Amos und die Allgemeinbildung

„Weiß nix – Macht nix“

Vorgeschichte

„Das gemeine Volk hört nur halb hin und liest auch kaum etwas Gescheites!“, wetterte Opa Hermann aus Richtung Gartenklo, so dass das gefährliche Piratenschaf zusammenzuckte. Er zerknüllte die Bildzeitung, die er soeben „zensiert“ hatte: „Kaum noch Lesekultur, schlechte Allgemeinbildung, und die meisten Leute glauben alles, was schwarz auf weiß gedruckt wird!“ Diese Feststellung unterstrich er mit einem lauten Verdauungsgeräusch.
Amos lag unweit des Geschehens auf seiner Kuscheldecke. Ihm war der emotionale Ausbruch seines Ziehvaters nicht entgangen. Er war es gewohnt, dass der alte Bergmann wieder und wieder anmahnte, nicht alles als „Gott gewollt und gegeben“ hinzunehmen. „Es ist vor allem die Sprache, die uns vor den anderen Geschöpfen auszeichnet“, dozierte der alte Herr in seinem Selbstgespräch, „dafür können die Affen Bananen schneller schälen“.
„Auf der Cara Mia haben die lieben Piraten eine eigene Sprache“, meldete sich jetzt das Piratenschaf. „Ach ja? Und wie heißt diese Sprache?“, wollte Opa Hermann wissen.
„Lakonisch“, erwiderte Amos, „die geht zum Beispiel so: Schechte meschen ma schoffen!“
„Tolle Sprache“, höhnte Opa Hermann, “passt zu gleichmütig, gleichgültig! Heißt wahrscheinlich: „Mir ist vom Saufen schlecht geworden! Aber das ist noch gar nichts, ich hatte mal einen Schulkameraden, der bezog sein gesamtes Wissen aus der Micky Maus!“
„Was ist aus dem geworden?“ Opa Hermann musste grinsen: “Der ist heute Landrat!“
„Ist das etwas Besonderes?“, wollte Amos jetzt wissen. „Ja, das ist ein verantwortungsvolles politisches Mandat in einem Landkreis. Aber Du kannst ja mal eine Flasche Kakao in Dein Fell packen und selbst sehen, wie es mit der Bildung der Menschen steht, denn Bildung erreicht man unter anderem durch Lesen!“

Die Lesekultur schmilzt dahin

Das Piratenschaf durchwanderte den nahe gelegenen Park und traf auf einen dicken Mann, der auf einer der Bänke saß. Amos hielt ihm zur Begrüßung die rechte Pfote hin: „Entschuldigen Sie, ich bin Amos, das gefürchtete Piratenschaf, darf ich Sie mal etwas fragen? Was lesen Sie eigentlich –  wenn Sie lesen?“
„Aha, ein ganz gescheiter Marketing-Fachmann! Bist du ein Vertreter für Wolle oder Tiernahrung?“
So barsch angemacht kullerten Amos sofort zwei Tränchen über das Gesicht, aber der Fremde bemerkte das und grinste versöhnend.
„Okay, ich lese Beipackzettel. In diesen klein geschriebenen gewaltigen Texten schottet sich die Pharmaindustrie juristisch ab, verstehst du?“
Amos nickte ergriffen, obwohl: er hätte nachfragen sollen.
Ein anderer Herr meinte, dass er nur die Zusätze unter Verkehrsschildern lese, zum Beispiel „montags bis freitags“ oder „Anlieger frei“!
Ein Dritter schob seine Frau vor. Sie lese das, was wärmstens empfohlen wird, höchstens dreißig Seiten davon, dann fliegt das „Zeug“ in die Ecke!
Der letzte Versuch, sich ein Bild von der Lesekultur zu machen, brachte das Ergebnis, dass sich eine Dame mit Kontoauszügen beschäftigte.
Amos nickte mit einem großen Verständnis für die reale Welt. Dann wollte es seine Studie mit einem Besuch der örtlichen Bücherei abrunden.

Der Buchhändler tat das, worin sich offensichtlich alle Buchhändler abgesprochen haben. Er sah nicht hoch. Diesmal besah er sich aber und fragte das Piratenschaf verwundert nach seinen Wünschen: Amos blinzelte mit dem nicht abgedeckten Auge.
„Haben Sie Beipackzettel, Ecken-Flieger und Kontoauszüge?“

 

 

 

 

 

Amos kehrt zurück

„Wer diskutiert weiß nicht was er will“

Das Piratenschaf hatte es sich im Mastkorb der „Cara Mia“ bequem gemacht und spähte das Meer nach Schiffen ab. Es hatte seine schwarze Augenklappe etwas hochgeschoben, weil sie die freie Sicht doch etwas behinderte. Hornblewer, der Piratenkapitän mit dem Schleppsäbel am breiten Gurt, hatte einen neuen Kurs ausgegeben. Demnach sollte zunächst Emden angelaufen werden. Später sollte der Segler bei auflaufender Flut die Ems stromaufwärts bis nach Leer entweder per Windkraft oder Treidelschlepp gelangen und im Leeraner Hafenbecken festmachen. Leer, so wusste man auf dem Piratenschiff, ist eine Teestadt. Die „Cara Mia“ hatte 14 Kisten Darjeeling-Tee geladen, die man mit erheblichem Gewinn verkaufen wollte. In der letzten Mannschaftssitzung vor einigen Tagen hatte ein Neuanstrich des Schiffes auf der Tagesordnung gestanden. Der langsam abblätternde schwarze Anstrich war nicht mehr zeitgemäß, und es waren tolle Vorschläge aus den Reihen der Piraten gekommen.
„Schwarz macht den Leuten Angst“, hatte der Segelmacher Louis in die hitzige Debatte eingebracht. Der krummbeinige Pirat mit der flammend roten Narbe über seinem linken Jochbein galt in der Mannschaft als besonders fortschrittlich – fast progressiv. Wenn er ein Segel flickte, so gerieten die Flicken immer zu mehr oder weniger großen Herzen. So bestand das Großsegel am Vorschotmast eigentlich nur noch aus lauter weißen Herzen, die sich vor dem ockerfarbenen Segeltuch deutlich abhoben. In jedes Herz stickte Lois seine Initialen ein: L.B. Das stand für Louis Belsace.

Der gelernte Segelmacher hatte einst an einem Patchwork-Kurs in Frankreich teilgenommen, einer besonderen Form der Flickenschneiderei, bevor er sich für die Piratenlaufbahn entschieden hatte.

Ibrahim, der immer finster dreinblickende 1. Kanonier des Schiffes, hatte seinen schwarzen Wuschelkopf geschüttelt und sich dagegen ausgespro-
chen: „Da halte ich nicht viel von“, hatte er gemault, „wir verlieren an Ansehen und Gefährlichkeit. Ich bin weiterhin für schwarz!“.
Er kam sich ohnehin ziemlich überflüssig vor, denn er konnte sich nicht daran erinnern, dass auch nur eine seiner ständig blank geputzten Kanonenkugeln gegen ein anderes Schiff zum Einsatz gekommen wäre.
Wenn geschossen wurde, dann nur Salut, weil das 3/4 Vollschiff über kein Nebelhorn verfügte, mit dem man vorbeifahrenden Schiffen einen tüchtigen Schrecken einjagen konnte.
Der Proviantmeister und Schiffskoch, Vanbrat, hatte sich für rote, gelbe und blaue Punkte auf weißem Grund entschieden. Er sah während der Überfahrten das Schiff ohnehin nur von innen, musste ständig mit Töpfen und Pfannen hantieren und hatte schon mehrmals darüber geklagt, dass ihm niemand beim Kartoffelschälen helfen wollte.
Kartoffelschälen ist  für einen Piraten undenkbar! Der Käpten musste sich jedesmal etwas ausdenken, um zwei, drei Leute abzustellen, die dem Koch bei Verrichtungen in der Kombüse behilflich waren.

Zum Beispiel ließ er die Mannschaft antreten und führte eine „Kleiderinspektion“ durch. Wem ein, zwei oder drei Knöpfe an Jacke, Hemd oder Hose fehlten, hatte sich für mehrere Tage für den Küchendienst qualifiziert, entsprechend der fehlenden Knöpfe.
Ein anderes Mal hatte er gesagt: „Mal herhören, wer als erster „hier“ schreit, der….“ Weiter kam er nicht. Drei der Piraten hatten sofort „hier“ gebrüllt in der Erwartung, es gäbe eine Sonderration Rum. Doch der raffinierte Käpten beendete seinen angefangenen Satz mit: „Der hilft dem Koch beim Kartoffelschälen“.  Schon hatte er drei Rufer beim Wickel.

„Der Käpten ist ganz schön ausgebufft“, gab sich einer der „Freiwilligen“ geschlagen“. Die beiden anderen stimmten ihm zu: „Dem kommen wir nicht bei, deshalb ist er ja auch unser Boss!“

Rückblende

Der Versammlungsleiter-es handelte sich selbtverständlich um Käpten Hornblewer- klingelte mit einem Glöckchen.“Ruhe im Kabarett!“, rief er
laut. Er meinte natürlich „Kabinett“, aber das fiel gar nicht weiter auf. Das Stimmengewirr verebbte: „Wer ist noch für rote, gelbe und blaue Punkte auf weißem Grund?“ Mit diesen Worten hob er selbst schon einmal die rechte Hand und blickte in die Runde. Der Segelmacher hob ebenfalls die rechte Hand und der Proviantmeister natürlich, kam doch der Vorschlag von ihm.
„Na, was ist?“, rief Hornblewer,“oder muss ich Euch das erst noch einmal erklären?“
Nun wollte keiner der Anwesenden zugeben, dass man ihm einen feststehenden Sachverhalt erst noch erklären muss, und so hoben die restlichen Stimmberechtigten zögerlich nach und nach die Hände zur Zustimmung.
„Einstimmig angenommen“, säuselte Hornblewer milde,“ ich wusste doch, dass ich es hier mit intelligenten Köpfen zu tun habe“, lobte er seine Mannschaft. Und somit war es beschlossen.

„Ende der Sitzung nach 10 Glasen“, notierte er als Schriftführer in sein Sitzungsprotokoll. Zehn Glasen? Damit war wohl weniger die Uhrzeit gemeint als die Menge an Rum, die während der Sitzung durch die Kehlen der lieben Piraten geflossen  war. Für den Ort des Geschehens fügte er hinzu:“Cara-Mia, 54Grad 7 Minuten Nord , 0 Grad 22 Minuten West.“
Wer es nicht glaubt, schaue auf dem Globus nach und wird überrascht sein!

„Schiff Steuerbord voraus“, rief Amos, das Piratenschaf, vom Mastkorb hinunter und blökte einige Male aufgeregt: „Ein rotes Teufelsding hüpft da auf uns zu!“
Hornblewer spähte durch sein messingfarbenes Fernrohr. „Verflixt und zugenäht“, rief er und zog sein Teleskop noch dichter an die Nase, „das sind ja zwei Schiffe in einem und ohne Segel!“
Gegen den Wind war dumpfes Grollen zu vernehmen, das mehr und mehr anschwoll! „Da hol mir doch einer die Großmutter aus dem Sack!“
Nun konnte es auch der Rudergänger mit bloßem Auge erkennen.
„Alle Mann unter Deck!“, befahl der Piratenkapitän seiner Mannschaft!

„Ich übernehme die Verhandlungen!“ Was er nicht wusste: das rote hüpfende Ding war ein Katamaran, der Fahrgäste zur Insel Helgoland verschiffte und abends wieder in den Heimathafen brachte. Das Schiff schaffte mit seinen tausenden von Pferdestärken locker 40 Knoten, selbst bei Wellengang und starkem Wind. Für den Piraten war es der Teufel höchst persönlich.
Der Rudergänger wollte sich auch verdrücken. „Du bleibst natürlich“! befahl Hornblewer, „wer steuert sonst das Schiff, kapiert?“ Aber das rote Unding, welches auf die „Cara Mia“ zuraste, machte gar keine Anstalten, beizudrehen. Auf dem Oberdeck öffnete sich eine Luke und das finstere Gesicht des 1. Kanoniers erschien in der Öffnung: „Eine Breitseite?“, rief er hoffnungsvoll zu seinem Kapitän herüber. „Alle Mann unter Deck!“ brüllte Hornblewer zum zweiten Male, „das gilt auch für Dich! Das Ding reitet der Teufel persönlich!“ Bevor er einen weiteren Fluch ausstoßen konnte, stob das rote Schiff mit den zwei Rümpfen auch schon in einer riesigen Gischtwolke unter infernalem Getöse steuerbords vorbei. Noch in der Vorbeifahrt ließ das „Teufelsding“ ein drohendes Tuten hören, dass es den alten, kampferprobten Piratenkapitän in den Pluderhosen schlottern ließ.
Aus dem Mastkorb ertönte ein kräftiges Bööööh und noch eins. Wenig später verschwand das rote Schiff achteraus, eine mächtige Heckspur aus verquirltem Wasser hinter sich her ziehend. Es sah aus, als wenn die See kochte. Der Lärm schwoll langsam ab. Hornblewer atmete hörbar aus.
„Na also“, dachte er ,“der Teufel kann uns gar nichts“! Sofort hatte sein Gemütszustand  „Oberwasser“. „Alle Mann an Deck“, schrie er, „hopp, hopp, hopp, ein bisschen plötzlich, wenn ich bitten darf! Wo kein Eis liegt, darf gerannt werden!“
Als sich die Mannschaft auf dem Vordeck versammelt hatte, setzte Hornblewer zu einer seiner triumphschwangeren Reden an: „Seht ihr, Männer“, begann er in weltmännischer Selbstüberschätzung, „außer mir ist Amos, unser geliebtes Piratenschaf (Hormblewers Kuscheltierchen), so ziemlich das einzige Lebewesen an Bord, das die Situation richtig eingeschätzt hat“, und an den Kanonier gewandt mahnte er: „Du kannst den Teufel nicht erschießen, auch nicht mit einer Breitseite! Bevor du auch nur eine einzige Kugel aus dem Rohr hast, ist er dir aufs Kajütendach gesprungen und saust mit Dir in den Höllenschlund. Aber wenn du ihm die Stirn bietest und keine Furcht zeigst, dann wendet er sich ab. Ihr habt das alle gehört!“
Die Piraten begannen zu klatschen und ließen ihren Anführer hochleben: „Ein dreifach Hoch auf unseren Käpten!“, rief einer von ihnen. Hornblewer fühlte sich geschmeichelt: „Eine Sonderration Rum für alle“, rief er seinem Proviantmeister und Koch zu. Amos fragte aus seinem Mastkorb hinunter: „Für mich Kakao?“
Als Hornblewer zum Mast hochschaute, zwinkerte ihm Amos ein Auge zu.
Hornblewer schmunzelte:“Für dich wie immer Kakao!“
„Kurs Emden“, befahl er seinem Rudergänger und verschwand in seiner Kapitänskajüte, um auf der  entsprechenden Seekarte „ein Besteck“ zu nehmen.
„Aye, aye, Sire“, rief der Rudergänger, „Kurs Emden liegt an, sobald ich Gabel und Löffel kriege!“

Demokratie und freie Marktwirtschaft

Möglichkeiten der Einflussnahme

Die Problematik des gesellschaftlichen Zusammenspiels nimmt zu. Auf der einen Seite interkontinental, andererseits auf nationlaler Ebene. Die Gesellschaft hechelt den Ereignissen hinterher, sucht nach Ursachen und Lösungsmöglichkeiten. Viele Kräfte sind bemüht, nur wenige finden Lösungen, für sich und andere. Doch zunächst sei die Frage zu klären, worin Demokratie und freie Marktwitschaft ihre Unterschiede haben und ob es Zusammenhänge gibt, die auf Lösungen von Problemen hinweisen. Die Bedeutung der beiden Gesellschaftsformen ist den meisten Bürgern bekannt: Demokratie ist eine Staatsform, alle Gewalt geht vom Volke aus, die freie Marktwirtschaft ist, wie der Name schon sagt, eine Wirtschaftsform. Ihr steht eine Planwirtschaft entgegen, deren Normen vom Staat vorgegeben werden.

Bei der Staatsform besteht eine beschränkte Mitbestimmung durch das Individuum. Der Einzelne hat durch die freie Wahl, die Möglichkeit, eine Partei, von der er ausgeht, dass sie seine Interessen weitgehend umsetzt, für die Dauer von vier Jahren in bestimmte Gremien zu wählen und zwar auf kommunaler Ebene, in den Land- und in den Bundestag. Innerhalb einer Legislaturperiode sind die gewählten Vertreter laut Grundgesetz nur ihrem Gewissen gegenüber verpflichtet. Eine direkte Einflussnahme auf gesellschaftlich relevante Entscheidungen hat der Wähler während dieses Zeitraumes nicht. Ein Volksbegehren gibt es derzeit nicht.

Bei der Wirtschaftsform jedoch ist eine unmittelbare Einwirkung auf Produkte oder Dienstleistungen durch Kaufverhalten oder Inanspruchnahme durch das Individuum möglich. Es kommt hierbei auf das Konsumverhalten des Individuums, das durch Werbung oder Nachahmeffekte beeinflusst wird, an.

Der „Konsument“ ist sich seiner Macht – so scheint es – überhaupt nicht bewusst, mit der er den zumeist materiellen Angebotsüberfluss beeinflussen kann. Durch das Konsumverhalten bestimmen die Käufer – man spricht leidenschaftslos vom „Verbraucher“- über Bestand, Aufschwung oder Niedergang von Firmen oder Firmengruppen. Angebote werden über das Preis-Leistungsverhältnis angenommen oder vom Kunden verworfen. In der Fachsprache wird die Vokabel Mitbewerber benannt, wenn sich mehrere Unternehmen mit einem Angebot um die Gunst der Kunden bemühen. In Wirklichkeit handelt es sich um gnadenlose Konkurrenzkämpfe, die über das Wohl oder Wehe der Unternehmenszweige entscheiden. Das ist bekannt und nichts Neues.

In der vergangenen Woche hätte die „Air Berlin“ Konkurs anmelden müssen. Gestreckt wurde das Insolvenzverfahren durch einen Zuschuss aus der staatlichen Bank für Wiederaufbau in Millionenhöhe, so dass bestehende Buchungen in einem bestimmten Zeitrahmen noch abgewickelt werden können, bevor Teile des Unternehmens an andere Fluggesellschaften verkauft werden. Erst vor kurzem meldete die Alitalia den Konkurs an. Wie kann es geschehen, dass Fluggesellschaften durch die Preisgestaltung ihrer Flugrouten bzw. Flugziele mit oder ohne Verflechtung von Reiseunternehmen in die roten Zahlen rutschen?

Der „Konsument“ vergleicht in Reisebüros die Angebote mit denen, die im Internet zu buchen sind. Dabei achtet er genau auf die Endpreise bei gleicher Flug- und Hotelbuchung im Urlaubsland seiner Wahl. Der gesunde Menschenverstand müsste dem Individuum eigentlich sagen, dass ein Hin- und Rückflug mitsamt einer Woche Halbpension in einem Dreisternehotel in Tunesien für 265.-€ in der Vor- oder Nachsaison nicht der Realität entspricht. Für diesen Preis käme ein Kunde mit dem Taxi nicht von z.B. Hamburg nach Berlin-Mitte – und das ohne Halbpension und Übernachtung in einem Hotel. Auf der anderen Seite achtet das Bundeskartellamt darüber, dass Fluggesellschaften keine Preisabsprachen treffen. Dem „Konsumenten“ ist es völlig egal, ob er durch seinen überzogenen Geiz für tausende verlorener Arbeitsplätze verantwortlich ist. Er übersieht gerne, dass gute Qualität von Waren oder Dienstleistungen ihren Preis einfordern, zumal viele Menschen die Qualität von Möbeln, Werkzeugen und Maschinen überhaupt nicht beurteilen können – um nur einige Beispiele zu nennen. Es scheint erschreckend, dass so viele Menschen sich von dreister und hirnloser Werbung beeinflussen lassen und dann bereit sind, einen höheren Preis zu bezahlen z.B. wenn ein Bier aus Felsquellwasser gebraut wird, ein Bier, das auf Glyphosat getestet wurde – wie viele andere Biersorten auch – und positiv war. Nun fragt sich der kritische Verstand, wie Glyphosat in das Felsquellwasser gelangt ist, wärend das Brauwasser aus Bremen keine Spuren von Glyphosat nachwies. Ein Wasser aus einem tiefen Brunnen unter einer Großstadt? Dass der „Verbraucher“ die teure Werbung aus dem TV mit der von ihm erworbenen Kiste Bier mitbezahlt, müsste ihm eigentlich einleuchten.

Wie irrationell der „Verbraucher“ agiert, wird auch aus seinem Verhalten deutlich, wenn er an Kreuzfahrten teilnimmt, die durch ihren Schweröltreibstoff dafür sorgen, dass gewaltige Mengen von Kohlendioxyd und Ruß in die Umwelt gelangen, Auf der anderen Seite werden Erderwärmung und Zunahme von Stickoxyden beklagt. Wie leicht könnte Druck auf die Reedereien ausgeübt werden, wenn der Reise- und Entdeckungslustige nur noch Reisen mit Schiffen buchen würde, deren gewaltige Motoren ( oft drei bis vier Hauptantriebsblöcke und 4 bis 8 Nebenaggregate für die Stromerzeugung) mit Katalysatoren ausgerüstet würden. Natürlich würde der Buchungspreis um ca. 100.-€ steigen. Ein Kreuzfahrtschiff der neuesten Generation kommt ohnehin erst nach vielen, vielen Jahren in die Gewinnzone bei einer „Laufzeit“ von ca.vierzig Jahren, bevor es verschrottet wird. Die drohenden Umweltkatastrophen können dementsprechend nicht so ohne Weiteres weder dem System angelastet werden noch den Politikern, die dieses System vorantreiben, auch wenn es von Lobbyisten und Analysten beeinflusst wird. Die Frage wäre noch zu klären, wann das System der freien Marktwirtschaft zu einem Raubtierkapitalismus entartet, der früher oder später den völligen Niedergang einer Gesellschaft nach sich zieht. Der Besitzstand des Einzelnen beruht in vielen Fällen auf Armut und Ausbeutung anderer. Auf eine weltweite Solidarität der begüterten Gesellschaften mit den armen Gesellschaften beispielesweise in Afrika, Pakistan oder Indien wird umsonst hingewiesen. Das Argument:“Mir schenkt auch keiner etwas“ scheint die Gewissen der meisten Menschen zu beruhigen. Wenn sich in der Einstellung des Individuums zu seiner und anderen Gesellschaften und zum Planeten selbst, der uns trägt, nichts wesentlich ändert, kann der Zukunft keine günstige Prognose eingeräumt werden.

Prost! Austrinken! Noch sind wir!

 

 

Die Qual der Wahl

Was hat das Eine mit dem Anderen zu tun?

„In wenigen Wochen sind Bundestagswahlen!“ „Jo, Hermann, ick weit woll!“ „Un? Geihst wählen?“ Die kurze mundartgerechte Einführung gab seinem Kumpel Jupp die Gelegenheit, auf seine neueste Aktivität hinzuweisen: „Über das Internet wurde ich auf die Möglichkeit aufmerksam, dass engagierte Wähler Fragen an einen Wahlkreispolitiker/In ihrer Wahl stellen können. Das habe ich gemacht, denn Fragen zu stellen ist die aktive Politik des kleinen Mannes.“

„Wem hast du welche Frage gestellt?“ wollte Opa Hermann jetzt genau wissen. „Na ja, bei uns ist das Gitta Connemann“, meinte Jupp, „ob die nun omnipotent ist, kann ich nicht sagen, aber omnipresent ist sie auf jeden Fall, und immer mit Presse.“ „Und welche Frage hast du über dieses Portal an sie gestellt?“ „Ich habe geschrieben: „Liebe Gitta Connemann (CDU), sind Sie mir böse, wenn ich bei der kommenden Bundestagswahl Frau Wagenknecht wähle?“
„Und? Hat sie dir geantwortet?“ „Bis heute nicht. Aber das Moderatorenteam hat die Frage zugelassen, wie mir mein E-mail Programm flüsterte.“
„Fragen stellen, Fragen stellen“, echote Opa Hermann, „das ersetzt doch keinen Willensaustausch!“ „In Bezug auf wichtige Entscheidungen z. B. bei der Außenpolitik könnte das gewisse Rückschlüsse ergeben“, behauptete Jupp mit heftigem Kofnicken. „Auf die Frage, wie reagiert Ihre Partei auf die Tatsache, dass fünfundfünfzig Prozent der Deutschen die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland fordern?“ „Nee, nee, nee“, regte sich Opa Hermann auf, „das kannste doch nicht deine Wahlkreistante fragen, das musst du Frau Merkel fragen! Denn auch in einem Matriarchat wie Merkel, Von der Leyen und Co. gibt es immer eine Älteste, das solltest du stets im Hinterkopf behalten, wenn du sinnlose Fragen an die falschen Köpfe stellst.“ „Ich weiß gar nicht, was du gegen ein Matriarchat hast“, maulte Jupp, „es sind doch jetzt überall Frauen in wichtigen Positionen, die einzigen, die bis jetzt standhaft geblieben sind, sind der katholische Klerus und das Dreigestirn beim Kölner Karneval. „Ich finde Männer mit blonden langen Zöpfen total geil!“
„Und alte Säcke in Frauenkleidern aus Gardinenstoff, oder wer oder was?“ Opa Hermann kicherte in sich hinein. „Jetzt gehst du aber unter die Gürtellinie, altes Steigeisen!“ „Nee“, sagte Opa Hermann, „ich hab nix von Messdienern verlauten lassen! Häme kommt nicht aus meinem Mund!“ „Komm, komm, komm, alter Freund, etwas Selbstkritik wäre aber angebracht, ich drücke es jetzt mal vorsichtig aus: Häme ist dein zweiter Vorname.“ „Nee, das ist Satire“, behauptete Opa Hermann stur, „Häme ist, wenn ich zu einem katholischen Pfarrer sagen würde, dein Latein ist schlecht, wie kann man nur den Alkohol hervorheben in einer Predigt von wegen „spiritus sanctus?“
„Aber mal etwas Anderes, wie kommst du von Politik auf Katholizismus? Ich meine, den Zusammenhang mit Karneval verstehe ich ja noch.“ „Ja, habe ich das „C“ in die Union eingebracht? Das kommt garantiert aus Bayern, das ist bayerischer Import! Wie kann man eine unchristliche Partei mit einem Glaubensanspruch unterwandern?“ „Was meinst du konkret mit unchristlich?“ „Rüstungsteile, ganze Panzer nach Saudi-Arabien verkaufen, als wüsste niemand im Bundestag, dass die gerade dabei sind, den Jemen plattzumachen!“ „Jemen, Jemen, das sind doch die, welche noch Hände abhacken und steinigen!“ „Das ist dort juris prudens, eine gut fundamentierte alte Rechtsprechung!“ „Ooch komm!“ „Wer zweimal beim Klauen erwischt wird, der kann anschließend weder Messer noch Gabel halten!“ „Brauchst auch nicht unbedingt, hast du schon jemals bei Mc Donald gesehen, dass die Leute da mit Messer und Gabel essen?“

„Wo waren wir stehen geblieben?“ „Bei Frau Connemann! Wenn sie aus dem Urlaub aus Cornflakes zurück ist, wird sie meine Frage vorfinden!“ „Du meinst Cornwall?“ „Ist doch dasselbe, total koscher!“ „Au Backe, Jupp, deine Orthografiekenntnisse sind aber nicht berauschend!“ Und deine Geografiekenntnisse auch nicht!“ „Wie kommst du jetzt auf Geografie?“ „Na, bekannt nach dem Geodreieck, weißt schon, Mengenlehre!“