Neue Hoffnung?

Wenn ein Phönix aus der Asche steigt…

 „Neues Spiel – neues Glück, alles ändert sich im Augenblick“, so ist mir noch der Rummelbudenbetreiber im Ohr. Auf einer Glasfläche waren vier Kartensymbole dargestellt, Kreuz-Pik-Herz-und Karo-Ass. Die Mitspieler setzten 10 Pfennig auf einen der Plätze. Dann wurden die Felder mittels einer drehenden Kontaktscheibe rythmisch beleuchtet, die der Budenbesitzer mechanisch in Gang setzte. Sodann blinkten die Felder wild durcheinander auf, bis endlich die rotierende Scheibe zum Stillstand kam und eines der Felder endgültig aufleuchtete. Der Budenbetreiber übergab dem Gewinner eine „Wertmarke“ und strich die gesetzten 40 Pfennig ein. Für eine festgelegte Anzahl von „Wertmarken“ konnten dann Gewinne eingetauscht werden, bunte Luftballons, ein Stoffteddy, eine Blumenvase und anderes Zeugs, insgesamt wertlose Dinge. Ein SUV mit 6 Gängen und Vierradantrieb war jedenfalls nicht darunter.

Im Herbst sind Bundestagswahlen. Ich höre den Budenbesitzer noch rufen: „Karo-Ass ist noch frei!“ Verdrossene SPD-Wähler wollten die SPD nicht mehr, keine Koalitionspartei, welche den Vorgaben der CDU und ihrer Vorsitzenden Angela Merkel folgte, ohne markantes SPD- Profil.

Was ist das für eine Partei der Arbeitnehmer, welche im kapitalistischen Sinne mit an den Rädern dreht und in mehrfacher Hinsicht den Vorgaben des „amerikanischen Bruders“ folgt? Dies geschieht vor allem in Bezug auf die geplante Aufrüstung der Bundeswehr, anstelle die Löcher im sozialen Bereich nachhaltig zu stopfen!
Der neue Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika verlangt mehr Engagement von den Nato-Mitgliedsstaaten. Er meint eine finanzielle Mehrbeteiligung von den Natopartnern!

Karo-Ass ist noch frei! Wie wäre es denn, wenn die USA ihren Stützpunkt in Deutschland bezahlen würden? Wie würden deutsche Wähler reagieren, wenn ein Anwärter auf das Amt des Bundeskanzlers sagen würde: „Ich werde versuchen, den amerikanischen Verbündeten davon zu überzeugen, die in der Bundesrepublik stationierten Atomköpfe samt Raketen zu sich nach Hause zu nehmen!“

Stimmen werden laut, vor allem bei den eingefleischten CDU-Wählern, er, der Schulz, solle doch mal langsam sein Programm in die Debatte werfen!
Weshalb?
Es ist doch langsam bekannt geworden, dass vorherige (Wahl)-Aussagen der Parteien selbst die Waschmittelreklame beleidigen, weil die Wäsche tatsächlich nach dem Waschgang sauber ist!

Man sollte die Art der Amerikaner, sich waffenstarrend in ihrer engeren und weiteren Umgebung zu präsentieren, auf die Entstehung ihres Staates zurückführen. Seit die Trecks mit den Siedlern das Land von den Indianern nahmen, war es üblich, nachts mit Stiefeln an den Füßen und umgeschnalltem Patronengurt das Ruhelager aufzusuchen. Waffen zum persönlichen Schutz sind dem amerikanischen Volk praktisch mit in die Wiege gelegt. Waffen vermitteln dem Träger das Gefühl von Schutz. Wenn die Statistik zu Hilfe gerufen wird, bietet sich dem Analytiker ein völlig anderes Bild. In keinem Staat der Erde gibt es mehr Tote durch Schusswaffengebrauch als in den USA, sieht man von Kriegen, Aufständen und Revolutionen einmal ab. Schätzungsweise sind in den USA fast 4 Millionen Schusswaffen registriert. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen, denn die kriminellen „Elemente“ sind noch nicht mit hineingerechnet.
Martin Schulz ist bei seinen Kollegen in der Europäischen Union beliebt, er hat niemals den Eindruck hinterlassen, dass er den europäischen Nachbarländern seine Auffassung aufdoktruieren wollte. Und doch hat er in den Debatten zu seiner Auffassung gestanden. Die meisten Deutschen haben die Themen, die im EU Parlament diskutiert wurden, nicht sonderlich interessiert. Die Medien haben Berichte darüber auch sträflich vernachlässigt. Die meisten Deutschen sind der Auffassung, dass europäische Politik in Berlin gemacht wird. Diesen Eindruck hat jedenfalls Frau Dr. Merkel bei weiten Kreisen der Bevölkerung hinterlassen. Gesteuert wurde dieser Eindruck von Presse- und Rundfunkmedien, die völlig hirnlos von der „mächtigsten Frau“ der Welt „headlines kreierten“. Hervorgetan hat sich aus diesem „Sumpf der Verblödung“ natürlich auch die Bildzeitung, die immer noch von großen Teilen der Bevölkerung gelesen wird. Nicht umsonst redete der Ex-Bundeskanzler Schröder den Satz: „Ich brauche nur die Bild und die Glotze!“ Welche Rede!
Haben die Deutschen das alles vergessen? Und ja! Es dauert sehr lange, bis ein Gehirn absolut weggesoffen ist, und in der Jugend muss sehr früh mit dem Saufen angefangen werden, sonst wird die Flasche Schnaps, die gerade erst getrunken wurde, wieder ausgekotzt. Bis zum Delirium tremens dauert es dann einige Jahre, bis der Schüttelfrost den Jungwähler von der Stuhllehne kippt. Und jetzt kommt Martin Schulz, ein ehemaliger Trinker, der es geschafft hat, sich davon zu befreien. Er besitzt Charisma, ein ruhiger Mann, der nicht poltert! Er kommt verständnisvoll daher. Wenn er spricht, dann hackt er nicht mit dem Kopf wie ein Huhn beim Gehen. „Hacken beim Reden“ kannten wir bei Helmut Kohl schon! Es ist von der Körpersprache her besorgniserregend und wirkt unsympathisch. Es mutet an, als wolle jemand seine Argumente in den Kopf seines Kombattanden hineinhacken. Allein die Blinden werden von diesem Anblick verschont, sorry! ( Letzteres gehört nicht in einen Kommentar. Deshalb nehme ich das wieder zurück!).
Und noch etwas: Schulz hat es überhaupt nicht nötig, das Wählerpotential mit Aussagen zu ködern, die er hinterher gar nicht umsetzen kann. Wenn er sagt, dass er mehr Gerechtigkeit wünsche, dann ist das kein Versprechen, sondern ein Ziel. Es ist ein Ziel, dass er sich mit Menschen aller Altersgruppen in Europa teilt. Wenn aus Belgien jetzt gerade ein politisch akzentuierter Ruf nach Deutschland schallt: „Weshalb sollen wir unbedingt auf die Wünsche der Amerikaner nach Aufrüstung eingehen?“ dann ist das wie ein Weckruf, mit der Hysterie endlich Schluss zu machen, „der Russe“ wolle sich halb Europa einverleiben! Dem Wunsch der Polen nach mehr Sicherheit durch Waffenpräsenz sollte man entgegen halten, dass die inzwischen sechsmalige Teilung ihres Heimatlandes nicht nur von Russland ausging, sondern auch von Deutschland. Entgegen jeder Vernunft wäre es, wenn es der russischen Führung in den Sinn käme, das Staatsgebiet zu vergrößern. Das Riesenreich verlangt vielmehr nach Verbesserung von wirtschaftlichen und örtlichen Strukturen, Verkehrswesen und und und.

Die Zusammenarbeit zwischen den Völkern in der Erforschung des Weltalls klappt hervorragend. Was spräche dagegen, wenn die Zusammenarbeit auch auf andere Bereiche ausgedehnt würde? Eigentlich nichts!

Es wird allerhöchste Zeit, dass ein Phönix aus der Asche steigt!

 

 

 

Von Hartmut Tettweiler Reliwette

Hartmut T. Reliwette, geb. 1943 in Berlin Maler, Bildhauer, Performer, Autor. 70 Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen oder Performances im In- und Ausland realisiert. Zusammenarbeit mit Peter Coryllis, Joseph Beuys, Karl-Heinz Schreiber und anderen zeitgenössischen Kunstschaffenden und Autoren/Schriftstellern. Mehr über Reliwette siehe „Autoren-Info“.