Opa Hermann, Amos und die Mächtigen

Nix Macht? Macht nix!

 

 

„ O je o je!“ Opa Hermann war ziemlich blass geworden. „Wat mauk de da in de USA?“ Amos hatte unter dem Tisch in Opa Hermanns Wohnstube geschlafen. Jetzt tat er ein Auge auf, seine Traumschäfchen waren davon geflogen. Er reckte und streckte sich, ließ dabei ein sanftes „Böööööh“ vernehmen.
„Was ist los, Opa Hermann?“ „Die Amis sind unberechenbar! Jetzt haben die doch tasächlich den Trump gewählt und kaum ist er zwei Wochen im Amt, da demonstriert die Hälfte des Landes bereits wieder!“
„Ist dieser Trump ein Leithammel?“ wollte Amos wissen? Opa Hermann gluckste: „Der Vergleich passt wie die Faust aufs Auge! Er soll laut Zeitungsfritzen der mächtigste Mann der Welt sein.“
„Was ist mächtig?“
„Das Gegenteil von ohnmächtig“, feixte der alte Herr. „Nee, er hat einen Koffer mit Geheimcodes für die amerikanischen Atomraketen und wahrscheinlich ist ein rotes Handy dabei, mit welchem er seinen Freund Putin anrufen kann.
„Wer ist das nun wieder?“ wollte das Piratenschaf wissen. „Wenn wir mal bei dem Vergleich bleiben, dann ist es der Leithammel der Russen, und der hat auch Atomraketen und wahrscheinlich auch so einen „Notfallkoffer.“
„Verstehe ich nicht!“ Amos war ratlos. „Na ja, wenn sich so eine Rakete selbständig macht und sich auf den Weg nach Russland begibt – die Zielkoordinaten sind doch längst festgelegt – dann kann der Präsident, also er, Trump, noch schnell telefonieren und sagen, dass dies nicht absichtlich geschah und er als Präsident der USA für den Schaden aufkommt. Also stell dir vor, so eine Rakete legt eine Stadt in Schutt und Asche und der Verantwortliche sagt dann: „Tschuldigung, war nicht so gemeint!“
Dann sagt der russische Präsident: „Ok, wir haben dann eine Rakete gut. Wir kommen gelegentlich darauf zurück, wenn sich eine von uns selbständig macht. Wo habt ihr sie lieber, in Washington oder in New York?“
Dann könnte Trump zum Beispiel sagen: “Wenn es dir Recht ist, lieber Wladimir, schick sie nach Arizona, dort wollten wir ohnehin umgraben!“ Es ist ja nicht so, dass die beiden nicht mit einander reden.“
„Aber dann ist ja der Putin auch der mächtigste Mann der Welt! Ich verstehe das alles nicht!“
„Ach Amos, das verstehen die Zeitungsfritzen ja selber nicht, aber es hört sich gefährlich an!
Es ist gewissermaßen eine gewollte Provokation! Die Leute, die so etwas in die Welt setzen, sollten in den „Archipel Gulag“ und dort Studien betreiben!“
„Kenne ich nicht“, blökte das Piratenschaf. „Da gibt es den Strafvollzug der ersten Stunde!“
Opa Hermann grinste. „Und wenn man solchen Stuss ungestraft in eine Zeitung schmieren darf, das hat auch etwas mit Macht zu tun, denn es gibt immer noch einen Haufen Leute, die grundsätzlich alles glauben, was irgendwo schwarz auf weiß geschrieben steht.
Inzwischen hat ja so ziemlich jeder „Heijupei“ seine Atomraketen, wenn ich das mal so salopp formulieren darf!“
„Du bist der Saloppeste, den ich kenne, noch viel salopper als Käpten Hornblewer von der Cara Mia, Opa Hermann. Doch was bedeutet: salopp?“
„Wie soll ich das erklären, Amos? Sagen wir so: das Gegenteil von nicht salopp!“ ( sich nicht an gesellschaftliche Formen halten )
„Aha“. Amos bohrte nicht weiter nach. Wahrscheinlich würde Opa Hermann dieses Wort ins Plattdeutsche ableiten und sagen: „Saal auf“!
„Und jetzt will der Trump eine lange hohe Mauer auf der Grenze zu Mexiko bauen. Irgendwie muss der von der chinesischen Mauer gehört haben und davon, dass die heute noch steht!“
„Weshalb denn das?“
„Der will keine Mexikaner mehr ins Land lassen, keine Muslime, eigentlich überhaupt niemanden mehr, außer Amerikaner, Nordamerikaner. Denn man kommt zu Fuß über Land nur über Mexiko und Kanada in die USA, sonst nur über den See- und den Luftweg. Und der amerikanische Präsident darf eigenmächtig ohne Zustimmung durch den Senat über alles entscheiden, was die Sicherheit des Staates betrifft. Dementsprechend interpretiert er alles Mögliche unter dem Aspekt der Sicherheit.“

„Ich weiß“, sagte Amos plötzlich, “dass Leithammel alle anderen Schafe überleben. Sie gehen voran in die Boxen, mit denen man die Herde einfängt. Durch eine Seitentür lässt man sie wieder frei, aber die anderen, die ihnen gefolgt sind, landen als Lammkoteletts auf den Tellern. Und deshalb bin ich bei den lieben Piraten geblieben. Als Frischfleisch an Bord gekommen und als Ausguck in den Mastkorb versetzt. Ich habe den freien Blick über das Meer kennen gelernt. Jetzt weiß ich was mächtig ist!“

 

 

 

Hartmut Tettweiler Reliwette

Autor: Hartmut Tettweiler Reliwette

Hartmut T. Reliwette, geb. 1943 in Berlin Maler, Bildhauer, Performer, Autor. Auf dem künstlerischen Sektor seit 1969 präsent, damals noch mit der Gruppe ARASKADE 69, die aus Malern und Autoren bestand. Außer mir ist Frau Dr. Prehm, Scottish Lady of Camster, Autorin und Zeichnerin, das letzte lebende Mitglied der Gruppe. Seit dieser Zeit wurden bis heute ca. 70 Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen oder Performances im In- und Ausland realisiert. Erste literarische Publikationen im Jahre 1971., hauptsächlich Gedichte und Prosatexte, die in deutschsprachigen Anthologien publiziert wurden oder im Eigenverlag, sowie im Magazin "Die Brücke." Im selben Jahr entwickelte sich eine Freundschaft zu Professor Joseph Beuys, der an der Kunstakademie in Düsseldorf einen Lehrstuhl hatte. Außerdem bestand eine tiefergehende Freundschaft zu Peter Coryllis, einem Schriftsteller, der den Kreis der Freunde leitete, eine lose Vereinigung von hauptsächlich Autoren, aber auch Kunstschaffenden.(Einst hatte der Lambarene-Arzt Albert Schweitzer diesen Freundeskreis gegründet). 1981 Einrichtung einer Zweigstelle der FIU (Free International University for Kreativity and Interdisziplinary Research) bei der Volkshochschule Essen - Mitte. (Die FIU war zunächst ein künstlerisches Projekt von Joseph Beuys und einem seiner Meisterschüler, Johannes Stüttgen). Nach einer Aufführung der Fluxuszone Niederrhein wurde vom damaligen Leiter der VHS, Lübben, angeordnet, dass weitere Auftritte der FIU bei der VHS Essen unerwünscht seien. Demzufolge wurde das Reliwette-Museum 1984 in Ostfriesland errichtet und somit gegründet , um ein eigenes Podium zu realisieren. Zur Eröffnung wurde eine mehrteilige Performance initiiert, deren Haupteil mit dem Titel "His masters Voice" in das Zerschießen einer Pyramide aus Fernsehgeräten mittels einer großkalibrigen Vorderladepistole mündete. 1976 erfolgte die Gründung der literarischen Gefangenenzeitung DIABOLO mit einem Insassen-Redaktionsteam der Sozialtherapeutischen Anstalt Gelsenkirchen. In der Zeit von 1979 bis 1986 entstanden 2 Filme im S8 Format: "Psychodelic memories" und "Abbruch". 1987 erfolgte das Pflanzen eines Labyrinthes aus Berberitzensträuchern auf einer Fläche von 2500 Quadratmetern. Es handelt sich hierbei um den "Joseph - Beuys - Gedächtnisgarten". In diese Zeit fällt der erste Kontakt zu Karl-Heinz Schreiber, einem literarischen "Urgestein" aus Unterfranken. Aus diesem Kontakt entwickelte sich im Laufe der Jahre eine tiefgehende Freundschaft. K.H.S war nicht nur Rezensent zeitgenössischer Literatur, sondern auch Herausgeber einer Literaturzeitschrift, Romanverfasser, Dichter und Lyrocker. "Charly" Schreiber verstarb viel zu früh im Jahre 2014. Sowohl die Freundschaft zu Beuys als auch zu Karl-Heinz Schreiber haben meinen literarischen Duktus stark beeinflusst. Noch kurz vor seinem Ableben brachte er den Gedichtband heraus:"Durch den Kaktus gesprochen", der meine wichtigsten Gedichttexte enthält. Das FORUM im Inneren wurde 2002 mit einem Festival der Poesie in Betrieb genommen. Auch hierbei hinterließ K.- H. Schreiber seine Handschrift. Im Jahre 2017 besteht das Labyrinth als Langzeit - Kunstwerk 30 Jahre. Es wird ab dem Sommer 2017 nicht mehr geschnitten und somit der Natur überlassen. Die Bühne samt Bestuhlung wird somit in einen "Dornröschen-Schlaf" versetzt und sich selbst überlassen als Heimat für wild lebende Tiere aller Art.