Amos und das Manager-Training

„Tannenzapfen auf dem Klemmbrett“

Die schöne Jahreszeit neigte sich ihrem Ende zu, dennoch genoss es Amos, von Opa Hermann im Fahrradanhänger durch die Natur gezogen zu werden. Das Piratenschaf hatte es sich in seiner Kuscheldecke bequem gemacht und ließ sich hin und wieder zu einem wohligen „Mäh“ hinrei-
ßen. Grün soll sich  ja beruhigend auf den Gemütszustand auswirken und die ostfriesische Landschaft ist ja bekanntlich grün soweit das Auge reicht, zumindest „unten rum“.
Etwas weiter voraus zeichnete sich die Silhouette eines kleinen Fichten-wäldchens ab. Als sie näher kamen, rief Amos plötzlich: „Opa Hermann, Opa Hermann, halt an! Da oben ist etwas in den Bäumen!“
Der alte Mann stoppte das Gefährt und drehte sich zu seinem Schützling um: „Was hast Du gesehen außer Tannenzapfen und weshalb diese Aufregung?“
Amos war  beleidigt und schaute etwas piratiger drein als sonst: „Die Tannenzapfen meine ich nicht, aber da oben in den Bäumen sind Menschen!“
Opa Hermann grummelte etwas in seinen Bart, stieg vom Fahrrad und schaute Amos skeptisch an, blickte dann aber zu den Baumwipfeln hoch. Tatsächlich! Er sah einige Männer mit Helmen, die angegurtet in Seilen hingen und seltsame Verrenkungen machten, als suchten sie etwas oder versuchten Halt zu finden. Opa Hermann war ziemlich erstaunt, denn was er sah, ergab keinen Sinn! Holzfäller waren es nicht, denn nirgendwo lag Holz auf dem Boden, weder Kettensägen gab es noch Äxte.

Hinter ihnen war ein sportlich aussehender Mittvierziger aufgetaucht, der ebenfalls einen Helm trug und eine Trillerpfeife zwischen den Zähnen balancierte. Er hielt ein Klemmbrett wie ein Schild vor seiner Brust.
„Verschwindet hier“, war sein liebloser Kommentar, und dann schaute er wieder nach oben.

„Ich bin Amos, ein gefährliches Piratenschaf und das ist Opa Hermann“, versuchte Amos einen Dialog anzuregen. „Wir suchen meine lieben Piratenfreunde, hast du sie vielleicht gesehen?“
Dem unhöflichen Fremden fiel die Trillerpfeife aus dem Mund.
„Das hier ist ein konzentriertes Manager-Training der kostenintensiven Art, und deshalb verschwindest du Bauchredner besser hier“, knurrte er Opa Hermann an.

„Nee nee“, sagte jetzt Opa Hermann, „nix Bauchredner, der kleine Freund kann wirklich sprechen, aber was mich jetzt doch neugierig macht, was suchen die da oben?“
„Sie suchen nichts – sie finden sich selbst, ihre Grenzen, den Bezug zur Umwelt und zur Realität.“
„Und zu Tannenzapfen?“, fragte Amos. Ärgerlich drehte sich der Trainer,
um einen solchen handelte es sich nämlich, zu ihm um. „Darum geht es nur in zweiter Linie (er sagte „sekundär“ ), es ist eine Sinneserweiterung, einmal etwas Grünes anzufassen anstatt es nur theoretisch zu beschrei-
ben“. „Ah, ich verstehe“, antwortete Opa Hermann, „im Grunde sollen sie erfahren, worüber sie reden?“ (Ein schlauer Philosoph und Schriftsteller hatte einmal gesagt: „Wie soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich rede“).
„So in etwa“, sagte der Trainer.
Mit lautem „Plums-Klatsch“ war einer der Sinnessucher auf dem  nadeligen Waldboden aufgeschlagen, nachdem sich seine Seilhalterung
vom Sicherungsgürtel gelöst hatte.
„Das gibt Minuspunkte, Dr. Schreller! So geht das nicht! Sie müssen diesen Baum lieben, nur so bezwingen Sie ihn!“

Opa Hermann befreite den Gestürzten aus seinem Leinengewirr und half ihm auf die Beine. Beschämt klopfte der Getadelte die Tannennadeln aus seiner Outdoor-Kluft und gelobte „mehr Konzentration auf das Wesent- liche“.

„Komm, wir fahren lieber weiter, bevor der nächste Kursteilnehmer in unseren Fahrradanhänger fällt“.
Opa Hermann trat in die Pedalen und weiter ging es. Amos versuchte seine Gedanken zu ordnen. Er hatte so viele neue Worte gehört, die noch nie auf dem Piratensegler angewendet wurden. „Sinneserweiterung“, der Käpten Hornblewer wird sich totlachen, wenn ich ihm davon erzähle.
Hoch in die Wanten – ja, aber auf Bäume klettern wie die Affen?

„Was wollten die denn mit den Tannenzapfen?“ fragte Amos, nachdem er genug nachgedacht hatte und zu keinem nennenswerten Denkergebnis gekommen war.
„Die Herren sammeln keine Tannenzapfen, die wollen endlich mal etwas mit den Händen anfassen, z.B. klebrigen Harz der Äste und ihren Körper erleben, wenn sie vom Schreibtisch fern sind oder ihrem Börsensessel.
Das sind Manager, die unheimlich viel Geld verdienen nur mit Ideen und auch Spekulationen. Diese Leute zahlen sehr viel Geld für derartige Lehrgänge. Anschließend behaupten sie, dass sie sehr viel erfahren und gelernt haben, schon allein deshalb, weil es eben – wie gesagt- kosten-  intensiv ist“.

Amos dachte schon wieder angestrengt nach. Plötzlich kam ihm eine Ge-
schäftsidee: „Weißt Du was, Opa Hermann, wir setzen zwei Manager in diesen Fahrradanhänger  und legen ihnen einige Tannenzapfen auf die  Decke. Dann fährst du sie durch die Gegend. Der dritte muss schieben  helfen und du trillerst mit der Pfeife“.

„So dumm ist diese Idee gar nicht, ich fahre über ein paar Steine, damit es rumpelt, und wenn wir sagen, dass nur drei Personen gleichzeitig an dem Lehrgang teilnehmen können, dann glauben die Leute erst recht, dass es sich um etwas Besonderes handelt, eben um etwas „Kostenintensives“.
Nach absolviertem Lehrgang bekommen die Leute ein Diplom ausgehändigt mit Siegellack und Wappen“, fügte Opa Hermann  hinzu, und um seinen Mund spielte  ein verschmitztes Grinsen.

Amos strahlte: „Vielleicht noch eine Augenklappe dazu?“

 

Amos kehrt zurück

„Wer diskutiert weiß nicht was er will“

Das Piratenschaf hatte es sich im Mastkorb der „Cara Mia“ bequem gemacht und spähte das Meer nach Schiffen ab. Es hatte seine schwarze Augenklappe etwas hochgeschoben, weil sie die freie Sicht doch etwas behinderte. Hornblewer, der Piratenkapitän mit dem Schleppsäbel am breiten Gurt, hatte einen neuen Kurs ausgegeben. Demnach sollte zunächst Emden angelaufen werden. Später sollte der Segler bei auflaufender Flut die Ems stromaufwärts bis nach Leer entweder per Windkraft oder Treidelschlepp gelangen und im Leeraner Hafenbecken festmachen. Leer, so wusste man auf dem Piratenschiff, ist eine Teestadt. Die „Cara Mia“ hatte 14 Kisten Darjeeling-Tee geladen, die man mit erheblichem Gewinn verkaufen wollte. In der letzten Mannschaftssitzung vor einigen Tagen hatte ein Neuanstrich des Schiffes auf der Tagesordnung gestanden. Der langsam abblätternde schwarze Anstrich war nicht mehr zeitgemäß, und es waren tolle Vorschläge aus den Reihen der Piraten gekommen.
„Schwarz macht den Leuten Angst“, hatte der Segelmacher Louis in die hitzige Debatte eingebracht. Der krummbeinige Pirat mit der flammend roten Narbe über seinem linken Jochbein galt in der Mannschaft als besonders fortschrittlich – fast progressiv. Wenn er ein Segel flickte, so gerieten die Flicken immer zu mehr oder weniger großen Herzen. So bestand das Großsegel am Vorschotmast eigentlich nur noch aus lauter weißen Herzen, die sich vor dem ockerfarbenen Segeltuch deutlich abhoben. In jedes Herz stickte Lois seine Initialen ein: L.B. Das stand für Louis Belsace.

Der gelernte Segelmacher hatte einst an einem Patchwork-Kurs in Frankreich teilgenommen, einer besonderen Form der Flickenschneiderei, bevor er sich für die Piratenlaufbahn entschieden hatte.

Ibrahim, der immer finster dreinblickende 1. Kanonier des Schiffes, hatte seinen schwarzen Wuschelkopf geschüttelt und sich dagegen ausgespro-
chen: „Da halte ich nicht viel von“, hatte er gemault, „wir verlieren an Ansehen und Gefährlichkeit. Ich bin weiterhin für schwarz!“.
Er kam sich ohnehin ziemlich überflüssig vor, denn er konnte sich nicht daran erinnern, dass auch nur eine seiner ständig blank geputzten Kanonenkugeln gegen ein anderes Schiff zum Einsatz gekommen wäre.
Wenn geschossen wurde, dann nur Salut, weil das 3/4 Vollschiff über kein Nebelhorn verfügte, mit dem man vorbeifahrenden Schiffen einen tüchtigen Schrecken einjagen konnte.
Der Proviantmeister und Schiffskoch, Vanbrat, hatte sich für rote, gelbe und blaue Punkte auf weißem Grund entschieden. Er sah während der Überfahrten das Schiff ohnehin nur von innen, musste ständig mit Töpfen und Pfannen hantieren und hatte schon mehrmals darüber geklagt, dass ihm niemand beim Kartoffelschälen helfen wollte.
Kartoffelschälen ist  für einen Piraten undenkbar! Der Käpten musste sich jedesmal etwas ausdenken, um zwei, drei Leute abzustellen, die dem Koch bei Verrichtungen in der Kombüse behilflich waren.

Zum Beispiel ließ er die Mannschaft antreten und führte eine „Kleiderinspektion“ durch. Wem ein, zwei oder drei Knöpfe an Jacke, Hemd oder Hose fehlten, hatte sich für mehrere Tage für den Küchendienst qualifiziert, entsprechend der fehlenden Knöpfe.
Ein anderes Mal hatte er gesagt: „Mal herhören, wer als erster „hier“ schreit, der….“ Weiter kam er nicht. Drei der Piraten hatten sofort „hier“ gebrüllt in der Erwartung, es gäbe eine Sonderration Rum. Doch der raffinierte Käpten beendete seinen angefangenen Satz mit: „Der hilft dem Koch beim Kartoffelschälen“.  Schon hatte er drei Rufer beim Wickel.

„Der Käpten ist ganz schön ausgebufft“, gab sich einer der „Freiwilligen“ geschlagen“. Die beiden anderen stimmten ihm zu: „Dem kommen wir nicht bei, deshalb ist er ja auch unser Boss!“

Rückblende

Der Versammlungsleiter-es handelte sich selbtverständlich um Käpten Hornblewer- klingelte mit einem Glöckchen.“Ruhe im Kabarett!“, rief er
laut. Er meinte natürlich „Kabinett“, aber das fiel gar nicht weiter auf. Das Stimmengewirr verebbte: „Wer ist noch für rote, gelbe und blaue Punkte auf weißem Grund?“ Mit diesen Worten hob er selbst schon einmal die rechte Hand und blickte in die Runde. Der Segelmacher hob ebenfalls die rechte Hand und der Proviantmeister natürlich, kam doch der Vorschlag von ihm.
„Na, was ist?“, rief Hornblewer,“oder muss ich Euch das erst noch einmal erklären?“
Nun wollte keiner der Anwesenden zugeben, dass man ihm einen feststehenden Sachverhalt erst noch erklären muss, und so hoben die restlichen Stimmberechtigten zögerlich nach und nach die Hände zur Zustimmung.
„Einstimmig angenommen“, säuselte Hornblewer milde,“ ich wusste doch, dass ich es hier mit intelligenten Köpfen zu tun habe“, lobte er seine Mannschaft. Und somit war es beschlossen.

„Ende der Sitzung nach 10 Glasen“, notierte er als Schriftführer in sein Sitzungsprotokoll. Zehn Glasen? Damit war wohl weniger die Uhrzeit gemeint als die Menge an Rum, die während der Sitzung durch die Kehlen der lieben Piraten geflossen  war. Für den Ort des Geschehens fügte er hinzu:“Cara-Mia, 54Grad 7 Minuten Nord , 0 Grad 22 Minuten West.“
Wer es nicht glaubt, schaue auf dem Globus nach und wird überrascht sein!

„Schiff Steuerbord voraus“, rief Amos, das Piratenschaf, vom Mastkorb hinunter und blökte einige Male aufgeregt: „Ein rotes Teufelsding hüpft da auf uns zu!“
Hornblewer spähte durch sein messingfarbenes Fernrohr. „Verflixt und zugenäht“, rief er und zog sein Teleskop noch dichter an die Nase, „das sind ja zwei Schiffe in einem und ohne Segel!“
Gegen den Wind war dumpfes Grollen zu vernehmen, das mehr und mehr anschwoll! „Da hol mir doch einer die Großmutter aus dem Sack!“
Nun konnte es auch der Rudergänger mit bloßem Auge erkennen.
„Alle Mann unter Deck!“, befahl der Piratenkapitän seiner Mannschaft!

„Ich übernehme die Verhandlungen!“ Was er nicht wusste: das rote hüpfende Ding war ein Katamaran, der Fahrgäste zur Insel Helgoland verschiffte und abends wieder in den Heimathafen brachte. Das Schiff schaffte mit seinen tausenden von Pferdestärken locker 40 Knoten, selbst bei Wellengang und starkem Wind. Für den Piraten war es der Teufel höchst persönlich.
Der Rudergänger wollte sich auch verdrücken. „Du bleibst natürlich“! befahl Hornblewer, „wer steuert sonst das Schiff, kapiert?“ Aber das rote Unding, welches auf die „Cara Mia“ zuraste, machte gar keine Anstalten, beizudrehen. Auf dem Oberdeck öffnete sich eine Luke und das finstere Gesicht des 1. Kanoniers erschien in der Öffnung: „Eine Breitseite?“, rief er hoffnungsvoll zu seinem Kapitän herüber. „Alle Mann unter Deck!“ brüllte Hornblewer zum zweiten Male, „das gilt auch für Dich! Das Ding reitet der Teufel persönlich!“ Bevor er einen weiteren Fluch ausstoßen konnte, stob das rote Schiff mit den zwei Rümpfen auch schon in einer riesigen Gischtwolke unter infernalem Getöse steuerbords vorbei. Noch in der Vorbeifahrt ließ das „Teufelsding“ ein drohendes Tuten hören, dass es den alten, kampferprobten Piratenkapitän in den Pluderhosen schlottern ließ.
Aus dem Mastkorb ertönte ein kräftiges Bööööh und noch eins. Wenig später verschwand das rote Schiff achteraus, eine mächtige Heckspur aus verquirltem Wasser hinter sich her ziehend. Es sah aus, als wenn die See kochte. Der Lärm schwoll langsam ab. Hornblewer atmete hörbar aus.
„Na also“, dachte er ,“der Teufel kann uns gar nichts“! Sofort hatte sein Gemütszustand  „Oberwasser“. „Alle Mann an Deck“, schrie er, „hopp, hopp, hopp, ein bisschen plötzlich, wenn ich bitten darf! Wo kein Eis liegt, darf gerannt werden!“
Als sich die Mannschaft auf dem Vordeck versammelt hatte, setzte Hornblewer zu einer seiner triumphschwangeren Reden an: „Seht ihr, Männer“, begann er in weltmännischer Selbstüberschätzung, „außer mir ist Amos, unser geliebtes Piratenschaf (Hormblewers Kuscheltierchen), so ziemlich das einzige Lebewesen an Bord, das die Situation richtig eingeschätzt hat“, und an den Kanonier gewandt mahnte er: „Du kannst den Teufel nicht erschießen, auch nicht mit einer Breitseite! Bevor du auch nur eine einzige Kugel aus dem Rohr hast, ist er dir aufs Kajütendach gesprungen und saust mit Dir in den Höllenschlund. Aber wenn du ihm die Stirn bietest und keine Furcht zeigst, dann wendet er sich ab. Ihr habt das alle gehört!“

Die Piraten begannen zu klatschen und ließen ihren Anführer hochleben: „Ein dreifach Hoch auf unseren Käpten!“, rief einer von ihnen. Hornblewer fühlte sich geschmeichelt: „Eine Sonderration Rum für alle“, rief er seinem Proviantmeister und Koch zu. Amos fragte aus seinem Mastkorb hinunter: „Für mich Kakao?“

Als Hornblewer zum Mast hochschaute, zwinkerte ihm Amos ein Auge zu.
Hornblewer schmunzelte:“Für dich wie immer Kakao!“

„Kurs Emden“, befahl er seinem Rudergänger und verschwand in seiner Kapitänskajüte, um auf der  entsprechenden Seekarte „ein Besteck“ zu nehmen.
„Aye, aye, Sire“, rief der Rudergänger, „Kurs Emden liegt an, sobald ich Gabel und Löffel kriege!“

Der Islam gehört – nicht – zu Deutschland

„Deutschland“ diskutiert, „Deutschland“ regt sich auf, wegen der hohen Zuwanderungsrate, wegen der Islamisierung des Abendlandes, wegen des „Aussterbens“ abendländischer Werte und und und….
Wen wundert es, dass die „Hutschnur“ platzt? Jeder wirft nach dem Anderen!
Womit? Mit Worthülsen! Auch die Bundeskanzlerin spricht mit einer Worthülse, die viele zu verstehen glauben, obschon sie nichts an Erkennt-nissen hergibt. Was heißt denn das im Klartext, der Islam gehört zu Deutschland?
Worin sind die Werte verankert, die dem westlichen Europa zugeschrieben werden? Reicht es, der Einfachheit halber auf die Verfassungen hinzuweisen, jene z.B. der Bundesrepublik Deutschland, welche bei der Staatsgründung 1949 auf die „neue Fahne gegossen“ und durch die Alliierten abgesegnet wurde?

Beziehen sich die Deutschen auf Vorgaben der Bibel, in welcher christliche Werte vermittelt werden? Wo steht in den zehn Geboten etwas von Gleichberechtigung? Auf welche Bibel wird überhaupt Bezug genommen?
Ist das Alte Testament gemeint. die etwa 3000 Jahre alte jüdische Bibel?
Ist das Neue Testament gemeint? Wo steht in den Testamenten, dass der
Mensch „Hexen“ verbrennen oder dass man dem „Teufel“ in einer exorzistischen Sitzung beikommen soll? Wo steht geschrieben, dass man im Namen Gottes Waffen segnet ?
Unsere abendländischen Werte mögen irgendwo von irgendwem erfunden oder aus welcher Stelle einer religiösen Botschaft auch immer abgeleitet
worden sein. Fest steht: die angesprochenen „Werte“ verbergen sich knallhart im BGB, im StGB, in der Strafprozessordnung und weiteren Gesetzestexten und ministeriellen Verordnungen.
Glückwunsch dem, der sie alle kennt!

All diese Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenlebens sind auch
Ergebnisse ethischer Lehren unserer zahlreichen Philosophen, auf welche eine Minderheit der deutschen Bevölkerung stolz ist, während der überwiegende Teil der Bevölkerung kaum ihre Namen aussprechen kann, geschweige denn ihre Werke gelesen hat.
Die  angesprochenen Grundlagen greifen ferner auf Hinweise zurück, die in der Literatur zu finden sind, auf die Lehren des Humanismus. Es gab eine „Zeitepoche der Aufklärung“, genannt sei an dieser Stelle John Locke, ein Engländer. Die Geistesbewegung der „Aufklärung“ ging tatsächlich von England aus, führte über Frankreich und Belgien bis nach Deutschland. Einer der deutschen Vordenker war der Philosoph Immanuel Kant. Das Prinzip, welches der „Aufklärung“ zugrunde lag, ist das des kritischen Verstandes, eine Grundlage überhaupt, eine Urteilsbefähigung zu erlangen (Kritik der reinen Vernunft).
Letztlich wachen Juristen als Formulierer und Vollstrecker darüber, dass die oben beschriebenen Gesetze eingehalten werden, vom Justizvollzug als dritter Säule einmal abgesehen.

Die christlichen Religionen haben sich im Laufe der Jahrhunderte entsprechend angepasst, nachdem der katholische Klerus noch im späten Mittelalter unsägliches Leid über Teile vorwiegend der unbelesenen Bevölkerung gebracht hatte. Selbst ein Astronom wäre der Willkür der Inquisition zum Opfer geworden, wenn er seine Erkenntnis, dass der Planet Erde nicht Mittelpunkt des Sonnensystems ist, nicht widerrufen hätte.

Viele Menschen in der BRD und in Europa wissen um diese Dinge. Doch viele von uns geben sich auch mit einer Worthülse zufrieden. Sie glauben zu wissen, was gemeint ist.

In Deutschland wird nicht akzeptiert, dass eine Frau hinter einem Mann zurückstehen muss. Das gilt auch für die Ehe. Beide Geschlechter sind vor dem Gesetz gleich, haben gleiche Rechte und gleiche Pflichten. Wer das nicht akzeptiert, der gehört nicht in die BRD, weil der Staat die Gesetze bestimmt, nicht die Kirche.

Andere Probleme ergeben sich bei der Beschneidung im Genitalbereich bei  beiden Geschlechtern aus religiöser Vorgabe. Nach deutschen ethischen Vorstellungen sollte die Person nach Erreichen der Volljährigkeit selbst entscheiden dürfen, ob sie einem solchen Eingriff bei sich zustimmt.

Das „Schächten“ soll nach behördlichen Vorgaben auf Schlachthöfen vorgenommen werden, keinesfalls auf Hinterhöfen in Wohnsiedlungen.

Der Bau von Minaretten stößt bei der Bevölkerung auf Widerstand, nicht die Errichtung von Moscheen. Wenn Minarette erlaubt werden sollten, dann mit Muezzin und / oder Lautsprecheranlage?

Gesetze können schnell geändert werden. Davor haben viele Angst. Sobald der Bevölkerungsanteil der Muslime einen gewissen Umfang erreicht hat, könnten geltende Machtverhältnisse per Gesetz völlig legitim gekippt und sogar ins Gegenteil verkehrt werden.
Wer heutzutage kontrovers diskutiert, sollte seine Argumente weitsichtig anlegen, zumal überall auf der Welt bürgerkriegsähnliche Brände entstehen. Aufstände, Massenmorde und Vertreibungen werden in den meisten Fällen von „Machtmenschen“ religiös unterlegt (bejahend oder verneinend), wenn  es darum geht, ihr Handeln als rechtmäßig vor „der Welt“ darzustellen. Darauf sei zu achten, nicht auf integrierte muslimische Bürger, die ihren Glauben still ausleben und nicht wie die IS einen Gottesstaat errichten wollen.

Es gilt: Wer die Staatsräson anerkennt, erfährt die Zustimmung der Religionsfreiheit durch das Grundgesetz. Und dies, meine Damen und Herren Zeitgenossen, sei auch Anhängern der AfD in ihr Tagebuch geschrieben.

 

 

 

 

Amos und das Fahrrad-Paradies

„Nicht  jeder Zeltbesitzer ist ein Nomade“

Opa Hermann und Amos waren wieder einmal mit dem Fahrrad und dem Anhänger unterwegs. Es war eine schöne große Tour bei herrlichem Sommerwetter.
„Das müssen wir ausnützen!“, hatte Opa Hermann gemeint.
Gesagt – getan.
Unterwegs kamen sie an einem riesigen Einkaufszentrum vorbei. In dessen unmittelbarer Nähe gab es ein großes Zelt, vor dem sich viele Menschen tummelten.
„Was ist denn da los?“, fragte das Piratenschaf, welches mit seiner Augenklappe, über die es noch eine Sonnenbrille geschoben hatte, aus dem Anhänger linste.
„Dort findet ein Zeltverkauf für Fahrräder statt! Der alte Bergmann wusste Bescheid, hatte er bereits von der „Aktion“ in der Sonntagsbeilage gelesen. „Wehalb verkaufen die Fahrräder in einem Zelt, sind das Nomaden? Haben die gar kein Haus, in welchem sie ihre Fahrräder verkaufen können?“, wollte der kleine Frechdachs nun wissen. „Doch, die haben Geschäftsräume. Hier in der Gegend hat es sich ergeben, dass die Schaulustigen lieber in einem Zelt nach günstigen Angeboten stöbern, als dass sie ein Geschäft betreten. In der Psychologie nennt man das „Schwellenangst“! „Wovor hat die Schwelle denn Angst? Und was für eine Schwelle?“, wollte das Piratenschaf jetzt wissen.
„Gemeint ist die Türschwelle“, klärte der alte Bergmann den Sachverhalt auf. „In einem Zelt gibt es keine Türschwelle, man flutscht rein in das Zelt und flutsch, ist man wieder draußen. Keine Ladenklingel, keine Ein-
gangstür, in den meisten Fällen auch keine Verkäufer in Sicht. Außerdem: bei einem Zeltverkauf muss man mitgemacht haben, glauben die Leute. Sie meinen, dass sie etwas verpassen, wenn sie nicht dabei gewesen sind. Außerdem denken sie, dass bei einem Zeltverkauf die Preise herabgesetzt sind. Das stimmt nicht in jedem Fall, denn zuweilen werden „Ladenhüter“ angeboten oder Sachen, die nicht umgesetzt werden konnten.

„Das sieht von weitem aus wie ein Flüchtlingslager“, meinte Amos. Als sie jedoch näher kamen, wedelte ein smarter Verkäufer mit bunten Prospekten herum und eilte herbei.
„Wir haben das, was Sie sich insgeheim schon immer gewünscht haben“, begann er das Gespräch. „Haben Sie ein Glück, dass wir uns heute kennenlernen! Nun dürfen Sie aber auch kurz etwas sagen!“
Amos sprudelte sofort los: „Also geträumt habe ich von einem schafgerechten Fahrradanhänger mit Haltevorrichtungen für zwei Kakao-flaschen, einen Werder Bremen-Wimpel und eine Kuscheldecke.“
„Wie bitte? Was soll das denn?“
Der Verkäufer wandte sich schnell ab und drückte anderen Passanten die Werbezettel in die Hand.
„Der wollte doch für uns dasein, sagte er doch“. Ein paar Tränchen kullerten unter der Augenklappe hervor. „War das ein Politiker?“
Opa Hermann unterdrückte ein Grinsen und versuchte krampfhaft, verständnisvoll ernst zu bleiben.
„Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, mein kleiner Freund, heutzutage müssen Erfinder ganz schnell viele neue Erfindungen machen, z.B. auch am Fahrrad. Früher waren die Fahrräder ein einfaches Fortbewegungsmittel mit einer nicht sehr wirkungsvollen Vorderradbremse, einem Dynamo für Lampe und Rücklicht, einem Gepäckträger und einer Fahrradklingel. Ach ja, und einen Sattel gab es auch noch. Fertig war der „Drahtesel“, wie das Gefährt spöttisch genannt wurde. Da die Leute in unserer Gegend fast alle ein Fahrrad besitzen, können die Fabriken kaum noch welche verkaufen. Deshalb muss ein so genanntes „High-Tech-Bike“ erfunden werden mit Scheiben- oder Trommelbremse, Bremskraftverstärker, Federung und 27 Gänge-Schaltung. Da ist dein Kakaohalter nichts dagegen!“
Amos stöhnte:“ Mir schwirrt`s im Kopf, was für eine komische Sprache!“

„Immer neuer, immer höher, weiter, besser, so funktioniert heute die Welt. In Wirklichkeit haben die Menschen wenig Ahnung vom Fahrrad. Und selber reparieren können sie es schon lange nicht mehr. Eine Schraube hat keinen Schlitz mehr, sondern eine  sternförmige Vertiefung. Ohne spezielle Werkzeuge kriegt man nicht einmal die Klingel festgezogen.

Im übrigen hast Du mit deinem Politiker-Vergleich gar nicht einmal so Unrecht: auch sie leben von dem, was sie schnell und überzeugend an „den Mann“ bringen können, wie ein Verkäufer. Nur geht es hierbei um gesellschaftspolitische Konzepte und Entscheidungen, nicht um Fahrräder.“

Amos, der seine Felle davonschwimmen sah, stampfte bockig mit dem rechten Vorderbein auf: „Und was passiert mit den alten Fahrrädern, Opa Hermann?“
Der zuckte mit den Schultern: „Na was wohl? Die werden an die Asylanten verschenkt oder wandern sofort in den Metallschrott“.

 

Der Wollene Erich, Amos und der Leithammel

„Wer Boss? Ich Boss? Danke Boss!“

Das Piratenschaf war den ganzen Weg von Plumps-Tüddeldorf bis zum Ledadeich im Trab gelaufen. Seine Wolle war durchgeschwitzt und etwas eingelaufen. Zwar spendeten die Bäume rechts und links der Straße etwas Schatten, doch der Durst quälte Amos zusehends. Seine Augenklappe war ihm über die Nase gerutscht. Er merkte es nicht einmal.

Er befand sich auf der Suche nach seiner geliebten Linda, die er auf einem der Ledadeiche vermutete. „Wer seiner Liebe folgt“, hatte Opa Hermann einmal zu Amos gesagt, „der muss auch etwas aushalten können!“ Daran musste das Piratenschaf gerade denken. Der Satz ergab plötzlich einen Sinn!

Als die Straße vor dem Deich scharf nach links führte, gewahrte Amos einen schmalen, asphaltierten Weg, der nach rechts  in die Gegen-richtung führte, stromaufwärts – wie sich später herausstellte. Der Weg schlängelte sich wie ein Kräuselband einer Gardinenborte am  Fluss entlang.

„Flüsse schlängeln sich wie Wege, die sie begleiten“, dachte Amos und fand, dass dies ein schönes Wortspiel sei, was er Linda unbedingt in einem Gedicht schreiben wollte, wenn er mal wieder im Mastkorb der „Cara Mia“ saß, dem 3/4 Vollschiff. Der Blick von oben auf das Meer war doch ein wenig eintönig.

Der Deich zur Linken war mit Weidedraht gegen den Weg abgegrenzt. Er diente Schafherden als Weidefläche. Hin und wieder waren Wollfetzen an den Drähten zu sehen. Das Gras war dicht über der Narbe abgefressen, und ein schafstypischer Geruch lag in der Luft.

Amos kam an zwei Gehöften vorbei, die auf ihn einen herunterge-kommenen Eindruck machten. Hühner und Gänse liefen über den Weg. Die Gänse beäugten das Schaf mit ihren hellblauen Augen misstrauisch, gaben aber watschelnd den Weg frei. Dann – nach einer weiteren Wegbiegung – gewahrte Amos in der Ferne eine Schafherde auf dem Deich. Sein Herz begann vor Aufregung zu pochen, sein Atem ging schneller. Ob Linda in dieser Herde zu finden war?

Beim Näherkommen bemerkte das Piratenschaf, dass mehrere seiner Artgenossen mit blauen Farbtupfern markiert waren, andere mit grünen und wiederum andere mit roten. Er konnte sich keinen Reim darauf machen.

Kurz entschlossen sprang Amos mit einem Satz über den Drahtzaun, der das Areal einfriedete. Er wunderte sich, dass die Herdentiere nicht einfach über den Zaun sprangen und wegliefen, denn der war nicht besonders hoch. Amos hatte  soeben die Deichkrone erklommen, als sich ihm ein großes älteres Schaf in den Weg stellte und ihn kritisch musterte. „Losung?“,  blökte das mächtige Wollbündel vor ihm, „wie heißt die Losung?“ Was sollte das denn? Die Aussprache des Riesenhammels war außergewöhnlich. Amos vermutete, dass es plattdeutsch war. Die Situation wurde bedrohlich. Ihm schlug unverhohlene Aggression entgegen. „Mi – Mi – Mist!“, stotterte das Piratenschaf, weil es seine Unsicherheit nicht verbergen konnte. Doch es kam völlig unerwartet für es. „Woher weißt du unsere Losung?“, wollte der Deichhammel nun wissen. Amos, der die Situation jetzt für sich nutzen wollte, warf sich in die Brust: „Da staunst du, was? Ich kenne jede Schafslosung. Ich bin nämlich ein berühmtes Piratenschaf, dass du es nur weißt!  Außerdem suche ich nach meiner Freundin. Sie heißt Linda! Ist sie hier bei Euch?“ „Ich bin Brutus“, antwortete der Angesprochene,“und hier der Leithammel!“

Amos deutete eine Verbeugung an: „Angenehm“, blökte er, „Amos , das Piratenschaf“. „Amos, Amos? Noch nie gehört“ , grunzte Brutus leicht genervt. „Was für ein Name! Das ist doch mehr ein Zustand als ein Name!“ „Am Ostufer der Leda“, erklärte der Besucher, „mein Erfinder hat mich so genannt, ein berühmter Werbestratege und Künstler aus Düsseldorf. Du kennst doch sicher Dietrich von Bern? Der heißt fast genau so, nur eben Dietrich von Düsseldorf und jetzt Ganderkesee!“ „Willst Du mich veräppeln?“, bellte der Leithammel wütend, obschon er kein Hund war.“ „Ich habe hier das Sagen und nicht du!“

Amos dachte in dieser Situation an Opa Hermann. Was hatte der noch über Leithammel gesagt? Wie war das noch? Hatte der nicht gesagt, man solle ihnen aus dem Weg gehen. Sie dienen nicht der Herde, sondern anderen, welche die Herdenmitglieder für sich ausnutzen. Amos konnte sich in dieser Situation nichts darunter vorstellen. Wenn die Losung „Mist“hieß, war das allenfalls ein schlimmes Vorzeichen, wahrscheinlich für noch mehr Mist?

Er wurde in seinem Gedankenwirrwarr unterbrochen:“Linda, sagst du, heißt deine Freundin?“, schnurrte Brutus auf einmal ganz freundlich. „Hier ist sie nicht, aber warte einmal, ich kenne einen Leithammel, der nicht weit von hier eine Herde anführt. Ich werde Erkundigungen einziehen und dir berichten, ob sie sich dort aufhält. Einstweilen sei mein Gast. Du bist sicher  weit gelaufen mit deiner Augenklappe und bist sicherlich hungrig und müde? Komm, iss mit uns und labe dich am saftigen Deichgras. Es ist genug für alle da“. „Mir ist der Appetit vergangen“, jammerte Amos und setzte sich die Augenklappe zurecht. „Außerdem haben deine Untertanen in die Küche geschissen, da musst du besser aufpassen! Das kann man doch gar nicht essen!“ „Och“,  entgegnete der Herdenboss, „der Deich ist sehr lang, und du musst immer von vorne essen, nicht von hinten!“ „Danke! Ich lege mich etwas zu den blauen Schafen, die sehen aus wie Wölkchen, die rotgetupften machen mich nervös.“ „Wie du willst, ich muss vorne mal nach dem Rechten sehen, bis später“.

Amos streckte alle Viere von sich und machte es sich so gemütlich, wie es auf der Deichkrone eben möglich war. Er schlief sofort ein und verfiel in wilde Träume. Er wurde im Traum von Leithammeln umzingelt, die ihn anblökten und die Losung wissen wollten. Sogar ein weiblicher Leithammel war darunter: „Losung, Losung“, erscholl es von Kreuz und Quer. Alle blökten wild durcheinander, und dann verspürte das Piratenschaf einen stechenden Schmerz in beiden Hinterläufen, wovon es aufwachte. Brutus stand rechts über ihm und grinste höhnisch. Amos sah an sich herunter. Er war gefesselt, ebenso seine Vorderläufe. „Darf ich vorstellen“, höhnte der Leithammel, aus welchem jetzt ein Leidhammel geworden war:“Amos, das Piratenschaf, Wollener Erich, Wollener Erich, Amos, das Piratenschaf“.

Erst jetzt bemerkte Amos einen finster dreinblickenden Mann mit einem oben gekrümmten Schäferstab in der rechten Hand. „Willkommen in der Herde“, sprach es aus dem Schäfer, „weißt du jetzt, weshalb die Losung „Mist“ heißt?“

Was man über AMOS, das Piratenschaf, wissen sollte

Erfinder des gefährlichen (zuweilen belämmerten) Piratenschafes ist Rainer Dietrich aus Ganderkesee. Er war schon mehrere Male mit seiner Idee in den Medien u.a. den Printmedien. Irgendwann machte der gebürtige Rheinländer mich zum Miterfinder. Nun ja, Geschichten müssen halt erfunden werden. Vielleicht ist der Begriff des „Findens“ treffender gewählt – obschon: lange suchen müssen Autoren nicht, wenn sie sich mit Begebenheiten ihres näheren und weiteren Umfeldes auseinandersetzen.

AMOS ist also von Piraten am Ostufer der Leda (Ostfriesland) aufgefunden worden. Sie nahmen das Lämmchen mit in der Absicht, es als lebende Verpflegung mit an Bord der „Cara Mia“ zu nehmen, die im Leeraner Hafen geankert hatte, um Tee zu verkaufen, ein Viermaster, dem der Besanmast abgefault war und der nun als 3/4 Vollschiff die Weltmeere bereist. Als sich aber herausstellte, dass AMOS die Piratensprache erlernte und als er größer wurde einen Volljob im Mastkorb des Großmastes ( das ist der zweite von rechts!) ausfüllte, wurde er von der Speisekarte gestrichen und direkt dem Käpten Hornblewer ( nicht mit „o“ – aus datenschmutz-rechtlichen Gründen ) unterstellt. Er wurde mit einer schwarzen Augenklappe versehen, damit er gefährlicher aussah. Alle Piraten tragen schwarze Augenklappen. Wir lernen daraus, dass sich niemand im Auge reiben soll, wenn er anstelle einer Hand einen Haken für die täglichen Verrichtungen bemüht.

Übrigens befindet sich AMOS ununterbrochen auf der Suche nach seiner Schafsdame „Linda“, die er bei einem späteren Landgang (die Ostfriesen wollen andauernd Tee kaufen!) auf einem Ledadeich kennengelernt hatte.

Amos war lange Zeit beim Patentamt angemeldet und geschützt als Markenname und als Stofftier. Wie es nunmal bei Krämerseelen so üblich ist: eine Verlängerung des Markenschutzes wird von Mal zu Mal teurer.

Es gibt bereits mehrere Piratengeschichten von Amos und seinen lieben, leider etwas schussligen Piratenfreunden, von Ibrahim, dem Kanonier der Cara Mia (er trägt als Zeichen seiner Würde ein Glasauge ) oder dem Smutje, der nicht kochen kann. Der Käpten ist übrigens publicity-geil. Das gehört heutzutage zum guten Ton. Wer am wenigsten auf die Beine stellt, der hat gute Chancen auf die Titelseite zu kommen. Na, bei welchem Presseprodukt wohl? Richtig!

Ob hier die eine oder andere Episode aus dem Fließtext veröffentlicht wird, wissen Rainer Dietrich und ich noch nicht. Es sind ja mehr oder weniger Märchen für Erwachsene und von daher wenig politisch???

Wieviel hier geschrieben sein wird, hängt davon ab,  ob und ggfls.wann uns eine Atombombe ins Haus kracht…

Wir wünschen diesen Zeilen eine freundliche Aufnahme!!

 

 

 

AMOS und die Wahlplakate

                 „Ich sehe was, was du nicht siehst“

„O nein … sieh da!“
Opa Hermann trat so kraftvoll auf die Rücktrittbremse seines Fahrrades, dass das gefährliche Piratenschaf fast aus dem Anhänger gefallen wäre.
„Da – an den Laternenmasten, werden die alle gesucht?“
Opa Hermann schaute auf die Wahlplakate, da gab es Kandidaten und Kandidatinnen zu sehen, den Kopf in nackensteifer Schräglage und wohlwollendem Grinsen neben einem „Kreuz im Kreis“.
„Blödsinn, AMOS (man hatte das Lamm seinerzeit am Ostufer der Leda gefunden, seither hieß das Piratenschaf eben AMOS), die suchen uns, nämlich in Form von Stimmen für die kommende Bundestagswahl. Leider wissen viele Menschen nicht, welche der Politiker ihre Interessen wirklich vertreten. Junge Leute interessieren sich nur schwach für Politik und wenn man so ein Porträt sieht – vielleicht nützt es?
Das Piratenschaf hatte sich seine Kuscheldecke so über sein Köpfchen gezogen, dass es wie ein mittelalterlicher Mönch darunter hervor lugte.
„Aber es ist doch schön, dass die Gemeinde diesen Leuten hier so ein schönes Foto auf Pappe spendiert hat. Die freuen sich doch sicher alle?“
Kopfschütteln!
„Nicht die Gemeinde und auch nicht die Partei hat das Geld wirklich aufgebracht, sondern letztendlich der Steuerzahler. Überlege doch mal: mit dem Geld – wobei die Werbewirkung ziemlich umstritten diskutiert wird – könnte zum Beispiel ganz vielen Kindern in Deutschland ein leckeres Schulessen mit vielen Vitaminen finanziert werden.“
„Und einer Flasche Kakao zum Nachtisch?“

Betroffen richtete der kleine Held den Strohhalm in seiner Kakaoflasche auf und nahm einen tiefen Zug seines Lieblingsgetränkes, wobei ihm eine spontane Idee kam, die er sofort loswerden musste.
„Wie wäre es, wenn mein Bild auch dazwischen hinge, weil ich doch immer WERDER BREMEN wähle – so mit weiß-grüner Augenklappe und Fan-Schal?
„So ein Quatsch! Du hast es mal wieder nicht verstanden“, wollte der alte Bergmann schon losdonnern, doch er hielt inne.
„Wenn ich das so recht überlege: ein echter Schafskopf mit Zugehörigkeitsbotschaft dazwischen? Weshalb eigentlich nicht? Das müsste die Demokratie doch vertragen, und dieser belämmerte Aspekt spricht sicher vielen aus der Seele“.
AMOS strahlte!
„Heißt das ein Ja?“
Opa Hermann bemühte sich, seiner Antwort einen diplomatischen Effekt beizugeben:„Zumindest nicht nein!“

Rainer Dietrich, Ganderkesee

Fehlende Weitsicht macht blind

Alt ist das Motto! Was kann ich als einzelner Mensch im politischen Alltagsleben an Situationen ändern, die mir Angst machen, meine Familie bedrohen?
Es wird weggeschaut, verdrängt, hinter vorgehaltener Hand gemunkelt, geflüstert, eine bescheidene Meinung geäußert: „Wie denkst du?“ Angst geht um, das wird im Alltagsleben deutlich, Unsicherheiten machen sich bemerkbar, sie gelten dem Arbeitsplatz, dem Frieden in der Familie, der Situation mit den Flüchtlingen aus den vielen Krisenregionen. Neuerdings geht die Angst vor einem Krieg um, der seit vielen Jahren an vielen Orten der Welt geführt wird. Die deutschen Bürgerinnen und Bürger waren bislang nicht direkt betroffen.

Das deutsche Volk ist in die Europäische Union eingebettet. Ein Sprichwort besagt: „wie man sich bettet – so liegt man!“

Der unpolitische Bürger liegt bequem, stiehlt sich aus der Verantwortung: eine Sprachfloskel, die in jüngster Zeit umgeistert, ist: „Keine Ahnung“, und damit wird ein neuer Satz begonnen. Überall fangen – vor allem junge Menschen – jeden zweiten Satz mit „keine Ahnung“ an, um dann doch noch ein Statement anzufügen – im Glauben, dass man aufmerksame Zuhörer findet, wenn man dem Gedanken vorausschickt, dass er von jemandem entwickelt wird, der keine Ahnung hat.

Das Wahlalter wurde von 18 Jahren auf 16 herabgesetzt. Offensichtlich finden die Bewerber um Mandate die Anzahl der Stimmen wichtiger als ihre Qualität, denn der Waschmittelreklame der Parteien, die vor den Wahlen für den Umsatz der Papierindustrie sorgen, messen sogar inzwischen „Berufsignoranten“ keinerlei Bedeutung mehr bei.

Ein Wahlprogramm, das zukunftsträchtig bereits im Vorfeld alle zukünftigen Probleme mit den dazugehörigen Lösungsmechanismen anbietet, wurde bisher in Deutschland noch nicht angeboten. Also bedient sich der Bewerberapparat z.B. der „Volksparteien“ mit Aussagen wie:“Die Armen müssen reicher werden“ oder „Gerechtigkeit für alle!“ Empfehlenswert wäre auch ein Wahlslogan mit dem Inhalt: „Ein Fußball in jede Wohnstube!“

Was inzwischen weltweit aus dem Ruder läuft, ist mit der Erkenntnis zu beschreiben, dass es zur Mode wurde, aus einem großen Staat viele kleine zu machen, nachdem der mühselige Versuch gelungen ist, aus vielen kleineren Einheiten eine große zu gestalten.

Fehlende Weitsicht macht blind, und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass inzwischen die Mächtigen dieser Welt blindlings auf der Weltkarte herumstochern, um Veränderungen nach ihrem Kalkül herbeizuführen. Macht, Privilegien und Kapital sind seit Jahrtausenden die Weltplagen, welche die Menschen in die kriegerischen Auseinandersetzungen führten. Dabei ist das Kapital einer Gesellschaft die Summe aller Fähigkeiten, nicht das Geld (Zitat J.Beuys).

Zwei der größten Machtblöcke, Amerika und Russland, verstricken sich mehr und mehr in ein Machtgerangel, das sich auch in der Europäischen Union bemerkbar macht. Man sollte nicht danach fragen, wer von den beiden Machtblöcken mehr provoziert. Momentan ist es die Nato. Die EU lässt sich mehr und mehr auf die „politischen Vorgaben der USA“ ein. Der „Weltpolizist“ riss mit der Zugehörigkeit der europäischen Staaten zur Nato kriegerische Schauplätze auf der Welt auf und machte somit nicht nur die Bundesrepublik Deutschland zu unkritischen Mitläufern. Die Verweigerung der Bundesrepublik an einer kriegerischen Beteiligung gegen den Irak (Bundeskanzler Schröder) stellt sich heute im Nachhinein als weitsichtige Entscheidung dar.

Plötzlich lief es wie ein Fieberschock durch Ägypten und Syrien. Dabei war es kein „Frühling“, der den Beteiligten zartes Grün bescherte, sondern der Start zu Revolutionen und Revolten. Warnende Worte vom ehemaligen Auslandskorrespondenten, „Scholl-Latour“, der die Länder bereiste und über Insiderinformationen verfügte, wurden in den Wind geschlagen. Der Ruf des „Westens“ nach „Demokratie und Freiheit“ wurde von den Aufständigen auf Fahnen geschrieben, auch wenn der größte Teil der Betroffenen weder schreiben noch lesen konnte.

Der Aufstand auf dem Maidan-Platz, die Revolution der Ukrainer, fand im Westen auf fast solidarische Zustimmung, leider mit den Folgen, dass völlig unsinnige Referenden im Sinne einer stillen Revolution, die Entwicklung der politischen Entscheidungen völlig auf den Kopf stellten und schließlich zur Annektierung der Halbinsel Krim an das russische Staatsgebiet führten. Menschen sollten mit weitreichenden politischen Veränderungen mittels eines Referendums vorsichtig umgehen. (Ein Referendum ohne 2/3 Mehrheit ist überdies völlig unsinnig, wie es der „Brexit“ jetzt beweist).

Die Vorgänge in der Ukraine führten dazu, dass die baltischen Staaten, Estland, Lettland und Litauen um ihre Sicherheit fürchten in der Ahnung, auch noch von Russland vereinnahmt zu werden. Schon kommt die Nato wieder ins Spiel. Die Forderung nach deutscher Beteiligung wird laut. Selbst die Polen ergehen sich in Angst um die Sicherheit ihrer Grenzen, eine Hysterie unbeschreiblichen Ausmaßes macht sich breit. Zu Polen sei vorsichtiges Verständnis angemahnt, denn dieses Land ist bereits vor dem Zweiten Weltkrieg 5 mal geteilt worden, und Russland war hieran beteiligt.

Angeblich sprechen sich 80 Prozent der Bevölkerung gegen das Handelsembargo gegen Russland aus und ebenso viele gegen das Säbelrasseln der Nato in den baltischen Staaten, wie es der Außenminister Steinmeier kürzlich formulierte. Und schon wurde er von Abgeordneten einer Volkspartei kritisiert. Mitlerweile lässt auch der Vizekanzler Gabriel mit Hinblick auf die Abgrenzung zur CDU solche Töne hören. Die Umfragewerte der SPD sind alles andere als berauschend.

Ein Volksbegehren mittels Unterschriften richtete sich gegen das von den USA eingebrachte Handelsabkommen TTIP, so dass selbst in den Entscheidungsgremien der EU Zweifel an der Art und Weise aufkamen, wie die Wirtschaftsmacht der USA mit ihren „Partnern“ umspringt zumal die Wenigsten über Kenntnisse des englisch/amerikanischen Wirtschaftsenglisch verfügen und die Verbreitung des Inhalts an Bürger und Medien von den USA unerwünscht war. Dies stellt eine typisch amerikanische Übergehensmethode der Bürger dar, die von kritisch eingestellten Menschen nicht hingenommen wurde.

Es wird allerhöchste Zeit, dass die Bunderepublik vertrauensfördernde Gespräche mit der russischen Führung aufnimmt. Es ist eine unsinnige Einstellung, man könne z.B. mit Präsident Putin keine verbindlichen Verträge abschließen. Ein Vertrag mit Russland könnte zum Inhalt haben, dass Russland die Grenzen Polens und die Selbständigkeit der baltischen Länder garantiert und die Nato aus den Gebieten verschwindet.

Feindschaft zu den USA muss nicht entwickelt werden, Kritik allerdings muss sich ein Staat, zumal er sich der Demokratie verschrieben hat, gefallen lassen. Größere Sorgen sollte der mündige Bürger sich wegen eines eventuellen Wahlsieges des Präsidentenanwärters Trump machen. Auf die Frage eines Journalisten während einer Wahlveranstaltung Trumps, wie er denn zum Ku- Klux- Klan stehe, antwortete dieser: „Ich kann nichts darüber sagen, ich kenne die Herren nicht!“

Hartmut T. Reliwette

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