Opa Hermann und Jupp vom Donner gerührt

Nur ohne Unterschrift gültig

 

„Naaaaa, wie ist die Lage? Ich meine die politische?“ Jupp grinste Opa Hermann an wie ein Honigkuchenpferd. „Du mich auch mal“, entgegnete der Angesprochene, weil er nicht wollte, dass sein bester und einziger Freund, der ihm noch verblieben war, immer und immer wieder auf dieses Knöpfchen drückte – und zwar im Wissen, dass er damit Opa Hermann aus der Fassung bringen konnte. Deshalb sagte er noch: „Passt zum Wetter!“
Es regnete in Strömen, der Himmel hatte sich verfinstert, in der Ferne war dumpfes Grollen zu hören. „Der Beschuss kommt näher“, fügte Kumpel Jupp hinzu. „Richtiges Bierwetter“, gab Opa Hermann bekannt und öffnete den Kühlschrank. Er entnahm ihm zwei Flaschen Gerstensaft. Eine reichte er Jupp, die andere behielt er für sich. „Kühles Bier am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen“, wusste er zu berichten. „Alter Heimatdichter“, frotzelte sein Freund. „Es heißt aber in Wirklichkeit: Schnaps und Nikotin rafft die halbe Menschheit hin, doch ohne Tabakdunst und Rauch stirbt die andere Hälfte auch!“ „Du und Deine Kalenderblätter“, stichelte jetzt Opa Hermann. „Woher hast du diesen Spruch? Wahrscheinlich aus der Hypothekenrundschau?“ „Ich habe so meine Quellen, die mir zuarbeiten!“
„Aber jetzt mal im Ernst. Hast du das mit dem Trump mitgekriegt?“ „Du meinst die Anhörung vor dem Ausschuss mit dem geschassten FBI- Chef?“ „Ja, das meine ich! Der Trump lügt doch wie gedruckt und streitet alles ab!“ „Nee nee, der lässt abstreiten – durch seinen Anwalt. Das ist ein Unterschied. Wenn es hart auf hart kommt, kann er sagen, dass sein Anwalt gelogen hat!“ „Das ist doch dasselbe!“ „In Amerika nicht! Übrigens, die Einlassungen der beiden werden doch von den Beteiligten aus den Lagern der Demokraten und der Republikaner durch schwammige Fragen dermaßen aus einer Richtung gekippt, dass sie letztlich nicht justiziabel sind.“
„Sag mal ein Beispiel“, forderte Jupp , „das ist alles schwer vorstellbar. “ „Na, wenn ein Mitarbeiter von den Demokraten den FBI-Chef fragt, ob Trump ihn zum Abbruch einer gewissen Untersuchung genötigt habe, dann spricht einer von den Republikanern von Blähungen, die ein gewisses Unwohlsein bei dem Gefeuerten ausgelöst haben muss, weil dessen Mitarbeiter mit der Führung und Methode der Amtsgeschäfte nicht einverstanden gewesen seien, weswegen der Präsident ihn entlassen habe.“
Ein ohrenbetäubender Donnerschlag ließ just in diesem Moment das Dach des alten Siedlerhauses erbeben. „Siehst du?“, stichelte Jupp, „der Trump hat seine Spitzel sogar in den Gewitterwolken, sei bloß vorsichtig mit dem was du sagst!“
„Keine Bange, der kriegt nix mit. Der meint ja, dass Belgien eine schöne Stadt sei. Glaubst du im Ernst, dass er weiß, wo die Ostfriesen die Herrschaft über die Gezeiten der Nordsee übernommen haben?“ „Nein, der Trump nicht, aber seine Raketen wissen das! Wenn der rauskriegt, dass in seinem Aktenkoffer keine Hemden zum Wechseln sind, sondern die Codes für seine Atomraketen, dann gute Nacht!“
„Das weiß der!“ „Das weiß der nicht!“ „Doch!“ „Nie im Leben!“ „Wetten?“
Die beiden einigten sich schließlich auf „Prost! Austrinken!“
„Wenn der Heini da in Amerika den Vertrag zur Reduktion des Kohlendioxidausstoßes kündigt, ist ihm alles zuzutrauen. Der glaubt allen Ernstes, dass es wirtschaftlich mit den USA wieder bergauf geht, wenn ein paar alte Bergwerksstollen wieder in Betrieb genommen werden!“
„Eigentlich sollte er mal erkennen, dass die Kosten für die wahnsinnig aufwendige Rüstungsmaschinerie den Haushalt nicht nur bis an die Grenzen der Belastbarkeit treiben, sondern die Produktion von Waffen extrem einseitige Beschäftigungslagen darstellen. Das Gleiche ist vor Jahren mit Russland passiert, und gerade ist ein gewisser Kim Jong-un damit beschäftigt, sein Land kaputt zu rüsten. Im Grunde schaffen sich solche Staaten selber ab. Die Kosten für Stationierungen in aller Welt besorgen den Rest.“
“ Da gibt es Beispiele aus frühen Epochen“, ergänzte Jupp, „der Untergang des römischen Imperiums und der Untergang des riesigen ägyptischen Reiches. Riesenheere kosten Geld, sehr viel Geld, und wenn man die Kosten nicht aus Beutezügen bestreiten will oder kann, dann werden die Steuereinnahmen dafür verwendet.“ „So ist es, mein Freund, andere, viel wichtigere Ressorts werden nicht mehr entsprechend finanziell abgesichert. Zum Beispiel der Bildungssektor, soziale Einrichtungen des kulturellen Lebens, letztlich wird an den Renten gespart und Einrichtungen wie Bahn und Autobahnen an Privatinvestoren abgegeben, wobei nur ein gewisser Prozentsatz in öffentlicher Hand bleibt. Den Nutzen haben dann aber private Gesellschaften oder Banken. Das Bruttosozialprodukt eines Staates wird nicht nur verplempert, sondern aus der Hand der Gemeinschaft gegeben.“
„Wenn jemand glaubt, die von ihm gewählten Volksvertreter richten die Angelegenheiten zum Wohle der Allgemeinheit, dann ist das ein Irrtum! Bedient werden die Lobbyisten, die wiederum große Summen an die Regierungsparteien spenden und sie natürlich von der Steuer absetzen. Damit wird verhindert, dass kleine Parteien an Einfluss gewinnen!“
„Und was willst du dagegen tun?“ Jupps Gesicht hatte sich noch mehr verfinstert. „Für mich eine klare Sache“, grinste Opa Hermann, „die werden sich wundern, wo ich bei der nächsten Bundestagswahl meine Kreuze mache!“
„Wie ich Dich kenne, Hermann, kriegst du es fertig und unterschreibst den Wahlzettel, damit die Wahlhelfer sehen, aus welcher Richtung dein Wind weht. Aber es ist dir schon klar, dass du damit deinen Wahlschein ungültig machst?“
„Ach nee!“ Opa Hermanns Augen glitzerten. Er nahm einen tiefen Zug aus der Bierflasche:
„Meinst du wirklich? Ich bin doch nicht blöd. Ich schreibe den Namen von Captain Hornblewer drunter.“

 

Hartmut Tettweiler Reliwette

Autor: Hartmut Tettweiler Reliwette

Hartmut T. Reliwette, geb. 1943 in Berlin Maler, Bildhauer, Performer, Autor. Auf dem künstlerischen Sektor seit 1969 präsent, damals noch mit der Gruppe ARASKADE 69, die aus Malern und Autoren bestand. Außer mir ist Frau Dr. Prehm, Scottish Lady of Camster, Autorin und Zeichnerin, das letzte lebende Mitglied der Gruppe. Seit dieser Zeit wurden bis heute ca. 70 Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen oder Performances im In- und Ausland realisiert. Erste literarische Publikationen im Jahre 1971., hauptsächlich Gedichte und Prosatexte, die in deutschsprachigen Anthologien publiziert wurden oder im Eigenverlag, sowie im Magazin "Die Brücke." Im selben Jahr entwickelte sich eine Freundschaft zu Professor Joseph Beuys, der an der Kunstakademie in Düsseldorf einen Lehrstuhl hatte. Außerdem bestand eine tiefergehende Freundschaft zu Peter Coryllis, einem Schriftsteller, der den Kreis der Freunde leitete, eine lose Vereinigung von hauptsächlich Autoren, aber auch Kunstschaffenden.(Einst hatte der Lambarene-Arzt Albert Schweitzer diesen Freundeskreis gegründet). 1981 Einrichtung einer Zweigstelle der FIU (Free International University for Kreativity and Interdisziplinary Resurch) bei der Volkshochschule Essen - Mitte. (Die FIU war zunächst ein künstlerisches Projekt von Joseph Beuys und einem seiner Meisterschüler, Johannes Stüttgen). Nach einer Aufführung der Fluxuszone Niederrhein wurde vom damaligen Leiter der VHS, Lübben, angeordnet, dass weitere Auftritte der FIU bei der VHS Essen unerwünscht seien. Demzufolge wurde das Reliwette-Museum 1984 in Ostfriesland errichtet und somit gegründet , um ein eigenes Podium zu realisieren. Zur Eröffnung wurde eine mehrteilige Performance initiiert, deren Haupteil mit dem Titel "His masters Voice" in das Zerschießen einer Pyramide aus Fernsehgeräten mittels einer großkalibrigen Vorderladepistole mündete. 1976 erfolgte die Gründung der literarischen Gefangenenzeitung DIABOLO mit einem Insassen-Redaktionsteam der Sozialtherapeutischen Anstalt Gelsenkirchen. In der Zeit von 1979 bis 1986 entstanden 2 Filme im S8 Format: "Psychodelic memories" und "Abbruch". 1987 erfolgte das Pflanzen eines Labyrinthes aus Berberitzensträuchern auf einer Fläche von 2500 Quadratmetern. Es handelt sich hierbei um den "Joseph - Beuys - Gedächtnisgarten". In diese Zeit fällt der erste Kontakt zu Karl-Heinz Schreiber, einem literarischen "Urgestein" aus Unterfranken. Aus diesem Kontakt entwickelte sich im Laufe der Jahre eine tiefgehende Freundschaft. K.H.S war nicht nur Rezensent zeitgenössischer Literatur, sondern auch Herausgeber einer Literaturzeitschrift, Romanverfasser, Dichter und Lyrocker. "Charly" Schreiber verstarb viel zu früh im Jahre 2014. Sowohl die Freundschaft zu Beuys als auch zu Karl-Heinz Schreiber haben meinen literarischen Duktus stark beeinflusst. Noch kurz vor seinem Ableben brachte er den Gedichtband heraus:"Durch den Kaktus gesprochen", der meine wichtigsten Gedichttexte enthält. Das FORUM im Inneren wurde 2002 mit einem Festival der Poesie in Betrieb genommen. Auch hierbei hinterließ K.- H. Schreiber seine Handschrift. Im Jahre 2017 besteht das Labyrinth als Langzeit - Kunstwerk 30 Jahre. Es wird ab dem Sommer 2017 nicht mehr geschnitten und somit der Natur überlassen. Die Bühne samt Bestuhlung wird somit in einen "Dornröschen-Schlaf" versetzt und sich selbst überlassen als Heimat für wild lebende Tiere aller Art.