzuprangern. Unter anderem, so war zu lesen, habe Bill Gates das Virus in Auftrag gegeben, um einen großen Teil der Menschen auf sich zu vereinigen. Dann habe er den Rest der Menschheit endgültig in seiner Hand. Hätten die Urheber dieses Schwachsinns den amerikanischen Präsidenten, D. Trump als Verantwortlichen bezichtigt, wäre das Ergebnis dieses Denkens zwar ebenso anzuzweifeln, aber in gewisser Weise irgendwie nachvollziehbar. „Covid 19 sei den Chinesen anzulasten, weil es angeblich aus einem Labor entwichen sei!“

Ja, ja, das kommt davon, wenn man die Tür nicht hinter sich schließt und alle Fenster offen lässt! Es hat schon immer Pandemien und Seuchen gegeben. Die letzte Heuschreckenplage ist noch nicht lange her, und „Agent Orange“ hat noch vor nicht langer Zeit in Nordvietnam gewütet . Der brasilianische Musterpräsident hat gerade noch die Genehmigung für weiteres Abholzen des Regenwaldes erteilt.

Noch funktioniert der Magnetismus an den Polen unseres Heimatplaneten. Im Erdinneren rotiert n flüssiges Gestein um einen Eisenkern. So funktioniert eine Lichtmaschine oder eben eine Aggregat, welches Magnetismus erzeugt.

Wäre das nicht so, wären unsere Vorfahren mitsamt dem Wasser im Weltraum verschwunden.  Doch nun plagt sich die Menschheit mit winzigen Eiweißatomen herum, die boshafterweise als Viren bezeichnet werden.

Man hätte sie auch Tamagotchis nennen können, weil sie dazu geeignet sind, dass man sie füttern kann. Die Zeit ist gekommen, ein Résumé zu ziehen: Was haben wir falsch gemacht? Wurden wir zu viele?

Was haben wir dem Planeten angetan? Durch Covid19 tritt ein Prozess der Verlangsamung ein. Ein Prozess, den viele Menschen  für dringend erforderlich halten. Die Geologen werden sich dagegen verwehren, wenn jemand daherkommt und behauptet, dass die Erde ein Organismus sei. Jedenfalls verhält sich unsere Erde so. Sie erscheint uns mal sensibel und gleichzeitig wachsen bedrohliche Kräfte aus ihr.

Wir leben auf einer Erdkruste auf glühender Lava und gehen bei ALDI und Co einkaufen, stehen Schlange am Postschalter in der Tanke und fluchen, wenn uns jemand die Vorfahrt nimmt. Sind wir Menschen mehrheitlich nicht völlig plem plem?

Zu allem Überfluss zetteln wir noch Kriege gegen einander an und beschweren uns bei höchster Instanz, dass nicht eingegriffen wird! Unglaublich! Gib den „Pavianen“ eine Schusswaffe und verleihe ihnen den Titel „King of Currywurst“.(Das  ist doch diese Affensorte, die ihr Gebiss so furchteinflößend blecken kann?) Doch keine Sorge, Paviane können den Trigger an der Pistole nicht richtig einschätzen, selbst wenn sie diese in die richtige Richtung halten würden. Wenn es knallt, lassen sie die Pistole fallen und flüchten! Wir Menschen könnten von ihnen lernen!

Solche nützlichen Dinge wollen wir nicht lernen. Das Gehirn ist ständig überfordert – bis in den Schlaf hinein. Wir fordern Dinge an, die wir nicht bezahlen können und wenn die Rechnung kommt, ist kein Geld da! Dahinter verbirgt sich eine seltsame Logik!Das sollte als Merksatz auf der ersten Seite der Fibel stehen, die den Menschen beim Besuch der ersten Klasse ausgehändigt wird.

Es wird allerhöchste Zeit, dass unsere Juristen die  ZEHN GEBOTE auf die Jetztzeit neu formulieren nach dem Motto:“Du sollst nicht dreimal jährlich an einer Kreuzfahrt teilnehmen!“

Baut die Rettungsboote ab, sie nehmen Euch nicht alle auf, wenn eine Katastrophe eintritt. Rettungsboote an einer schwimmenden Stadt sind Bestandteil einer Mogelpackung . Sie gaukelt Euch eine trügerische Sicherheit vor. Wenn Ihr in einem Hafen zur Landbegehung ausscheckt, braucht Ihr – wenn es gut läuft bis zu einer halben Stunde, wenn 4000 Passagiere an Land wollen.

Das Geheimnis des Überlebens bedeutet Risiken einzuschätzen! Das wird in den Schulen leider nicht gelehrt. Das muss sich der Mensch erst mühsam erarbeiten, meist mittels leidvoller Erfahrungen. Wer zu viel einschätzt und abwägt, wird als Angsthase verschrien. Lieber ein lebender Angsthase als ein totes Chamäleon, finden Sie nicht?

Auch das sollte ganz vorne in unserer ersten Fibel stehen. In der DDR stand gleich vornean ein Gedicht: „Mein Bruder ist ein Traktorist – und ich will einer werden!

Gehen wir in medias res, verweilen wir bei einer gründlichen Ursachenforschung. Niemand kann der „Schöpfung in die Suppe spucken“Erkennen wir die Zusammenhänge und lauschen den Worten der Philosphen und Propheten, anstatt uns über ein amtliches Beschneiden der persönlichen Freiheit angesichts einer gefährlichen Pandemie zu beklagen oder gar den Aufstand zu proben: Ein totes Chamäleon kann nicht länger die Farbe wechseln! Den Pommes  Frites ist es egal, in welcher Reihenfolge sie in den Schlund gelangen!

Prost! Austrinken! Noch sind wir!

Euer alter Kunstmeister

Reiche Bürger – Reichsbürger – es reicht, Bürger!

„Ich hätte gerne 150 Gramm Weltanschauung, bitte!“  „Geschnitten oder am Stück?“ „Reichen Sie mir das eben rüber, ich esse es gleich hier!“ „Dann gilt die „Im – Hausverzehr Mehrwertsteuer!“

Paragraph  146 , GG. Das Grundgesetz ist vorläufig und endet nach erfolgtem Zusammenschluss beider deutscher Staatsgebilde. Dann wird eine vom Volk gewählte Verfassung gelten.

Ja, ja, noch ein Scheibchen Zitrone dazu? Oder dieses kleine Minzeblättchen passt doch noch hinein – in Ihren weit geöffneten Schlund, der zu einem gewaltigen Innenleben führt – und peng! (vergleiche  Monty Python).

Vom Volke gewählt?  Dazu müsste doch ein Entwurf vorgelegt werden, oder zwei oder drei? Wie wäre es mit 82 Millionen Entwürfen? Da müsste doch einer dabei sein, der Ihren Vorstellungen entspricht.?

Man könnte auch gleich das Grundgesetz als Verfassungsvorlage benützen, aber kennen Sie das Grundgesetz eigentlich? Kommen Sie über den Artikel 1, GG hinaus? Das ist jener, der etwas über das Menschenrecht des Einzelnen und dessen Würde aussagt.

Wie konnte man die Alliierten seinerzeit davon überzeugen, dass die Deutschen künftig einen liebevollen Umgang mit ihren Nachbarn pflegen, so dass sie dazu bereit wären, den Besatzungsstatus nach und nach aufzulockern.

Was sagen die Reichsbürger zu diesem Thema? Sie bemängeln, dass wir nach über 70 Jahren noch immer keine Friedensverträge mit den Siegermächten geschlossen haben. Haben Sie schon einmal mit einer Seele diskutiert, die hartnäckig auf dieser Ungereimtheit beharrt?

Ich sage:“Was willst du? Hat der Bäcker keine Brötchen im Angebot? Fällt Dir dauernd Deine Oberkieferprothese ins Wort? Was steckt hinter Deiner Kritik? Willst Du wieder die Weimarer Republik? Willst Du die Machtverhältnisse verändern? Willst Du KING KONG als Präsidenten oder gar den Adolf wieder?

Andererseits: Eine völlig andere „Struktur“ in die allumfassende Gesetzgebung zu bringen, würde schon allein daran scheitern, dass es dafür keine Mehrheit gäbe, denn noch sind die Unzufriedenen in der Minderheit.

Willst du die Beamten abschaffen als ausführende Personen der Gesetzgebung? Sie nehmen hoheitsrechtliche Aufgaben wahr. Willst du sie durch Kapos ersetzen? Mit Schirmmütze und Schlagstock ausstatten? Wenn dann ein unzufriedener Bürger beim Finanzamt seinen Unmut äußert, bekommt er erst einmal mit der „Quieke“ einen übergezogen. Möchtest du das? Das gäbe ein Gequieke in Deutschland zum Gotterbarmen.

Willst du Gerechtigkeit? Möchtest auch du ohne Arbeit reich werden? Dann reicht es doch, wenn wir die Gesetze abschaffen! Wir schlagen uns gegenseitig zu Tode. Wer übrig bleibt nimmt sich alles. Oder wir nehmen einfach für alles eine saftige Miete. Gehst du an mir vorbei ,– ist  eine saftige Miete fällig! Ich ziehe einen Kreis um mich, wer den tangiert zahlt Zoll. Was zeichnet die vom Staat verfolgten Reichsbürger aus?

Wenn sie ein Grundstück besitzen, rufen sie ihr Staatsgebiet aus! Sie schaffen zunächst einmal eine eigene Währung. Da sie keine Prägemaschinen besitzen, füllen sie Papiergeld mit der Hand aus. Als nächstes ist der Personalausweis dran: Republik Steingarten! Ein Stempel muss her! Ohne Stempel geht gar nichts. Es empfiehlt sich der Kartoffeldruck. Mit etwas Übung klappt es. Als einziger Bewohner des neu erschaffenen Phantasialandes muss das auch nur einmal gelingen. Dann folgt der Führerschein und die Waffenbesitzkarte. Ach was! Gleich einen Waffelschein herstellen und entsprechendes Schießgerät beschaffen. Ohne Schießgerät  = keine Staatsmacht. Das hat sich in der Vergangenheit bei allen Nationen der Welt durchgesetzt.

 Eigentlich müsste jetzt an die Gründung eines Kulturministeriums gedacht werden, wegen der Sprache. Kultur in Form von Coca Cola und Pommes Frittes war dem Reichsbürger schon immer ein Dorn im Auge. Nein, da muss etwas Kräftiges her! „Mein Kampf?“ Damit ist sicherlich nicht der Kampf mit dem Toilettendeckel gemeint. Der Reichsbürger braucht die Connection zu einer Druckerei, und auch die Speisekarten wollen gedruckt sein.

Alle zwei Jahre muss die Staatsgrenze gestrichen werden. Sie merken schon, es muss an vieles gedacht werden, wenn man aus dem Staatsgebilde der BRD austreten will. Ach ja, Rundfunkgebühren!

Ein kleiner Staat braucht Staatsfernsehen oder zumindest Staatsrundfunk. Da wandern die Gebühren in die eigene Tasche:

Als selbst ernannter Präsident (oder König im Falle einer angestrebten Monarchie) muss ein Staatsetat her. Entweder wird der aus der Schatulle des Privatiers aufgebracht oder auch vom Sozialamt des alten Staates. Aber das Sozialamt will dafür als Sicherheit auf das neue Staatsgebilde zurückgreifen in Form von Grund und Boden samt Immobilie. Verzwickte Sache.

Der Reichsbürger könnte Steuern in seinem Reich (Gartengrundstück) erheben. Doch mangels Bürgerschwund kommt nicht viel zusammen. Den Umweg über die Kasse kann sich der Reichsbürger ersparen. Aber er könnte ein Handelsmonopol für sich in Anspruch nehmen, freie Heilfürsorge, Rente! Schlechtwettergeld!

Die Justiz müsste ausgebaut und mit Personal ausgestattet werden. Der Aktionskünstler Reliwette hatte auf dem Kennedyplatz in Essen  1972 die kleinste Haftanstalt der Welt vorgestellt und sich selbst darin untergebracht (für eine Stunde). Es handelte sich um einen Holzkäfig, den man sich selbst überstülpen konnte. Innen gab es sogar ein Bild als Raumausschmückung. So wurde die Zeit nicht lang, und der Käfig fiel einem nicht auf den Kopf. Ausstellungsbesucher reichten sogar Verpflegung durch die Gitterstäbe, weil der Eingepferchte ihnen leid tat.

So haben auch die selbst ernannten Reichsbürger die Chance, dass sich  Menschen mit empathischen Ambitionen sich ihrer fürsorglich annehmen,  weil sie um ihr Wohlergehen besorgt sind.

Der Mensch sollte Mensch bleiben, auch wenn er nur ein Ofen ist, der die Atmosphäre aufheizt.

Mortui te salutant!

Gehe ins Gefängnis…

…begib dich direkt dorthin. Gehe nicht über LOS! Ziehe nicht 4000.-Euro ein! Haben Sie das lange nicht gespielt? Noch nie gespielt?

Jetzt wird Ihnen dieses „Spiel“ aufgezwungen! Mich wundert es, dass die Schöpfung so viel Geduld  mit den von ihr erschöpften Wesen und Unwesen hat! Ich als Urheber der Schöpfung hätte diese Geduld nicht aufgebracht! Keine Angst! Ich bin nicht der Urheber der Schöpfung, nur ein ganz kleiner Philosoph, der die Hände über dem Kopf zusammenschlägt und ausruft: „O Gott o Gott!“

Sie vermuten es schon: Dieses Kapitalistenspiel ist Covid 19, bzw. die längst überfällige Reaktion darauf! Worauf? Auf das überhebliche Treiben der Spießgesellen auf dem Erdtrabanten, der die Sonne umkreist! Wir Menschen haben es geschafft, dass die Polkappen schmelzen, dass sich die Erdatmosphäre aufheizt. Einige von uns düsen nach New York, um dort zum Frühstück eine Tasse Kaffee einzunehmen!

Jetzt bleiben die Düsenflugzeuge am Boden, die meisten! Die Flugzeughersteller jammern in die Pleite! Aber nicht nur sie! Kreuzfahrer buchen nicht mehr! Die „Transportbehälter“ liegen in den Häfen.

Die Werften bekommen keine Aufträge mehr“  7.500 Personen auf einem Schiff! Eine Kleinstadt auf dem Ozean! Mit Schweröl betriebene 12 Zylinder Dieselmotoren treiben eine Kleinstadt auf dem Wasser an!  Alles ist durchkalkuliert bis auf den Heller, bis auf den Pfennig! Außenbords des Kalküls: Die Umweltsauerei!

Der Planet nimmt späte Rache am zunehmenden Kapitalismus! Die menschlichen Rechenmaschinen kalkulieren zu einseitig nach Profit und Verlust!

Es wird viel über die Corona-Epidemie diskutiert, gefachsimpelt oder ergänzend geschwafelt. Auf der einen Seite stehen „Götter“ in weiß auf und orakeln das Blaue vom Himmel. Angeblich haben sie es beweiserhebend gesammelt.  Grünbekittelte auf der anderen Seite behaupten das Gegenteil, und Leute, die das Wesentliche des Dramas noch gar nicht in das kalkulierende Auge gefasst haben, lamentieren laut. Sie vergeben ein Quäntchen Schuld mal an jene, mal an andere, je nach Belieben. Und dann schlägt die Stunde der Verschwörungstheoretiker!

Das ist schlimm, ganz schlimm! No brain – no result!

 Die Mutter „der Nation“ hat zum Kampf gegen Corona aufgerufen und appelliert aus dem Bauch heraus an die Vernunft und Zurückhaltung der Bevölkerung.

Nun kann man über die Fähigkeiten von Dr. Angela Merkel viel diskutieren. Fehleinschätzungen und  mangelnde Aktionen mag man ihr vorwerfen, über ihre Vergangenheit  und ihr Engagement als Mitglied der FDJ spekulieren oder auch wissen: wichtig ist: Es kommt nicht darauf an. woher jemand kommt, sondern wo er/sie hin will. Der Philosoph sagt: „Der Weg ist das Ziel!“

Über allem Denken und Sinnen sei angeregt, dass es keinen Kampf gegen ein Virus gibt, sondern ein Vermeiden! Scheißt die Bürgerschaft in die BORDSTEINRINNE, ist der Bazillus nicht fern! Ja ja, da gibt es Zusammenhänge. Aber Viren, jene einfachen  ein – bis 5fach molekulären Eiweiße sind nicht mit Penicillin zu behandeln! Jetzt wehrt sich die Schöpfung auf ihre Art, wenn es zu viele Peiniger gibt. Der Schöpfung ist ein Regulat inne. Das muss man wissen, um zu überleben – zumindest so lange, bis einen der Sensemann vom Dreirad schleudert!

Das Vermeiden sollte aber so früh wie möglich angestrebt werden. Am besten, bevor sich so ein Virus überhaupt entwickelt und sich länderübergreifend festsetzt.

Wie denn das?

Bildlich gesprochen wehrt sich die Schöpfung in der vorgenannten Art, wenn es die Menschen zu bunt treiben. Deshalb stellt sich auch die Frage, was kommt nach Covid 19? Ich stelle mir das breite Grinsegesicht der Schalknudeln unter Euch vor: „Covid 20!“ Vermutlich Skatbrüder, die in dieser Reihenfolge denken und das Thema einfach ausreizen, eben wie beim Skat.

Stammtischgespräche sind verstummt! Kein Wunder! Die Gaststätten bleiben vorerst geschlossen!

Andere Spaßvögel frohlocken: Endlich saubere Luft! Kreuzfahrtschiffe liegen in den Häfen, Flugzeuge bleiben am Boden. Eine wirtschaftliche Katastrophe bahnt sich an. Den Kurzarbeitern droht ein Teil ihres Einkommens wegzubrechen – auf unbestimmt Zeit?

Den Alten könne man doch gestatten, dass sie sich infizieren! Das schone die Rentenkasse, wenn von den über 20 Millionen Rentnern und Pensionären die Hälfte wegen insuffizientem Abwehrpotentials gegen virulente Erreger ins „Gras bisse!“ Ein letztes humanes Aufbegehren der Verantwortlichen auf Regierungsbänken : „Schont unsere Alten!“ Der alte Kunstmeister dankt Euch! Ich wäre nämlich mit 77 Jahren einer der Totgeweihten. Nochmals danke! „Mortui te salutant!“

Nicht zu fassen II

Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht die Hände über dem Kopf zusammenschlage: Es wird immer verrückter! Ein Zustand des Normalen wird nicht mehr eintreten, glaube ich.

Seit gestern weiß ich, dass König Adalbert einen Nebenbuhler hat, es wird im TV geworben was das Zeug hält: Mit Anwartschaft auf den Thron von Italien. Sein Name: König Rotbier, der jetzt durch glänzend rote Farbe auf sich aufmerksam macht.

Ich frage mich zu Recht: Was soll das? Wenn geworben wird, dann bitte in richtigen Zusammenhängen! „Das Rotbier von König!“ Fehlt noch der Werbeslogan: „Das König unter den Bieren! Scheiße, Scheiße, dumm gelaufen!

Wer solche blöden Sprüche klopft, der kann auch kein vernünftiges Bier brauen – wird so mancher Biertrinker vermuten.

In Deutschland mangelt es an Disziplin: „Vordermann, Seitenabstand!“ Zur Zeit der Preußenherrschaft bekamst du am Schalter erst das Formular nach der Antwort auf die Frage: „Ham Se jedient?“

Da halten heute im Supermarkt zwei Quatschheinis den Gang verstopft, trotz Anweisung, den Abstand von 1,5 Metern zum Nebenmann einzuhalten. Sie erinnern sich? Coronavirus!

Widerwillig wird der Gang nach Aufforderung freigegeben. Ihr könnt euch freuen, Zeitgenossen, dass sich dieser Vorgang nicht um 1908 in Klondyke ereignete, als die Colts sehr locker saßen! Damals wurde der Weg freigeschossen.

Die Amerikaner, so wurde in den Nachrichten vermittelt, sind da viel disziplinierter! Sie haben sich zur Zeit der Pandemie mit Waffen und Munition eingedeckt! Bei uns in Deutschland ist es Klosettpapier, für das man keinen Waffenschein benötigt!

Endlich ein Hinweisschild im Edeka-Markt: Pro Einkauf maximal 2 mal Toilettenpapier und zwei Packungen Wischrollen! Es gab auch wieder Nudeln!

Was willst du mit Pappnasen anfangen? Gut – einen Krieg wollen wir nicht! Gott sei Dank! Mit Pappnasen könnte man ihn auch nicht gewinnen!

Das klingt aggressiv! Ja was denn? Willst denen auch noch auf die Schulter klopfen? Die meisten glauben doch, dass die Pandemie in den nächsten vierzehn Tagen abgelaufen ist!

Nicht, solange irgendwelche Pappnasen Coronapartys feiern nach dem Motto: Mich kann keiner!

Und wie viele Menschen arbeiten zur Zeit in ihren Berufen weiter, ständig in Gefahr, sich zu infizieren? Da müsste aber jeder eine Anstecknadel aus purem Gold erhalten und nicht einen Blechorden mit der Aufschrift: Held der Arbeit!

Was hat König Rotbier mit den Helden unserer Tage zu tun? Einfach mal wach werden und den Verstand einschalten! Alle Seitenabstände und Abstände zum Vordermann müssen nicht gesetzlich geregelt werden. Bierflaschen hingegen können dicht bei dicht stehen, denn sie werden in den meisten Fällen einzeln getrunken.

Das musste der alte Kunstmeister mal loswerden!

Bleiben Sie gesund, auch wenn Se nich jedient haben!

Von großer Bedeutung

Es gibt Menschen, die können mit mehreren Bällen jonglieren. Das ist bemerkenswert! Im Laufe meiner Ausführungen komme ich darauf zurück:

Seit Jahren rege ich mich auf, wenn so ein Selbstdarsteller seine Kommentare mit der Bemerkung beginnt:„Ich persönlich“ und bedeutungsarm:“halte da nicht viel von“ anfügt.

Ja ja, du Gnom bist von besonderer Wichtigkeit. Weshalb sagst du nicht: „Meiner völlig unbedeutenden Einschätzung nach (lag der Tote schon zwei Tage dort!) oder etwas anderes Wichtiges, was zur Aufklärung eines Sachverhaltes beitragen kann.

„Hören Sie mal“ oder „hör mal zu“ ist auch so eine Floskel unseres Tagesgeschäftes. Im Grunde ist das eine Unterstellung, nämlich jener, dass mir mein Gegenüber nicht zuhört, wenn ich mich an ihn wende.

Seinen Äußerungen und Anliegen ein besonderes Gewicht anzulasten, das steckt dahinter. Sie als Psychologe haben das natürlich durchschaut und blicken skeptisch über den Brillenrand.

Nein, nein, nicht als Diplom Psychologe! Psychologe dürfen Sie sich nennen, sobald Sie den tieferen Sinn eines Verhaltensmusters einer Person erkannt haben.

Fragen Sie zurück: „Spreche ich jetzt gerade mit Ihnen oder mit Ihrem Harvey?“

Die Menschen benehmen sich wie Marktschreier oder Aalverkäufer auf dem Fischmarkt in Hamburg, wenn sie jemandem etwas andienen wollen, was sich ohne Anpreisungen schlecht verwirklichen lässt, zum Beispiel Bücher!

Überall sehe ich Bücher in den Auslagen, versehen mit dem Aufreißer: Bestseller!“ Jeder Verlag, das habe ich nach monatelangen Recherchen herausgefunden, hat seine eigenen Bestseller. Ist das jetzt ein Qualitätsmerkmal? Lässt das Rückschlüsse auf den Inhalt eines Buches zu? Mir fällt dazu immer der Spruch mit den millionen Fliegen ein!

Ich frage meine Ehegattin, denn sie liest zuweilen Bestseller (belletristische Romane), was sie von dem Buch hält? Meine Frau hat nach dem Abitur Fremdsprachen studiert, hat demzufolge einen guten Bildungsstand und ist vom Sprachlichen her sehr versiert.  Sie kann mit wenigen Sätzen den Inhalt darstellen, sowohl vom Geschehen her als auch vom Duktus des Erzählers.

Interessant sind jene schriftstellerischen Ergüsse – und jetzt komme ich auf das Jonglieren mit mehreren Bällen zurück -, welche artistische „Breaks“ in ihre Erzählungen einbauen, Rückblicke oder verschiedene Szenen, die sich zum Ende der Erzählung zu einer nachvollziehbaren Erklärung zusammenfügen, gerade so, als wenn ein Artist mit fünf oder mehr Bällen jongliert. So ein „Break“ sollte immer an einer Stelle einsetzen, an der es gerade spannend wird, so dass der Leser insgeheim denkt: „Nu mach doch hinne!“ So wird Spannung aufgebaut.

Bei weniger bedeutungsvollen Inhalten eines Buches mag es passieren, dass der Leser bereits nach den ersten Kapiteln weiß, was auf den letzten Seiten stehen wird: Entweder baumelt der Übeltäter an einem Strick oder brennt mit der Prinzessin durch.

Bedeutungsvoll!  Das ist eine Eigenschaft, die sich die meisten Menschen für sich selbst gerne in Anspruch nehmen möchten, von großer Bedeutung oder Wichtigkeit! Ja, das hätten sie gerne. Dabei sind des „Kaisers neue Kleider“ bereits ausverkauft. Deshalb muss das Menschlein Leistungen erbringen und vorzeigen. Da reicht nicht nur ein großer Pimmel!

Nehmen Sie den Ex-Bundeskanzler Kohl! Er musste gegen Ende seiner zweifelhaften Karriere einen versteckten Sitz im hinteren Bereich der CDU- Fraktion einnehmen. Dieser Platz war so versteckt, dass die meisten Bundesbürger gar nicht wussten, dass „der“ Kohl noch im Bundestag anwesend war.

Seit einigen Jahren geistert der Spruch vom „King of Currywurst“ durch die bundesdeutschen Landen. Heute, inmitten der Corona- Krise, wird diese Bedeutung umgewandelt in „King of Toilettenpapier“. Niemand weiß, wo das noch endet, denn die Zukunft der Menschen ist ungewiss.

Eines der kleinsten Lebewesen hat eine große Bedeutung erlangt: das Virus! Es bringt ganze Konzerne zum Einsturz, hält Düsenflugzeuge am Boden, legt große Teile der Wirtschaft lahm. Gestern passte ich den Müllwagen vor meiner Haustür ab, um die leere Schubkarre unter Dach und Fach zu bringen.

Ich rief dem Müllwerker bedauernd zu: „Ihr armen Schweine!“ Doch der grinste mich an und antwortete:“Mach Dir keinen Kopp!“