Wie kann man solche Gesetze erlassen?

Wir reden hier nicht über Volksbelustiger/Innen, die sich über Menstruationen auslassen oder nicht erigierte Glieder, wir reden einmal über schwachsinnige Gesetzesregelungen – ausschließlich um des Erhaltes von Arbeitsplätzen wegen. Zur Zeit ist es die GroKo, die wieder einmal die Glocken nicht hören, obschon unser Parlament in Berlin wirklich von Juristen nur so wimmelt. Die müssten den Schwachsinn nun wirklich enttarnen können, denn wer könnte es sonst – als der alte Kunstmeister himself! Übrigens, der hat es zwar ein Leben lang mit Juristen in den höchsten Positionen zu tun gehabt: drei Justizministern/In, Vorsitzenden der Strafvollstreckungskammer beim Landgericht Essen, bei der ich als Bewährungshelfer gelistet war, aber was sich im Bundestag in der Gesetzgebung tut, verschlägt mir die Sprache, aber nicht die Feder. Aus dem Justizvollzugsbeamten von einst ist ein hochqualifizierter Analyst der Jetztzeit geworden. Ich rede über das „Schwarzpulvergesetz!“

Man braucht Schwarzpulver z.B., um eine Vorderladerwaffe (l) in Funktion zu bringen, z.B. einschüssige oder mehrschüssige Revolver, Pistolen oder einschüssige Gewehre verschiedenen Kalibers. Es finden sich Liebhaber von Vorderladerwaffe(l)n in Schießvereinen zusammen oder private Nutzer auf umfriedeten Grundstück, um das Eigentum zu beschützen (oder das eigene Leben in der Notwehrsituation). An der Fabrikation solcher verschiedenen Modelle „hängen“ Arbeitsplätze.

Nun ist der Erwerb von Schwarzpulver an den entsprechenden Erwerbsschein gebunden. Der Erwerb einer Vorderladerwaffe allerdings nicht. Jeder darf sie kaufen, aber nicht transportieren! Mit dem Transport vom Waffengeschäft zum Heimatort ist das verhängnisvolle „Führen“ verbunden, dem Führen einer Waffel – äh – Waffe. Hat Mensch diese Berechtigung nicht, müsste er eine Person beauftragen, ihm diese Waffel nach Hause zu überführen, denn daheim darf das Objekt aufbewahrt und angewendet werden, wenn das zueigene Grundstück eingefriedet ist. Aber wie groß muss das Grundstück sein und wie hoch braucht es einer Einfriedung? Aus Stacheldraht oder Buschgewächs und in welcher Höhe?

Im Jagdgeschwätz äh – gesetz wird der Begriff der Einfriedung genau beschrieben.

Wie kommt ein Besitzer einer waffenbesitzkartenfreien einschüssigen Vorderladerwaffel an Schwarzpulver? Da gibt es mehrere Methoden. Die einfachste und unkomplizierteste ist, sich zu Silvester mehrere Bombarden zu besorgen, um den zahlreichen Abschusshülsen das Schwarzpulver zu entnehmen. Denn der Besitz von diesbezüglichem Sylvesterfeuerwerk ist ab 18 Jahren erlaubt. Es geht um die Erhaltung von Arbeitsplätzen in den pyrotechnischen Betrieben! Aha!

Die andere Methode ist, sich das Schwarzpulver selbst zuzubereiten oder schwarzpulverähnliche Substanzen herzustellen. Es ist etwas umständlich, Holzkohle zu zerspanen und die fehlenden Komponenten aus dem Handel zu besorgen. Auf diese Komponenten wird hier nicht eingegangen, es könnte Terroristen dazu dienen, sich Sprengmittel herzustellen. Auch die Kidies dollten hier keine Bauanleitung erhalten.

Der Grund, weshalb hier über Schwarzpulver und dessenen legitime b.z.w. nicht legitime Beschaffung gesprochen wird, ist, dass die Gesetzgebung Schlupflöcher offen lässt, die sie nicht in den Griff bekommt, ohne den Verlust von Arbeitsplätzen in Kauf zu nehmen.

Trotz allem ein Hinweis des alten Kunstmeisters: Wenn Ihr Euer Haus/Heim mit einer waffenerwerbsscheinfreien einschüssigen Vorderladerwaffel schützen wollt: achtet auf die Verhältnismäßigkeit im Sinne des Notwehrparagraphen, denn auch eine Vorderladerwaffe, die mit Schwarzpulver betrieben wird, ist lebensgefährlich, zumal das Kaliber jener Waffen mit etwa 9 mm beginnt und bei Kaliber etwa 54 aufhört, was einem Durchmesser einer Bleikugel von etwa 1,5 cm entspricht.

Um dem ganzen Hickhack zu entgehen, empfiehlt sich die Ausbildung zum Jäger, der zum Führen einer oder mehrerer Langwaffen und einer Kurzwaffel autorisiert wird, was die Gesetzgebung etwas entlastet, weil die Juristen im Bundestag auch nicht ganz genau wissen, wie sie mit diesem Problem umgehen sollen.

Der alte Kunstmeister empfiehlt wie immer:

Prost! Austrinken! Denn noch sind wir oder : dennoch sind wir!

Hartmut Tettweiler Reliwette

Autor: Hartmut Tettweiler Reliwette

Hartmut T. Reliwette, geb. 1943 in Berlin Maler, Bildhauer, Performer, Autor. 70 Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen oder Performances im In- und Ausland realisiert. Zusammenarbeit mit Peter Coryllis, Joseph Beuys, Karl-Heinz Schreiber und anderen zeitgenössischen Kunstschaffenden und Autoren/Schriftstellern. Mehr über Reliwette siehe „Autoren-Info“.