Heimat

 

„Nicht alles Konservative müffelt und nicht alles Moderne ist gut“

 

Während sich auf der Cara Mia die Piraten mit Mau-Mau-Spielen die Langeweile vertrieben oder auf ihren Holzbeinen zum Spiel der Fidel auf den Planken herum hüpften – nicht ahnend, dass sie in der Sylvesternacht  (Silvesternacht) durch einen unglücklichen Umstand aus dem Leeraner Hafenbecken ins offene Meer geschleudert werden, bereitete sich Opa Hermann mit Amos und Linda auf die bevorstehende Sylvesternacht vor.

Es gab eine Überraschung: Kumpel Jupp hatte sich gegen 20 Uhr in der Kate von Opa Hermann eingefunden: „So alleine möchte ich das alte Jahr nicht verlassen“, hatte er zur Begrüßung gesagt.
Also saßen die beiden alten Herren bei einer Feuerzangenbowle am Küchentisch und erzählten sich alte Erinnerungen an ihre Heimat im Kohlenpott, an die Abende im Schrebergarten in Oberhausen, wo der schwärzeste Blumenkohl des Reviers gezüchtet wurde, an die Gruben-fahrten auf Prosper II, an den Steiger Otto, der die neuesten Witze erzählen konnte. Dann hieß es: „Kennst du noch?“ und „Weißt du noch?“

Das Piratenschaf hatte es sich mit Linda unter dem Küchentisch bequem gemacht und lauschte den Erzählungen der beiden Freunde. Jeder von ihnen hatte zur Feier des Tages eine Flasche Kakao bekommen, an der sie genüsslich nuckelten.

Gerade sagte Opa Hermann: „Als ich 1981 nach Ostfriesland kam, war hier alles noch ganz anders. Das Dorf war noch nicht so eng bebaut wie heute. Man konnte hinter dem Haus noch fast bis an den Horizont sehen. Abends fiel die Sonne buchstäblich in die Wiese. Ein roter großer Feuerteller zerfloss in den glutroten Abendwolken am Horizont. Wenn ich an den Wochenenden aus dem Ruhrgebiet angereist kam, nahm ich zu allererst die Vorderladerpistole und gab einen donnernden Schuß in die Luft ab. Dann kam mein Nachbar angerannt und fragte, ob ein Reifen geplatzt sei. Es war sozusagen der Auftakt zu einem feuchtfröhlichen Nachbarschaftstreffen.“ „Kenn ich auch so ähnlich“, sagte jetzt der Jupp. „Ich habe abends das Schifferklavier aus der Stube geholt. Wir saßen dann mit vielen Nachbarn um mehrere Tische herum und sangen Volkslieder. Wir haben auch Blätter verteilt mit den Texten. Das ging bis spät in die Nacht. Dann kam die Zeit der Fernseher. Plötzlich mussten alle um 20 Uhr zur Tagesschau vor ihre Flimmerkisten, die damals nur schwarz-weiße Bilder lieferten.“

„Heute wird mir alles fremder“, seufzte Opa Hermann, „schnelllebig und fremd! Allein die Bauweise der Häuser, deren Architektur und die Gartengestaltung macht mir alles fremd. Die Urlaube der Menschen in Spanien erwecken neue Bedürfnisse. Sie lassen sich hazienda-ähnliche Gebäude entwerfen, die mit hellem Klinker verblendet werden und blaue Dachbedeckungen haben. An ihren Grundstücksgrenzen errichten sie sogenannte „Gambione“. Das sind rechteckige Drahtkäfige, die mit Steinen befüllt werden. Als Baumbewachsung suchen sie sich Zypressen und Koniferen aus, manche wählen Bonsaibäume, die in Kugelform zugeschnitten werden. Die Garagen für ihre SUV‘s sind zum Teil so groß, dass eine kleinere Familie darin wohnen könnte. Für Linda und Amos würde es alle Male reichen!“

„Heimat, das sind doch nur Erinnerungen an früher!“ meinte jetzt wieder Jupp. „Erinnerungen an die Örtlichkeiten sind doch immer verbunden mit Ereignissen, die damit in Zusammenhang stehen. Selbst wenn du jetzt sofort an einen Ort deiner Erinnerung versetzt würdest, also 50 Jahre zurück oder länger, es würden die Menschen fehlen, mit denen du Erlebtes verbindest. Wenn es diese Situationen nicht mehr gibt, ist auch ein Stück Heimat weg.

Heimat existiert nur in deiner Erinnerung und ist mit Erlebtem verbunden. Das aber kann man nicht mehr wiederholen“, fasste Jupp noch einmal zusammen.

„Ist wohl auch viel Jugendzeit den Bach runter, wir haben doch als junge Menschen anders gefühlt, anders erlebt“, ergänzte Opa Hermann. „Wir haben doch damals nichts abgewogen! Wenn wir in den Bäumen „fangen“ gespielt haben, sind uns doch keine Bedenken gekommen, ob der Ast halten würde, zu dem wir hinüber schwangen. Wenn er brach, haben wir uns den Arm gebrochen. Das tat zwar weh, aber nach 6 Wochen sind wir wieder in die Bäume geklettert. Seit 40 Jahren sah ich keinen Jungen mehr in einem Baum! Die rennen heute mit einem Smartphone rum, sobald sie es halten und laufen können!“

„Die Mädchen bekamen plötzlich diese „Barbie-Puppen“ samt Reitpferd und Wohnanhänger und einen Freund, der hieß Ken“.
„Und die Jungen fingen wieder an mit Panzern zu spielen. Der Krieg war gerade 20 Jahre vorbei!“
Jupp und Opa Hermann wechselten sich jetzt ab, moderne „Grässlichkeiten“ aufzuzählen, die ihrer Meinung nach die Apokalypse des Abendlandes einläuten.
„Du kannst auch abends nach 20 Uhr nicht mehr so ohne weiteres die Haustür aufsperren, wenn es an der Haustür klingelt. Die Verrohung in weiten Schichten der Bevölkerung nimmt zu!“
„Heutzutage wird auf Menschen eingetreten, die bereits am Boden liegen und sich nicht mehr wehren können.“
„Das kommt von den „Kung-Fu-Filmen“, wusste jetzt wieder Jupp! „Hast du mal gesehen, was die im Film alles wegstecken können? Selbst wenn die gevierteilt werden, wachsen die wieder zusammen und kämpfen weiter! Da muss schon eine Kettensäge her, um ein „finish“ zu erreichen!“
„Grässlich, grässlich!“

„Und hast du mal gesehen, wenn sich manche „Weiber“ die Lippen aufspritzen oder sich „Gumminuppen“ unter die Haut schieben lassen? So groß wie kleine Kürbisse! Erzähle mir mal, was daran erotisch sein soll?“

„Weiß ich, weiß ich, die sind fremdgesteuert. Die haben einen Empfangssender im Kopf, und jemand steuert die aus der Ferne!“

„Muss die Gumminuppenfabrik sein, anders kann ich mir das nicht erklären!“

Mittlerweile war es Mitternacht geworden. „Komm mit raus“, empfahl Jupp, „die Knallerei geht los. Ich habe noch ein paar Handgranaten dabei aus dem Zweiten Weltkrieg, die können wir jetzt entsorgen!“
„Waaaaas?“

„Neee, war ein Scherz! Prost! Auf die alte Heimat!“

Wie alles begann

 

Geschichten um Amos, das Piratenschaf

 

Die Sonne stand bereits hoch am Himmel. Sie warf irrisierende Lichtflecke auf die Wasseroberfläche der Ems, die im Dollart in die Nordsee mündet. Ein wunderschönes Schauspiel bot sich den Reisenden auf der Fahrt mit dem Katamaran nach Helgoland. Noch war die offene Nordsee nicht erreicht, deshalb war die Wasseroberfläche auch nur leicht gewellt und wechselte in rascher Folge die Farben, so dass ein menschliches Auge sich schwer tat, die Farben von Wellenspitzen und -tälern so zuzuordnen, dass man das malen könnte. Es wird gesagt, dass sich im Wasser die Farben der Umgebung widerspiegeln, wobei auch die Farbe des Himmels eine Rolle spielt. Bei der Ems gesellt sich noch eine weitere Farbe hinzu: sie rührt vom Schlick her, welchen die auflaufende Flut in Richtung Binnenland hereinspült. Mit einiger Verspätung erreicht die Flut unter anderem das riesige Emssperrwerk und darüber hinaus auch die Leda, welche bei Leer in die Ems mündet.

Der Katamaran war ein geschlossenes Fahrgastschiff mit gewaltiger Motorenstärke. Sobald das Schiff das Binnengewässer verlassen hatte, nahm es Fahrt auf und hob sich zum Teil aus dem Wasser, berührte dieses nur noch mit den Gleitflächen am Rumpf des Bootes und dem Antrieb am Heck.
Die Fahrgäste hatten sich bereitwillig auf dieses Abenteuer eingelassen. Nur wenigen war bekannt, dass bei höherem Seegang ab Windstärke 5 das Reisen mit dem Katamaran alles andere als erholsam war. Dann kam es vor, dass das Boot Bocksprünge vollzog, so dass es einigen Reisenden auch schon mal hundeübel wurde.

Dies war an jenem schönen Vormittag aber nicht der Fall. Das Meer zeigte sich von seiner schönsten Seite. Der Wind wehte aus West-Südwest und Seevögel unternahmen in Landnähe Gruppenausflüge auf dem Meer in der Hoffnung, Abfälle von einem Fischkutter zu ergattern. Es sind Möwen, die sich in Scharen um Fischkutter versammeln, vor allem dann, wenn Hochseeangler eines dieser Boote gechartert haben und auf Makrelenjagd gehen. Diese intelligenten Vögel beobachten aus der Luft, wo sich gerade ein Makrelenschwarm aufhält und kreisen an der Stelle. Sie zeigen dem Bootsführer an, wohin er sein Schiff steuern muss, so dass die Anglercrew an dieser Stelle ihre Fächerangeln auswerfen kann. So ein Makrelenfächer besteht aus einer Kurzrute mit etwa sechs scharfen Haken an „Federködern“. Wenn das Boot die Fahrt gestoppt hat, schaukelt es leicht bis heftig auf den Wellen. An der Steuerbord- und Backbordseite werden die „Angelschnüre mit den Fächern“ ins Wasser gelassen. Makrelen sind Raubfische, die sich in den nackten Haken verbeißen und sich bereits nach wenigen Sekunden gleich dutzendweise aus dem Meer ziehen lassen.

Später, wenn auf der Rückfahrt die geangelten Fische ausgenommen werden, erhalten die Möwen ihren Anteil. Eine ausgewachsene Möwe kann im Flug eine Makrele von etwa 25 Zentimetern an einem Stück verschlingen, wenn sie ihr mit dem Kopf voran aus der Hand angeboten wird.
Solche und ähnliche Gespräche wurden an jenem Tag zwischen einzelnen Fahrgästen des Katamarans diskutiert. Befindet sich das Boot erst einmal auf der offenen See, also hinter der Inselkette Borkum, Juist, Norderney, ist außer Meer und Himmel nicht mehr viel zu beobachten, so dass Themen gerne von erfahrenen Küstenbewohnern dargeboten und vor allem von Touristen aufgegriffen werden, die von weit aus dem Binnenland angereist sind, um an der ostfriesischen Küste ihren Urlaub zu verbringen.

In einer der vorderen Reihen saß ein untersetzter Mann mit einer Sonnenbrille, die er bis auf die Haare hochgeschoben hatte und unterhielt die Fahrgäste links und rechts mit erlebten und erfundenen Anekdötchen. Dabei ließ er seine lebhaft funkelnden Augen unstet umherwandern, als wolle er nichts, aber auch nicht das kleinste Detail seiner Umgebung verpassen. Offensichtlich fühlte sich dieser gedrungene Endfünfziger als Mittelpunkt des Geschehens. Plötzlich rief er, indem er mit der rechten Hand in Richtung Bug wies: „Schaut mal da vorne!“ Er hatte es so laut gerufen, dass jetzt auch der Kapitän aufmerksam wurde und über die Lautsprecheranlage eine Information an die Fahrgäste lieferte: „Kaperschiff backbord voraus!“ Alles schaute in die angegebene Richtung. Das geschieht, in dem man dahin guckt, wo alle hingucken! Wer von den „Landratten“ weiß denn schon, dass steuerbord in Fahrtrichtung rechts und backbord eben links liegt? Und „stürbord“ besitzt ein „ü“ und hat demzufolge eine grüne Positionsbeleuchtung, und auf der anderen Seite wird rot beleuchtet.
Es wird berichtet, dass der Kapitän eines Frachtschiffes über eine geheime Kassette verfügte, an die er keinen heran ließ, nicht einmal seinen ersten Offizier. Bei der Mannschaft hatte sich diese Tatsache längst herum gesprochen. Eines Tages, es war ein trauriger, wurde der Kapitän sehr krank und verstarb bald darauf. Kurz nach seiner Bestattung liefen die Offiziere in die Kapitänskajüte, um nach dem Kästchen zu forschen. Sie wollten das Geheimnis endlich lüften und öffneten es heimlich. In der Kassette lag ein Zettel, auf dem mit zittriger Handschrift geschrieben stand: „steuerbord ist grün, backbord ist rot!“

Jedenfalls kam ihnen ein historisch anmutender großer Dreimaster  unter vollen Segeln entgegen, der auf dem Top des Großmastes die Flagge der Seeräuber gehisst hatte: ein Totenschädel über gekreuztem Knochenbein! Der Kapitän des Katamarans setzte ein akustisches Signal ab: einen durchdringenden, langgezogenen Basston. Dagegen mutet eine normale Autohupe wie das Zirpen einer Grille an!

Als die beiden Schiffe sich „auf gleicher Höhe“ befanden, rief der besagte Herr mit der Sonnenbrille im Haar: „Da, schaut mal auf den Mastkorb! Mich laust der Affe! Da sitzt ein Schaf im Ausguck!“

 

 

Gegen politische Kurzsichtigkeit hilft auch keine „Fielmann-Brille“

„die Geister, die ich rief..“

 

Ein Unwort geistert seit einiger Zeit durch die politische Landschaft. Gemeint ist „Populismus“ oder als Adjektiv: „populistisch“. Dieser Begriff ist abwertend gemeint und wird fast immer dann verwendet, wenn ein Politiker (oder jemand, der sich dafür hält) Dinge redet, die beim Volk gut ankommen. Im Grunde trägt seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland nahezu jede Wahlwerbung „populistische“ Tendenzen (populus, lat. das Volk ) Zum Beispiel „Wohlstand für alle“. Noch dämlicher klingt: „Mit uns in die Zukunft!“. Welche Botschaft  versteckt sich dahinter? Soll das eine Drohung sein oder ein Privileg beinhalten? Wer denkt sich solche Narreteien aus?

Seit es die Pegida gibt, spätestens nach den Wahlerfolgen der AfD (und dem Zulauf zur AfD ) wird bei jeder politisch diskutierten Gesprächsrunde bei TV-Sendern jemandem der Teilnehmer der Vorwurf des Populismus angetragen. Gemeint ist doch wohl: dem „gemeinen Volk“ nach der „Schnauze reden“, um Wählerstimmen einzufangen?
Vielleicht wäre es doch angebracht, hie und da mal auf die Stimme des „Volkes“ zu hören?

Kurzsichtiger als sich die gewählten Repräsentanten des Volkes in vielen Fällen im Nachhinein erwiesen haben, ist auch der „gemeine“ Mann „auf der Straße“ oder in der „Kneipe“ nicht.
Das kommt nicht nur von der geübten „Parteidisziplin“, wobei die Ideen zu anstehenden Entscheidungen in der Regel von einem oder nur ganz wenigen Köpfen ausgebrütet werden.
Eines dieser Beispiele ist die Idee des Altbundeskanzlers Kohl und seines französischen Pendants, eine EU mit einer eigenen Währung zu gründen ohne den Bundestag und den Bundesrat zu beteiligen. Im Grunde wurden das französiche und das deutsche Volk zunächst vor vollendete Tatsachen gestellt. Welche Schwierigkeiten sich aus diesem Bündnis für die einzelnen Vöker und ihren Menschen ergeben, hatte niemand auf der Rechnung – bis auf einige Kritiker, die „populistisch“ argumentierten.

Dabei war Helmut Kohl von  „dramatischer politischer Kurzsichtigkeit“ gezeichnet, so dass er nicht einmal die Zeichen der Zeit erkannte, die sich im Aufbegehren der Massen gegen das DDR Regime unübersehbar dem Beobachter aufdrängten:
Zwei Zitate des Dr. Helmut Kohl werden hier angeführt:

Zum Fall der Mauer befragt: „Das hätte doch kein Mensch wissen können, dass das so kommen würde.“

Auf den Vorwurf eines Journalisten, weshalb er (Helmut Kohl) niemanden bei der Gründung der EU und des Euro beteiligt habe? „Wen hätte ich denn beteiligen sollen? Dann wäre das ja niemals zustande gekommen!“

All zu schnell waren die Länderregierungen darin übereingekommen, die Staatsgrenzen innerhalb der Völkergemeinschaft ohne Grenzkontrollen und so durchlässig für den Personen- und Warenverkehr zu gestalten. Auf die Idee, dass sich Schwerstkriminelle ohne Kontrollen vom höchsten Norden bis in den tiefsten Süden quasi in einem Rutsch dem Zugriff der Polizei entziehen können, war keiner gekommen oder hatte es gleichmütig hingenommen. Die Zusammenarbeit zwischen Polizei- und anderen Ermittlungsbehörden musste im Nachhinein erst unter größten Anstrengungen forciert werden.

All zu leicht wurden „Wackelstaaten“ der Beitritt zur EU ermöglicht, wobei z.B. im Falle Griechenlands gar nicht genau hingeschaut wurde, wie solvent oder insolvent sich die Staats- und Bankenfinanzen darstellten. Im Nachhinein stellten „Mitglieder der Eliten“ fest, dass Griechenland noch nicht einmal über ein Katasterwesen mit Fluren und Flurstücken  verfügte. Grundstücksgrenzen mit Grenzsteinen und darunter in den Boden eingelassenen Tonröhrchen gibt es dort bis heute nicht. Von funktionierenden Steuerbehörden hatte man in Griechenland auch noch nichts gehört.

Es mutete an wie bei einer Karnevalssitzung in Köln, wenn in Brüssel die Frage aufgeworfen wurde: „Solle mer se rinlote?“

Die Bereitwilligkeit, ohne detailliert ausgearbeitete Regularien hundertausende von Flüchtlingen nach dem Motto „wir schaffen das“ ad hoc aufzunehmen, hat dazu geführt, dass erhebliche Größenordnungen von illegalen Zuwanderern ins Land gespült wurden, wobei völlig absehbar war, dass sich andere Staaten der EU dieser völlig einseitig instrumentalisierten Vorgabe der Bundesregierung nicht ohne weiteres anschließen würden. Inzwischen schiebt die BRD Tausende von Asylsuchenden in zum Teil unsichere Herkunftländer ab. Selbst völlig Blinde wissen genau, dass diese Forcierung auf den „Druck der AfD“ zurückzuführen ist, die den „bürgerlichen Parteien“ bei der demnächst anstehende Bundestagswahl viele Wählerstimmen entziehen wird.

Kurzsichtig und folgenschwer stellte sich das ständige Bohren der Westmächte bei den Völkern der „Schwellenländer“ heraus, indem die revolutionären Aufbegehren der Menschen in Ägypten, Syrien aber auch in der Ukraine durch billigende Aussagen wie „Herstellen demokratischer Lebensweise“ und „Wohlstand“ geschürt wurden. Fälschlicherweise werden in Drittländern Hoffnungen geweckt, dass sich durch „Demokratie“ ein „Wohlstand“ erreichen lässt. Diese völlige verdrehte Weltanschauung wird heuzutage über „smartphones“ und „tablets“ vermittelt, wenn die Menschen auf ihren kleinen Bildschirmen vermittelt kriegen, wie es im „Schlaraffenland“ wohl aussehen mag. Das da Begehrlichkeiten geweckt werden, die aber mit der Realität nicht unbedingt übereinstimmen, können die Menschen ihrem Gerät nicht entnehmen. Anderfalls könnte den Menschen vermittelt werden, dass es in Deutschland 200.000 Nichtsesshafte gibt, die unter Brücken, Rolltreppen und über Luftschächten übernachten.

Erst kürzlich ruderte Sigmar Gabriel mit der Forderung zurück, dass Menschen, die aus der EU-Zone eingereist sind, das Kindergeld verweigert werden soll. Es wurde nämlich festgestellt, dass diese Zahlungen einen Betrag in Millionenhöhe ausmachen. Kurzsichtigkeit auch bei den Franzosen und Holländern. Die Ausbeutung ihrer einstigen Kolonien führt ein Debakel nach sich. Die Bürger dieser Staaten sehen sich einem Zulauf der Menschen aus den einstigen Kolonien ausgesetzt, zum Beispiel aus Algerien, die sich konzentriert in „Nischen“ festsetzen und sich aus verschiedenen Gründen nicht integrieren lassen. Das führt irgendwann zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen.

In der Bundesrepublik Deutschland versuchen IS Anhänger durch Anschläge den Hass der deutschen Bevölkerung auf Muslime jeder Coleur zu schüren. Sie wollen den verlorenen Kampf in Aleppo oder sonst auf der Welt in die z.B. EU- Staaten tragen, um auf diese Weise einen bürgerkriegsähnlichen Zustand anzuheizen. Wer weitsichtig handelt, wird dem entgegentreten.

Den Politikern rufe ich zu: „Kommt aus Euren Elfenbeintürmen und steigt in die „Niederungen des täglichen Existenzkampfes“ hinab, der sich in Deutschland abspielt. Trefft Entscheidungen, die von der Gabe der politischen Weitsicht getragen sind. In Deutschland klafft eine weit geöffnete Schere zwischen armen Bevölkerungsschichten und einer mittleren Bevölkerungsschicht. Das finanzielle Potential der Millionäre und Milliardäre habe ich außen vor gelassen, denn das liegt ohnehin in den Händen weniger.

Und faselt nicht von „Mitbewerbern“ auf dem „Markt“. Es sind Teilnehmer am Konkurrenzkampf der allerübelsten Sorte! Verbietet das „Zocken“ an den Börsen! Wer Aktien erwirbt, der muss sie eine Zeit lang halten und die Firma stützen. Dafür erhält derjenige Dividende. So war das gedacht! Die Börse ist zur Pokerbühne mutiert mit oder ohne feindliche Übernahme in Form von Aktienankäufen und das ist ganz erbärmlich! Eine Partei, die das nicht in den Griff bekommt, kann man eigentlich gar nicht wählen.

 

 

 

 

 

 

Captain Hornblewer auf Kaperfahrt

 

                                         „Fünfunddreißig Jahre Kapitän und…“

 

…Wir erinnern uns: die Kanonenkugel aus der Achtpfünder-Kanone war wegen Überladung nicht nur in das Sparkassengebäude der Stadt Leer eingeschlagen, sondern hatte auch zum dritten oder vierten Mal zu einer Zeit-Raumverschiebung geführt und die Cara Mia samt Besatzung ins offene Meer geschleudert. Ursache war wieder einmal die Salpeterdosierung im Schießpulver, das Ibrahim, der erste Kanonier, nach seiner Geheimrezeptur selber mixte. Der geneigte Leser weiß es bereits: Vogelkacke von den Galapagos Inseln, auch als Chile-Salpeter bekannt.
 

Hornblewers erste Maßnahme nach seiner „Auferstehung“ sollte die Positionsbestimmung der Cara Mia werden. Deshalb brüllte er nach „Boot“, seinem Bootsmann. Der hatte sich inzwischen nach dem Smutje und dem Kapitän als dritter aufgerappelt und taumelte zum Befehlsempfangauf die Brücke: „Melde mich wie befohlen zur Stelle!“„Ja, ja, lass die Einzelheiten, Boot!“, raunzte ihn der Käpten an, „hol mir lieber das Besteck, ich muss eine Winkelbestimmung vornehmen, damit wir wissen, wo wir uns befinden!“„Aye, aye, Sire“, grölte „Boot“, und flitzte davon. Bald darauf kam er mit einer Triangel zurück, die er dem Kapitän unterwürfig anbot, wobei er den Kopf senkte. Das war auch gut bedacht, denn Hornblewer holte plötzlich aus und wollte seinem Bootsmann eine Ohrfeige verpassen. Der Schlag pfiff über Boots Kopf hinweg. „Blödmann!“ tobte der Piratenkapitän. Sein Kopf lief rot an als wolle er in der nächsten Sekunde platzen. „Was soll ich mit der Triangel anfangen? Was hast du auf der Seefahrtsschule bloß gelernt?“ „Seefahrtsschule?“ echote der Gescholtene, “ich bin Bootsmann und kein Lehrer!“ Anstelle einer Antwort hieb Hornblewer mit dem rechten Arm durch die Luft und wandte sich ab, um selbst nach dem Sextanten zu suchen.

Die Positionsbestimmung ergab, dass die Cara Mia mal wieder in den Atlantik verschlagen worden war. Hornblewers Überlegungen gingen in die Richtung, westwärts zu segeln in Richtung der kleinen Antillen, dort wo der Atlantik und der Pazifik ineinander übergehen. Auf Trinidad könnte die Cara Mia anlanden, weil er dort seinen alten Kumpel, den Gouverneur unter britischer Krone, Sir Jonathan Tadaves, anzutreffen hoffte, der ihm schon so manchen Auftrag verschafft hatte, wenn es ums Kapern fremder Schiffe ging. Allerdings war der Piratenkapitän sich überhaupt nicht sicher, ob er wieder in sein Jahrhundert „gebeamt“ worden war mitsamt dem Schiff und der Mannschaft. Seine Zweifel waren berechtigt, denn bereits am dritten Tag gab es Alarm aus dem Ausguck: „Insel 10 Grad Backbord voraus!“
Hornblewer spähte in die angegebene Richtung. Was er sah, versetzte ihn in helle Aufregung. „Das ist keine Insel“, brummte er in sein Fernrohr, „das Ding bewegt sich und hat eine Bugwelle.“ Nach etwa 15 Minuten wurde die „Insel“ immer höher und höher. „Das ist ein riesiges Schiff!“, rief er, „mindestens 180 Fuß hoch, wenn nicht höher.“ Dann bemerkte er acht orangefarbene Rettungsboote auf der Backbordseite des Riesenschiffes. Davon wollte der Piratenkapitän eines haben.

„Alle Mann auf Position!“ rief er. Inzwischen waren ja auch die anderen Mitglieder der Mannschaft aufgewacht. “Wir kapern den Kahn!“ Er ließ die Cara Mia beidrehen und alle Segel setzen, die er zur Verfügung hatte. Und so ein alter Teeklipper hat sehr viele Segel! Die Cara Mia nahm Fahrt auf. Inzwischen war das Kreuzfahrtschiff, um ein solches handelte es sich nämlich, bis auf 100 Meter heran gekommen. Hornblewer konnte es Dank seiner Englischkenntnisse lesen: Da stand in riesigen Lettern der Name des Schiffes „QUEEN OF THE SEAS“ auf dem Rumpf. „Macht Euch bereit zum entern!“ befahl Hornblewer. „Wir schneiden dem Ding den Weg ab, dann muss es beidrehen!“ Und nun begann eine wilde Wettfahrt. Das Kreuzfahrtschiff hatte ein unglaubliches Tempo drauf. Hornblewer wusste, dass die Cara Mia vor dem Wind 19 Knoten schaffte, wenn sie voll aufgetakelt war. Aber das konnte die „Königin der Meere“ auch. Der Vorsprung der Cara Mia schmolz zusehends dahin und damit auch die Hoffnung, dass Hornblewer seinen alten Freund Tadaves in Trinidad zu Gesicht bekommen würde, weil sie offensichtlich nicht in die Zeit um 1750 zurückgeschleudert worden waren, – sondern sich in der selben Epoche befanden wie in Leer, wo sie gerade herkamen.

Nun hatte es sich auf dem Kreuzfahrtschiff herum gesprochen, dass man sich mit einem Dreimaster ein Wettrennen lieferte, was dazu führte, dass 4000 Fahrgäste auf die Backbordseite strömten, um sich das Schauspiel anzusehen. Hornblewer hörte, wie auf der schwimmenden Insel eine Lautsprecheransage ertönte. Sie lautete sinngemäß, dass die Fahrgäste aufgefordert wurden, sich in die zentral gelegenen Restaurants zu begeben, wo mit Freibierausschank aufgewartet werden sollte. Aber das nützte nichts, weil Gäste auf Kreuzfahrtschiffen zumeist ohnehin alles „all inclusiv“ gebucht hatten. Der Kapitän der „QUEEN OF THE SEAS“ konnte auf ein automatisches Trimmmodul vertrauen, dass Schräglagen oder raue See ausgleichen konnte. Aber wenn 4000 Menschen vor allem auf den höher gelegenen Decks auf eine Schiffseite strömen, wird es auch für einen Ozeanriesen bedenklich.
Hornblewer sah bald ein, dass mit Entern nichts zu machen war, denn der Stahlkoloss ragte 30 Meter bis zur ersten Etage aus dem Wasser. Also wollte er den Kreuzfahrer zum Beidrehen zwingen, in dem er die Cara Mia vor dessen Bug steuerte. Er konnte ja nicht wissen, dass ein so gewaltiges Schiff einen „Bremsweg“ von mehreren Kilometern hat, wenn es mit „voller Fahrt“ lief. Aber einem Kaperkapitän ist vor nichts bange! Deshalb ließ er die Cara Mia vor den Bug der „Meereskönigin“ kreuzen, was zur Folge hatte, dass er um ein Haar gerammt worden wäre.
Vom Ozeanriesen dröhnte ein langgezogenes, fürchterlich lautes dumpfes Tuten herüber.
„Hol mir einer die Großmutter aus dem Sack! Das war knapp!“
Nun befand sich die Cara Mia auf der Steuerbordseite des Kreuzfahrers, was zur Folge hatte, dass seine Passagiere zur rechten Seite des Schiffes wechselten, damit ihnen auch nicht das Geringste entging.

Auf der „QUEEN OF THE SEAS“ rief ein Mann mit aufklappbarer Sonnenbrille den Umstehenden zu: „Unglaublich, was sich die Reedereien einfallen lassen, um ihren Fahrgästen etwas an Unterhaltung zu bieten!“

Autofahren auf dem Fehn

„als wenn ich es geahnt hätte“

 

Opa Hermann hatte von seinem alten Kumpel Besuch bekommen. Kumpel heißen meistens „Jupp“ oder „Kumpel Anton“, wenn sie aus dem „Ruhrpott“ kommen, der schon lange kein „Pott“ mehr ist, weil seit mehr als 30 Jahren weder Erz gefördert noch geschmolzen wird.
Doch dieser Kumpel hieß tatsächlich Jupp und stammte ursprünglich aus Bottrop. Seit einiger Zeit hatte er seine Zelte in einer der kleinen Gemeinden aufgeschlagen, die in ihrem Namen die Silbe „fehn“ enthalten, oft noch einen Jungen- oder Mädchennamen vorneweg wie „Elisabethfehn“ oder „Augustfehn“. Also Jupp kam aus einer Fehn-Gemeinde. Vor  etwa 100 Jahren wurde da noch Torf abgebaut und mit Tjalken oder Muttschiffen zu den Häfen getreidelt.
„Na, wie war die Fahrt?“ Opa Hermann wusste, dass sich Jupp über die Fahrweise der hiesigen Autobesitzer aufregte. Wenn jemand bei Jupp auf dieses Knöpfchen drückte, erreichte der, dass der Angesprochene hochging wie eine Rakete. „Hör blos auf, was habe ich mich wieder aufgeregt! Die Hälfte der Metusalems, die mit ihrer Fahrweise die Bundesstraße verstopfen, müssten eigentlich den Führerschein abgeben. Die kriegen ja gar nichts mehr mit!“ Jupp steigerte den Takt und die Frequenz seiner Tonbänder: „Da sind Leute mit Alzheimer am Steuer!“ „Ach nööö“, meinte Opa Hermann, „das glaube ich nicht!“ „Doch! Ich komme da die Hauptstraße entlang, vorfahrtberechtigt natürlich, da biegt vor mir ein Opa auf die Straße ein und nimmt mir die Vorfahrt! Ich blicke in den Rückspiegel und sehe, dass hinter mir kein Verkehr ist. Kann der Dussel nicht abwarten? Nee, natürlich nicht! Als ich mit der Vollbremsung fertig bin, eiert der mit seinem dicken Mercedes mit 40 km/h vor mir her.“
„Du musst mit Liebe an deine Mitmenschen heran, mit Liebe und Großzügigkeit!“ Opa Hermann faltete seine Hände vor der Brust und verdrehte seine Augäpfel gen Himmel. Damit erreichte er bei Jupp nur das Gegenteil: „Ich bin vom Wahnsinn umzingelt“, keuchte er. “ Ist ja auch kein Wunder, wenn die Orte einen Vornamen am Anfang haben und ein „fehn“ am Ende.. Da hätte man seinerzeit ebenso gut Obst- oder Gemüsesorten dafür verwenden können, zum Beispiel „Apfelfehn“ oder „Wirsingfehn“. Besser wäre noch aus „Warsingsfehn“ ein „Wahnsinnsfehn“ zu machen, weil das da wirklich schön ist! Wie kann ein Mensch nur auf schnurgerader Fahrbahn, die über 6 Kilometer durchs platte Land führt, gegen den einzigen Baum fahren? Wie kann jemand mit dem Motorrad auf dem Hinterrad durchs Dorf fahren? Wie kann einer in drei Sekunden von null auf 100 km/h auf der Dorfstraße beschleunigen und sich wundern, wenn ihm die Vorfahrt von einem blinden Väterchen genommen wird? Die Kreuze mehren sich am Straßenrand. Ein Dorf ohne Verkehrstoten hinkt der Statistik hinterher! Und die Verkehrsampeln? Für die Ostfriesen hat man noch nicht die richtigen Farben gefunden! Gestern komme ich von Leer über die Bundesstraße 70. Vor mir der personifizierte Bandwurm der Zähflüssigkeit. Wer eiert da in 500 Meter Entfernung als Kolonnenführer vor dem Bandwurm her? Ein Radlader ohne Nummernschild. Der fährt 2o km/h. Ich kenne das Unternehmen, zu dem die Baumaschine gehört! Die haben Tieflader, um solches Gerät von A nach B zu transportieren. Aber nein, die lassen das Ladegerät mit einem Fahrer 22 km über eine Bundesstaße bewegen und das zur Stoßzeit! Auf diese Weise sparen sie einen zweiten Fahrer. Auf der anderen Seite fluchen 100 Autofahrer ihre Frontscheibe voll Seiber!“
Jetzt hatte Jupp seine Schlagzahl voll erreicht. „Und das Junggemüse? Das kennt keinen Blinker! Da geht es in den Kreisverkehr herein und auf der anderen Seite ohne Blinker zu setzen wieder heraus. Der Gegenverkehr wird im Ungewissen gelassen! Auf den Parkplätzen machen „schwach strukturierte Charatere“ ihr Meisterstück! Kaum einer weiß, dass auf Parkplätzen die Straßenverkehrsordnung gilt. Zudem ist eine Geschwindigkeit von maximal 15 km/h einzuhalten. Wenn du von rechts aus einer Park-Gasse kommst und einbiegen willst, hörst du in der Regel Bremsen qietschen. Dann ist da jemand mit 40 km/h auf einer vermeintlich breiten Spur unterwegs, die Erstrangigkeit suggeriert. Wenn du also von rechts kommst, hast du Vorfahrt!“

„Ach nee!“
„Meine Mutter ist bald mit dem Kopf durch die Scheibe geflogen“, wird dir vorgehalten, und „Sie dürfen sich die Vorfahrt nicht erzwingen!“
„Hör gut zu!“, habe ich zu dem Töchterchen gesagt“, wenn du mit 40 auf einem Parkplatz unterwegs bist und die Vorfahrtsregel nicht kennst, dann bist du diejenige, die sich Vorfahrt rücksichtslos erzwingen will!
Typisch Frau! Sie weiß genau, dass sie Scheiße gebaut hat. Aber nein, da wird zunächst mal geschaut, ob sich nicht ein anderer beschuldigen lässt!“
„O-o“, meinte Opa Hermann, „Jupp, so kennt dich jeder: wenn der Anschläger dreimal klopft, „dann ist Personenbeförderung mit angesagt im Korb. Dann geht es hinab auf Sohle 4!“
Und Jupp jetzt: „Es gibt heutzutage so schöne AOK – Schopper, sogar mit Elektroantrieb! Da kannst mit in den Supermarkt, Ein Bremslicht verhindert, dass „sie“ mit ihren Einkaufswagen auffahren beim Schoppen. Und man hat zwei Rückspiegel an dem Teil, falls du überholen willst auf dem Weg zur Wursttheke. Aber nein, ein Fünfer BMW muss es sein mit Spitze 240. Davon nutzt man dann zehn Prozent für die Bundesstraße. Entschleunigen ist angesagt heutzutage. Und wenn sich rund 60 Prozent der hiesigen Fehnbevölkerung im Rentenalter bewegt, dann ist das ein Riesenglück für die Gemeinde, denn diese Leute bringen ihre Rente in Ostfriesland durch und sorgen so für Umsatz, z.B. für Hörgeräte, Schnabeltassen und Inkontinenzbuxen. Auch die Pharmaindustrie punktet und damit die zig Apotheken in der Gegend. Denk nur mal an das viele „Gingium“, das den Leuten versprochen wird, damit sie wieder denken können, natürlich rezeptfrei, weil es nicht hilft!“
„Ok“, ließ sich Opa Hermann jetzt vernehmen, „willst reinkommen oder wollen wir den ganzen Weltschmerz hier vor der Haustür abhandeln? Übrigens, da wo du dein Auto abgestellt hast, ist Parkverbot! Du stehst nämlich mit deiner Karre vor meiner Garageneinfahrt!“
 

Opa Hermann und die Prophezeiung

„Ach wie gut dass niemand weiß….“

 

In der Kate von Opa Hermann war es um die Vorweihnachtszeit still geworden. Der alte Herr hatte nur selten Besuch. Das lag daran, dass er in der Nachbarschaft als Sonderling galt, weil er seine Eigenarten hatte und nicht recht in die ostfriesische Landschaft passen wollte: ein berenteter Bergmann aus dem Ruhrgebiet – nunmehr zwischen Kühen und der weiten Einöde des Nordens! Zwei Tage vor dem Heiligen Abend geschah jedoch etwas Seltsames: der alte Herr war gerade mit dem Abwasch des Geschirrs fertig, als es an der Katentür klopfte. Opa Hermann trocknete seine Hände ab und wollte sich gerade der Tür zuwenden, als es abermals klopfte, diesmal sehr heftig. Es hörte sich an, als wenn jemand mit einem Baseballschläger gegen die Tür schlug. „Jaaa, jaaa, ich komme ja schon!“ Opa Hermann legte die Sicherheitskette in den Metallschlitz an der Eingangstür, öffnete diese einen Spalt und linste ins Halbdunkel. Draußen stand eine merkwürdige Gestalt von mächtiger Statur. Sie trug einen Dreispitz mit roter Feder. Rote Pluderhosen steckten in schwarzen Schaftstiefeln, die bis übers Knie langten. Ein blaues Spitzenhemd lugte unter einem schwarzen Waffenrock hervor, den eine breite rote Schärpe zierte. Am schwarzen Gurt führte die Gestalt einen Schleppsäbel mit messingfarbenem Griff. Am Gesicht fiel Opa Hermann eine schwarze Augenklappe auf. „Nanu“, dachte Opa Hermann, „wir haben doch noch keinen Fasching!“ Er wollte die Tür gerade wieder schließen, als er eine dunkle Stimme vernahm: „Gestatten, Kapitän Hornblewer von der Cara Mia! Seid Ihr Opa Hermann?“
„Ach, Sie sind es“, Opa Hermann hatte sich schnell gefasst, „Amos, das Piratenschaf, hat mir schon viel von Ihnen vorgeschwärmt.“ Der Hausherr entriegelte die Haustür und öffnete sie: „Nun kommen Sie doch erst einmal herein, Kapitän“, forderte er seinen Besucher auf. Der ließ sich nicht lange bitten und trat über die Haustürschwelle, wobei er den Kopf einzog, um nicht am oberen Türrahmen anzustoßen. „Hier entlang bitte!“ In der Wohnküche angekommen bot Opa Hermann seinem seltsamen Besucher einen Platz auf dem alten Ostfriesensofa an. Hornblewer ließ sich ächzend in das Polster fallen. „Trinken wir zunächst einen Kruiden (Kräuterschnaps) zur Begrüßung?“  Ohne eine Antwort abzuwarten entnahm der alte Bergmann  dem Küchenschapp (Schrank) zwei Wassergläser und füllte sie aus einer grünen Flasche halbvoll.
„Prost, Herr Kapitän!“ Der nahm sein Glas hoch und krächzte etwas wie: „Hau die Pfütze weg!“

„Wollen Sie nicht ablegen?“ „Nein, noch nicht, wir ankern noch in Leer!“ „Ich meine mit „ablegen“ Ihren Mantel“, beeilte sich Opa Hermann den Sachverhalt zu klären. „Bin gleich wieder auf Fahrt“, entgegnete der Piratenkapitän, „ich suche Amos, meinen Mann im Ausguck!“ „Amos ist seit zwei Tagen fort, er sucht seine Schafsdame namens Linda. Ich dachte, Sie wüssten das?“ „Das ist schon richtig“, versicherte Hornblewer, „aber wir laufen bald aus!“ „Außerdem weiß ich von Amos, dass Ihr eine prophetische Gabe haben sollt. Deswegen bin ich auch zu Euch gekommen“.

An und für sich ist die Anrede „Ihr“ und „Euch“ seit über 200 Jahren in Deutschland nicht mehr üblich, außer man hat es mit Königen oder Herzögen zu tun.  Jedoch wusste Opa Hermann von Amos über die seltsame Zeitverschiebung, welche die Piraten und ihr Schiff betroffen hatte.
„Wie habt Ihr mich gefunden?“ Opa Hermann gebrauchte aus Höflichkeit jetzt ebenfalls die Anrede des  „Pluralis Majestatis“, was Hornblewer huldvoll nickend quittierte. Er hob sogar seine rechte Hand und vollzog damit eine gönnerhafte Bewegung. „So parlieren zwei Menschen „von Welt“, dachte der alte Mann und musste sich ein Lachen verkneifen. Auf Prosper II herrschte seinerzeit ein rauher, aber herzlich – kameradschaftlicher Ton nach dem Motto: „Einer für alle, alle für einen!“ Vielleicht empfand der Kapitän des Kaperschiffes ähnlich?“
„Nun, ich war auf dem Einwohnermeldeamt der Stadt Leer. Gegen eine Gebühr verraten die alles“, äußerte Hornblewer achselzuckend.
„Ach so!“
„Nun wäre mir viel daran gelegen“, fuhr Hornblewer fort,“ wenn Ihr mir aus der Zukunft lest! Es soll auch Euer Schaden nicht sein!“. Hornblewer schlug seinen schweren Mantel zurück, nachdem er die Schärpe etwas umständlich gelöst hatte und langte in die rechte Tasche seiner Pluderhose. Er holte einige Goldmünzen hervor und warf sie vor Opa Hermann auf den Tisch, so dass es hell klimperte. „Da, nehmt davon was Ihr braucht“, forderte er den alten Mann auf.
„Neeei, neeeei“, entgegnete Opa Hermann, „so geit dat nich. Eine Prophezeiung gegen Bezahlung ist keine richtige Prophezeiung! Was bevorzugt Ihr denn, Kaffeesatz oder Knöchelchen?“ „Karten wären mir schon recht“, sagte der Piratenkapitän,“ „Tarot-Karten!“ „Ganz schlecht, lieber Kapitän, viel zu wenig Möglichkeiten, es gibt ja heutzutage mehr Kaffeesorten als Kartenblätter, darin sind Kapseln und Pads noch nicht enthalten, auch weder löslicher Instantkaffe in Pulverform noch als Granulat. Dann wären da noch Cafè au lait, Cappuccino oder Pharisäer….“
„Verzwickte Sache“, sagte Hornblewer, „wusste gar nicht, dass Weissagungen so diffenziert betrachtet werden müssen!“
„Kommt noch besser“, sagte jetzt Opa Hermann, „Prophezeiungen kann eigentlich jeder zustandebringen, denn sie setzen sich aus Wahrnehmungen zusammen, die einer aus einer Sache zieht. Es sind im Grunde Berechnungen aus Gehabtem auf die Zukunft bezogen. Sie dürfen auch nicht bestrafend ausgesprochen werden, sondern nur als Hinweis!“
„Das verstehe ich kaum“, sagte Hornblewer. Opa Hermann musste nun doch grinsen: „Das ist doch ganz einfach: wenn Ihr mehrmals mit dem Schiff gegen eine Kaimauer knallt, dann sage ich Euch voraus, dass in diesem Zusammenhang das Schiff kaputt geht, wenn es so weiter geschieht!“ Das ist das Prinzip einer Prophezeiung. Also richtet sich die nicht bestrafend gegen den Schiffskapitän, sondern als Warnung!“
„Ja, das kann sogar ich selber sagen, dass das die Folge davon wäre!“

„Seht Ihr, Kapitän, das ist das Prinzip einer Weissagung. Das kommt nämliche von Weise! Oder zum Beispiel, wenn jemand besoffen in die Wanten klettert, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er irgendwann mal herunter plumpsen wird, z.B. wenn das Schiff auf der „Längsachse“ rollt oder auf der „Querachse“ oder beides im Wechsel.“
Da staunte Hornblewer nicht schlecht: „Wart Ihr früher auch zur See gefahren, Opa Hermann?“ wollte Hornblewer jetzt wissen. „Ihr kennt Euch ganz gut aus!“ „Na ja, mit dem Paddelboot auf dem Baldeneysee in Essen!“ „Den kenne ich jetzt nicht“, sagte Hornblewer kopfschüttelnd, „und auch kein Paddelboot. Auf unserem Beiboot wird gerudert.“

„Wenn Ihr Zeitreisende seid, Kapitän Hornblewer, solltet Ihr darauf achten, was diesem Ereignis vorausgegangen ist! Schreibt es auf und legt es Euch unter das Kopfkissen. Besser noch, schließt es in einer Schatulle weg und zeigt sie niemandem. Es ist nämlich so, dass sich Ereignisse im Laufe der Geschichte wiederholen. So seid Ihr dem Laufenden immer einen Schritt voraus und könnt rechtzeitig gegensteuern, so wie man auch gegen den Wind kreuzen kann!“
Der alte Haudegen Hornblewer stand schwerfällig aus dem alten Ostfriesensofa auf. Er nahm den alten Opa Hermann in den Arm und klopfte ihm anerkennend auf die Schulter: „Schade, Opa Hermann, so einen Mann wie Euch hätte ich gerne in meiner Mannschaft. Statt dessen habe ich es mit lauter Trollköpfen zu tun. Ich muss nun wieder aufs Schiff. Gehabt Euch wohl, vielleicht sehen wir uns wieder!“  Hornblewer rollte sich wieder in seine rote Schärpe, rückte seinen Waffenrock zurecht und wandte sich zum Gehen.
„Hol Ji wat“, rief Opa Hermann ihm nach, „un immer een Handenbreit Water unnern Kiel!“

Als er sich wieder an seinen Küchentisch setzen wollte, fielen ihm drei goldene Münzen ins Auge, die der Besucher dort hinterlassen hatte.
„Ein Mann mit so feinen Manieren ist doch nie im Leben ein Piratenkapitän“, sinnierte Opa Hermann und machte ein nachdenkliches Gesicht.