Amos und der Tod im Kühlschrank

„Das ist jetzt eine wahre und sehr traurige Geschichte – also benimm dich bitte dementsprechend …“  Das galt AMOS. Opa Hermann schob dem Freund auf Besuch ein Pilsken hin, was dieser dankbar schlürfte und wehmutsvoll zu schildern begann: „Sie war so ruhig, fiel nie auf. Ihr Alter konnte niemand schätzen und sie liebte doch so sehr frisches Gemüse. Dabei störte sie nie irgendwen in ihren Zeitlupenbewegungen. Wer sie kannte, musste sie gern haben. Und nun ist sie tot – einfach nicht mehr am leben.“

„Schlimmer Einschnitt – wo fand man denn ihren Leichnam?“ Der alte Bergmann wollte so behutsam wie möglich fragen, was dem gefährlichen Piratenschaf freilich nicht entging und es auch einen kleinen Beitrag dazu leisten wollte: „Sie hinterlässt nicht nur tiefe Betroffenheit bei den nächsten Liebsten,“ formulierte es seine schafische Anteilnahme, „sondern sicher auch einen leeren Schreibtisch in der Behörde, bei trauenden Abteilungskollegen,  nicht wahr ?“ Opa Hermanns Freund sah das gefährliche Piratenschaf entgeistert an. „Behörde ? Verwaltung ? Nein,  ich beklage das Ableben meiner Schildkröte „Silly“. Ihr Leben erlosch im Gemüsefach des Kühlschranks, in den ich sie zum Winterschlaf immer legte, denn da waren jeweils konstante acht Grad, was sie über viele Jahre sehr gut fand. Im Frühjahr kam sie immer in den Garten und passte auf Einbrecher auf.“

„Wie das ?“ fragten der alte Bergmann und AMOS im Chor .“Na, einmal kam wirklich ein Einbrecher. Der stolperte im Dunkeln über sie und fiel in die aufgestapelten Gartenstühle Dann verschwand er fluchend . Und nun ist sie tot.“

Eine Schweigeminute untermauerte dann noch das tragische Ableben oder  den schönen Tod in frischem Gemüse, just nach Schildkröten-Geschmack .