Retroperspektive zum Wirken und Leben des Joseph Beuys

Heute, im Juni2020, wird vielerorts  an eine Aufarbeitung des Lebenswerkes von  Joseph Beuys gedacht. Sie kennen diesen Bildhauer und ehemaligen Kunstprofessor  an der Kunstakademie Düsseldorf in der Eiskellerstraße nicht?

Joseph Beuys wurde im Mai 1921 geboren. Er war Krefelder, verbrachte seine Jugendzeit dort, besuchte dort ein Gymnasium. Im nächsten Jahr würde er 100 Jahre alt, wenn er nicht 1986 gestorben wäre. Sein Todestag ist 34 Jahre her. Gut, die Menschen orientieren sich an runden Jahreszahlen: Silberhochzeit, Goldene Hochzeit, 25 jähriges Dienstjubiläum und runden Geburtstagen.

Weshalb diese Eile jetzt, dem Joseph Beuys  zu gedenken? Armin Laschet ist jetzt Schirmherr für die Joseph Beuys-Gedächtnisarrangements, natürlich mit Nähe zu Lehmbruck, bei dem J.B. studierte (Lehmbruck-Museum).

Ausgerechnet ein Karrierestreber wird zum Schirmherr eines toten Künstlers, der zu Lebzeiten stets die Kompetenzfrage in den Mittelpunkt seiner gesellschaftskritischen künstlerischen Gedanken stellte. „Die Kompetenz für die Lösung eines gesellschaftlichen Problems geht reihum“ – Originalton Joseph Beuys. Laschet ist Jurist wie ganz viele Abgeordnete des Land- und Bundestages. Im Volksmund macht eine Rede die Runde: „Wer anspuchsvollere Studienplätze (numerus klausus) nicht erreicht wird Jurist, wobei noch unterschieden wird zwischen dem normalen Staatsexamen und jenem zum „Volljuristen“ wie wir sie bei Richtern erleben und begrüßen!

Was der Joseph Beuys zu seinen Lebzeiten in die Bildende Kunst einbrachte, hat zu dessen Lebzeiten ohnehin kaum jemand begriffen: Kunst ist nach wie vor für viele Menschen das Abbilden von Vorgefundenem. Verächtlich könnte man diese kreativen Personen als Blümchenmaler in eine Schublade stecken, wobei das bildnerische Handwerk in den Vordergrund tritt.

Beuys: „Malen und Bildhauern alleine, ohne weitergehenden Bezug zu den elementarsten gesellschaftlichen Probleme reichen nicht aus. Damit hat Beuys die Gesellschaftspolitik zum  inhaltlichen Bestandteil der Bilden Kunst gemacht. Deshalb auch sein Ausspruch: „Jeder Mensch kann ein Künstler sein“, selbst wenn er weder malen noch bildhauern im klassischen Stil kann.

Beuys: „Ich selber kann gar nicht  gut malen. Komischerweise bin ich Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf geworden!“ (Beuys –Auftritt im Folkwang-Museum Essen in den siebziger Jahren). Der Autor war anwesend. Von daher ist dieser Ausspruch von Beuys authentisch.

Weil er im Rahmen der Immatrikulationsbedingungen zu viele Studenten in seine Klasse aufnahm, zeitweise waren es bis zu 400 Studenten, führte dieses Unterfangen  schließlich zu seiner Entlassung aus dem Schuldienst durch den damaligen Kultusminister, Johannes Rau, den späteren Bundespräsidenten.  Mit eben diesem führte ich einen handschriftlichen Briefwechsel in Bezug zu einem künstlerischen Projekt: „Die organische Welle“ einer geplanten Performance mit den Landwirten, die nie zustande kam, weil die Bauernverbände trotz Zusagen nicht aus dem „Quark“ kamen. Damals grassierte die Schweinepest und Johannes Rau riet mir, den Massenaufmarsch der Landwirte abzusagen. Auf jeden Fall wäre das eine Performance gewesen, die Beuys gefallen hätte.

Jetzt, da Beuys zunehmend an gesellschaftlicher Akzeptanz erfährt, wobei die „Ammenmärchen“ um ihn und seine Auffälligkeiten (Hut und Anglerweste, Koppelgürtel) zunehmend verstummen. machen sich gesellschaftliche Erkenntnisse breit, dass die Menschen es nicht zu arg mit der sie umgebenden Natur treiben sollten; gerade jetzt zu einer Zeit, da die Corona-Epidemie die Wirtschaft in einem Knebelgriff hält und mit katastrophalen wirtschaftlichen Einbußen und zu Arbeitslosigkeit der Menschen führen wird..

Dass ausgerechnet die Inhalte der Bildenden Kunst mit Weitsichtigkeit in Hinsicht auf nahende gesellschaftliche Probleme einhergehen, ist unbestritten ein Verdienst dieses genialen Kunstschaffenden. Er wollte die Menschen als Teil einer kreativ fungierenden Gesellschaft in diesen künstlerischen Prozess einbeziehen – in Form eines schöpferischen Gestaltungswillens, der ja einer Gestaltung in jedem Falle erst einmal vorausgeht. Dazu hat er die Menschen aufgerufen!

In seiner letzten Rede  im Lehmbruck-Museum hat er seine Mitstreiter, im Grunde alle Menschen, dazu aufgerufen: „Lasst die Flamme nicht erlöschen!“

In diesem Sinne sind an vielen Orten der BRD Aktionen  und Präsentationen um diesen großartigen Menschen und Kunstschaffenden geplant, die gehört und verstanden werden sollten!

Mach’s gut, mein Freund, an mir soll es nicht scheitern!