Beuys

Ich habe Dir einen Garten gemacht,
Freund,
ein Labyrinth aus Berberitzen
und Freunde haben mir dabei geholfen
Verwandte Seele Du,
das oszillierende Prinzip
funktioniert noch immer nicht
im Bundestag,
denn niemand will Schüler sein…
Das Denkmal, das sie Dir
zu Deinen Lebzeiten errichtet haben,
hast Du dem jenseitigen Ufer verweigert,
die Nordsee hat Dich aufgenommen.

Nach dem Kommunismus richtet
nun auch der Kapitalismus
seine Füße nach der Decke aus:
In der Eiskellerstraße in Düsseldorf
habt Ihr die Tage gezählt.
Was sind schon zwanzig Jahre?
Solche Irrtümer
können wir uns leisten!
Nein, sie wollen den Sozialismus nicht,
keine Gleichmache.
Der Trabbi war ihnen nicht genug,
und in der Mauer war zuviel Beton!
Der Bürger leckt das Henkeseil!

Der organische Geldkreislauf
taugt fürs Museum

Eine neue Menschheitsidee
auf den Spuren Parzivals
und Rudolf  Steiners
in Bienenhonig gegossen,
ein Fanal auf der Dokumenta,
dem Galeristentribunal!

Die Ideen schwinden mit den Guten,
nur Helmut bleibt
und legt mit den Arbeitslosen zu;
ach, wer da mitreisen könnte
in lauschiger Mittsommernacht!
Stachelige Berberitze
im Labyrinth des Lebens
der Theaterplatz lässt grüßen!

Die Free International University
hat ihre Pforten geschlossen,
und Hölderlin schläft tief und fest:
Es ist nicht heilig das Herz,
nicht schöneren Lebens voll,
aber es achtet noch immer
der Knecht den Gewaltsamen,
und der Menge gefällt,
was auf dem Marktplatz taugt!

Heilig, lieber Hölderlin,
sind nicht einmal die Heiligen!

Totenlied

Rosarotes Gewölk:
Es trotten in langen Reihen
Kälber in Samt und Frack
zum Schlachthof im Morgengrauen

Strahlend blauer Azur:
Tausendfach brüllen und wälzen
sich Leiber im eigenen Blut
und brüllen und locken die Brut

Blutig rote Abendwolke:
Und abends marschieren noch immer
die Reihen mit festem Tritt
und alles, was ihnen begegnet,
macht kehrt und trottet mit

Schwarzes Tuch:
Ein jedes Kalb – es sammelt
ein Stückchen Fels vom Weg
den trägt es auf dem Rücken
zu keinem Ziel und Zweck

Da wartet schon der Schlächter
mit seinem scharfen Beil,
er tötet alle Kälber
und hängt sie auf am Seil

Stille

Festgesäulter ewig Runde,
Plattenmarmor weiter Kreis-
hochgewölbt und dächerhallend:
Einsamkeit, um die ich weiß

Gestern noch vom Schritt durchmessen,
Hiermacht und reales Sein:
krautumwuchert und verfallen:
heutestundend und Gebein

wortedrängend und melodisch,
Liebreiz immer noch gefühlt:
sinnestaumelnd in der Stille
wird Vergangnes aufgewühlt

Abendmelodie

Fetter Quallen
glitschige Leiber
umringen mich,
Tentakel greifen
Josefa hinter dem Felsen,
singe das Lied
vom brennenden Baume!

Aus der Erde
rissige Fugen
kraucht Gewürm
tote Facetten glotzen,
lechzt giftiger Speichel,
singe, Josefa,
das Lied vom Baume

Dürre Äste knacken,
brechen unter
fliehendem Fuße,
Lachen bildet sich aus Blut
es brennt, Josefa, sieh die Glut!

Gestalten taumeln
aus dem Moder
sie wanken, zerfließen,
rufen und lachen –
sie wollen mich!

Josefa, bitte sing mein Lied!
Grüner Himmel,
rot durchzogen,
wechselnd ohne Horizont in Braun,
das Land ist tot und immer brennt
der Baum und diese Melodie

Singe, Josefa, das Lied vom Baume,
du hinter deinem Felsen,
gehe weg und bleib doch hier,
kann nicht fort von meinem Traum!

Prophezeiung

Meine Ablehnung wird deutlicher
Noch habe ich meine Gefühle im Griff
Aber theoretisch, rein fiktiv, da müssten
Die Profitgeier an den Börsen

Dorthin, wo es des Nachts hell ist
Da wären aber alle Laternen einer
Kleinstadt besetzt mit klappernden

Gerippen und Blödianen, die sich
Am Benzin bereichern und Bohrinseln
Werden zu Leckagen, Idioten ringsumher

Soweit das Auge reicht: mächtige Idioten,
Trollköpfe, Blutsauger und Egomanen
Die keine Revolution überleben würden

Millionärsgattinnen im Edelpelz, darunter
Ein Fetzen Edeltuch über abgepumpten Fettzonen
Zombiegrinsen auf Botoxvisagen

Ist denn alle Ethik zum Teufel – wer fackelt
Unten an den Kesseln die Lunten?
Luzifer hält sein Klientel im Griff!

Wahnsinnig könnte man werden
Das Volk wählt seine eigenen Schlächter
Wie die Lemminge stürzen, purzeln

Dummköpfe in den Abgrund der
Zerstörung und des Chaos, das alle
Grenzen gesprengt und die Menschen

In Verantwortungslosigkeit knechtet:
Großer Chef, mein Lehrer, fahr dazwischen
Mit dem Feuerschwert, lass Erdplatten rütteln
Und Vulkane speien Verderben, wenn sich
Die Erde auftut und Feuer vom Himmel fällt
Das geschändete Meer die Frevler verschlingt

Was beklagt ihr

Was beklagt ihr,
Ahnungslose,
das Wetter?

Auf anderen Planeten
des Sonnensystems
andere Bedingungen!

Unvorstellbar oder nicht
ein einziger Tag
länger als ein Jahr!

Ein schöner Name:
Venus, Göttin der Liebe

Keine Sekunde zum Atmen
aber die Renten, ich weiß
kürzer gefasst als  je zuvor

Und die unerträgliche Hitze….

Kein Sex
kein Lustwandeln
im Duft des Jasmins

Nur Brandhölle