Amos, Opa Hermann und das Negative

„Die Kids und ihr Schmattfonn“

 „Opa Hermann, warum schimpfst du den ganzen Tag lang?“ Mit dieser Frage stieß das Piratenschaf bei seinem Ziehvater in ein Wespennest. Beide hatten auf der Liegewiese nebeneinander auf einer Kuscheldecke gelegen und sich von der Frühlingssonne wärmen lassen. Opa Hermann hatte sich gerade so schön „fallenlassen“ und war in Gedanken bei seiner Jugendliebe, als ihn Amos Frage wie eine Breitseite erwischte. Er setzte sich auf und runzelte seine Stirn in tausendundeine Falte.
„Hääääh?“ fragte er in die Gegend, dann fasste er das Piratenschaf neben sich ins Auge: „Hast du mich gerade etwas gefragt?“
„Ja, Opa Hermann, mir fällt auf, dass du den ganzen Tag lang unentwegt schimpfst!“ „Das ist mir noch gar nicht aufgefallen!“ Der alte Herr machte „brrr“ und schüttelte sich: „Ich schimpfe nicht, ich stelle fest! Das ist ein Unterschied! Sagen wir mal so, wenn ich etwas bemängele, dann mache ich automatisch Verbesserungsvorschläge!“ „Wie denn das?“ fragte Amos und kratzte sich mit der linken Zehe am Wuschelkopf. „Wenn ich sage, dass die Hosenscheißer nicht den ganzen Tag mit ihren Schmattfonns durch die Landschaft traben sollten, dann ist das ein indirekter Verbesserungsvorschlag.“ „Was habt ihr denn in eurer Jugend gemacht?“ wollte Amos jetzt wissen. „Wir, äh wir…“ Opa Hermann druckste herum. Er wand sich wie ein Aal in der Falle. „Wir haben Streiche gespielt, Äpfel geklaut, Schellemännchen gespielt, Jungen von der anderen Straßenseite verkloppt. Silvester haben wir aus den Krachern das Pulver geholt und eigene Raketen damit befüllt. Einige flogen sogar ziemlich weit, andere sind beim Start explodiert. Dann haben im Ort alle Fensterscheiben gebebt. Manchmal haben wir mit Kreide ein Spielfeld auf das Straßenpflaster gezeichnet. Eines davon hieß: „Deutschland erklärt den Krieg gegen…“ „Warst du früher auch Pirat?“ wollte das Piratenschaf jetzt wissen. „Ach woher!“ Opa Hermann machte eine abwehrende Geste: „Wir malten eine quasi quer aufgeschnittene große Apfelsine auf das Pflaster, es gab ja kaum Autos damals. Manchmal fuhr wochenlang kein einziges Auto durch die Straße. In diesen Kreis zeichneten wir „Kuchenstücke“ bis zum Mittelpunkt. Das waren unsere Länder. Jeder durfte sich eines aussuchen. Da wir nicht viele Länder kannten, nahmen wir die Länder der Alliierten und der Achsenmächte, also England, Frankreich, Amerika, Kanada, Polen oder Italien und Finnland, nur Russland wollte keiner nehmen. Deutschland war am beliebtesten!“
Nach einer Weile begann der alte Herr mit dem Kopf zu wackeln. „Wenn ich es mir im Nachhinein besehe, dann waren unsere Streiche doch ziemlich gefährlich. Wenn du heute einen Schulkameraden verkloppst, dann fliegst du im Wiederholungsfall von der Schule und Raketen basteln, o je o je, dann rückt gleich das SEK an und riegelt den ganzen Ort ab. Auch Äpfel klauen in Nachbars Garten ist heute nicht mehr drin, weil es als Einbruch gewertet wird. In Amerika wirst du beim Äpfelklauen gleich vom Besitzer des Grundstückes erschossen.“ „Und was ist mit Schellemännchen?“ fragte Amos. „Kannst du heute vergessen, wahrscheinlich macht ohnehin keiner auf, weil alle berufstätig sind oder beim Sozialamt auf der Bank sitzen. Heute müsste man auch die Taktik ändern und anstatt wegzulaufen in den Hausflur brüllen: „Das Essen ist da!“ Man könnte ebenso gut in den Hausflur brüllen: „Bundessicherungsgruppe Bonn!“ „Also können die Jugendlichen gar keine Streiche mehr spielen?“ „Nö, das machen die Menschen heute im Erwachsenenalter, indem sie bei Zalando oder anderswo einen Haufen Klamotten bestellen und alles mit Retourenschein wieder zurücksenden. Oder sie nehmen eine Drohne mit Kamera und schauen mal ins Schlafzimmer der schönen Nachbarin!“ „Und wenn die Nachbarin nicht schön ist?“ „Egal“, meinte Opa Hermann, „Drohne ist Drohne. Andere wiederum laufen nachts durch die Straßen und brechen die Antennen der geparkten Autos ab.“ „Was habt ihr denn früher noch gespielt?“ „Na ja, wir haben uns „Fletschen“ gebaut. Heute nennt man sie „Schleuder“ oder „Katapult“. Wir haben die „Fletschen“ natürlich weiterentwickelt wie Werner von Braun die V1.“ „Wie denn, Opa Hermann?“ „Zunächst haben wir Astgabeln verwendet und Einweckgummis aufgeschnitten. Die Lasche für den Stein machten wir aus Stoff. Später nahmen wir dicken Eisendraht und bogen den auf dem Schraubstock in der Werkstatt des Opas. Als Gummi verwendeten wir Schläuche von Autos. Damals hatten die Reifen noch Schläuche. Wir schnitten sie in lange Streifen. Als Munition nahmen wir anstelle von Kieselsteinen die Stahlkugeln aus den Kugellagern von Lkw. Wenn man die Fletsche bis hinter die eigenen Ohren spannte und in die Luft schoss, dann flog die Kugel so hoch, dass man sie nicht mehr sehen konnte. Natürlich fiel die irgendwo runter. Darüber haben wir uns nie den Kopf zerbrochen. Mach das heute mal bei den vielen Autos! Außerdem haben wir heute keine Trümmergrundstücke mehr, sondern flächendeckende Bebauung.“
„Aber dann ist es doch viel ungefährlicher, wenn die Jungen und Mädel heute mit ihrem Smartphone durch die Straßen laufen?“ „Für die anderen ja, aber nicht für sie selbst, weil sie abgelenkt sind und nicht auf den Verkehr achten“, gab Opa Hermann zu bedenken.

„Au fein! Dann schenke ich Käpten Hornblewer, dem Piratenkapitän, du weißt schon, ein Smartphone zu Weihnachten, dann kann er keinem mehr einen Schaden zufügen!“

„Hast du eine Ahnung, wer weiß denn, ob er nicht nachts im Vollrausch die Leute aus ihren Betten klingelt und fragt, ob Hermann, also ich, zu sprechen ist!“

 

Neue Hoffnung?

Wenn ein Phönix aus der Asche steigt…

 „Neues Spiel – neues Glück, alles ändert sich im Augenblick“, so ist mir noch der Rummelbudenbetreiber im Ohr. Auf einer Glasfläche waren vier Kartensymbole dargestellt, Kreuz-Pik-Herz-und Karo-Ass. Die Mitspieler setzten 10 Pfennig auf einen der Plätze. Dann wurden die Felder mittels einer drehenden Kontaktscheibe rythmisch beleuchtet, die der Budenbesitzer mechanisch in Gang setzte. Sodann blinkten die Felder wild durcheinander auf, bis endlich die rotierende Scheibe zum Stillstand kam und eines der Felder endgültig aufleuchtete. Der Budenbetreiber übergab dem Gewinner eine „Wertmarke“ und strich die gesetzten 40 Pfennig ein. Für eine festgelegte Anzahl von „Wertmarken“ konnten dann Gewinne eingetauscht werden, bunte Luftballons, ein Stoffteddy, eine Blumenvase und anderes Zeugs, insgesamt wertlose Dinge. Ein SUV mit 6 Gängen und Vierradantrieb war jedenfalls nicht darunter.

Im Herbst sind Bundestagswahlen. Ich höre den Budenbesitzer noch rufen: „Karo-Ass ist noch frei!“ Verdrossene SPD-Wähler wollten die SPD nicht mehr, keine Koalitionspartei, welche den Vorgaben der CDU und ihrer Vorsitzenden Angela Merkel folgte, ohne markantes SPD- Profil.

Was ist das für eine Partei der Arbeitnehmer, welche im kapitalistischen Sinne mit an den Rädern dreht und in mehrfacher Hinsicht den Vorgaben des „amerikanischen Bruders“ folgt? Dies geschieht vor allem in Bezug auf die geplante Aufrüstung der Bundeswehr, anstelle die Löcher im sozialen Bereich nachhaltig zu stopfen!
Der neue Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika verlangt mehr Engagement von den Nato-Mitgliedsstaaten. Er meint eine finanzielle Mehrbeteiligung von den Natopartnern!

Karo-Ass ist noch frei! Wie wäre es denn, wenn die USA ihren Stützpunkt in Deutschland bezahlen würden? Wie würden deutsche Wähler reagieren, wenn ein Anwärter auf das Amt des Bundeskanzlers sagen würde: „Ich werde versuchen, den amerikanischen Verbündeten davon zu überzeugen, die in der Bundesrepublik stationierten Atomköpfe samt Raketen zu sich nach Hause zu nehmen!“

Stimmen werden laut, vor allem bei den eingefleischten CDU-Wählern, er, der Schulz, solle doch mal langsam sein Programm in die Debatte werfen!
Weshalb?
Es ist doch langsam bekannt geworden, dass vorherige (Wahl)-Aussagen der Parteien selbst die Waschmittelreklame beleidigen, weil die Wäsche tatsächlich nach dem Waschgang sauber ist!

Man sollte die Art der Amerikaner, sich waffenstarrend in ihrer engeren und weiteren Umgebung zu präsentieren, auf die Entstehung ihres Staates zurückführen. Seit die Trecks mit den Siedlern das Land von den Indianern nahmen, war es üblich, nachts mit Stiefeln an den Füßen und umgeschnalltem Patronengurt das Ruhelager aufzusuchen. Waffen zum persönlichen Schutz sind dem amerikanischen Volk praktisch mit in die Wiege gelegt. Waffen vermitteln dem Träger das Gefühl von Schutz. Wenn die Statistik zu Hilfe gerufen wird, bietet sich dem Analytiker ein völlig anderes Bild. In keinem Staat der Erde gibt es mehr Tote durch Schusswaffengebrauch als in den USA, sieht man von Kriegen, Aufständen und Revolutionen einmal ab. Schätzungsweise sind in den USA fast 4 Millionen Schusswaffen registriert. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen, denn die kriminellen „Elemente“ sind noch nicht mit hineingerechnet.
Martin Schulz ist bei seinen Kollegen in der Europäischen Union beliebt, er hat niemals den Eindruck hinterlassen, dass er den europäischen Nachbarländern seine Auffassung aufdoktruieren wollte. Und doch hat er in den Debatten zu seiner Auffassung gestanden. Die meisten Deutschen haben die Themen, die im EU Parlament diskutiert wurden, nicht sonderlich interessiert. Die Medien haben Berichte darüber auch sträflich vernachlässigt. Die meisten Deutschen sind der Auffassung, dass europäische Politik in Berlin gemacht wird. Diesen Eindruck hat jedenfalls Frau Dr. Merkel bei weiten Kreisen der Bevölkerung hinterlassen. Gesteuert wurde dieser Eindruck von Presse- und Rundfunkmedien, die völlig hirnlos von der „mächtigsten Frau“ der Welt „headlines kreierten“. Hervorgetan hat sich aus diesem „Sumpf der Verblödung“ natürlich auch die Bildzeitung, die immer noch von großen Teilen der Bevölkerung gelesen wird. Nicht umsonst redete der Ex-Bundeskanzler Schröder den Satz: „Ich brauche nur die Bild und die Glotze!“ Welche Rede!
Haben die Deutschen das alles vergessen? Und ja! Es dauert sehr lange, bis ein Gehirn absolut weggesoffen ist, und in der Jugend muss sehr früh mit dem Saufen angefangen werden, sonst wird die Flasche Schnaps, die gerade erst getrunken wurde, wieder ausgekotzt. Bis zum Delirium tremens dauert es dann einige Jahre, bis der Schüttelfrost den Jungwähler von der Stuhllehne kippt. Und jetzt kommt Martin Schulz, ein ehemaliger Trinker, der es geschafft hat, sich davon zu befreien. Er besitzt Charisma, ein ruhiger Mann, der nicht poltert! Er kommt verständnisvoll daher. Wenn er spricht, dann hackt er nicht mit dem Kopf wie ein Huhn beim Gehen. „Hacken beim Reden“ kannten wir bei Helmut Kohl schon! Es ist von der Körpersprache her besorgniserregend und wirkt unsympathisch. Es mutet an, als wolle jemand seine Argumente in den Kopf seines Kombattanden hineinhacken. Allein die Blinden werden von diesem Anblick verschont, sorry! ( Letzteres gehört nicht in einen Kommentar. Deshalb nehme ich das wieder zurück!).
Und noch etwas: Schulz hat es überhaupt nicht nötig, das Wählerpotential mit Aussagen zu ködern, die er hinterher gar nicht umsetzen kann. Wenn er sagt, dass er mehr Gerechtigkeit wünsche, dann ist das kein Versprechen, sondern ein Ziel. Es ist ein Ziel, dass er sich mit Menschen aller Altersgruppen in Europa teilt. Wenn aus Belgien jetzt gerade ein politisch akzentuierter Ruf nach Deutschland schallt: „Weshalb sollen wir unbedingt auf die Wünsche der Amerikaner nach Aufrüstung eingehen?“ dann ist das wie ein Weckruf, mit der Hysterie endlich Schluss zu machen, „der Russe“ wolle sich halb Europa einverleiben! Dem Wunsch der Polen nach mehr Sicherheit durch Waffenpräsenz sollte man entgegen halten, dass die inzwischen sechsmalige Teilung ihres Heimatlandes nicht nur von Russland ausging, sondern auch von Deutschland. Entgegen jeder Vernunft wäre es, wenn es der russischen Führung in den Sinn käme, das Staatsgebiet zu vergrößern. Das Riesenreich verlangt vielmehr nach Verbesserung von wirtschaftlichen und örtlichen Strukturen, Verkehrswesen und und und.

Die Zusammenarbeit zwischen den Völkern in der Erforschung des Weltalls klappt hervorragend. Was spräche dagegen, wenn die Zusammenarbeit auch auf andere Bereiche ausgedehnt würde? Eigentlich nichts!

Es wird allerhöchste Zeit, dass ein Phönix aus der Asche steigt!

 

 

 

Opa Hermann, Amos und die Mächtigen

Nix Macht? Macht nix!

 

 

„ O je o je!“ Opa Hermann war ziemlich blass geworden. „Wat mauk de da in de USA?“ Amos hatte unter dem Tisch in Opa Hermanns Wohnstube geschlafen. Jetzt tat er ein Auge auf, seine Traumschäfchen waren davon geflogen. Er reckte und streckte sich, ließ dabei ein sanftes „Böööööh“ vernehmen.
„Was ist los, Opa Hermann?“ „Die Amis sind unberechenbar! Jetzt haben die doch tasächlich den Trump gewählt und kaum ist er zwei Wochen im Amt, da demonstriert die Hälfte des Landes bereits wieder!“
„Ist dieser Trump ein Leithammel?“ wollte Amos wissen? Opa Hermann gluckste: „Der Vergleich passt wie die Faust aufs Auge! Er soll laut Zeitungsfritzen der mächtigste Mann der Welt sein.“
„Was ist mächtig?“
„Das Gegenteil von ohnmächtig“, feixte der alte Herr. „Nee, er hat einen Koffer mit Geheimcodes für die amerikanischen Atomraketen und wahrscheinlich ist ein rotes Handy dabei, mit welchem er seinen Freund Putin anrufen kann.
„Wer ist das nun wieder?“ wollte das Piratenschaf wissen. „Wenn wir mal bei dem Vergleich bleiben, dann ist es der Leithammel der Russen, und der hat auch Atomraketen und wahrscheinlich auch so einen „Notfallkoffer.“
„Verstehe ich nicht!“ Amos war ratlos. „Na ja, wenn sich so eine Rakete selbständig macht und sich auf den Weg nach Russland begibt – die Zielkoordinaten sind doch längst festgelegt – dann kann der Präsident, also er, Trump, noch schnell telefonieren und sagen, dass dies nicht absichtlich geschah und er als Präsident der USA für den Schaden aufkommt. Also stell dir vor, so eine Rakete legt eine Stadt in Schutt und Asche und der Verantwortliche sagt dann: „Tschuldigung, war nicht so gemeint!“
Dann sagt der russische Präsident: „Ok, wir haben dann eine Rakete gut. Wir kommen gelegentlich darauf zurück, wenn sich eine von uns selbständig macht. Wo habt ihr sie lieber, in Washington oder in New York?“
Dann könnte Trump zum Beispiel sagen: “Wenn es dir Recht ist, lieber Wladimir, schick sie nach Arizona, dort wollten wir ohnehin umgraben!“ Es ist ja nicht so, dass die beiden nicht mit einander reden.“
„Aber dann ist ja der Putin auch der mächtigste Mann der Welt! Ich verstehe das alles nicht!“
„Ach Amos, das verstehen die Zeitungsfritzen ja selber nicht, aber es hört sich gefährlich an!
Es ist gewissermaßen eine gewollte Provokation! Die Leute, die so etwas in die Welt setzen, sollten in den „Archipel Gulag“ und dort Studien betreiben!“
„Kenne ich nicht“, blökte das Piratenschaf. „Da gibt es den Strafvollzug der ersten Stunde!“
Opa Hermann grinste. „Und wenn man solchen Stuss ungestraft in eine Zeitung schmieren darf, das hat auch etwas mit Macht zu tun, denn es gibt immer noch einen Haufen Leute, die grundsätzlich alles glauben, was irgendwo schwarz auf weiß geschrieben steht.
Inzwischen hat ja so ziemlich jeder „Heijupei“ seine Atomraketen, wenn ich das mal so salopp formulieren darf!“
„Du bist der Saloppeste, den ich kenne, noch viel salopper als Käpten Hornblewer von der Cara Mia, Opa Hermann. Doch was bedeutet: salopp?“
„Wie soll ich das erklären, Amos? Sagen wir so: das Gegenteil von nicht salopp!“ ( sich nicht an gesellschaftliche Formen halten )
„Aha“. Amos bohrte nicht weiter nach. Wahrscheinlich würde Opa Hermann dieses Wort ins Plattdeutsche ableiten und sagen: „Saal auf“!
„Und jetzt will der Trump eine lange hohe Mauer auf der Grenze zu Mexiko bauen. Irgendwie muss der von der chinesischen Mauer gehört haben und davon, dass die heute noch steht!“
„Weshalb denn das?“
„Der will keine Mexikaner mehr ins Land lassen, keine Muslime, eigentlich überhaupt niemanden mehr, außer Amerikaner, Nordamerikaner. Denn man kommt zu Fuß über Land nur über Mexiko und Kanada in die USA, sonst nur über den See- und den Luftweg. Und der amerikanische Präsident darf eigenmächtig ohne Zustimmung durch den Senat über alles entscheiden, was die Sicherheit des Staates betrifft. Dementsprechend interpretiert er alles Mögliche unter dem Aspekt der Sicherheit.“

„Ich weiß“, sagte Amos plötzlich, “dass Leithammel alle anderen Schafe überleben. Sie gehen voran in die Boxen, mit denen man die Herde einfängt. Durch eine Seitentür lässt man sie wieder frei, aber die anderen, die ihnen gefolgt sind, landen als Lammkoteletts auf den Tellern. Und deshalb bin ich bei den lieben Piraten geblieben. Als Frischfleisch an Bord gekommen und als Ausguck in den Mastkorb versetzt. Ich habe den freien Blick über das Meer kennen gelernt. Jetzt weiß ich was mächtig ist!“

 

 

 

Mummenschanz in Klümelsdörp

Halb besoffen ist weggeschmissen Geld

 Vorwort

 Die Zeit war gekommen, da wieder die fröhlich tolle Zeit über das ostfriesische Land hereinbrach. Normalerweise, so ist es in den Hochburgen des Karnevals üblich, beginnt die Session bereits am 11.11. um 11 Uhr 11 des Vorjahres. Da werden dann das örtliche Polizeipräsidium „gestürmt“, ersatzweise das Bürgermeisteramt zwecks Schlüsselübergabe. Im Rheinland gibt es bekanntlich Dutzende von Karnevalsgesellschaften mit oder ohne eigene Prinzengarde samt Tanzmariechen. Allesamt haben eines gemeinsam: es wird zu Klängen karnevalistischer Lieder und Liedtexte geschunkelt. Einige Musikgruppen sind durch ihre themenbezogenen Songs in Deutschland und darüber hinaus bekannt geworden wie z.B. die „Höhner“.

Zum rheinischen „Karnevalsbetrieb“ gehören die Motivwagen, die in liebevoller Arbeit durch ihre Mitglieder gestaltet werden und zumeist politische oder gesellschaftspolitische Themen bevorzugen. Jede Menge Pappmaché wird verarbeitet. Und natürlich werden „Kamelle“ geschmissen. Mittlerweile sind auch „Blumenstrüss“ dabei und ganze Pralinenschachteln nach dem Motto: „Mer losse us nit lumpe!“

Karneval hat seit mehreren Jahrzehnten auch Ostfriesland erreicht. Auch in den Gemeinden haben sich interessierte Menschen zusammenge-funden, um sich in Vereinen oder lockeren Interessensgemeinschaften mit Kapelle, Wagenbau und Tanzmariechen auseinander zu setzen. Bevorzugt werden seit Jahren Discomusik mit reichlich Dezibel und „Hausbar“ auf den Wagen, die teilweise durch recht liebevolle Gestaltung und gutes Handwerk auf sich aufmerksam machen. Das Schunkeln lässt sich mit „Buffda-Buffda-Musik“ schlecht arrangieren, so bleibt man denn dem Suff getreu eher individuell in der Menge.

 Veel Lü sünt unnerwegens

Opa Hermann hatte das Fahrradgespann schon vor der Haustür bereitgestellt. „Bist du fertig, Amos? Heute brauchst du den Werder-Bremen-Schal nicht umzubinden! Es reicht eine Pappnase und eine Schalke O4-Mütze.“
Opa Hermann hatte seinem Schützling, dem Piratenschaf Amos, im Vorfeld viel über das Karnevalswesen erzählt. Deshalb war es recht neugierig geworden und freute sich auf den Ausflug. Leider ist es in Ostfriesland im Februar noch recht kalt, und wenn es nicht kalt ist, dann regnet es häufig. Deshalb sind die meisten Umzugswagen überdacht oder teilüberdacht, damit ihre Besatzungen die Hin- und Rückfahrten zur und von der Strecke des Geschehens trocken und warm überstehen.

„Heute ziehe ich dir lieber noch ein Fußballtrikot über, denn es ist doch recht schattig!“ Opa Hermann hatte speziell ein Schalke O4-Trikot bereitgestellt, in welches er den armen Amos zwang: Beide Vorderläufe mussten durch die Ärmellöcher gesteckt werden, und der Rest des Trikots wurde über Rücken und Brust gequetscht. „Wie sehe ich aus, Opa Hermann?“ fragte das Piratenschaf.
„Wie ein echter Schalke-Fan!“

Die beiden waren etwa eine halbe Stunde mit dem Anhängergespann unterwegs. Dann hörten sie schon von weitem laute Diskoklänge. „Wie ich schon anmerkte“, sagte Opa Hermann, „Buffda-Buffda!“ Sie erreichten das „Bereitstellungsgebiet“, in welchem sich die geschmückten Wagen aneinander reihten. „Hier stelle ich irgendwo unser Gespann ab“, meinet der alte Herr. „Kannst Dir die Hausnummer merken, Amos?“
Eine Gruppe Jugendlicher näherte sich, einer von ihnen pinkelte in den Vorgarten des Hauses mit der Nummer 18.

Opa Hermann bemerkte, dass die jungen Männer bereits einen unsicheren Bewegungsablauf erkennen ließen. Einer von ihnen rief zu Amos hinüber: „Bischu beschoffen, dasch du schon auf allen Vieren laufen musch?“ „Selber beschoffen“, meinte Amos! „Ha ha ha“, meinte der Besoffene zu seinen Kumpeln, „ha ha ha, hat der dünne Beene!“ Ein Kumpel wies ihn zurecht: „Das ist doch ein Schaf, du Heijupei!“ Ein Dritter fügte hinzu: „Dat isch der Geischbock vom 1. FC Köln!“
Amos und Opa Hermann begaben sich zur Hauptstraße des Dorfes. Sie war schon von Besuchern auf beiden Seiten gesäumt. Überall lagen leere Bierflaschen auf dem Gehweg. Manche Leute waren verkleidet oder hatten ihren Kindern das Gesicht bemalt. Einige von ihnen waren wie Katzen angemalt oder sollten das Löwen sein? Ein kleines Mädel war als Ballerina verkleidet. Amos fragte das Mädel: „Willst du auf mir reiten?“ Die Mutter der Kleinen bekam einen Schreck. Sie schaute Opa Hermann vorwurfsvoll an. „Ich war das nicht!“, sagte Opa Hermann, „das war er!“ Er zeigte auf das Piratenschaf. „Ja, ja“, sagte die Mutter der Kleinen, „und morgen ist Silvester!“

Eine Gruppe junger Damen kam vorbei. Alle hatten ein Schnapsglas am Bindfaden umgehängt. Sie waren grell geschminkt mit allem, was die Industrie so hergibt. Dazu trugen sie kurze Kleider mit löcherigen Strumpfhosen. „Als was gehen die denn?“ wollte Amos wissen. „Wahrscheinlich als Bitch!“ „Kenne ich nicht“, meinte das Piratenschaff.“ „Ist auch nicht so wichtig!“ Hinter ihnen wurde eine Stimme laut: “ Schaaaalke, Schaaaalke!“ Das galt Amos in dessen Schalke-Kluft!  Amos sagte: „Bööööööö!“

Nach einer halben Stunde näherte sich der erste Umzugswagen. Er wurde von einem großen Traktor gezogen. Der Fahrer hatte eine Pappnase aufgesetzt und hatte sich knallrote Backen gemalt. Zwei verkleidete Festwagenbegleiter gingen vorne links und rechts des Zugfahrzeuges. Sie hatten Mühe, das Volk von dessen riesigen Rädern fern zu halten. „Au, au“, kommentierte Opa Hermann das Geschehen. Der bunt gestaltete Anhänger hatte den Slogan mit großen Buchstaben auf die Seitenwand gemalt: „WIR STECHEN IN TORF“. „Das ist ja mal eine Idee“, sagte Opa Hermann, „das bezieht sich auf die Vergangenheit dieses Landstriches, als noch Torf mit dem Spaten gestochen wurde! Normalerweise sticht man in See!“ Auf dem Anhänger tanzten junge Frauen und Männer in bunten Phantasiekostümen und riefen ein über das andere Mal „HELAU!“ Sie warfen kleine Flaschen mit einem Schnapsgetränk unter die Zuschauer.

„Was heißt HELAU, Opa Hermann?“ „Das Wort kommt nicht aus dem Norddeutschen, aber wenn man es ins Plattdeutsche übersetzen würde, dann hieße es „ganz au!“, weil „hel“ so viel wie „alle“ oder „ganz“ bedeutet. Frei übersetzt hieß es dann: „alle Panne!“ oder „ganz Panne“ – also noch freier übersetzt hieße es alle bekloppt! Das ist ja auch der tiefere Sinn des Karnvals, dass an diesen „tollen Tagen“ die Narren das Sagen haben – obwohl bei mir der Eindruck entstanden ist, dass die das ganze Jahr über das Sagen haben und zwar unverkleidet teilweise auch auf den Regierungsbänken oder als Aufsichtsräte bei Volkswagen agieren oder eben nicht.“

Ein Wagen stach besonders hervor. Er wurde von einem riesigen Schlepper gezogen, an dem vorne eine hydraulische Hebevorrichtung angebracht war mit einem großen Schild:
„Käpten IGLU und seine Mannschaft“ stand darauf. Auf dem Anhänger befand sich ein gestalteter IGLU, wie ihn die Eskimos teilweise benutzen. Die Eisquader waren sehr sorgfältig nachgestellt. Vor dem Iglu tanzte die Gruppe, die das Fahrzeug gestaltet hatte. Der Schlepper hatte ein Blinklicht auf dem Dach und vom Wagen dröhnte eine Fanfare, die durch Mark und Bein ging. Sie wurde nur durch laute Disko-Musik unterbrochen, die aus zwei riesigen Lautsprechern am Heck dröhnte.

„Das gibt einen Hörsturz!“ schrie Opa Hermann. Es reihte sich Wagen an Wagen. „Die fleißigen Bienen“ waren dabei, alle Akteure hatten sich als Bienen verkleidet. Der Motivwagen bestand aus mehreren Bienenkörben. In einem anderen Festwagen saßen „Fidele Jungs“  in der Kajüte eines angedeuteten Bootes. Sie waren als Schiffsbesatzung verkleidet mit goldenen Tressen auf ihren dunklen Jackets. Am Bug des „Schiffes“ stand „QUEEN OF THE SEAS“. Dann kam eine „Ballettgruppe“ des „Breitensportes“. Die Herren hatten sich als Frauen verkleidet und trugen rosa Ballettkleidchen. „Und das mit Bierbauch!“ stöhnte Opa Hermann. Nach einer halben Stunde war der Mummenschanz vorbei. Die Menschengruppe an den Straßenrändern löste sich schnell auf. Einige emsige Sammler hoben leere Bierflaschen auf und steckten sie in Müllsäcke. „Das gibt richtig viel Flaschenpfand“, sagte eine Frau mittleren Alters zu Opa Hermann, der sie darauf angesprochen hatte. „Wer das Leergut nicht ehrt, ist des Inhalts nicht wert!“ fügte sie hinzu. „Noch  15 Jahre sammeln, dann kaufe ich mir von dem Flaschenpfand eine Finka auf Mallorca!“

 

 

 

 

 

 

Opa Hermann und die Skatbrüder im „Mediterran“

 

Wozu ist die Kasse da – zum Verzehren…

 

Vorspiel

„36?“ Gerwin hatte einen lauernden Blick aufgesetzt. „Hab ich“, sagte Jupp, der „Zugezogene“.  „Haste auch 40?“ „Dein Spiel!“ Jupp war enttäuscht, aber er überspielte seine Niederlage im „Reizen“ mit der Bemerkung „da hasse mal nen einigermaßen gutes Blatt und dann kommste nich dran.“  Opa Hermann hatte gegeben. „Geber sagt mehr“, meinte Gerwin. Er war sich seiner Sache sicher. Er hatte einen „Null ouvert“ auf der Hand, also ein Spiel, bei dem er keinen einzigen Stich kassieren darf und konnte bis 46 damit reizen. Opa Hermann konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen: „Ich muss dir mehr sagen als 40? Wenn ich mir meine Karten so besehe, dann muss ich feststellen, dass ich so hoch reizen kann, da kommst du nicht hin. Kommst du bis 120?“ Gerwin hatte soeben an einem Stückchen Käse geknabbert. Das fiel ihm jetzt fast aus dem Mund. „Hundertzwanzig? Nein, dann spiel mal!“
Opa Hermann strahlte über jede einzelne Falte in seinem Gesicht, und das waren ganz schön viele. „Ich nehme den Skat (Stock) mal auf, vielleicht kann ich die beiden Karten ja gebrauchen.“ Wie es die Göttin des Glücks so will, fand er zwei Karten, die in seine Kreuz- und Karoflöte passten. Dafür legte er eine Herz- und eine Pik-Karte wieder ab.

“ So, meine Herren, ich spiele einen Grand mit 4 Buben, sage Schneider und Schneider schwarz an. Ich habe zwar nicht das Aufspiel, lege aber schon mal meine Karten auf den Tisch.“

Jupp und Gerwin schmissen darauf hin ihre Karten von sich. „Ekelerregend!“, sagte Jupp. „Hm“, Opa Hermann rechnete laut vor: „Mit Vieren gespielt 5, Schneider 6, angesagt 7, schwarz 8, angesagt 9. Das Ganze mal 24.“ Gerwin schrieb schon 214 Punkte gut. „Warum passiert mir das nie?“ „Das war ein „Jahrhundert-Spiel und dein Jahrhundert kommt noch.“    

Wer die Wahl hat, muss gut schlucken

Das Jahr trat in die kritische Phase. Das ist die Zeit, in der man ständig vor die Wahl gestellt wird, nehme ich einen Regenschirm mit oder bleibe ich zuhause? Wieder saßen die Skatbrüder beisammen und reizten, bis der Notarzt kommt. „Was meint ihr?“ fragte Gerwin in die Runde: „Sollten wir nicht langsam unsere Skatkasse für ein leckeres Essen mit unseren Frauen einsetzen? Wir haben über 300,- Euro beisammen!“ „Mit Frauen?“, fragte Opa Hermann. „Ich habe keine Frau, aber ein Schaf. Kann ich das statt dessen mitbringen? Mein Schaf ist verheiratet. Passt das?“ Jetzt meldete sich Jupp zu Wort. „Hömma, Hermann, das ist doch wohl ein Scherz?“ Und nun Gerwin: „Damit kommst du doch nicht in ein Restaurant!“ „Aber dafür darf ich das Restaurant aussuchen, ok?“ „Aber keine Pommesbude!“ Dieser Einwand kam von Jupp. „Für 300,- Euro in eine Pommesbude? So viel kriegt nicht mal ein Müllschlucker eines Hochhauses in sich rein“, warf Gerwin in die Debatte. „An was hast du denn gedacht, Hermann?“

„Ich kenne da ein Restaurant nicht allzu weit von hier, das wird von einem netten Menschen und seiner Frau geführt. Die haben mediterrane Küche, aber für normale Ansprüche gibt es auch etwas, zum Beispiel Rumpsteaks vom Rind, wenn jemand kein Schweinefleisch mag, oder es gibt Schollenfilets aus der Pfanne und andere Fischsorten. Ich habe hier Speisekarten für euch mitgebracht, vielleicht schaut ihr mal rein?“ Wo ist denn dieses Mediterran?“ „Das Restaurant ist in Ostrhauderfehn und speziell in Idafehn-Mitte.“ „Ok“, meinte Gerwin, „wir nehmen die Speisekarten mit nach Hause und beim nächsten Mal können wir ja eine Entscheidung treffen. Ist das so für euch in Ordnung? Wir können aber auch ein anderes Restaurant aussuchen, nur – es müsste schon in der Nähe sein oder? Nun aber wieder zum Spiel!“

 „Jupp, ich sage dir 18 an, 20? 22? Null? 24? 30? Haste? Oje, ich passe!“

 

Jeder esse so viel er kann, nur nicht seinen Nebenmann!

 

Der große Tag war gekommen. Die Damen waren auch eingeladen worden und hatten sich für das gemeinsame Abendessen aufgehübscht. „Will jemand in meinem Fahrradanhänger mitfahren?“
Opa Hermann hätte das gemacht. “ Dann können wir einen zwitschern!“ „Können wir auch so“, meinte Jupp als Kassenverwalter. „Wir nehmen ein Taxi, müssen doch das örtliche Gewerbe unterstützen!“ „Taxi, Taxi“, riefen sie alle durcheinander.


„Taaaxi“, forderte Jupp. „Musst schon telefonieren, wir sind hier nicht auf dem Alexanderplatz in Berlin!“ Irgendwann kam das bestellte Großraum-Taxi und die Gesellschaft stieg ein. „Der Kassenwart bitte nach vorne“, keifte Opa Hermann. Alle lachten.

Die Tafel war nach Vorbestellung sehr schön dekoriert, der freundliche Wirt begrüßte jeden einzeln und sagte dann an alle gewandt: „Herzlich willkommen“. Er deutete dabei eine  leichte Verbeugung an. Die Damen musterten die Ausstattung und das Ambiente des Restaurants. Zur Zeit hatte jemand Bilder ausgestellt. Sie hingen ungerahmt an den Wänden des Restaurants. „Leicht und luftig“, kommentierte Gerwins Frau die ausgestellten Bilder. „Ist das die Art, die du magst?“ fragte Jupp. „Wenn ich malen würde, dann wären alle Bilder schwarz, das kommt von der Arbeit unter Tage. „Burgel schwärmt für Van Gogh“, erklärte Gerwin das Kunstverständnis seiner Gattin.
„Aha“, meinte Opa Hermann lakonisch.
Die Speisekarten wurden gereicht. „Wünschen Sie schon ein Getränk?“ „Nix bestellen“, riet Opa Hermann, „es gibt nen Roten vorneweg – umsonst!“ „Nee, nee, nu lass mal deine faulen Witze, Hermann. Wir nehmen alle einen Sekt als Apéritiv. Die Damen ohne Alkohol oder mit?“ „Wenn schon, denn schon“, feixte Rosi, Jupps bessere Hälfte. „Also fünf Sekt für die Herrschaften“, notierte der Wirt: „Sehr gerne!“
Wärend nun alle Anwesenden die Speisekarten in Augenschein nahmen, erschien eine freundliche Servierkraft mit einem Tablett. „Bitte sehr, eine Aufmerksamkeit des Hauses!“
„Oh“, rief Burgel verzückt, „das ist ein Fruchtlikör, hm lecker!“ „Ja dann mal, auf Sie, Herr Wirt! Wir versaufen nämlich unserer Oma ihr klein Häusken!“ „Psst-Jupp, musst du immer aus der Rolle fallen?“ Rosi schüttelte missbilligend ihren Lockenkopf. Ihre Augen zuckten Blitze.
Als der Wirt zum zweiten Male erschien und mit den Worten : „Oder soll ich noch einmal wiederkommen?“ nach der Bestellung fragte, rief Gerwin in astreinem italienisch in das ausgebuchte Restaurant: „Volio una mezzo pollo, perfavore!“ Der Wirt musste lachen: „Leider verstehe ich kein italienisch, obwohl wir südländische Speisen und Getränke führen, aber wie sie der Speisekarte entnehmen, auch Gerichte im Angebot haben, die Sie sonst auch im griechischen Restaurant bekommen oder auch einige Speisen aus der deutschen Küche.“ “ Nee“, beeilte sich Gerwin zu sagen, „es war ein Scherz. Ich habe nach einem halben Hühnchen gefragt, aber wir sind hier nicht im Wienerwald, ich weiß! Außerdem lassen die in Italien die Krallen an dem Hühnchen oder Hähnchen!“
Die Bestellungen wurden aufgegeben, leckere Vor- und Nebengerichte waren darunter, unter anderem gebratene Champignons oder Pepperoni, leckere Salate mit Hähnchenbruststreifen oder Käse, dann leckere Hauptgerichte, mit Gorgonzolasoße, flambierte Fleischteller mit Gyros und allerlei Fleischspezialitäten, sogar Filets vom Rind oder spezielle Steaks. „Volles Programm, lieber Kassenwart?“, wollte Jupp sich vergewissern, „oder Sparplatte?“ „Heute tagt die Skatbruderschaft“, antwortete Gerwin, „also haltet euch nicht zurück“ Die Zeit verging im Fluge. Es wurde gescherzt und gelacht. Mitten in die gute Laune platzte die freundliche Serviererin mit den Gerichten. Sie rief die Gerichte auf, und jeder nannte seine Bestellung. „Nummer 69 – Steak?“ „Das bin ich“, rief Opa Hermann. „Seit wann bist du ein Steak?“ Rosi grinste.

Der Wirt erschien und wünschte einen guten Appetit. „Wenn Sie Wünsche haben, einfach melden! Unsere Bedienung kommt hin und wieder und fragt nach weiteren Wünschen.“
Jetzt wurde es ruhig an der Tafel, wie immer, wenn Menschen etwas auf die Gabel bekommen. Jupp schaufelte wie ein Löffelbagger. Seine Frau stieß ihn an, und alle hatten es gemerkt. Opa Hermann verteidigte seinen alten Kumpel von Zeche Prosper II aus Bottrop: „Jupp hat die meiste Zeit im Akkord gearbeitet, dafür darf er jetzt im Akkord essen.“ „Hm, lecker, köstlich“, schwärmte Jupp. „Und du, Gerwin? Bist ja gerade mit dem Wohnwagen vom Gerdasee zurück, fühlst du dich wie zuhause?“ „Gardasee, nicht Gerdasee, aber ich vermisse hier das Wasser!“ „Soll ich dir ne Schüssel voll holen?“ stichelte Opa Hermann. Gerwin verdrehte die Augen. Er hatte sich soeben ein Rinderfilet in den Mund geschoben. „Ich nehme es immer „well done“, sagte er anstelle einer Antwort, „ich mag es nicht, wenn Blut auf dem Teller schwimmt!“
„Guten Appetit“, rief Rosi, „lange nicht mehr gelacht!“ Das war natürlich ironisch, sie meinte etwas völlig anderes.
Irgendwann waren alle Teller leer. „Nun kommt etwas Neues für den Gaumen“, prophezeite Opa Hermann. Er kannte den Wirt gut, war sogar mit ihm befreundet, gehörte sozusagen zum Inventar, aber das mussten die anderen ja nicht wissen. „Wie Ihr alle wisst“, posaunte er über den Tisch, „gibt es hier nicht nur spezielle Weine und ein gut gezapftes Bier, sondern auch Longdrinks. Hier gibt es den besten Mojito weit und breit. Ihr solltet ihn kosten!“ „Moskito was?“ „Nicht Moskito – Mojito, das ist ein spezielles Getränk, ein Longdrink aus Kuba. Er wird mit frischer Minze, eineinhalb Limetten (oder etwas weniger),  etwa 4 cl weißem Kuba-Rum und Sodawasser zubereitet. Drei bis 4 Tellöffel Rohrzucker, so wie einige Eiswürfel kommen hinzu, aber kein „crashed“ Eis. Oder es gibt andere Longdrinks mit und ohne Alkohol. Ich habe sie alle probiert – hm lecker, sage ich!
Übrigens. Ernest Hemmingway, der Schriftsteller, soll in einem Restaurant auf Kuba 22 Mojitos am Abend verputzt haben. Er stieg dann abends die Stiege hinauf, weil er über dem Restaurant ein Zimmer bewohnte.“
„Was du wieder alles weißt, Hermann“, meinte Burgel, „aber so ganz doof sind wir auch nicht!“
„Du, liebe Burgel, bist Spezialistin für mittelalterliche Gemälde, ich für neuzeitliche Getränke.“
„Van Gogh lebte doch nicht im Mittelalter! Er war ein Freund des Malers Gauguin. Das war der, welcher die Südseebilder gemalt hat. Dem hat Van Gogh doch sein abgeschnittenes Ohr geschickt, und der Gauguin hat eine Häuptlingstochter geheiratet und …….“

Jedenfalls war es ein gelungener Abend geworden. Kassenwart Gerwin zahlte die Zeche, alle waren zufrieden, der Wirt auch, weil die Gäste zufrieden waren. Nach der Verabschiedung durch den Gastwirt verließen die Gäste heiter beschwingt das Restaurant.

Jupp hatte die „Trinkleistung“ von Ernest Hemmingway nicht einstellen können, ich glaube, der Rekord gilt noch bis heute!